Im Jahr 1926 wurde in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens die „Freie Glas-Reinigerinnung für den Stadt- und Landkreis Düsseldorf und Neuß“ ins Leben gerufen – ein rundes Jubiläum, das unlängst gebührend gefeiert wurde.

Als amtierender Obermeister der Innung Düsseldorf lag es an Michael Kregel, die rund 230 zur Jubiläumsfeier gekommenen Gäste in der Location "Rheinterrasse Düsseldorf" zu begrüßen. Der Ort war passend gewählt: Die Eröffnung des historischen Gebäudes fiel ebenfalls auf das Jahr 1926 anlässlich der großen Hygiene-, Sozialfürsorge- und Sportausstellung (GeSoLei). Entworfen vom Architekten Wilhelm Kreis, dient es seither als zentrales Großrestaurant und Veranstaltungsort.
Bei seiner Eröffnungsrede würdigte Michael Kregel unter anderem den Düsseldorfer Reinigungsunternehmer Clemens Kleine, der nach dem 1. Weltkrieg maßgeblich an der Gründung des "Westdeutschen Reinigungsunternehmerverbandes" zum 30. Mai 1920 beteiligt war. Da zu dieser Zeit in einigen Staaten der Weimarer Republik die Innungsbildung im Glas- und Gebäudereiniger-Handwerk inzwischen möglich war, habe Kleine alles darangesetzt, auch im Westen die Anerkennung als Handwerk durchzubringen. Auf seine Initiative wurde auf einem Verbandstag im Jahre 1926 schließlich die "Freie Glas-Reinigerinnung für den Stadt- und Landkreis Düsseldorf und Neuß" mit Sitz in Düsseldorf gegründet. In seiner Rolle als erster Obermeister der Landesinnung (bis 1933) war er es auch, der im Jahr 1929 auf einem Verbandstag in Koblenz den "Reichsverband der Glas- und Gebäudereiniger-Innungen mit Sitz in Düsseldorf" gründete. Damit sei die Rheinmetropole zur Schaltstelle für das Glas- und Gebäudereiniger-Gewerbe im ganzen Reichsgebiet geworden.
In seinen weiteren Ausführungen betonte Kregel mehrfach, wie wichtig ihm in der heutigen Zeit das Thema Wertschätzung sei – innerhalb des Verbandes, aber auch gesellschaftlich. Sein Appell: "Lasst uns alle dafür Sorge tragen, dass wir mit einer Stimme sprechen und dass wir uns nicht auseinanderdividieren lassen. Wir können auf die Landesinnungsverbände und den Bundesinnungsverband stolz sein. Und wir sollten dafür sorgen, dass das mindestens auch die nächsten 100 Jahre so bleibt."
Innungsgeschichte ist ein Stück Stadtgeschichte
Wertschätzung erfuhr die Branche an diesem Abend auch seitens der Kommunalpolitik. Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller sagte in seiner Laudatio: "100 Jahre Innungsgeschichte sind zugleich auch ein Stück Stadtgeschichte. Ihre Innung ist nicht nur traditionsreich, sondern auch innovativ. Sie gestaltet die Zukunft ihres Berufes, sieht Vielfalt als Stärke und setzt sich für Ausbildung, Integration und damit für Aufstiegschancen ein. Vielen Dank an alle, die sich in diesem Sinne einbringen."
Besonders betonte Keller in seiner Rede, wie wichtig es sei, die Arbeit der Reinigungskräfte sichtbarer zu machen. Die Stadt selbst treibe dementsprechend auch zusammen mit den Dienstleistern das Thema Tagreinigung an mittlerweile rund 110 Schulen voran. Das Projekt läuft unter dem Motto "Sauber von früh bis spät, Tagesreinigung in Düsseldorfer Schulen" und wurde erst kürzlich mit dem BME-Award 2026 "Innovation schafft Vorsprung" gewürdigt. Diese Auszeichnung stehe sinnbildlich für den Wandel des Berufes: von der oft unsichtbaren Tätigkeit hin zu einem anerkannten Beitrag zum Gemeinwohl.
Geschlossenheit und innere Stärke
Nicht zuletzt gehörte auch Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich zu den Gratulanten. Im Gespräch mit der Moderatorin Sonja Fuhrmann, die durch den Festabend führte, antwortete er auf die Frage, was eine starke Innung ausmache: "Michael Kregel hat es in seiner Rede gesagt – zuallererst Zusammenhalt und Vertrauen. Und man muss sich gegenseitig in den Dingen bestärken, die gut sind. Daneben ist wichtig, sich selbst im Ehrenamt nicht zu wichtig zu nehmen beziehungsweise eigene Partikularinteressen im Sinne des Gemeinwohls in den Hintergrund zu stellen." Was Dietrich optimistisch für die Zukunft macht, sei der innere Zusammenhalt, der an diesem Abend mehrmals angesprochen wurde: "Geschlossenheit ist in diesen Zeiten ganz wichtig. Wir brauchen eine starke Stimme und wir müssen unsere Stimme auch dort erheben, wo wir es können. Ich vertraue jedenfalls auf die innere Stärke des Verbandes – zusammen schaffen wir das schon." /GH