Der tägliche Umgang mit Kranken und der strikte Hygieneplan verlangen dem Reinigungspersonal im Klinikum Annaberg einiges ab: hohe Sachkompetenz, Verantwortungsgefühl und psychische Belastbarkeit.

Mit Sachverstand und Feingefühl
-Abends nach 20 Uhr, OP-Trakt im Erzgebirgsklinikum Annaberg: Der letzte Patient ist ausgeschleust. Die Schwestern haben OP-Bestecke, Laken und Abdecktücher abgeräumt. Nun beginnt eine Mitarbeiterin der Wackler Service Group mit der Endreinigung. Sie wischt mit einer Desinfektionslösung Decken und Wände des OP-Saals sowie der Eingangs- und Ausgangsschleuse ab. Danach wird das Inventar desinfizierend gereinigt. Zum Schluss müssen sämtliche Fußböden sorgfältig mit Desinfektionslösung nass gewischt werden.
Schnell aber gründlich
Erst wenn der gesamte Bereich für den nächsten Tag vorbereitet ist, geht die Mitarbeiterin in die Schleuse und legt die Schutzbekleidung ab. „Der Einsatz der Reinigungskräfte muss mit der Arbeit der OP-Teams gut verzahnt werden, damit keine Leerläufe entstehen. Die ersten chirurgischen Eingriffe beginnen früh morgens um 8 Uhr. Zwar gibt es Tagespläne, doch lassen sich bei komplizierten Eingriffen nicht immer Verzögerungen vermeiden“, berichtet Gudrun Klose, geprüfte Desinfektorin und Vorarbeiterin. Für die Zwischenreinigungen und die Endreinigung setzt sie pro Tag drei Mitarbeiterinnen ein, die mit den hohen Anforderungen in diesem sensiblen Bereich bestens vertraut sind. „Der Einsatz erfolgt von 6 bis 20 Uhr in versetzten Schichten“, so die Vorarbeiterin. Die Arbeiten sind in möglichst kurzer Zeit, aber dennoch gründlich und zuverlässig unter strenger Einhaltung des Hygieneplans auszuführen. Dieser Anspruch gilt übrigens für das gesamte Objekt. „Die Ergebnisse müssen jederzeit einer unangekündigten Abklatschprobe durch die Hygieneschwester standhalten“, so Gudrun Klose.
Insgesamt 25 Mitarbeiter gehören zum Stammteam. Werden im OP-Bereich sowie im OP-Saal der Notaufnahme die Kräfte ganztags eingesetzt, so übernimmt in den anderen Bereichen jede Mitarbeiterin pro Schicht die Reinigung jeweils eines Funktionstrakts und einer Station. Wenn Not an der Frau oder am Mann ist, gibt es Unterstützung durch „Springer“. Sie kennen sich in vielen Bereichen des Klinikums aus und werden in Spitzenzeiten, aber auch bei Krankheitsfällen oder während der Urlaubszeit eingesetzt. Darüber hinaus arbeiten gegenwärtig drei Azubis im Klinikum.
Der Arbeitstag außerhalb der OP-Bereiche dauert von 5 Uhr früh bis 13 Uhr. „Beispielsweise beginnt eine Mitarbeiterin in der Notaufnahme. Dort werden zunächst die Abfälle getrennt in farblich gekennzeichnete Behälter eingesammelt. Anschließend müssen sämtliche Flächen mit ,Incidin plus‘-Lösung abgewischt werden“, erläutert die Vorarbeiterin. Ist die Notaufnahme picobello sauber, geht es auf einer Station weiter.
Freudige Ereignisse sind Höhepunkte im Alltag
Eine andere Kollegin reinigt frühmorgens zuerst die Röntgenabteilung. Anschließend ist sie auf der inneren Station im Einsatz. Außer Zuverlässigkeit und perfektem Know-how sind im Klinikdienst auch Organisationstalent, Taktgefühl und Einfühlungsvermögen gefragt. Gudrun Klose: „Die Reinigungsarbeiten dürfen Untersuchungen, Visiten und die Pflege nicht beeinträchtigen. Außerdem müssen die Mitarbeiter berücksichtigen, dass sie kranken Menschen begegnen.“ Ein paar freundliche Worte oder die Erfüllung einer kleinen Bitte können deren Zufriedenheit fördern.
Viel Flexibilität ist auch in den drei Kreißsälen erforderlich. „Es gibt Tage, an denen sie leer stehen.
Aber wir haben auch schon Entbindungen „am laufenden Band“ erlebt“, erzählt die Vorarbeiterin. Mitunter lässt sich ein neuer Erdenbürger besonders viel Zeit. Die Mitarbeiter müssen stets flexibel auf die jeweiligen Anforderungen reagieren. Trotz aller Hektik freuen sie sich aber, wenn ein gesundes Baby zur Welt gekommen ist.
Maschinen für große Flächen
Auf den Stationen mit insgesamt 365 Planbetten und in den öffentlichen Bereichen werden pro Woche jeweils drei pflegende und drei desinfizierende Reinigungen im Wechsel durchgeführt. In den Nasszellen ist indessen eine tägliche Desinfektion erforderlich. Sollte im Verlauf des Vormittags in einem Patientenzimmer ein kleines Malheur passieren, rufen die Schwestern die zuständige Mitarbeiterin zur Zusatzreinigung.
In den sensiblen Bereichen – dazu gehören die Notaufnahme, zwei Intensivstationen, der OP-Bereich sowie die komplette Kinderstation, die Wochenstation sowie die Intensivstation für Säuglinge – sind siebenmal pro Woche desinfizierende Reinigungsarbeiten erforderlich. Infektiöse Zimmer werden durch die Hygieneschwester gemeldet. Gudrun Klose: „Sie informiert uns detailliert über die Art der Infektion. Wir bereiten dann die erforderlichen Maßnahmen vor.“ Unter anderem werden dann Kittel mit Barrierefunktion, Mundschutz, Kopfbedeckung und Handschuhe angelegt. Auch müssen die Mitarbeiter infektiöse Abfälle gesondert in einem gekennzeichneten geschlossenen Behälter entsorgen. Ist die Infektionsgefahr abgeklungen, werden in dem betreffenden Zimmer sämtliche horizontalen und vertikalen Flächen mit „Incidin plus“-Lösung penibel desinfiziert.
Im Klinikum müssen Fußböden mit einer Gesamtfläche von 28.000 m2 gepflegt werden. Hilfreich ist dabei der Einsatz von zwei Taski-Scheuersaugautomaten. Doch selbst im Eingangsbereich und auf den Gängen können die Maschinen nicht ganz die menschliche Arbeitskraft ersetzen: „Ecken und andere unerreichbare Stellen reinigen wir manuell nach“, so die Vorarbeiterin. Besondere Sorgfalt ist auch bei der Pflege des Parketts in der Sporthalle der psychiatrischen Klinik erforderlich. Die Reinigung von insgesamt 18.300 m2 Glas wird in verschiedene Kategorien eingeteilt: „In allen sensiblen Bereichen reinigen wir die inneren Glasflächen alle vier Wochen, auf den Stationen einmal pro Vierteljahr“, erläutert Gudrun Klose. Die Griffbereiche von Fenstern und Türen werden indessen täglich desinfiziert.
Reinigungskräfte mit vielfältigen Anforderungen
In der Apotheke sowie im Verwaltungstrakt werden regelmäßig Unterhaltsreinigungen nach den üblichen Kriterien durchgeführt. Ferner gehören die Reinigung der Treppen im Parkhaus sowie gelegentliche Baustellenendreinigungen zu den Aufgaben des Klinikteams. In der Küche, die durch einen anderen Dienstleister bewirtschaftet wird, reinigt das Team der Wackler Service Group zweimal jährlich die Dunstabzugshauben. Gudrun Klose: „Die Fettabscheider und sämtliche Filteranlagen werden mit einem lebensmittelgerechten Fettlöser gereinigt.“
Die übrigen Klimaanlagen werden durch die technische Abteilung des Klinikums gewartet. Zuweilen erteilt die Klinikleitung aber dem Dienstleister Sonderaufträge für deren Reinigung. Zudem fallen über das Jahr Grundreinigungsarbeiten und Neubeschichtungen an. „Nichtbelegte Zimmer räumen wir in diesem Fall komplett leer. Danach scheuern, reinigen, neutralisieren und beschichten wir die Fußböden“, erklärt die Vorarbeiterin.
Pathologie nicht jedermanns Sache
Bei der Arbeit im Klinikum werden die Reinigungskräfte mit freudigen Ereignissen, aber auch mit Leid konfrontiert. „Das geht nicht spurlos an uns vorbei“, räumt die Vorarbeiterin ein. Häufig können aber Stimmungstiefs im Gespräch mit dem Team überwunden werden. So gut wie möglich werden die persönlichen Ambitionen und Belastungsgrenzen der Mitarbeiter beim Einsatz auf den Stationen und in den Funktionstrakten berücksichtigt. „Die Reinigung der Prosektur (Pathologie, Anm. d. Red.) und des Aufbahrungsraums zum Beispiel ist wirklich nicht jedermanns Sache“, gibt die Vorarbeiterin zu.
Deshalb setzt sie die Mitarbeiter dort nicht nach ihrem Ermessen ein: „Eine Kollegin hat diese Abteilung freiwillig übernommen. Zwei weitere sind damit vertraut und übernehmen diese Arbeit in der Urlaubszeit“, so Gudrun Klose. Das Team bestehe größtenteils aus langjährigen Mitarbeitern und die Fluktuation sei sehr gering.