Geschäftsfeld Privathaushalt Markt mit Potenzial

Gebäudedienstleister sind üblicherweise vor allem in gewerblich genutzten Objekten aktiv. Immer mehr Unternehmen der Branche bieten mittlerweile aber auch Reinigungs- und andere Dienstleistungen in Privathaushalten an. Ein vielversprechender Markt, der nur erschlossen werden muss?

Reinigung und andere Dienstleistungen in Privathaushalten: Einer Studie zufolge liegt das Marktpotenzial bei mehr als drei Millionen weiteren Kunden, die Arbeiten rund um Haus und Garten auf legalem Weg beauftragen. Bild: Konstantin Yuganov/Fotolia - © Konstantin Yuganov/Fotolia

Die Voraussetzungen klingen gut: Immer mehr Menschen
wollen oder können sich nicht (mehr) um die Reinigung ihrer Wohnung oder andere Aufgaben rund um Haus und Garten kümmern – allein Lebende mit höherem Einkommen ebenso wie Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, oder ältere Menschen, denen vieles nicht mehr so leicht von der Hand geht wie früher. Bereits jetzt lebt in jedem dritten Haushalt mindestens eine Person über 65 Jahren. In zehn Jahren wird jeder vierte Deutsche älter als 65 Jahre sein, 2060 ist es den Prognosen des Statistischen Bundesamts zufolge jeder dritte. Auch der Anteil der über 80-Jährigen wird in den kommenden zehn Jahren stark steigen.

Fast jeder zweite Ältere wünscht sich Unterstützung

„Ältere interessieren sich für Angebote im Bereich haushaltsnahe Dienstleistungen“, weiß Dr. Andrea Kofler, Dozentin am Institut für Facility Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die sich auf den Bereich Consumer-Facility-Management spezialisiert hat. Gemeint ist die Steuerung von Dienstleistungsprozessen rund um das Wohl-ergehen von Privatpersonen. Fast jeder zweite Ältere (44 Prozent) könnte sich Unterstützung durch Dritte im Alltag vorstellen, nahe ebenso viele ältere Menschen (40 Prozent) würden explizit Reinigungsdienstleistungen begrüßen – auch, um die Angehörigen zu entlasten, erklärte Dr. An­drea Kofler beim Branchenkongress Zukunftsforum Gebäudedienste 2014 in Stuttgart.

Facility Management im Privathaushalt

Die Einsatzmöglichkeiten im Umfeld von Privathaushalten sind vielfältig. Klassische Wohnungsreinigung gehört ebenso dazu wie Glasreinigung, Wäscheservice, Winterdienst, kleinere Reparaturen und andere handwerkliche Tätigkeiten, technische Services, Gartenpflege oder Hol- und Bringdienste. Auch ergänzende Angebote im Bereich Betreuung oder Hausaufgabenhilfe sind denkbar – ganz nach Bedarf der Auftraggeber. Wichtig für Anbieter von Dienstleistungen sei ein individualisiertes Konzeptionieren von Nachfrage, betont ZHAW-Dozentin Andrea Kofler. Eine Voraussetzung dafür: „Anbieter müssen individuelle Kundenbedürfnisse verstehen lernen.“

Im Fokus: Haushalte mit hoher Zahlungsbereitschaft

Rund 3,1 Millionen Haushalte beträgt das legale Marktpotenzial für haushaltsnahe Dienstleistungen laut einer Studie des Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos – zusätzlich zu den rund 1,7 Milllionen Haushalten, die Arbeiten rund um Haus und Garten bereits jetzt auf legalem Weg beauftragt haben.  Aus Sicht der Autoren der Studie („Dynamisierung des Marktes haushaltsnaher Dienstleistungen“, 2012) besonders interessant: erwerbstätige Eltern mit größerem Nachfrageumfang und höherer Zahlungsbereitschaft sowie gut situierte 40- bis 59-jährige Singles mit ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein. Immer mehr Menschen leben mittlerweile alleine. Aktuell liegt der Anteil der Einpersonen­haushalte laut Statistischem Bundesamt bei rund
40 Prozent – das sind 16 Millionen Haushalte in Deutschland.

Bislang von Schwarzarbeit geprägt

Gebäudedienstleister sind allerdings nicht die einzigen, die Privathaushalte in den Blick genommen haben. Auch spezialisierte Anbieter von haushaltsnahen Dienstleistungen, selbstständige Einzelkämpfer, soziale Dienste oder Pflegedienste, Handwerker unterschiedlicher Art und auch ehrenamtliche Unterstützer bieten ihre Hilfe an. Vor allem aber: Haushaltsnahe Dienstleistungen sind in weiten Teilen von Schwarzarbeit geprägt. Der Prognos-Studie zufolge werden in Deutschland rund zwei Drittel der Arbeiten rund um Haus und Garten am Staat vorbei erbracht. Insgesamt nahmen im Jahr 2010 rund 4,9 Millionen (zwölf Prozent) aller Haushalte – vor allem solche mit höherem Einkommen sowie ältere Menschen – haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch, für durchschnittlich 4,5 Stunden pro Woche. Von den 1,7 Millionen Haushalten, die Leistungen auf legalem Weg bezogen, haben nur 450.000 ein Unternehmen beauftragt. In rund 700.000 Haushalten war die Hilfe als Minijobber angemeldet, in weiteren 500.000 wurde mit Rechnung gearbeitet. Der durchschnittlich bezahlte Stundenlohn: 9,60 Euro.

Eine Herausforderung: Die Preisgestaltung

Lediglich zehn Prozent der Haushalte sind bereit, mehr als elf Euro pro Stunde zu bezahlen. Das macht es schwierig für Dienstleistungsunternehmen, in dem Segment Fuß zu fassen. Der Studie zufolge sind Preise von rund 20 Euro erforderlich, um marktkonforme
(Netto-)Löhne sozialversicherungspflichtig Beschäftigter bezahlen zu können. Einer der Vortei­le, den Gebäudedienstleister her­­­aus­­stellen können, ist ihre Or­ga­­nisationsstruktur. Sie stellt nicht nur eine gute Er­­reich­bar­keit für (private) Kunden und ihre Anliegen sicher. Die beauftragten Arbeiten können zum Beispiel auch dann ausgeführt werden, wenn die ge­­­wohnte Reinigungskraft einmal ausfällt, oder jederzeit durch Zusatzservices ergänzt werden. Gut zu wissen ist auch: Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit sind für die Auftraggeber haushaltsnaher Dienstleistungen laut Studie besonders wichtige Qualitäts- und Auswahlkriterien. Wer dem Rechnung trägt und zugleich exzellente Leistungen bietet, kann weitere Pluspunkte sammeln.

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Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de