Kenter: das Aus nach 50 Jahren

Im September 2023 meldete die Kenter GmbH, Handelshaus für professionelle Reinigungstechnik mit Sitz in Leipheim, Insolvenz in Eigenverwaltung an. Nach erfolgloser Restrukturierung hat der Gläubigerausschuss jetzt die Stilllegung beschlossen.

Nach gescheitertem Sanierungsvorhaben muss das Leipheimer Handelshaus für Reinigungstechnik im Jahr seines 50-jährigen Bestehens endgültig schließen. - © Kenter

Aufgrund des Zusammenwirkens mehrerer Umstände geriet die Kenter GmbH im Sommer 2023 in eine akute Liquiditätskrise und musste Insolvenz beantragen. Als Gründe für die Zahlungsschwierigkeiten führte Firmenchef Rainer Kenter damals unter anderem eine ausstehende Zahlung des Bundes in Millionenhöhe für einen Maskenverkauf in größerem Umfang an. Zudem seien zu den Belastungen durch die Covid-Krise hohe Anlaufinvestitionen in der Reinigungsrobotik und ein verspäteter Return of Investment hinzugekommen.

Infolgedessen beantragte die Kenter GmbH im September 2023 vor dem Amtsgericht Neu-Ulm ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, der Geschäftsbetrieb lief seither weiter. Nun aber ist die Sanierung des Leipheimer Handelshauses, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen hätte feiern können, gescheitert. Geschäftsführer Rainer Kenter vermeldete jedenfalls am 19. Mai per Newsletter: "Sie alle wissen, dass mein Unternehmen eine sehr schwere Phase durchgemacht hat. Es tut mir leid, Ihnen heute mitteilen zu müssen, dass wir es nicht geschafft haben, den letzten Schritt aus der Insolvenz zu gehen. Zu viele unterschiedliche Interessen im Hintergrund und daraus resultierende Entscheidungen, auf die wir keinen Einfluss hatten, haben letztlich dazu geführt." Auf Nachfrage ergänzt Rainer Kenter: "Unter anderem hat uns vor Ostern ein wichtiger Lieferant, mit dem wir über 45 Jahre zusammengearbeitet haben, ohne Vorwarnung und trotz Vorkasse die Belieferung eingestellt – sowohl was Maschinen betrifft als auch bei den Ersatzteilen. Der Businessplan, mit dem wir Anfang Mai aus der Eigenverwaltung wollten, war somit nicht mehr umzusetzen."

Kundensupport sei sichergestellt

Auf die von Rainer Kenter gegründete NextFM Robotics GmbH habe die Stilllegung der Kenter GmbH keine Auswirkungen, zumal das auf Reinigungsrobotik spezialisierte Unternehmen im Zuge des Insolvenzverfahrens vollständig an die Toussaint-Gruppe beziehungsweise die dahinter stehende Familie Jarolimeck verkauft wurde. NextFM Robotics werde auch den Support für die bisher von Kenter vertriebenen Reinigungsroboter der Hersteller Gausium und Softbanks mit übernehmen; was Lionsbot betrifft, verweist Kenter auf den Hersteller selbst als künftigen Ansprechpartner. Auch die noch verbliebenen Kenter-Prime-Partner – zwölf an der Zahl – seien nicht von der Insolvenz betroffen und werden abgestimmt unter anderem direkt von i-team beliefert. Der italienische Reinigungsmaschinenhersteller Comac, den Kenter hierzulande Jahrzehnte exklusiv vertreten hat, hat bereits die Eröffnung einer eigenen Niederlassung in Deutschland angekündigt.

Rainer Kenter: "Es hat mir große Freude gemacht, die Branche mit Impulsen und Innovationen ein Stück weit zu verändern." - © Kenter

Ungeachtet der Tatsache, dass die Stilllegung der Kenter GmbH durch den Gläubigerausschuss beschlossene Sache ist, führt Rainer Kenter nach eigener Aussage weiter Investorengespräche für ein "spannendes Konstrukt, falls es dazu kommen sollte". Jedenfalls habe das Unternehmen nach wie vor trotzdem einen Wert: "Wir sind seit über 50 Jahren auf dem Markt und haben über 12.000 Kunden im System, fast 5000 aktiv", betont Rainer Kenter. Ob die Investorengespräche zu einem positiven Ergebnis führen, bleibt abzuwarten. Unabhängig davon ist es Rainer Kenter wichtig, noch einmal zu betonen: "Alles, was ich gemacht habe, geschah aus Leidenschaft und Überzeugung. Es hat mir große Freude gemacht, die Branche mit Impulsen und Innovationen ein Stück weit zu verändern. Jetzt kämpfe ich dafür, für meine Kunden einen möglichst schadlosen Übergang zu schaffen." /GH