Im Klinikalltag: Mit gezielter Reinigung das ­Infektionsrisiko senken

Die Reinigung und Desinfektion mobiler Geräte im Gesundheitswesen wie Infusions­pumpen und -ständer, Toilettenstühle oder auch Nachtschränke durch ­Pflegepersonal ist eine weitverbreitete Praxis, führt aber unter anderem aufgrund von Zeitmangel ­häufig zu mangelhafter Sauberkeit und Hygiene. Wie professionelle Reinigungs­dienstleister für Entlastung sorgen können.

Die Einführung effizienter Reinigungsprozesse im Gesundheitswesen erfordert klare Zuständigkeiten, durchdachte Konzepte und verbindliche Standards. - © privat (generiert mit KI)

Sauberkeit und Hygiene sind im Klinikalltag essenziell, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Üblich ist, dass die Reinigung und Desinfektion gemeinsam genutzter medizinischer Geräte und zum Teil auch von beweglichem Mobiliar den Pflegekräften übertragen werden. Das Problem dabei: Unter dem Druck knapper Personalressourcen bleibt für diese Aufgabe kaum Raum, was in der Folge zu unvollständigen oder ausbleibenden Aufbereitungsmaßnahmen führt.

Nicht nur im deutschen Gesundheitswesen kommt es immer wieder zu solchen strukturellen Engpässen mit ihren negativen Auswirkungen; auch in Aus­tralien beispielsweise sieht man sich mit dieser Pro­blematik konfrontiert. Um die Auswirkungen einer verbesserten Reinigung und Desinfektion gemeinsam genutzter medizinischer Geräte auf Infektionen zu untersuchen, wurde dort im Jahr 2023 in zehn Stationen eines Krankenhauses über einen Zeitraum von 36 Wochen eine Stepped-Wedge-Studie durchgeführt. Bei diesem Studiendesign wird die Intervention – in diesem Fall zum Beispiel eine zusätzliche Reinigung durch geschultes Personal – zeitlich versetzt in mehreren Gruppen eingeführt. Dadurch durchläuft jede Station zunächst eine Kontrollphase (Standardpraxis) und später eine Interventionsphase (neues Reinigungsmodell). Die zeitliche Reihenfolge der Umstellung erfolgt zufällig (randomisiert), wodurch jede Gruppe sich selbst als Vergleich dient. Dieses Studiendesign eignet sich besonders für ­komplexe klinische Umgebungen und ermöglicht eine zuverlässige ­Bewertung der Wirksamkeit unter realen ­Versorgungsbedingungen.

Konkret wurden im Rahmen dieser sogenannten CLEEN-Studie [1] die medizinischen Geräte neben der Standarddesinfektion durch das Pflegepersonal zwischen dem Patientenwechsel zusätzlich einmal täglich durch speziell geschulte Reinigungskräfte aufbereitet. Je Station wurden dabei jeweils drei Stunden Reinigungszeit ausschließlich für die gemeinsam genutzten medizinischen Geräte bereitgestellt. Nach abgeschlossener Aufbereitung durch die Reinigungskräfte erhielten diese Geräte gut sichtbare Kennzeichnungen, um dem Pflegepersonal anzuzeigen, dass eine Aufbereitung erfolgt ist. Diese einfache Kommunikationsmaßnahme erhöhte nicht nur die Transparenz, sondern trug auch zur Akzeptanz und Sicherheit im Stationsalltag bei.

Ergänzt wurde das Modell durch Schulungen zur Reinigungs- und Desinfektionstechnik sowie durch regelmäßige Audits der Reinigungsergebnisse und unmittelbare Feedbacks zu den Ergebnissen. Zur Qualitätssicherung wurden die Mitarbeitenden alle zwölf Wochen nachgeschult. Darüber hinausgehende beziehungsweise ergänzende Schulungen fanden immer dann statt, wenn die Reinigungsqualität in den Audits unter 50 Prozent sank. Diese systematische Auditierung und Nachschulung trug wesentlich zur nachhaltigen Verbesserung der Reinigungsleistung bei. In einer begleitenden Fokusgruppe äußerten die Reinigungskräfte klare Präferenzen bezüglich der Rückmeldungsform: Persönliches Feedback wurde als motivierend empfunden, während öffentliche Aushänge oder Rankings auf Ablehnung stießen. Dieses Ergebnis zeigt, wie wichtig die passende Kommunikationsform ist, um Akzeptanz, Motivation und Verhaltensänderung zu fördern.

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    Blutspritzer an einem Infusionsständer, der in diesem Zustand für den nächsten Patienten verwendet werden sollte. Eine Aufbereitung durch Pflegekräfte – Fehlanzeige.
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    Schmutzansammlung an einem Beatmungsgerät – hier wurden nicht alle Stellen aufbereitet.
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    Leicht zu übersehen, aber trotzdem ein Hygieneproblem: Ansammlung von Haaren in den Rollen eines Beatmungsgerätes im OP-Bereich.
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    Auch das findet sich in deutschen Krankenhäusern immer wieder: in die Jahre gekommene Nachtschränke, deren Oberflächen beschädigt sind. In diesem Fall war das Mobiliar zudem mit Blut verschmiert, welches zwar nicht vom aktuellen Patienten stammte, doch keiner fühlte sich ­verantwortlich, es zu entfernen.
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    Ein verschmutzter Tablettauszug: Nur mit der richtigen Reinigungstechnik und Mikrofasertüchern sind solch komplexe Stellen gut zu reinigen.
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    Die Einführung effizienter Reinigungsprozesse im Gesundheitswesen erfordert klare Zuständigkeiten, durchdachte Konzepte und verbindliche Standards.

Infektionsrate nachweisbar gesunken

Die Ergebnisse der CLEEN-Studie belegen nachweisbar die Wirkung gezielter Reinigungsmaßnahmen: Während in der Kontrollphase 17,3 Prozent der Patienten eine nosokomiale Infektion aufwiesen, sank dieser Wert in der Interventionsphase auf zwölf Prozent. Das entspricht einer relativen Reduktion um 34,5 Prozent. Doch nicht nur die Patienten selbst profitieren von einer sinkenden Infektionsrate, sondern auch die Krankenhäuser selbst, denn: Patienten mit nosokomialer Infektion liegen im Schnitt rund zehn Tage länger auf der Station als infektionsfreie Patienten – das entspricht einer Steigerung der Verweildauer um etwa 60 Prozent!

Auch die Qualität der Reinigung an sich verbesserte sich im Studienzeitraum. So stieg der Anteil korrekt gereinigter Geräte von 18,2 Prozent signifikant auf 56,6 Prozent an – ein Erfolg, der sich nicht zuletzt auf die feste Zuständigkeit, gezielte Schulung und Auditierung sowie Feedback an die Reinigungskräfte zurückführen lässt. Bemerkenswert dabei ist, dass dieser Effekt bereits bei einer Umsetzung von nur 79 Prozent der geplanten Reinigungszeit von drei Stunden erzielt wurde. Das unterstreicht, dass selbst eine noch nicht vollständig umgesetzte Prozessänderung einen relevanten Beitrag zur Infektionsvermeidung leisten kann. Am Ende hat eine verbesserte Reinigung auch aus ökonomischer Sicht spürbare Auswirkungen sowohl für das einzelne Krankenhaus als auch für das gesamte Gesundheitssystem. Eine genauere Auswertung der wirtschaftlichen Effekte ist durch das Autorenteam bereits angekündigt.

Die Aussagekraft der Studie, dass die zusätzliche Aufbereitung durch geschulte Reinigungskräfte eine signifikante Auswirkung auf das Infektionsgeschehen hat, wird zusätzlich dadurch gestützt, dass während des gesamten Untersuchungszeitraumes keine weiteren hygienerelevanten Maßnahmen verändert wurden – sprich: Es gab keine Veränderungen bei Hygienerichtlinien, wie etwa veränderte Screening-­Programme, und auch der Anteil von Patienten, die unter Isolationsbedingungen wegen multiresistenter Erreger standen, blieb konstant. Es gab also keinen Rückgang von Risikopatienten, der den Infektionsrückgang erklären könnte. Auch die Händehygiene-­Compliance war während der gesamten Studiendauer stabil und kann also nicht als Ursache für die ­gesunkene Infektionsrate herangezogen werden. Nicht zuletzt gab es keine Ausbrüche, die das Ergebnis verzerrt hätten. Diese stabile Rahmenbedingung stärkt die Annahme, dass die beobachtete Reduktion der Infektionen kausal auf die strukturierte Reinigung der gemeinsam genutzten Geräte zurückzuführen ist und nicht auf andere parallele Maßnahmen.

Auf andere Länder übertragbar

Laut den Autoren der CLEEN-Studie sind ihre Erkenntnisse nicht nur methodisch belastbar, sondern aufgrund der weltweit vergleichbaren Herausforderungen bei der Aufbereitung gemeinsam genutzter Geräte gut übertragbar und damit in ihrer Relevanz auch für Einrichtungen hierzulande hochaktuell – unter anderem angesichts von jährlich bis zu 600.000 nosokomialen Infektionen in Deutschland (Quelle: RKI). Dass in puncto Reinigung dringender Handlungsbedarf besteht, unterstreicht unter anderem eine aktuelle Auswertung des Gesundheitsamtes Frankfurt [2]: Bei einer Begehung von insgesamt 14 Kliniken wiesen medizinische Geräte, deren Reinigung in der Verantwortung des Pflegepersonals liegt, häufig sichtbare Verschmutzungen auf. Unter anderem waren in 13 der 14 untersuchten Kliniken vermeintlich aufbereitete Toilettenstühle noch kontaminiert, ebenso Infusomaten in acht Häusern.

Gebäudedienstleister können Lücke schlieẞen

Die Auswertungen der CLEEN-Studie und des Gesundheitsamtes Frankfurt machen mehr als deutlich: Die strukturierte, professionelle Aufbereitung gemeinsam genutzter medizinischer Geräte darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. Insbesondere Gebäude­dienstleister mit Spezialisierung auf das Gesundheitswesen sollten diesen Impuls aufgreifen und Krankenhäusern gezielt anbieten, die Aufbereitung solcher Gerätschaften und sonstigem beweglichem Mobiliar als feste Serviceleistung zu übernehmen. Gerade in Zeiten von Pflegekräftemangel und zunehmenden Anforderungen an Hygiene und Infektionsprävention können sie hier eine wertvolle Lücke schließen, indem sie durch den Einsatz geschulten Fachpersonals, klare Zuständigkeiten und systematische Kontrolle der Reinigungsleistung nicht nur eine höhere Qualität ermöglichen, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Patientensicherheit und zur Entlastung des medizinischen Personals leisten.

Tipps für die Umsetzung und mögliche Hürden

Wie bereits erwähnt, erfordert die Einführung effizienter Reinigungsprozesse klare Zuständigkeiten, durchdachte Konzepte und verbindliche Standards. Zentral sind geregelte und leicht verständliche Arbeitsanweisungen, die sowohl als Schulungsgrundlage dienen als auch die Basis für regelmäßiges, qualifiziertes Feed­back bilden. Für die Erfolgskontrolle sollten objektive Methoden wie ATP-Messungen eingesetzt werden – sie liefern innerhalb von Sekunden ein quantitatives Ergebnis und ermöglichen ein sofortiges Feedback. Von fluoreszierenden Markierungen (Glow-Checks) ist hingegen eher abzuraten, da sie auf rauen oder alten Oberflächen unzuverlässige Ergebnisse liefern können.

Auch die Beschaffenheit der Oberflächen ist für die erreichbare Reinigungsqualität entscheidend. Nur glatte, unbeschädigte und geschlossene Materialien lassen sich fachgerecht desinfizieren. In der Praxis findet man jedoch immer wieder alte, poröse oder beschädigte Möbel und Geräte, die hygienisch nicht mehr aufzubereiten sind. Hier stehen Einrichtungen in der Pflicht, solche Gerätschaften konsequent auszutauschen. Bei Neuanschaffungen sollte entsprechend auf ein "Hygienic Design" geachtet werden, also möglichst glatte Flächen mit wenigen schwer zugänglichen Stellen.

Weiterhin gilt: Bei der Aufbereitung medizinischer Geräte ist die Herstellerangabe zwingend zu beachten, um die Funktionalität und Gerätesicherheit zu gewährleisten. Dies ist nicht nur hygienisch, sondern auch rechtlich erforderlich. Werden etwa bestimmte Reinigungsmittel oder Textilien vorgeschrieben, sind diese verbindlich einzusetzen. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben dürfen auch nur explizit auf die Anforderungen des entsprechenden Gerätes geschulte Mitarbeiter dieses aufbereiten.

Für Gebäudereiniger, die diese wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen möchten, bedeutet dies, dass sie ein spezialisiertes Sonderteam mit Fachkenntnissen zu den verwendeten medizinischen Geräten zur Verfügung stellen müssen. Nicht zuletzt sollte die Auswahl der Reinigungsutensilien gut überlegt sein. Schnelldesinfektionstücher (Wipes) beispielsweise sind generell für die Aufbereitung ungeeignet, da ihre Vliesstoffe Schmutz nur unzureichend lösen und aufnehmen. Empfehlenswert ist stattdessen der Einsatz von Mikrofasertüchern, die mit einem VAH-gelisteten Desinfektionsmittel getränkt werden – dies ist sowohl effektiver als auch ressourcenschonender.

[1] Browne, Katrina, et al.: Investigating the effect of enhanced cleaning and disinfection of shared ­medical equipment on health-care-associated ­infections in ­Australia (CLEEN): a stepped-wedge, cluster ­randomised, con­trolled trial; The Lancet Infectious Diseases, ­August 2024.

[2] Schuster K., Berres M.: Flächenhygiene in der Praxis: Eine kritische Analyse zur Umsetzung der KRINKO-­Empfehlung in Krankenhäusern; Hygiene & Medizin 01+02/2025.

Stefanie Veltkamp | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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Stefanie Veltkamp

ist zertifizierte Sachverständige und Beraterin für Reinigung und Hygiene im Gesundheitswesen.