Betrieblicher Umweltschutz Mit Ökoprofit sauber gespart

„Umweltschutz ist schön und gut, aber wer soll ihn bezahlen?!“. So oder ähnlich wird gerne argumentiert, wenn es um nachhaltiges Wirtschaften geht. Dabei zeigt das Beispiel der Hoffmann Service GmbH & Co KG, wie sich mit betrieblichem Umweltschutz richtig Geld sparen lässt.

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    © Hoffmann Service
    Jürgen Herberg, ESWE Versorgungs AG übergibt Hermann Janß, technischer Leiter bei Hoffmann Service einen Gutschein über 800 kg Erdgas.
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    Das Umweltteam von Hoff mann Service (v.l.): Kai Götl, Vorarbeiter und Si cher heitsfachkraft; Da niel Lün se, Ob jekt leiter; Hermann Janß, technischer Leiter; Ingrid Svinskas, Ob jekt leiterin und Betriebsratsvorsitzende; Gero Kühner, kaufmännischer Leiter, und Ge schäfts führer Frank Hanisch.

Mit Ökoprofit sauber gespart

-Wer weniger Kraftstoff verfährt, weniger Strom und Wasser verbraucht und weniger Müll produziert, spart einen ansehnlichen Betrag. Quasi nebenbei reduziert sich so der CO2-Ausstoß und ein umweltbewusster Unternehmer kann sich darüber hinaus über ein gutes Image bei Kunden und Bürgern seiner Gemeinde freuen.

Hoffmann Service wurde 2004 während der Vorbereitungen zur Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2000 auf das Projekt Ökoprofit Wiesbaden aufmerksam. Geschäftsführer Frank Hanisch: „Zu dieser Zeit konzentrierten wir uns auf unser QM-System. Doch es war schnell klar, dass Ökoprofit für uns interessant sein würde, denn die Weiterqualifizierung gilt auch als Vorstufe für eine Ökozertifizierung.“ Durchgeführt wird das Projekt vom Umweltamt der Stadt. Sie unterstützt damit nach dem Vorbild von Graz und München (siehe Kasten) Unternehmen, die ihren betrieblichen Umweltschutz verbessern wollen. Kooperationspartner sind die Industrie- und Handelskammer Wiesbaden, die ESWE Versorgungs-AG und die Klimaschutzagentur Wiesbaden e.V.. Die Beratungsgesellschaft Arqum betreute die Teilnehmer vor Ort im Betrieb.

Zunächst stellte Hoffmann Service ein „Umweltteam“ auf. Darin waren der Geschäftsführer, der kaufmännische und der technische Leiter, ein Objektleiter und eine Objektleiterin (gleichzeitig Betriebsratsvorsitzende) sowie ein Vorarbeiter (gleichzeitig Sicherheitsfachkraft). Alle anderen Mitarbeiter wurden schriftlich über die Teilnahme am Projekt informiert und für den bewussten Umgang mit Energie, Wasser und Reinigungsmitteln sowie die Mülltrennung sensibilisiert. In acht Workshops erarbeiteten die Teilnehmer unter Anleitung alle für den Betrieb relevanten Umweltthemen: Verankerung der Idee zur Umweltvorsorge; Vermeidung von Abfällen und Emissionen, Abfallmanagement; Energieanalyse; Gefährliche Arbeitsstoffe, Stoffstromanalyse Wasser; Rechtsaspekte.

Die Workshops fanden gemeinsam und – soweit möglich – auch bei den beteiligten Unternehmen statt, damit die Teilnehmer bei dieser Gelegenheit ihre Erfahrungen austauschen konnten. „Die professionelle Zusammenarbeit aller Kooperationspartner und der beteiligten Betriebe hat uns besonders gefallen. Die Workshops waren straff organisiert und qualifiziert vorbereitet, so dass sehr effektiv gearbeitet werden konnte“, sagt Hanisch.

Nach den allgemein gehaltenen Workshops folgte die Beratung vor Ort. Die externen Experten zeigten in vier halbtägigen Seminaren, wo das Unternehmen Kosten senken und die Umwelt entlasten kann. Dabei erklärten sie auch, wie es die rechtlichen Vorgaben des Umweltschutzes umsetzen muss. Folgende Vorschläge gab es für Einsparungen bei Heizung, Strom, Wasser und Abfall:

  • Einstellungen und technische Ausstattung der Heizungsanlage darauf überprüfen, ob sie den neuesten und damit effizientesten Möglichkeiten entspricht;Mitarbeiter auf energiesparendes Verhalten hinweisen;Zugluftstopper nach Dienstende vermeiden nächtliche Wärmeverluste.
  • Stromverbrauch auf Einsparmöglichkeiten durch den Einbau von Zeitschaltuhren und die Verwendung alternativer Leuchtmittel überprüfen.
  • Armaturen flächendeckend mit Perlatoren (wassersparenden Sieben) nachrüsten.
  • Kunden auf die Mülltrennung hinweisen; eigenes Restmüllaufkommen reduzieren und kleinere Restmülltonnen anschaffen.

Da Hoffmann Service in vielen dieser Bereichen bereits umweltbewusst handelte, war hier das Einsparpotenzial nur noch gering. Großes Potenzial lag dagegen im Fuhrpark. Die Analyse ergab, dass die Logistik verbessert und einige Strecken ganz vermieden werden konnten. Der Betrieb kam nach den Berechnungen mit einem Fahrzeug weniger aus. Frank Hanisch: „Wir haben daraufhin zwei unserer Dieselfahrzeuge verkauft und ein neues Erdgas-Fahrzeug angeschafft.“ Bei einem ökologischen Fahrertraining lernten zehn Mitarbeiter außerdem, wie sie kraftstoffsparend unterwegs sind. In den neuen Fuhrpark investierte das Unternehmen nach Abzug des Verkaufserlöses etwa 4.600 Euro. Der Betrag amortisiert sich bereits im zweiten Jahr nach der Anschaffung. Der Betrieb verringert den CO2-Ausstoß jährlich um 4.361 kg (entspr. dem Ausstoß eines Mittelklassewagen auf 22.000 km). Ein weiterer Handlungsschwerpunkt war die Gefährdungsbeurteilung im Umgang mit Gefahrstoffen und deren Schutzstufenklassifizierung gemäß Arbeitsschutzgesetz. Alle von Hoffmann Service eingesetzten Reinigungschemikalien wurden überprüft und eingestuft. Dort, wo es nötig war, wurden die Mitarbeiter nochmals hinsichtlich Dosierung und Umgang geschult. „So können wir auch für die Zukunft sicher sein, einerseits unsere Mitarbeiter vor Gesundheitsgefahren zu schützen und andererseits die Umwelt nicht unnötig zu belasten“, erklärt Geschäftsführer Frank Hanisch und betont, „auch auf eine eventuellen Überprüfung durch die Berufsgenossenschaft sind wir deshalb gut vorbereitet.“

Doch nicht nur die bezifferbaren Erfolge waren dem Unternehmen wichtig. Hanisch: „Gerade die Denkanstöße und der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten waren überaus interessant und lassen uns auf eine nachhaltige Wertschöpfung hoffen.“ Die vom Unternehmen angestrebte Zertifizierung nach DIN EN ISO 14.001 oder EMAS wird aufgrund der jetzt guten formellen Voraussetzungen schneller erarbeitet werden können. Die intensive Beschäftigung mit Ökologie über einen Zeitraum von einem Jahr trage auch nachhaltig dazu bei, dass die Mitarbeiter Routine im Umgang mit der Materie gewinnen, so der Geschäftsführer. Da das Unternehmen von Nutzen und Erfolg von Ökoprofit überzeugt ist, hat es sich entschlossen, am Ökoprofit-Klub teilzunehmen, bei dem sich ehemalige Projektteilnehmer regelmäßig treffen. Übrigens: Die Betriebe sparten zwischen 750 und 620.000 Euro jährlich. Die kleinen und mittleren Betriebe mit bis zu 100 Mitarbeitern haben im Schnitt über 18.000 Euro pro Jahr eingespart, Betriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern über 100.000 Euro. Umweltschutz ist also nicht nur schön und gut, er lohnt sich auch. Weitere Infos über Ökoprofit sowie Ergebnisse der teilnehmenden Unternehmen im Detail unter www.wiesbaden.de/oekoprofit.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de