Beim diesjährigen Bundesleistungswettbewerb im Gebäudereiniger-Handwerk setzten sich die beiden weiblichen Teilnehmerinnen an die Spitze – sie machten die ersten Plätze unter sich aus. Aber auch die männlichen Bewerber überzeugten insgesamt mit guten Leistungen.
Mädchen setzen sich durch
-Acht junge Gesellinnen und Gesellen traten am 12. Oktober 2007 zum diesjährigen Bundesleistungswettbewerb der besten Gebäudereiniger-Gesellen an. Prüfungsobjekt war dieses Jahr das Gebäude der Vattenfall Europe Mining AG & Vattenfall Europe Generation AG / Co. KG in Cottbus, dessen sehr moderne und ausgefallene Architektur die Prüflinge vor große Herausforderungen stellte und ihnen einiges Know-how abverlangte.
Jeweils in Teams mit zwei Prüflingen waren die Prüfungsgebiete Glas- und Fassadenreinigung, Wand- und Oberflächenreinigung, Teppichreinigung und Hartbodenreinigung zu meistern. Dabei bewiesen die Kandidaten, die aus den jeweiligen Wettbewerben ihres Bundeslandes bereits als Landessieger hervorgegangen waren, dass sie den an sie gerichteten Herausforderungen gewachsen waren.
Anspruchsvolle Fassadenreinigung
Besonders die Außenfassade samt ihrer Glasflächen stellte hohe Anforderungen, denn es galt, eine teils gebogene, fast turmartige Fläche, dem markanten Wahrzeichen des Gebäudes, bei doch schon sehr herbstlichem und regnerischem Wetter zu reinigen. Unter Einsatz moderner Hubtechnik, mit bis zu 20 m Arbeitshöhe, konnten die Teilnehmer die vorgesehenen Glasflächen an der Außenfassade und die Unterseite des Gebäudevorsprunges und deren Verblendung fachgerecht reinigen.
Kaum einer der Kandidaten hatte schon einmal Gelegenheit, solche Hubtechnik zu bedienen. Also musste jeder, der sich auf 20 m Höhe begab, erst einmal in die Bedienung der Hubtechnik eingewiesen werden, bevor man sich mit Einwäscher, Fensterleder und Abzieher seiner eigentlichen Tätigkeit an den Glasflächen beschäftigte. Zur Bewertung selbst standen Kriterien wie: Arbeitsweise, die gesamte Ausführung und natürlich das Ergebnis, was aber für die Landessieger kein Problem darstellte. Kleinere Windböen in luftiger Höhe störten anscheinend keinen Teilnehmer – sie absolvierten trotz der Wetterumstände erfolgreich ihre Aufgaben. Dabei bewiesen insbesondere die Prüferin Michaela Peters und der Prüfer Stefan Junghans Wettertauglichkeit und Durchhaltevermögen.
Trockensanierung Parkettboden
Im Veranstaltungssaal des Gastgebers, dem Saal „Barbara“, galt es, den Parkettboden zunächst abzuschleifen und später neu zu beschichten. Hierbei kam es insbesondere auf die Handhabung der Maschinen und die Gleichmäßigkeit des Ergebnisses an. Der kreisförmig verlegte Parkettboden im Zentrum des Saales wurde einer Trockensanierung unterzogen. Die Fläche wurde gleichmäßig unter Verwendung spezieller blauer Pads bearbeitet, um die vorhandene aufgebrachte Schutzschicht zu entfernen. Nach Bearbeitung der Oberfläche wurde der anfallende feine Holzstaub gründlich entfernt, um für die weiteren Arbeitsgänge entsprechende Voraussetzungen zu schaffen. Das Parkett zeigte sich nun im Rohzustand und auf die gesamte Fläche sollte eine neue Einpflege in zweifacher Ausführung aufgebracht werden. Zur Einpflege selbst mussten alle Kandidaten mit Hand anlegen, um die Fläche gleichmäßig deckend und zügig zu bearbeiten. Als Ergebnis stand eine schöne matt glänzende Oberfläche des Parketts, die dem Raum eine eigene optisch abgerundete Note verlieh. Prüferin Susanne Selbrede und Prüfer Norbert Jung sowie alle Wettbewerbsteilnehmer freuten sich über das gute Ergebnis, das ohne nennenswerten Chemieeinsatz (Grundreiniger usw.) erzielt wurde.
Fleckenfreier Teppich
In den Besprechungsräumen im 1. Obergeschoss sollten dann die Teppichböden gereinigt werden. Bei dieser Station war entscheidend, dass die Arbeitsabläufe kontrolliert durchgeführt werden und der Teppich insbesondere für den Hausherrn auch wieder nutzbar ist. Natürlich sollten die Teppiche auch nach der Behandlung fleckenfrei sein. Vor Beginn der Prüfungsaufgabe legten die Teilnehmer geeignete Verfahren fest, um eine schonendem fachgerechte Reinigung des Teppichbodens durchführen zu können. Hier waren die Teilnehmer mit ihrem Fachwissen gefragt – Eigenschaften, Strukturen, Fasergebilde, Verlegung, welche Behandlung bzw. Bearbeitung kommt zum Ansatz, all diese Dinge müssen Berücksichtigung zur Reinigung eines Teppichbodens finden. Von unseren Junggesellinnen und Junggesellen konnte auch diese Aufgabe mit Erfolg bewältigt werden, als Ergebnis zeigte sich ein einheitlich farbenfrischer und sauberer Teppichbodenbelag.
Herausforderung Trennwände
Auch die spezielle Oberfläche der Trennwände in den Besprechungsräumen war eine nicht alltägliche Aufgabe für die Gesellen. Die verwendeten Baustoffe bedurften einer sehr vorsichtigen und speziellen Behandlung. Fachwissen der Kandidaten war gefragt, sorgfältige Auswahl geeigneter Arbeitsmaterialien und der Einsatz schonender Reinigungs- und Pflegemittel, abgestimmt auf die zu bearbeitenden Werkstoffoberflächen, standen im Vordergrund. Eine schlierenfreie saubere Oberfläche konnte man nach der Behandlung durch die Wettbewerbsteilnehmer gut ersehen. Für die Prüfer war es eine angenehme Aufgabe, entsprechende Wertungspunkte zu erteilen. Am Ende des Prüfungstages waren alle Beteiligten glücklich, eine Prüfung auf die Beine gestellt zu haben, die den Gesellen in ihrer Arbeit und in ihrem Leistungsstand gerecht wurde. Die Entscheidung viel nach langer Beratung der Prüfungskommission dementsprechend sehr knapp aus.
Meistertitel als nächster Schritt?
Nach einem langen, fairen und spannenden Wettkampftag versammelten sich dann Prüflinge, Prüfungskommission, Vertreter des Bundesinnungsverbandes und der Landesinnung Brandenburg-Ost sowie zahlreiche Persönlichkeiten im Hotel Radission SAS zur Siegerehrung. Der stellvertretende Bundesinnungsmeister Horst Stippschild betonte in seiner Rede, er finde es sehr erfreulich, „dass auch dieses Jahr wieder Kandidatinnen angetreten seien, die für die steigende Zahl junger Frauen stünden, die sich für den oft auch körperlich anspruchsvollen Beruf des Gebäudereinigers entschieden hätten.“
Er führte zudem weiter aus, dass „die Gesellinnen und Gesellen des Gebäudereiniger-Handwerks in einer anspruchsvollen dreijährigen Ausbildung auf ihre Rolle als Handwerker und Dienstleister vorbereitet würden.“ Dabei ermutigte er die Kandidaten, „noch einen Schritt weiter zu gehen und die Karriereleiter noch ein Stück weiter zu erklimmen. Zu einem Gebäudereiniger ihres Schlages gehöre nach wie vor der Erwerb des Meistertitels.“ Dann wurden die Platzierungen verkündet. Zuerst rief Horst Stippschild alphabetisch die Kandidaten auf, die keinen der ersten drei Plätze erzielten: Marcel Bittroff (Hessen), Alexander Bleichroth (Mecklenburg-Vorpommern), Juri Gomer (Nordrhein-Westalen), Sebastian Grohs (Sachsen) und Jose-Patrico Salvador-Tamares (Bayern). Sie erhielten eine Urkunde und einen Geschenkgutschein.
Schließlich ehrte Horst Stippschild Michael Große (Brandenburg) mit dem dritten Platz und einer Siegerprämie von 500 Euro. Für den zweiten Platz erhielt Melanie Hinthal (Hamburg) eine Siegerprämie von 1.500 Euro. Darüber freute sie sich besonders, denn das Geld wird in die Meisterausbildung investiert. Und auch dieses Jahr hat wieder eine junge Gesellin das Rennen gemacht. Die diesjährige Siegerin des Bundesleistungswettbewerbes heißt Antonia Eckert (Niedersachsen), die für ihren Sieg eine Prämie über 2.500 Euro bekam.
Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks