Hygiene in Pflegeeinrichtungen: Von der Priorität wieder zur Nebensache?

Während der Corona hatte der Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen – ­darunter insbesondere ältere und pflegebedürftige Menschen – oberste Priorität. Entsprechend hoch war der Stellenwert von Hygiene- und Infektionsschutzkonzepten in den Pflege­einrichtungen. Rund zwei Jahre nach dem offiziellen Ende der Pandemie beginnt es diesbezüglich an vielen Stellen zu bröckeln. Wie lässt sich hier gegensteuern?

Je nachdem, ob es sich um Heime der Akutpflege oder primär um betreutes Wohnen handelt, gibt es zum Teil deutliche Unterschiede hinsichtlich der Anforderungen an Hygiene und Infektionsprävention. - © Motortion – stock.adobe.com

Betrachtet man allein das Auftreten von potenziell gefährlichen Erregern und Viren in den letzten zwei Jahrzehnten (2001: Milzbrandbakterium; 2002/2003: SARS-Epidemie; 2006: Vogelgrippe/H5N1; 2008: Cholera; 2009: Schweinegrippe/H1N1; 2014: Ebola-­Fieber; 2020: Corona), so ist unschwer prognostizierbar, dass die Corona-Pandemie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der letzte Ausbruch mit globaler Tragweite sein wird, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.

Damit stellt sich zwangsläufig die ­Frage: Sind die vorhandenen Strukturen und Konzepte ausreichend, um schnell auf neue Bedrohungslagen, aber auch auf reguläre Krankheitsausbrüche wie zum Beispiel Grippewellen zu reagieren? Ist es notwendig, die Rahmenbedingungen durch die Politik zu verändern? Und wenn ja: Wie können diese effektiver gestaltet werden, ohne den bürokratischen Aufwand unnötig zu erhöhen?

Um Antworten auf diese und weitere Fragen geben zu können, betrachten wir zunächst den Status quo in der Pflege. Je nachdem, ob es sich um Heime der Akutpflege handelt oder nur betreutes Wohnen, gibt es hier durchaus große Unterschiede. Bei Letzteren sind die Hygieneanforderungen deutlich geringer als bei Einrichtungen in der Akutpflege und es wird dort eher Wert auf eine möglichst normale Wohnumgebung für die Bewohner gelegt. Mit anderen Worten: Ein krankenhausähnlicher Wohncharakter soll in der Regel vermieden werden.

Sieht man sich in den Einrichtungen um, stellt sich vielfach der Eindruck ein, dass das Thema Hygiene insbesondere in den sogenannten Front-of-House-Prozessen aktuell wieder in den Hintergrund rückt. Gemeint sind damit die Prozesse, die für Besucher und Bewohner sichtbar sind und an denen sie zumindest teilweise mitwirken können – man denke beispielsweise an die Händehygiene und die Verhinderung von Übertragungen durch Aerosole, welche zu den häufigsten Übertragungswegen gehören. Weiterhin zählt hierzu auch die routinemäßig durchgeführte Unterhaltsreinigung, sofern diese zu Zeiten und in Bereichen stattfindet, in denen Bewohner oder Besucher anwesend sind.

Verantwortlich für die Umsetzung von Hygienethemen in Pflegeeinrichtungen sind in der Regel die Heimleitungen im engen Austausch mit den Pflegedienstleitungen. Bei größeren Pflegeheimketten gibt es zudem oft Zentralabteilungen, die den Einkauf von Hygieneprodukten, Hygienedienstleistungen und die Erstellung von Rahmenkonzepten für die Hygiene organisieren. Für die tägliche Unterhaltsreinigung sind meist externe Dienstleister verantwortlich. Entstehen situative Bedarfe außerhalb der Anwesenheitszeiten des Reinigungspersonals – etwa zur Ad-hoc-Desinfektion von Oberflächen oder Böden – wird dies normalerweise von den Pflegekräften durchgeführt. Meist haben Letztere aber keinen Zugriff beispielsweise auf Reinigungsmaschinen oder Produkte, die primär die Unterhaltsreinigung betreffen, und nutzen daher eigene Lösungen.

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    Auftreten von Erregern und Viren in den letzten zwei Jahrzehnten.
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    © Grafik: rationell reinigen/Quelle: DTO
    Betrachtet man die Nutzung von Hygieneprodukten über einen längeren Zeitraum, so wird deutlich, dass sich Routinen nur dann einstellen, wenn man neben der reinen Schaffung von Infrastruktur die Nutzer auch aufklärt und trainiert.
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    Je nachdem, ob es sich um Heime der Akutpflege oder primär um betreutes Wohnen handelt, gibt es zum Teil deutliche Unterschiede hinsichtlich der Anforderungen an Hygiene und Infektionsprävention.

Hygienekonzepte: Oftmals fragmentiert und wenig einheitlich

Hält man sich vor Augen, wie viele Schnittstellen ein Pflegeheim nach außen hat, offenbart sich ein weiteres Problem: Unter anderem Angehörige, Besucher oder auch der Sozialdienst verfügen oft nicht über ausreichende Kenntnisse im Bereich Infektionsprävention, was gerade in Zeiten von Krankheitsausbrüchen mit gesamtgesellschaftlicher Tragweite dazu führen kann, dass Keime fahrlässig in die Heime getragen werden. Hinzu kommt, dass aufgrund uneinheitlicher Standards und Normen die Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte in der Pflege eher fragmentiert und weniger einheitlich sind. Und selbst die durchdachtesten Konzepte bieten keine hundertprozentige Sicherheit, wenn Hygiene- und Infektionsschutz nicht als gesamtgesellschaftliches und interdependentes Thema verstanden werden – gerade während der Pandemie wurde dies mehr als deutlich.

Nicht nur die Bereitschaft zur ­Hände­hygiene geht zurück

Bei einer kritischen Betrachtung des Status quo lassen sich also durchaus diverse Optimierungspoten­ziale identifizieren. Beginnen wir mit dem bereits angesprochenen Front-of-House-Bereich. Hier zeigen sich ­starke Parallelen zur Entwicklung der Hygiene-Compliance in Krankenhäusern: In beiden Segmenten lässt sich seit etwa eineinhalb Jahren ein Rückgang gerade bei der Händehygiene-Bereitschaft feststellen – und zwar insbesondere bei Besuchern und anderen externen Stakeholdern. Zudem ist vielfach zu beobachten, dass die Anzahl der Spender in Pflegeheimen zurückgegangen ist oder die vorhandenen Spendersysteme nicht immer gut gewartet sind.

David-Christopher Gies: "Technologie hilft, die ­Hygiene zu verbessern"

David-Christopher Gies - © Gies

David-Christopher Gies, Geschäftsführer, Gies Dienstleistungen, Stadtallendorf: "Nachdem aufgrund der akuten Gefährdung infolge der ­Covid-19-Pandemie bis vor etwa zwei Jahren der Infektionsbekämpfung ein überragender Stellenwert eingeräumt wurde, rücken Personalknappheit sowie angespannte Haushaltskassen wieder vermehrt in den Vordergrund. Zwar ist nach unserer Erfahrung der Hygienestandard in Deutschland weiterhin sehr hoch; dennoch konnten viele der während der Pandemie unter Zeitdruck entwickelten zusätzlichen Standards aufgrund des hohen bürokratischen Aufwandes nicht dauerhaft fortgesetzt werden.

Nach unserer Überzeugung sollte jetzt eine Bewertung aller getroffenen Maßnahmen folgen: Welche Maßnahmen waren hilfreich und welche stellten sich bei geringem Zusatznutzen im Arbeitsalltag eher als hinderlich dar? Wir sind überzeugt, dass sich mit heutigen Technologien viele der damals zeit­intensiven Vorkehrungen vereinfachen lassen. Technologische Fortschritte wie automatisierte Systeme, Robotik sowie KI-gestützte Prozessabbildungen können helfen, Themen wie Handhygiene, Raumluftqualität oder Desinfektion zu verbessern.

Während die Robotik in der Reinigung nach unserer Erfahrung weiterhin eher nur in ausgewählten Einzelfällen sinnvoll ist, werden die von uns angebotenen Tools zur digitalen Prozessabbildung und -überwachung zunehmend in Anspruch genommen. Wenn es hier zu einer Verknüpfung zwischen einrichtungs- und dienstleisterseitig eingesetzter Software unter Einbindung einer KI kommt, steht allen Hygieneverantwortlichen ein mächtiges Tool zur proaktiven Überwachung aller Infektionsquellen zur Verfügung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Umgang mit Antibiotika­resistenzen und neuen Krankheitserregern. Da immer mehr Keime resistent gegen herkömmliche Medikamente werden, sind neue Desinfektionsmittel und strengere Protokolle erforderlich. Damit geht auch zusätzlicher Schulungsbedarf einher. Darüber hinaus glauben wir, dass in den nächsten Jahren neben der DIN 13063 Krankenhausreinigung auch eine entsprechende Norm für die Reinigung in Pflegeheimen entwickelt wird."

Auf der Suche nach möglichen Ursachen für diese Entwicklung stellt man fest: Hat es während der Corona-Pandemie enorme Investitionen in die Infrastruktur gegeben, so wird Hygiene von den Budgetverantwortlichen heute oftmals wieder primär als Kostenfaktor gesehen. Die Konzepte haben leider nicht – wie ursprünglich erhofft – zur Bildung von Routinen bei allen Stakeholdern und damit einer insgesamt höheren Compliance geführt. Auch hat sich gezeigt, dass die reine Verbesserung der Infrastruktur ohne die entsprechende Aufklärung und Sensibilisierung nicht dauerhaft zu einer Bildung von Routinen und damit einer verbesserten Hygiene beiträgt. Im Umkehrschluss lässt sich daraus ableiten: Infek­tionspräventionsmaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen müssen deutlich sichtbarer sein und durch entsprechende Maßnahmen in Kommunikation und Aufklärung sowohl beim eigenen Personal wie auch bei Besuchern unterstützt werden. Ansonsten nimmt die Compliance über die Zeit spürbar ab.

Gerade für Gebäudedienstleister, die in den Front-of-House-Bereichen tätig sind, könnten sich hier interessante Anknüpfungspunkte hinsichtlich neuer Geschäftsmodelle ergeben. Denn durch das ausgeprägte Wissen, das nicht wenige von ihnen rund um die operative Hygiene haben, ist vielfach die Basis für den Aufbau von Mehrwertdienstleistungskonzepten vorhanden. Zum Beispiel könnten Gebäudedienstleister dabei unterstützen, neue Tools oder digitale Spenderstrukturen zu implementieren beziehungsweise dauerhaft instand zu halten.

Ein solcher Ansatz ist für ­viele Reinigungsunternehmen neu, denn in der Vergangenheit haben sie sich in der Regel eher als operative Instanz verstanden, deren Leistung fest definiert ist, und sich eher selten als Beratungspartner der Pflege­einrichtungen angedient. Langsam wird hier allerdings ein Umdenken sichtbar und die Erwartungshaltung der Kunden an ihren externen Partner hinsichtlich der Beratungskompetenz und des Dienstleistungsangebots (zum Beispiel im Bereich Digitalisierung und Kontrolle) steigt.

Maximilian Kubot: "Einheitliche Standards könnten hilfreich sein"

Dr. Maximilian Kubot - © Markas

Dr. Maximilian Kubot, Kaufmännischer Leiter, Markas Deutschland, Unterhaching: "Als Reinigungsdienstleister mit Schwerpunkt in der Krankenhaus- und Pflegeeinrichtungsreinigung beobachten wir als Markas International, dass die Umsetzung von Hygienekonzepten variabel ist. Einheitliche, praxisnahe Standards könnten dazu beitragen, Reinigungsprozesse effizient und wirksam zu gestalten, ohne den betrieblichen Alltag unnötig zu belasten.

Zwar hat die Covid-19-Pandemie die Bedeutung von Hygiene- und Infektionsprävention in Pflegeeinrichtungen eindringlich in den Fokus gerückt und es wurden während dieser Zeit umfassende Maßnahmen implementiert, die nicht nur die Verbreitung von Sars-CoV-2 eindämmten, sondern auch das Bewusstsein für allgemeine Hygienestandards schärften; dennoch zeigt sich, dass nach Abklingen der akuten Pandemiephase die Aufmerksamkeit für Hygienemaßnahmen in einigen Einrichtungen nachlässt, oft bedingt durch wirtschaftliche Zwänge und Personalmangel. Insofern erfordern steigende Lohnkosten und knappe Budgets eine Optimierung der Abläufe, ohne die Hygienesicherheit zu gefährden. Digitale Tools zur Dokumentation der Reinigungshistorie und Qualitätskontrolle sind hierbei essenziell.

Ein entscheidender Fortschritt ist der zunehmende kooperative Einsatz von Reinigungsrobotern. Diese übernehmen Routinetätigkeiten wie die Bodenreinigung in stark frequentierten Bereichen und entlasten das Personal, das sich auf anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren kann. In unserer Praxis haben sich autonome Systeme als wertvolle Ergänzung erwiesen, um trotz Fachkräftemangel hohe Hygienestandards aufrechtzuerhalten.

Neben technologischem Fortschritt bleibt die Schulung des wertgeschätzten und nicht zuletzt dadurch motivierten Personals essenziell. Hygiene kann nur nachhaltig gewährleistet werden, wenn alle Beteiligten, einschließlich externer Dienstleister und Besucher, konsequent in die Infektionsprävention eingebunden werden. Ein integrativer Ansatz, der wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Innovationen und praktische Effizienz vereint, ist der Schlüssel für die Zukunft der Hygiene in Pflegeeinrichtungen."

Anders stellt sich die Situa­tion in den Back-of-House-Bereichen dar – also zum Beispiel in den Küchenbereichen, dem Wäscheservice oder der Entsorgung. Hier sind die Hygiene- und Infektionsschutzstandards deutlich stärker reglementiert. Da ein Fehlverhalten gegen diese Standards und Vorschriften hier ernsthafte Konsequenzen für den Dienstleister beziehungsweise die Verantwortlichen Inhouse-Mitarbeiter haben, ist die Compliance bei der Maßnahmeneinhaltung höher. Auch sind die Hygiene­tätigkeiten in diesen Bereichen üblicherweise sehr klar in den Leistungsverzeichnissen festgeschrieben.

Mehr Flexibilität durch digitale ­Unterstützung

Was sich aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie auch ableiten lässt: Hygienekonzepte müssen heute nicht nur strenger, sondern auch flexibler sein, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Ein wesentlicher Baustein sind dabei digitale Tools, die es den Dienstleistern ermöglichen, die Qualität der Reinigung kontinuierlich zu kontrollieren und zu verbessern. Indem diese Tools eine lückenlose Dokumentation ermöglichen und eine schnelle Reaktion auf Abweichungen erlauben, tragen sie zum einen wesentlich dazu bei, die Einhaltung höchster Hygienestandards zu sichern. Zum anderen lassen sich damit Schwachstellen schneller identifizieren und gezielt Verbesserungen umsetzen.

Gerade bei der Übernahme von Pflegeheimen, die nicht optimal laufen und bei denen möglicherweise die Hygienepläne nicht perfekt gestaltet und implementiert sind, zeigt sich bei der kritischen Betrachtung des Status quo, dass Verbesserungspotenziale nicht nur im operativen Bereich liegen, sondern auch in der strategischen Ausrichtung. Gerade die Pandemie hat dazu geführt, dass existierende Hygienekonzepte mitunter überdacht und neu implementiert werden mussten. Prozesse, die früher vielleicht als ausreichend galten, genügen heute nicht mehr den gestiegenen Anforderungen. Umso mehr wird es in Zukunft darauf ankommen, dass Auftraggeber und Dienstleister Hand in Hand arbeiten, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu finden.

Dominika Kierat: "Mehr Wertschätzung wäre wünschenswert"

Dominika Kierat - © Sauer Hygienica

Dominika Kierat, Geschäftsführerin, Sauer Hygienica, Gebäudereinigung, Leverkusen: "In Pflegeeinrichtungen steht das häusliche und persönliche Umfeld der Bewohner im Vordergrund. Und hier stellt sich die tägliche Herausforderung: Standards und Normen sind zwar ein guter Leitfaden, aber jedes Objekt und jedes Bewohnerzimmer ist individuell. Reinigungs- und Desinfektionspläne sollten daher aus unserer Sicht immer in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen eines Pflegeheims ausgearbeitet werden. Dementsprechend sind diese Pläne von Kunde zu Kunde oftmals unterschiedlich.

Vor allem im Hinblick auf niedrige Budgets und damit resultierende knappe Reinigungszeiten achten wir auf eine klare und ehrliche Kommunikation. Allerdings fällt uns immer wieder auf, dass zwischen Theorie und Praxis doch eine große Lücke besteht. Beispielsweise kommt es durchaus vor, dass unsere Reinigungskräfte in der vorgegebenen Zeit nicht alles schaffen, was eigentlich abverlangt wird. Das hängt selbstverständlich auch vom Erfahrungsgrad der Mitarbeiter ab – regelmäßige Schulungen sind daher in diesem Umfeld unabdingbar.

Natürlich gibt es Reinigungstechniken und Hilfsmittel, die die Arbeit erleichtern. Darüber hinaus hilft es, regelmäßig den Status quo zu prüfen und eventuelle Anpassungen vorzunehmen. Meistens geschieht das im Rahmen der Reinigungs- und Desinfektionsintervalle. Ein gewisser Grad an qualifiziertem Fachpersonal, zum Beispiel eine Hygienesicherungsfachkraft, die die speziellen Anforderungen bestens versteht, ist aus unserer Sicht für die Leistungserbringung im Pflegeumfeld jedoch essenziell. Leider wird das nicht immer wertgeschätzt und daher mitunter nicht realisiert.

Beispielsweise auf Reinigungsroboter zurückzugreifen, um Kosten zu sparen, ist aus meiner persönlichen Sicht im Bereich der Reinigung im Pflege- und Gesundheitswesen jedenfalls nicht sinnvoll – gerade im Hinblick auf das private Umfeld der Bewohner und Patienten. Anstatt auf Personaleinsparung sollte man nach meiner Überzeugung den Fokus vielmehr darauf legen, den Reinigungskräften mehr Wertschätzung entgegenzubringen sowie ihre Leistung ordnungsgemäß zu honorieren. Und so ein Umfeld schaffen, in dem sie motiviert und engagiert arbeiten und am Ende des Tages zufrieden sind."

Dr. Tobias Weimer, Fachanwalt für Medizinrecht, stellt dazu fest: "Reinigung und Desinfektion sind komplexe Bausteine eines ordnungsgemäßen Hygiene-Compliance-Managements, auch um rechtliche Risiken zu vermeiden. Ausgehend vom Infektionsschutzgesetz sind eben auch Pflegeeinrichtungen – vertreten durch ihre Leiter – nach Paragraf 23, Absatz 5, dazu verpflichtet, innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene festzulegen." Intervalle, Verfahren, Mittel und Verantwortlichkeiten sind sowohl im Hygieneplan als auch in den Reinigungs- und Desinfektions­plänen schriftlich festzuhalten. Diese Pläne sind für alle Beteiligten verbindlich – sowohl für das hauseigene, als auch für externes ­Reinigungspersonal.

Entsprechend sinnvoll ist es, wenn sich die externen Dienstleister in die Beratung der Pflegeeinrichtungen einmischen – denn keiner kann ohne den anderen. Gegebenenfalls unterschiedliche Ansätze sind in diesem Zuge auf Kompatibilität zu prüfen und müssen schließlich in eine sorgfältig ausgearbeitete, schriftliche Vereinbarung gegossen werden, damit ein einheitliches Infektionspräventionskonzept umsetzbar ist. Denn nur so sind rechtliche Risiken bis hin zur Schließung der Einrichtung vermeidbar.

Fazit: Grundsätzlich ist in deutschen Pflegeeinrichtungen die Erkenntnis hinsichtlich der Wichtigkeit von Hygiene- und Reinigungskonzepten vorhanden. Doch nicht selten scheitert eine zielführende Umsetzung an Budgetgründen oder fehlenden personellen Ressourcen. Auch der enorme Zeitdruck, unter dem die in den Einrichtungen tätigen Personen stehen, verhindert nicht selten die Einhaltung von Hygieneregeln. Rechtsverbindliche Standards für Pflegeeinrichtungen, die über die Empfehlungen des RKI und der KRINKO hinausgehen oder diese zumindest stärker untermauern, wären durchaus sinnvoll. Jedoch sollten diese nicht dazu führen, dass die ohnehin schon sehr begrenzten personellen Ressourcen durch zusätzliche Bürokratie weiter belastet werden.

Jasmeet Brar, Michael Di Figlia, Sven Tegeler | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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Michael Di Figlia

war 17 Jahre Geschäftsführer bei DTO Consulting und leitete dort den Bereich Cleaning Markets. Zum 1. März hat er die Geschäftsleitung beim ­Reinigungsmittelhersteller Kleen Purgatis übernommen.

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Jasmeet Brar

ist Expertin für Reinigung und Hygiene im Gesundheitswesen. Unter anderem war sie Leiterin Produkt­entwicklung im Bereich Krankenhaus­reinigung bei einem großen Gebäudedienstleister.

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Sven Tegeler

ist Key Account Manager und Vertriebsleiter bei Klüh Clinic Service mit über 25 Jahren Erfahrung im ­Caremarkt.