Keine Angst vor privaten Kunden

»Privathaushalte bieten nicht zuletzt die Chance, das Gebäude­reiniger-Handwerk und seine Stärken direkt an der Basis ins beste Licht zu rücken. Vielleicht sogar bei Eltern von künftigen Azubis.«

Heike Holland
Heike Holland | Redakteurin | heike.holland@holzmann-medien.de

Private Kunden machen viel Arbeit und bringen wenig ein? Immer mehr Gebäudedienstleister denken um und gehen neue Wege. Denn Reini­gungs- und andere Dienstleistungen in Privathaushalten sind gefragt wie nie – zumindest theoretisch. Einer der Gründe für den steigenden Bedarf: Viele Menschen sind privat und/oder beruflich stark eingespannt und wollen ihre Freizeit nicht mit Mopp und Eimer verbringen. Ein zweiter Grund: Die Gesellschaft wird immer älter. Das bringt körperliche Einschränkungen mit sich. Ältere sind häufig auf Unterstützung auch bei Wohnungsreinigung, Wäschepflege oder Gartenarbeit angewiesen, wenn sie den Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen wollen. Und das wünschen sich die meisten.

Gute Aussichten also für Gebäudedienstleister? Nur dann, wenn es gelingt, vernünftige Preise durchzusetzen – eine der großen Herausforderungen für Unternehmen, die in Privathaushalten aktiv sind oder es werden wollen. Denn die Zahlungsbereitschaft privater Kunden liegt mit knapp zehn Euro deutlich unter dem, was Dienstleister berechnen müssen, um auf ihre Kosten zu kommen. Derzeit werden zwei Drittel der haushalts­nahen Dienst­­­leistungen in Schwarzarbeit abge­wickelt (mehr dazu im Forum ab Seite 12).

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass es auch anders geht – mit Schecks für Arbeiten rund um Haus und Garten wie in Belgien beispielsweise, die ausschließlich bei Unternehmen einzulösen sind. Ein Scheck, der für 7,50 Euro erworben werden kann, hat einen Wert von 20,80 Euro. Die Differenz übernimmt der Staat. Seit Einführung des Fördersystems ist die Nachfrage nach legalen Angeboten stark gestiegen. Ein ähnliches System hat auch in Frankreich Erfolg: Vorfinanzierte, steuersubventionierte Gutscheine für Dienstleistungen rund um die Familie, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen können. Ob solche Modelle sich wohl übertragen ­lassen könnten?

Zurück in die Realität: Wer im Bereich der Privathaushalte Erfolg haben will, braucht Überzeugungskraft, gute Ideen, Aus­dauer und ein Händchen für die Belange und Be­­dürfnisse einer nicht nur preissensiblen Kun­­­dengruppe. Das mag mühsam und mit Aufwand verbunden sein, kann aber gelingen, wie Beispiele aus der Branche zeigen. Ein Neben­effekt: Das Gebäude­reiniger-Handwerk wird sichtbarer in der Gesellschaft – auch außerhalb der klassischen Einsatzgebiete in Büros oder an anderen üblichen Orten. Privathaushalte bieten nicht zuletzt die Chance, das Gebäudereiniger-Handwerk und seine Stärken direkt an der Basis ins beste Licht zu rücken. Vielleicht sogar bei Eltern von künftigen Auszubildenden.

Heike Holland