Die Halbleiterindustrie – in kaum einer anderen Branche ist die Wettbewerbsintensität so hoch. Selbst kleinste Fehler sind unverzeihlich, da die Kosten bis zum Bruchteil eines Cents entscheidend sind. Präzision und Professionalität sind absolute Voraussetzung – in der Produktion und auch bei der Reinraumreinigung. Kurz: Spezialisten sind gefragt.
Kein Raum für Experimente
-Einer der globalen „Big Player“ in der Halbleiterindustrie ist die Siltronic AG. Das Unternehmen zählt zu den Weltmarktführern in der Entwicklung und Produktion von Wafern aus Reinstsilicium mit Durchmessern von bis zu 300 mm. Siliciumwafer sind die Grundlage der modernen Mikro- und Nanoelektronik – für Computer, Mobiltelefone, Internet, DVD-Player, Navigationssysteme, Airbags, Computertomografen, Flugzeugsteuerungen und vieles mehr. Mitarbeiter der Dorfner Gruppe sorgen seit vielen Jahren in der Waferproduktion der Siltronic AG im sächsischen Freiberg für „reinste“ Bedingungen.
Entscheidender Wettbewerbsfaktor
Was zählt, ist also absolute Präzision und höchste Professionalität – in allen Bereichen des Unternehmens. Ganz besonders gilt das in der Produktion – dem Reinraum. Wafer werden unter strengsten Reinraumbedingungen herstellt und verpackt. In der Halbleiterindustrie werden der US Federal Standard 209 E und die ISO-Klassen angewandt. Grundlage dieser internationalen Normen ist die Einteilung der Reinräume in die Klassen 1 bis 100.000 bzw. ISO-Klassen 3 bis 8. „Das bedeutet“, erläutert Annerose Schaale, „dass Reinräume, die beispielsweise der Federal Standardklasse 100 oder ISO-Klasse 5 angehören, maximal 3.250 Staubpartikel mit einer Größe von bis zu 0,5 µm pro Kubikfuß (28,3 l) Luft enthalten dürfen.“ Annerose Schaale gilt als erfahrene Reinraumspezialistin. Gemeinsam mit ihrem Team der Dorfner Gruppe hat sie den Bau des Siltronic-Werkes im sächsischen Freiberg vom Rohbau bis hin zur Zertifizierung begleitet. „Aus einem Raum einen reinen Raum zu machen, das ist“, sagt die Expertin, „eine ungemein spannende Aufgabe, die zudem ein hohes Maß an Kompetenz und Erfahrung erfordert. Und wenn einmal die entsprechende Klassifizierung und Zertifizierung erreicht ist, muss das Niveau auch dauerhaft und zuverlässig eingehalten werden. Für mich ist die Reinraumreinigung die Königsdiziplin in der Gebäudereinigung.“
Motivation spielt eine große Rolle
Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die technische Gebäudeausrüstung und an die Dekontamination der Reinräume. Das Personal muss speziell geschult sein, die verwendeten Hilfsstoffe müssen besonderen Kriterien entsprechen – schließlich unterscheiden sich die Arbeitsabläufe stark von den üblichen Reinigungsprozessen.
Um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können, ist zum einen langjährige Erfahrung erforderlich, zum anderen aber auch ein ständig aktualisiertes Qualifizierungsprogramm nötig. Denn es sind nicht allein die fachlichen Inhalte, die wichtig sind, die Motivation der Mitarbeiter spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle – schließlich reinigen sie Tag für Tag gleich saubere Bereiche und es gibt keinen sichtbaren, sondern nur einen messbaren Reinigungserfolg. Annerose Schaale: „Dies muss man als Dienstleister beherrschen. Denn nichts ist in diesem sensiblen Tätigkeitsfeld problematischer als ein häufiger Personalwechsel.“
Kunde will keine Experimente
Die Beschäftigung der Dorfner Gruppe mit dem Thema Reinraumreinigung reicht bis in das Jahr 1995 zurück. „Das Arzneimittelwerk Dresden“, erinnert sich Dorfner-Geschäftsführer Harald Griebel, „war unser erster Kunde, den wir übrigens auch heute noch betreuen dürfen. Klar war das damals etwas ganz Neues für uns. Wir haben uns jedoch schnell fit gemacht und konnten in den Folgejahren – unter anderem durch Auslandseinsätze in Belgien und Norwegen – viel Erfahrung sammeln.“
Heute gehört die Reinigung von Reinsträumen zu den gefragten Spezialgebieten der Dorfner Gruppe. Man hat schon früh erkannt, dass in immer mehr Industriebereichen die Reinraumproduktion zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Neben der Halbleiter- und Pharmaindustrie findet man heute in der Automobilbranche, in der Kosmetik- und Lebensmittelindustrie, der Nano- und Gentechnologie oder auch in der Nukleartechnik entsprechende Produktionsbedingungen. Für die Dorfner Gruppe ein weites Tätigkeitsfeld. Harald Griebel: „Der Reinraum stellt in diesen Industrien das Allerheiligste dar. Wer als Dienstleister hier durch seine Leistung überzeugt, macht sich weit weniger austauschbar als in anderen Bereichen. Der Kunde möchte hier keine Experimente.“
Know-how ständig weiterentwickeln
Wer in der Reinraumreinigung bestehen will, braucht qualifizierte Mitarbeiter und hohe fachliche Kompetenz. Aus diesem Grund baut die Dorfner Gruppe ihr Reinraum-Know-how kontinuierlich aus: Bereits 2006 hat Andrea Hohmann, eine Studentin der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, mit Unterstützung des Dienstleisters eine Diplomarbeit mit dem Titel „Vergleich verschiedener Verfahren und Reinigungsutensilien zur Reinraumreinigung unter dem Aspekt der luftgetragenen und der Oberflächenpartikel“ vorgelegt. Die Arbeit wurde vom Verein für Reinigungstechnik mit dem Förderpreis für die beste Diplomarbeit 2005/2006 ausgezeichnet. Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung sind bereits in den Reinigungsalltag integriert. Derzeit entwickelt eine weitere Studentin mit Unterstützung von Dorfner eine neue Diplomarbeit. Diesmal steht die Qualitätssicherung im Fokus.
Klaus Schardt | peter.hartmann@holzmannverlag.de