Die Fassadenreinigung ist ein interessantes Segment, das aber eine fundierte Kenntnis von Baumaterialien und Reinigungs- sowie Konservierungstechniken voraussetzt. Deshalb ist der Einsatz von gut motivierten und regelmäßig geschulten Stammmitarbeitern erforderlich. Ein guter Draht zu Architekten und Denkmalpflegern gewährleistet eine stabile Auftragsdecke. Durch Synergieeffekte können mitunter Folgeaufträge generiert werden.
Kompetenz und Liebe zum Detail
- Nächtelang diskutierten Kommunalpolitiker, Denkmalpfleger und Architekten über eine Verjüngungskur für Halle (Saale), um die „graue Diva“ wieder in eine liebens- und lebenswerte Stadt zu verwandeln. „Das Stadtbild war total heruntergekommen, der Sanierungsbedarf immens“, erinnert sich Klaus Adams, als er 1990 die Geburtsstadt Georg Friedrich Händels besuchte. Der aus Rheinland-Pfalz stammende Gebäudereinigermeister hatte sich in Holleben vor den Toren Halles niedergelassen, um dort eine Filiale der Josef Adams GmbH, Neuwied, aufzubauen. „Ich begann allein und beschränkte mich zunächst auf Glas- und Unterhaltsreinigungen“, berichtet der Unternehmer.
In seiner Wahlheimat gelang es ihm schnell, einen Kundenstamm aufzubauen. Bald mussten Mitarbeiter eingestellt, Maschinen erworben und das Leistungsspektrum musste erweitert werden. Ende 1992 führte Klaus Adams die Filiale seines Vaters in einen eigenständigen Einzelbetrieb über und 1997 wurde das Unternehmen als Glas- und Gebäudereinigung Adams GmbH eingetragen. 1994 stieg er in die Fassadenreinigung ein. „In den neuen Bundesländern mussten jede Menge Häuser saniert werden“, erinnert sich der Unternehmer. Ihm war indessen bewusst, dass die Behandlung unterschiedlicher Baumaterialien viel Fachkompetenz und Fingerspitzengefühl verlangt. Deshalb ließ er sieben Mitarbeiter von der Firma Hagen H. Hartmann Haus + Bau in Kulmbach in der Anwendung des JOS-Niederdruck-Reinigungsverfahrens gründlich schulen.
Das A und O ist die Vorbereitung
„Wer glaubt, ohne jegliche Vorkenntnisse eine Fassade sanieren zu können, handelt blauäugig“, warnt Klaus Adams. Als Feuerprobe wurden dann die Muschelkalkgesimse der Hallenser Radiologischen Klinik im Rahmen einer Bietergemeinschaft gereinigt. Der Auftraggeber war sehr zufrieden, der Architekt und der Denkmalpfleger waren es auch. „In diesem anspruchsvollen Segment ist die Mund-zu-Mund-Propaganda von Architekten und Denkmalpflegern die beste Garantie für Folgeaufträge“, verrät Klaus Adams.
Das A und O für eine professionelle Fassadenreinigung ist die Vorbereitung: „Beim Besichtigungstermin vereinbaren wir grundsätzlich die Bearbeitung einer Probefläche“, unterstreicht Mike Wiehe, technischer Leiter. Je nach Material werden auf etwa anderthalb Quadratmetern unterschiedliche mechanische und chemische Reinigungs- oder - sofern vom Kunden gewünscht - auch Hydrophobierungsverfahren erprobt. Die Probefläche soll sich zwar an einer möglichst unauffälligen Stelle befinden. Um aber ein realistisches Reinigungsergebnis darstellen zu können, ist andererseits eine maximale Belastung durch Witterung, Emissionen und andere Umwelteinflüsse das wichtigste Auswahlkriterium.
Eine Probereinigung gewährleistet nicht nur dem Dienstleister juristische Sicherheit. Der Kunde hat auf diese Weise auch Gelegenheit, die Wirkungsweise unterschiedlicher Verfahren zu vergleichen und sich für eine Lösung zu entscheiden, die seinen Erwartungen entspricht. Erst wenn die Verfahrensweise genau abgeklärt ist, kalkuliert der Dienstleister den zu erwartenden Auftrag und erstellt ein Angebot.
Saubere Fassade als Imagefaktor
Eine fundierte Kenntnis der Materialien und ihrer Reaktionen auf chemische oder physikalische Belastungen ist unerlässlich: „Die Behandlung von Fassaden ist kein Job, den man im Akkord durchführen kann. Unsere spezialisierten Mitarbeiter müssen sowohl Interesse an historischen Bauten und Werkstoffen einbringen, als auch die neuesten Reinigungsverfahren und Reinigungschemie kennen. Mit jedem neuen Auftrag gewinnen sie an Erfahrung hinzu“, so Klaus Adams.
Vor der Einrichtung einer Baustelle muss sorgfältig abgeklärt werden, welche Anforderungen der Kunde an die Einrüstung stellt und ob diese mit den Vorschriften der Denkmalpflege und der Berufsgenossenschaft vereinbar sind. Viele Fassaden lassen sich von der eigenen fahrbaren Hebebühne aus gut reinigen. Mike Wiehe: „Mit eigener Hebetechnik können wir bis zu einer Arbeitshöhe von 21 Metern selbst reagieren. Sollten wir möglicherweise einmal mit der Reinigung einer höheren Fassade beauftragt werden, können wir in Kooperation mit einem Spezialbetrieb Alpinkletterer einsetzen.“
Die Chemie muss stimmen
Im Rahmen der Arbeitsvorbereitung muss gegebenenfalls auch die umweltgerechte Entsorgung von Chemikalien abgeklärt werden. So zum Beispiel bei der Reinigung von Glasfassaden. „Gerade Glasfassaden sind leider oft Stiefkinder“, plaudert der technische Leiter aus der Praxis. Den Kunden sei nicht immer leicht zu vermitteln, dass durch eine regelmäßige Glasreinigung auch der Wert des Objekts erhalten wird. „Auf Glasflächen lagern sich Kalk, Emissionen und andere Substanzen ab. Wenn die Intervalle zu lang sind, wird das Glas stumpf und unansehnlich. Der Arbeitsaufwand ist dann höher und unter Umständen müssen wir sogar teure Spezialreinigungschemie anwenden“, sagtt Mike Wiehe.
Auch für die Reinigung von Metallfassaden gibt es keine Patent-rezepte. Der Gebäudereiniger muss bei der Besichtigung vor Ort entscheiden, welches Verfahren anzuwenden ist. Metallpulverbeschichtete Flächen brauchen eine andere Pflege als farbbeschichtetes Metall. Ein wichtiges Entscheidungskriterium sind auch die Standortbedingungen.
Gibt es etwa im Umfeld viele metallverarbeitende Betriebe, kann Flugrost die Fassade stark belasten. „In solch einem Fall sind oft abrasive Mittel die Ultima Ratio. Wird aber zum Beispiel eine pulverisierte Blechfassade regelmäßig gereinigt, erreichen wir mit dem Einwischer unter Anwendung von pH-neutraler Chemie gute Ergebnisse“, erklärt Mike Wiehe. Je nach Material ist auch eine konservierende Behandlung der gereinigten Flächen empfehlenswert.
Soll eine verklinkerte Fassade gereinigt werden, sind oft auch eine Erneuerung der Fugen und unter Umständen sogar der Ersatz einzelner Steine erforderlich. Für Aufträge dieser Art hat Klaus Adams einen Maurer eingestellt, der neben seinem gelernten Handwerk auch bei Reinigungsarbeiten eingesetzt werden kann.
Auch die Graffiti-Entfernung gehört dazu
Schließlich gehört auch die Graffiti-Entfernung zur Fassadenreinigung. „Ist die reguläre Fassadenreinigung in der Regel planbar, so sind bei der Beseitigung mehr oder weniger schöner, aber nicht gewollter Kunstwerke mitunter Soforteinsätze notwendig“, berichtet Klaus Adams. Es sei schon vorgekommen, dass zu nachtschlafender Zeit zwei Mitarbeiter mit dem Kompressor ausrücken mussten, um ein Hakenkreuz von einem Brückenpfeiler zu entfernen.
Meistens sind es öffentliche Objekte, die von den Verunzierungen selbsternannter Künstler befreit werden müssen. Klaus Adams: „Es ist nicht absehbar, dass diese Unsitte aus der Mode kommt. Deshalb sind Graffiti-Entfernungen eine feste Größe in unserer Auftragsdecke.“ Zumindest, was Glas-, Metall- oder verklinkerte Fassaden anbelangt. Mineralputzfassaden, wie sie bei kleineren Objekten oder Eigenheimen üblich sind, werden in Absprache durch einen kooperierenden Malerbetrieb von aufgesprühten Dekoren befreit.
Ein Thema für die Zukunft ist die Reinigung von Photovoltaik-Anlagen und deren Befreiung von Schnee und Eis in den Wintermonaten. „Wir sind allzeit bereit. Aber bei den Betreibern muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden“, sagt Mike Wiehe.
In der Glas- und Gebäudereinigung Adams GmbH werden 20 bis 25 Prozent der Auftragsdecke mit Fassadenreinigungen abgedeckt. Zufriedene Kunden erteilen nicht selten Folgeaufträge wie die Reinigung, Sanierung oder Konservierung von Fußböden aller Art, die Grundstückspflege und viele andere Dienstleistungen. Damit das Team insbesondere in der Fassadenreinigung stets auf dem aktuellen Wissensstand ist, wird es regelmäßig über Baumaterialien, Reinigungsverfahren und Chemie, aber auch Sicherheit am Arbeitsplatz geschult. Klaus Adams: „Unsere Mitarbeiter müssen bereit sein, immer wieder etwas Neues dazuzulernen.“
Reinhard Wylegalla | heike.holland@holzmann-medien.de