Forschungsprojekt legt europäischen Winterdienststandard fest Investitionen lohnen sich

Winterdienste sinnvoll einzusetzen, bedeutet einen hohen Aufwand für alle Beteiligten. Um beim europaweiten starken und grenzübergreifenden Verkehr in der weißen Jahreszeit auf einen grünen Zweig zu kommen, wurde vier Jahre lang geforscht. Das Ziel: ein gemeinsamer euro päischer Winterdienststandard. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Investitionen lohnen sich

-Auch wenn der Schneereichtum der letzten Jahre eher rückläufige Tendenzen zeigt, kommt es doch immer wieder zu Phasen, in denen die weißen Flocken den Verkehr stark beeinträchtigen, wenn nicht gar lahmlegen. 2004 begann das vierjährige Forschungsprojekt COST mit dem erklärten Ziel, einen gemeinsamen europäischen Winterdienststandard festzulegen. 22 Länder unter deutscher Federführung hatten sich zusammengetan, um die Wirtschaftlichkeit und Verkehrssicherheit im kontinentalen Straßennetz zu erhöhen.

Die Problemstellung ist bekannt: 73 Prozent des Güterverkehrs wird auf dem Asphalt bewegt, wobei Deutschland das höchste Aufkommen an grenzüberschreitendem Warentransport aufweist. Jeweils rund 90 Milliarden Kilometer werden beim Import und Export zurückgelegt – das sind immerhin knapp 20 Prozent der EU-weiten Transporte. Im Winter unterliegt dieser Verkehr naturgemäß erheblichen Störungen.

Ergebnisse aus Schweden, Frankreich und der Schweiz

Die nun anhand der COST-Studie vorgestellten Ergebnisse fußen unter anderem auf neuesten Einzeluntersuchungen der Länder Schweden, Frankreich und der Schweiz. Zunächst einmal ist die Unfallhäufigkeit auf winterlichen Straßen vier- bis zehnmal so hoch wie bei normaler Witterung. Viele Unfälle geschehen in Kurven sowie auf Steigungs- und Gefällstrecken. Nur örtlich auftretende Glätte macht es dabei den Auto- und Lkw-Fahrern besonders schwer. Selbst der Streudienst kann diese lokal auftretenden Missstände nur schwer erkennen und bekämpfen.

Beeinträchtigung der Volkswirtschaft

Der Verkehrsdurchfluss ist dazu im Winter bei entsprechendem Wetter um die Hälfte reduziert, denn die Automobile fahren vorsichtiger und langsamer. Selbst wenn gar keine Fahrzeuge liegenbleiben oder keine Unfälle passieren, kommt es schneller zu einer Straßenüberlastung. Folge: Staus ohne erkennbare Ursachen.

Diese Zeitverluste summieren sich in Europa zu beträchtlichen Mengen und beeinträchtigen die Volkswirtschaft aller Länder. Gäbe es keinen Winterdienst, insbesondere die Salzstreuung, käme der Verkehr schlicht dauerhaft zum Erliegen. Nur in den gering besiedelten, sehr kalten und hoch gelegenen Gebieten Skandinaviens kann man es sich heute noch leisten, kein Streugut auszubringen – wenn dort weniger als 1.000 Fahrzeuge am Tag unterwegs sind.

Freilich ist das Bekenntnis zum Winterdienst nicht neu, aber im COST-Projekt ging es vor allem darum, für sämtliche Partnerländer sinnvolle Maßnahmen zu formulieren, damit alle auf dem gleichen Niveau sind.

Nutzen überwiegt die Kosten

Wichtigste Mitteilung der Experten: Der Nutzen des Winterdienstes überwiegt dessen Kosten bei weitem, das heißt, Investitionen in eine Effektivitätssteigerung lohnen sich. Dazu gehören eine vorbildliche Organisation und Einsatzplanung ebenso wie verbesserte Einsatzrouten und die dafür notwendigen Informationen der aktuellen Straßenzustands- und Wetterberichte. Letztere müssen grenzüberschreitend zur Verfügung stehen, erst dann ist eine Einschätzung über den eigenen regionalen Horizont hinaus möglich.

Zudem herrscht unter Fachleuten, allen voran der Vorsitzende des deutschen Fachausschusses Winterdienst der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Dr. Horst Hanke, die einhellige Meinung, dass „vom Nordkap bis zum Peloppones im hoch belasteten Straßennetz Salz unverzichtbar ist“.

Feuchtsalztechnologie

Die Feuchtsalztechnologie stellt dabei das Maß aller Dinge dar: Anfeuchten des trockenen Auftausalzes mit einer Salzlösung auf dem Streuteller. Durch die schnellere Wirkung und die geringeren Wehverluste ist die Verwendung geringerer Mengen bei gleichzeitiger höherer Wirksamkeit möglich. Die Dosierung wird je nach Wetterlage am unteren Rand, nämlich 5 bis 15 g/m2 eingestellt.

Ambitionierte Ziele

Ein hochgestecktes Ziel, das bei ausgetüftelter Planung erreichbar sein kann: Einsätze auf Autobahnen, Bundes- und Schnellstraßen sollen innerhalb von zwei Stunden abgeschlossen sein. Ob es erreicht wird, kann jeder leidgeprüfte Winterverkehrsteilnehmer leicht kontrollieren – ein Blick im Stau auf die eigene Uhr genügt.

Gundel Jacobi | freie Autorin