In Straßen und Gässchen Heimvorteil Ortskenntnis

Durch die Reinigung kommunaler Straßen können technische und personelle Kapazitäten besser ausgelastet werden. Fundierte Ortskenntnis ist Voraussetzung für eine aufwandsgerechte Kalkulation. Insbesondere bei längerfristigen Vertragsverhältnissen muss auch an objektive Kostensteigerungen gedacht werden.

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    Durch die Straßenreinigung kann die neue Kehrmaschine zu 60 Prozent ausgelastet werden.
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    Die Reinigung des Kopfsteinpflasters im historischen Nikolaiviertel erfordert viel akkurate Handarbeit.

Heimvorteil Ortskenntnis

-Die Kehrmaschine war in die Jahre gekommen. Deshalb hatte Gebäudereinigermeister Mike Lenk für 2005 den Kauf einer neuen eingeplant (Hako Citymaster 1800). „Es war ein Glückstreffer, dass wir gerade zu diesem Zeitpunkt durch die Stadtverwaltung Altenburg mit der Straßenreinigung beauftragt wurden“, berichtet der Geschäftsführer der ALDUS Altenburger Dienstleistung und Service GmbH. Durch die bessere Auslastung konnte sich die Investition schneller amortisieren.

Früher waren die Straßen der Skatstadt (siehe Infobox) durch städtische Mitarbeiter gereinigt worden. Mike Lenk: „Parallel dazu hatten wir aber schon Parkplätze und Betriebsgelände gereinigt und gelegentlich auch Sondereinsätze durchgeführt.“ 2004 beschloss der Stadtrat, die Straßenreinigung an einen Dienstleister zu vergeben, und schrieb den Auftrag bundesweit aus. ALDUS bildete mit der Remondis Thüringen GmbH Betriebsteil Altenburg eine Bietergemeinschaft und bekam den Zuschlag. „Weil der Partner eine große Kehrmaschine hat und sein Kerngeschäft die Müllentsorgung ist, ergänzen wir uns hervorragend“, so der Geschäftsführer.

Der Vertrag ist auf fünf Jahre befristet. Im Rahmen der Ausschreibung war ein Tourenplan erstellt worden. Mike Lenk: „Je nach Frequentierung und Kehrbedarf werden die Straßen in drei Reinigungsklassen mit ein-, zwei- und dreiwöchigen Zyklen eingeordnet.“ Weil insbesondere nach Schneefällen oder aber witterungsbedingt das Kehren nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, wurden vertraglich 43 Einsatzwochen im Jahr vereinbart. „Wir versuchen die Zyklen einzuhalten. Falls es aber objektive Hinderungsgründe gibt, verschieben wir Einsätze“, erläutert der Geschäftsführer.

Kopfsteinpflaster verlangt viel Handarbeit

Womit deutlich wird, dass ein Höchstmaß an Flexibilität notwendig ist. „Der ständige Dialog mit dem Partner und dem Tiefbauamt sowie eine passgenaue Verzahnung der Tourenpläne sind Voraussetzung für eine gute Organisation“, gibt Mike Lenk zu. Während die Remondis-Mitarbeiter die breiteren Straßen reinigen, kehrt das ALDUS-Team überwiegend enge Gassen und Plätze im historischen Stadtkern und Einbahnstraßen. Weil im Rahmen der denkmalgerechten Sanierung größtenteils Kopfsteinpflaster verlegt wurde und wird, ist vielerorts akribische Handarbeit erforderlich. Parkplätze müssen bis fünf Uhr früh gereinigt sein. Auf den Straßen beginnt der Kehrdienst um sieben Uhr. Damit auch die Straßenränder problemlos gekehrt werden können, stellt das Team von Remondis einige Tage vor dem Einsatz Parkverbotschilder auf. Mike Lenk: „Wer trotzdem parkt und unsere Arbeit behindert, wird durch die Ordnungshüter empfindlich zur Kasse gebeten.“ In der Regel ist die Arbeit in einer Schicht zu bewältigen. Allenfalls im Herbst sind zuweilen längere Einsätze erforderlich: „Das Falllaub wird vor dem Einsatz der Kehrmaschine von Hand zusammengekehrt“, so der Geschäftsführer.

Streusalz schadet der Kehrmaschine

Um kostendeckend arbeiten zu können, ist ein rationeller Einsatz von Technik und Personal das A und O. Tino Lenk: „Die Kommune hat den Auftrag zum Festpreis vergeben. Allenfalls nach Tariferhöhungen wird nachgebessert.“ Durch geschicktes Management und eine noch straffere Tourenplanung sei es jedoch bisher gelungen, unvermeidbare Erhöhungen der Betriebskosten aufzufangen. „Als alteingesessene Altenburger haben wir einen Heimvorteil“, verweist der Geschäftsführer auf seine gute Ortskenntnis.

Nach Veranstaltungen werden Plätze und Straßen weiterhin unter Regie der Stadtverwaltung gereinigt. Zwar führt ALDUS in Altenburg auch an verschiedenen Stellen in der Stadt den Winterdienst durch, doch lassen sich daraus nicht unbedingt Synergien ableiten. Nach Schneeperioden fällt zwar etwas mehr Kehrgut an, doch lässt sich der Mehraufwand in der warmen Jahreszeit kompensieren. Für den Transport des Kehrguts zur Entsorgung durch den Partner müssen keine besonderen Vorschriften eingehalten werden.

Durch die Übernahme der Stadtreinigung ist die neue Kehrmaschine zu mehr als 60 Prozent ausgelastet. Für den Winterdienst möchte Tino Lenk sie aber nicht umrüsten: „Der Verschleiß durch Streusalz würde in keinem Verhältnis zum Investitionsaufwand stehen“, meint der Unternehmer. Deshalb nutze er in der kalten Jahreszeit lieber Technik, die besser in das Auftragsbild passt. „Eine Kehrmaschine bleibt eine Kehrmaschine“, stellt er fest.