»Roboter gewinnen an Bedeutung. Aber wollen wir sie auch als ›Family Manager‹?«
Künstliche Intelligenz
Ist das der Durchbruch? Ein Roboter, seine Entwickler nennen ihn unspektakulär PR2, faltet Handtücher! Rund 20 Minuten braucht er. Für ein Handtuch.
Na ja, werden Sie sagen. Ein Handtuch falten, nichts leichter als das! Ein Mensch überlegt da nicht lange - und in 20 Minuten sind 20 Handtücher durchaus möglich. Zumindest, wenn man einige Übung hat.
Was ist dann so erstaunlich an dieser Roboterleistung? Im menschlichen Gehirn laufen vor dem banalen Vorgang des Handtuchfaltens komplizierte und komplexe Berechnungen ab. Dreidimensionales Sehen, Erkennen und Verstehen sich verändernder Formen und Lernfähigkeit - das sind die Voraussetzungen, um diese Aufgabe erledigen zu können. Sonst wird es nichts mit dem Falten. Und genau diese drei Fähigkeiten haben US-Forscher dem Roboter erstmals einprogrammieren können. Deshalb feiern sie PR2 mit einiger Berechtigung als einen Schritt hin zur künstlichen Intelligenz.
In Zukunft könnten Roboter völlig neue Aufgaben übernehmen, zum Beispiel in der Industrie. Und: Der bei vielen Menschen gehegte Wunschtraum, lästige Hausarbeiten wie Fensterputzen oder Staubsaugen von einem Roboter erledigen zu lassen, könnte nach Ansicht der Wissenschaftler schon bald Realität werden.
Mich persönlich erschreckt das Szenario Haushaltsroboter, und es scheint mir so wenig erstrebenswert wie realistisch. So wenig realistisch wie Prognosen, die seit Kurzem die Runde machen: So ist in der Lündendonk-Studie 2011 mit Blick auf die wachsende Bedeutung der Robotik auch zu lesen, dass bei Facility-Management-Dienstleistungen im Jahr 2020 in Privathaushalten ein enormes Wachstumspotenzial bestehe. Service-Roboter werden demnach „komplexe Aufgaben (...) in privaten Haushalten, später auch in anderen Branchen“ übernehmen; FM-Dienstleister erhielten dadurch Wettbewerb durch Roboterhersteller.
Was für den industriellen Bereich durchaus richtig sein und auch Märkte verändern kann, scheint für den Privathaushalt, bei allem Respekt für die Zukunftsforscher, doch sehr weit hergeholt. Die Branche hat sich lange vergeblich um die Privathaushalte bemüht, mitterweile haben sich die großen Facility-Management-Dienstleister viel breiter aufgestellt. Was nicht heißen soll, dass sie neue Märkte nicht erkennen und versuchen werden, sie strategisch zu erschließen. Dafür ist die Branche zu innovativ.
Aber Privathaushalte, Robotik hin, Robotik her, werden für FM-Dienstleister auch in Zukunft nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Es sei denn, FM steht für „Family Management“, wie eine Kollegin auf der FM-Messe in Frankfurt am Main ironisch kommentierte.
Ihr Peter Hartmann
