Michael Heimpel hat 2008 die Meisterprüfung im Gebäudereiniger-Handwerk abgelegt. Den Vorbereitungskurs absolvierte er bei der Gebäudereiniger-Innung Südbayern in München. Wie er diese Zeit erlebt hat, hat er in seinem „Tagebuch eines Meisterschülers“ aufgeschrieben.
„Ha, das wird ein Klacks! - ?“
- „Es war schon sehr hart“, erinnert sich der 42-Jährige, der trotzdem gerne an Lehrgang, Crashkurs und Lerncamp zurückdenkt. Heute arbeitet er als Repräsentant und Fachberater Anwendung/Technik bei Pramol-Chemie.
1. Februar: Erster Unterrichtstag, Werkstoffkunde. Ha, das wird ein Klacks. Die anderen Teilnehmer schauen schon komisch aus. Na ja, ist ja bald vorbei. Dauert nur 288 (!!!) Stunden.
2. Februar: Zweiter Unterrichtstag, Fachtechnologie. Das wird bestimmt auch kein Problem, oder? Die anderen schauen immer noch komisch aus. Aber was soll’s das nächste Wochenende ist frei. Geht doch, oder?
15. und 16. Februar: Kalkulation. So ein Schmarrn. Braucht man das wirklich? Aber die anderen checken auch nix. Na ja, ein kleiner Trost.
22. und 23. Februar: Schädlingsbekämpfung. Mein Gott, wie ekelig. Dachte, dass dies der Kurs für Gebäudereinigermeister ist und nicht für Oberkakerlaken. Der ganze Körper juckt. Aber nicht schlecht, was Referent Raster so für Tierchen dabei hatte.
29. Februar und 1. März: Auftragsbearbeitung. Dachte eigentlich, dass da was anderes kommt. Schon wieder so ein Schmarrn. Glaube, das liegt an der Referentin, muss so sein. An uns (die anderen sind doch alle okay) kann es nicht liegen!
7. und 8. März: Kalkulation und Wertstoffkunde Nichts Neues. Wieder hat keiner was kapiert oder sie verstecken es gut. Gott sei Dank gibt es noch die Werkstoffkunde. Zumindest für mich (hä, hä).
14. und 15. März: Krankenhausreinigung. Eigentlich wollte ich nicht Medizin studieren. Denke aber, dass ich da doch nicht drum rumkomme. Oh Gott, fühle ich mich auf einmal krank, Hilfe! Denke, wir sollten mal alle zusammen was trinken gehen. Sind wirklich alle ganz okay. Ach ja, wir haben zwei Wochen Ferien.
4. und 5. April: Endlich mal wieder was für Praktiker. Ist aber doch ganz schön heftig, auf was man alles aufpassen muss. Vor allen die Gondel in 234,53 m Höhe (oder waren es doch weniger?) war der Hammer. Das Highlight aber waren die rosa Gummistiefel der einen Kollegin.
11. und 12. April: Werkstoffkunde. Glaube, das schenke ich mir heute. Kann doch grundreinigen! Aber was soll es. Macht langsam richtig Spaß mit den Leuten.
18. und 19. April: Fachtechnologie. Macht echt Spaß. Mache mir jetzt schon Gedanken, was ich nach dem Kurs am Wochenende machen soll. Vielleicht einen Meisterschülerstammtisch?
25. April: Lernzielkontrolle. So, jetzt sind die Fronten wieder geklärt. Ab nach Hause und lernen. War ein Schuss vor den Bug. Aber wie schreibt die Witzany bei der Korrektur: „A bissl was geht immer.“ Hoffentlich behält sie Recht. Nächste Woche frei. Na ja, dann lernen wir halt (oder doch nicht?).
9. und 10. Mai: Fachtechnologie. Langsam geht’s ans Eingemachte. Das Tempo und vor allem der Stoff nehmen zu. Aber wir ha-ben ja noch Zeit. Die schriftliche Prüfung ist erst im Oktober. Genügend Zeit, um die komischen Formeln und Salze auswendig zu lernen.
30. und 31. Mai/6. und 7. Juni: Auftragsbearbeitung. Brauchen das erste Mal einen Taschenrechner. Mein Gott, wo ist die Wurzeltaste? Nichts wie los und einen neuen kaufen. Aber wie bedient man das Ding? Und dann noch dieses Mischkreuz! O-Ton Referent und Obermeister „Man (frau) muss es nicht kapieren, sondern nur machen.“ Na toll!
13. und 14. Juni: Kalkulation und Schädlingsbekämpfung. Langsam wird es was mit der Kalkulation. Praxistag in einem alten Krankenhaus. Super Anschauungsunterricht. Wir dürfen aber nicht darüber reden, wo wir waren warum?
20. und 21. Juni: Kalkulation. Seitdem wir an Beispielen rechnen, geht’s auch. Macht richtig Spaß. Gehen heute wieder mal gemeinsam in den Biergarten. Na ja, wer viel lernt braucht auch Abwechslung (gerade nach stundenlangen Dreisatzdiskussionen).
27. und 28. Juni: Fachtechnologie. Glaube, die ganzen Formeln, Salze, Symbole und Schutzbestimmungen werde ich mir nie merken können. Wie haben die anderen das nur gemacht? Meine Frau meint: „Zeit wird’s, dass der Schmarrn aufhört.“ Recht hat sie, wie immer!
4. und 5. Juli: Auftragsbearbeitung. Mein Gott, das vorletzte Wochenende. Wo ist die Zeit geblieben. Schon wieder so ein toller Plan zum Ausrechnen. Solche Gebäude gibt’s gar nicht. Ich bin mir sicher, die Prüfer können das auch nicht. Toll. Wir schon, oder? Grrrrrrr.
11. und 12. Juli: Krankenhausreinigung. So, das war’s dann. Noch mal ein paar Aldehyde, Quads, Viren, Bakterien usw. besprochen. Bin mir sicher, dass nicht mal die in den Krankenhäusern das alles können. Ha, wir sind halt Gebäudereiniger!
(Teil 2 folgt in der Novemberausgabe von rationell reinigen. )
Michael Heimpel | heike.holland@holzmann-medien.de
