Förderprogramme für den Mittelstand Krisen- und Liquiditätshilfen

Beratungsprogramme für Existenzgründer, wie KMU-Unternehmensberatungen, Gründungs- und Wachstumsfinanzierungen oder Meistergründungsprämie sind bekannt. Doch wie sieht es mit Initiativen oder mit speziellen Programmen für die Liquiditätshilfe aus? Ein Überblick.

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    Die KfW-Mittelstandsbank ist ein wichtiger Ansprechpartner in Fragen der Förderung.
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    © Förderdatenbank/Bund
    Über Förderprogramme in der Förderdatenbank des Bundes gebündelt informieren.
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    © Jobstarter
    Jobstarter ist ein Ausbildungsstrukturprogramm des BM für Bildung und Forschung und des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Krisen- und Liquiditätshilfen

-„Gründer und kleine Unternehmer schaffen viele Arbeitsplätze. Sie haben aber immer noch Probleme, für ihre Investitionen Kredite zu erhalten“, war in einer Mitteilung der KfW-Bankengruppe zu lesen. Und die Sprecherin des Vorstandes der KfW-Bankgruppe, Ingrid Matthäus-Maier, schrieb in einem Beitrag im Internetauftritt des DIHK, dass ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter einer Million Euro statistisch gesehen fünfmal häufiger ein Nein von seinem Kreditberater hören müsse als ein Unternehmen mit über 50 Millionen Euro Umsatz. Und es sei auch ein Problem, dass rund die Hälfte der Mittelständler und Handwerker für eine Investition keinen oder höchstens einen Kontokorrentkredit bei ihrer Hausbank eingeräumt bekäme.

Maßnahmenpaket der KfW-Mittelstandsbank

Dagegen, und damit auch gerade kleinere Unternehmen leichter einen Kredit bekommen, hat die zur KfW-Bankengruppe gehörende KfW-Mittelstandsbank ein Maßnahmenpaket ins Leben gerufen, das in unterschiedlicher Weise mittelständischen Unternehmen unter die Arme greifen wird. Sechs Elemente gehören zu dieser Initiative. Zwei von ihnen seien hier kurz skizziert: Bisher wurden Existenzgründer und junge Unternehmen mit kleinem Kapitalbedarf durch die KfW-Mittelstandsbank-Programme „StartGeld“ und „Mikrodarlehen“ unterstützt. Beide werden ab 2008 zusammengefasst und verbessert. Ferner wird die Bank eine, so die Formulierung, umfängliche Risikoübernahme anbieten. Hierfür strebt sie eine Absicherung über den Europäischen Investitionsfonds an. Da die Einführung des verbesserten Gründerprogramms für 2008 geplant ist, wurden schon Anfang 2007 die Zinssätze in den Programmen „StartGeld“ und „Mikrodarlehen“ gesenkt, um bereits jetzt, so die Formulierung, eine deutliche Verbesserung zu erzielen. Ebenso wird sich die KfW-Mittelstandsbank den Kreditinstituten verstärkt als Risikopartner zur Verfügung stellen. Ziel ist es, auf diese Weise die Bereitschaft der Banken und Sparkassen zur Kreditvergabe an Mittelständler zu erhöhen. Seit Juli 2007 bietet die KfW-Mittelstandsbank den Kreditinstituten deshalb im „KfW-Unternehmerkredit“ an, 50 Prozent des Ausfallrisikos für Kredite an Unternehmen zu übernehmen, die mindestens zwei Jahre existieren.

Landesförderbanken

Vor einigen Jahren gab es lediglich bei einigen Landesförderinstituten, etwa in Baden-Württemberg bei der Landeskreditbank Förderbank und in Sachsen seitens der Sächsischen AufbauBank, Programme, die sich u.a. darauf konzentrierten, Konsolidierungen und Umschuldungen zu ermöglichen und sogar eine Neustartfinanzierung eröffneten. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert. Motto: Wer „unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist“ (LfA Förderbank Bayern), dem soll geholfen werden. Ziel ist es, diesen Unternehmen durch eine klare, gezielte Unterstützung zu ermöglichen, nach der Krisenbewältigung gesund am Markt zu agieren. Eine solche Maßnahme ist immer besser als Insolvenz, Arbeitslosigkeit und die sich daraus ergebenden Folgeprobleme und -kosten.

Der Akutkredit der LfA Förderbank Bayern richtet sich an Unternehmen, die sich z.B. aufgrund überhöhter kurzfristiger Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten oder Kreditinstituten in einer finanziellen Schieflage befinden. Voraussetzung, um entsprechende Unterstützung zu erhalten, ist ein schlüssiges Konsolidierungskonzept. Dies verlangt Vorschläge in den Bereichen Ursachen für die Schieflage, Konsolidierungsbeitrag des Unternehmers – etwa die Veräußerung nicht betriebsnotwendigen Vermögens – und der Hausbank (zwingend ist die Aufrechterhaltung des Kreditrahmens) sowie Erstellung einer realistischen Ertrags- und Liquiditätsplanung. Nicht gewährt wird der Akutkredit, wie es bei der LfA explizit heißt, bei Verlusten aufgrund unverhältnismäßig hoher Privatentnahmen und zu hoher Geschäftsführergehälter, bei Überschuldung des Unternehmens und bei der Notwendigkeit der Umschuldung langfristiger Darlehen.

„Um Ihnen als Unternehmen im Konsolidierungsfall eine möglichst umfassende Hilfe anzubieten, wird der Akutkredit ab sofort flexibler ausgestaltet“, hieß es. Im Zusammenhang mit der Konsolidierung wurden weitere Aspekte förderfähig. Hierzu gehörten auch Umschuldungen kurzfristiger Verbindlichkeiten – wie Umschuldungen aus dem Kontokorrent bzw. Umschuldungen sonstiger Verbindlichkeiten und von innerhalb eines Jahres fälligen Tilgungsraten sowie die Ablösung von Lieferantenverbindlichkeiten – und die Finanzierung von Betriebsmitteln zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit. Der Darlehenshöchstbetrag betrug 2006 für alle Laufzeiten des Akutkredits 1,4 Millionen Euro. Im August 2007 lag er schon bei 1,6 Millionen Euro.

„IBB Berlin Intakt unterstützt etablierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Konsolidierung und Überwindung von finanziellen Engpässen“, ist bei der Investitionsbank Berlin zu lesen. Auch hier ist eine der Voraussetzungen für die Bewilligung von Finanzierungsmitteln ein plausibles Konsolidierungskonzept. Die Angebote der Berliner decken unterschiedliche Maßnahmen und Aufwendungen ab, die dazu beitragen, die Existenz des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze zu sichern. Hierzu gehören u.a. Umstrukturierungsmaßnahmen zur Konsolidierung und Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, die Vorfinanzierung von Aufträgen, der Ausgleich von Forderungsausfällen und auch jener von vorübergehenden Umsatzeinbrüchen.

Bis 2003 gab ein Existenzgründungsprogramm der mittlerweile in der KfW-Mittelstandsbank aufgegangenen Deutschen Ausgleichsbank in bestimmten Situationen auch Liquiditätshilfe und stellte einen Betriebsmittelkredit bereit. Heute heißt ein analoges Instrument der KfW-Mittelstandsbank „Unternehmerkredit-Betriebsmittel“. Er dient, so die Bank, „der Finanzierung von Betriebsmitteln außerhalb von Investitionen und zum Ausgleich vorübergehender Liquiditätsengpässe“. Antragsberechtigt sind Existenzgründer im Bereich der gewerblichen Wirtschaft und der freien Berufe. Die Förderung erfolgt in Form eines zinsgünstigen Darlehens. Bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten können finanziert werden. „Die Finanzierung von Umschuldungen ist möglich.“ Der Darlehenshöchstbetrag liegt bei maximal 10 Millionen Euro.

Der neue Trend der Maßnahmen zur Krisenbewältigung und Liquiditätshilfe zeigt, dass mehr und mehr Landesförderbanken mittlerweile erkannt haben, dass finanzielle Hilfe in einer Notsituation nützlich ist. Es ist davon auszugehen, dass weitere Landesfördereinrichtungen entsprechende Programme auflegen werden, und bestehende Einschränkungen, dass seitens der Berliner etwa entsprechende Unterstützung Einzelhändlern nicht gewährt wird, fallen werden. „Tatsache ist aber auch, dass zurzeit nur rund ein Viertel aller Unternehmen in Deutschland ausbildet“, heißt es in der Broschüre „Das Ausbildungsstrukturprogramm Jobstarter“, die vom BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung im Juni dieses Jahres herausgegeben wurde.

Fördergelder durch Jobstarter

Um dies zu verbessern, wurde das Ausbildungsstrukturprogramm „Jobstarter – für die Zukunft ausbilden“ ins Leben gerufen. Es ist Bestandteil des zwischen Bundesregierung und Wirtschaft vereinbarten Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland. Jobstarter bündelt die Instrumente und Erfahrungen von fünf bisherigen Einzelprogrammen und erweitert sie um zusätzliche Themenschwerpunkte und Instrumente. Insgesamt stehen dafür bis 2010 Fördergelder in Höhe von 125 Millionen Euro zur Verfügung.

Projektdurchführende sind Kammern, Bildungsdienstleister, kommunale und regionale Einrichtungen und die Betriebe selbst. Bei der Ausbildungsplatzentwicklung legt die Initiative einen Schwerpunkt sowohl auf bisher ausbildende Betriebe, die sich aus der Ausbildung zurückgezogen haben, als auch auf ausbildungsunerfahrene Betriebe, die bislang noch gar nicht ausgebildet haben bzw. die zusätzliche Ausbildungsstellen zur Verfügung stellen könnten. Worin kann nun der Nutzen für den einzelnen Betrieb liegen? Ein Blick in die Bekanntmachung des BIBB vom 24. Mai 2007 zur Durchführung des Programms verdeutlicht, was dies heißen kann: Die vom Jobstarter-Programm geförderten Ausbildungsplatzentwickler (etwa eines Bildungswerkes) können Firmen bei der Auswahl geeigneter Bewerber unterstützen, sie sollen besonders erstausbildenden Unternehmen Unterstützung in rechtlichen Fragen sowie bei administrativen Tätigkeiten im Rahmen der Ausbildungsorganisation geben. Und sie können Betriebe ein Jahr lang u.a. bei der Umsetzung von Ausbildungssequenzen unterstützen.

Einige der laufenden Projekte haben auch den Ausbildungsberuf des Gebäudereinigers in ihrem Fokus. So unterstützt das in der Zielregion Potsdam und Potsdam-Mittelmark stattfindende Projekt „JumiZu – Jugend mit Zukunft“ die frühzeitige Kontaktaufnahme zwischen Schülern und Unternehmen. Im Arbeitsamtbezirk der Arbeitsagentur Reutlingen/Tübingen – Region Neckar-Alb wird „BASIS – Berufliche Ausbildung sichern und stiften“ durchgeführt. In diesem Vorhaben geht es u.a. darum, zur Unterstützung kleinerer Betriebe, die alleine nicht die geforderte Ausbildungstiefe anbieten können, einen Ausbildungsverbund aufzubauen. Hierbei richten sich die Projektaktivitäten auch auf den Bereich Handwerk. Hier sollen zusätzliche Ausbildungsplätze in vier Ausbildungsberufen geschaffen werden . Einer ist der des Gebäudereinigers.

Resümee

Der Gebäudereiniger sollte mindestens einmal im Jahr einen der in fast allen Bundesländern regelmäßig stattfindenden Informationstage für Wirtschaftsförderung besuchen und kontinuierlich in die Mitteilungen seines Fachverbandes oder seiner Kammer schauen. So wird er ab und an über ein neues Programm informiert, das ihm weiterhelfen kann. Und auch in Fällen, in denen der Betrieb in Schwierigkeiten ist, können manche Maßnahmen helfen. Es folgen dann zwar die weiteren, langwierigen und mühseligen Schritte: Formulare ausfüllen, eigene Unterlagen beibringen, Gespräche mit dem zuständigen Sachbearbeiter der Hausbank führen. Warten. Unterlagen nachliefern. Warten. Warten.

Doch: Auch wenn es länger dauert – auf zinsgünstige Darlehen, personelle Unterstützung und gar nicht rückzahlbare Zuschüsse sollte niemand verzichten.