Der in Sonntagsreden der Politik so hochgelobte Mittelstand und die ebenso wichtigen Kleinunternehmer fühlen sich derzeit im Stich gelassen. Man überschlägt sich in Versprechungen zur Rettung von unverantwortlich geführten Banken und zum Schutz der Kleinsparer. Von den Arbeitsplatzmotoren dieses Landes spricht kaum einer.
Grund zur Sorge – nicht zur Panik
-Kein Wunder also, dass sich die im Stich Gelassenen fragen, was aus ihren Geldanlagen wird. Ist Bargeld die Lösung?
Viele verunsicherten Kleinunternehmer werden jetzt überlegen, ihr Geld „in Sicherheit“ zu bringen und den guten alten Sparstrumpf ins Spiel bringen. Aber dieser Weg ist keine Lösung. Zum einen geht man das Risiko des Totalverlustes – beispielsweise bei einem Brand oder durch Diebstahl – ein. Zum anderen wird das Geld zu Hause durch die Inflationsrate immer weniger wert sein.
Vorweg eine gute Nachricht für Kleinunternehmer und Mittelständler, die ihre Finanzdinge über Sparkassen oder Genossenschaftsbanken abwickeln. Sie können ruhig schlafen, auch wenn die Medien das Schreckgespenst der Bankenpleite projizieren. Spareinlagen bei diesen Geldinstituten genießen einen 100-prozentigen Schutz.
Die Sparkassen beispielsweise sind dazu verpflichtet, sich gegenseitig zu unterstützen. Dadurch wird eine Insolvenz so gut wie ausgeschlossen. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken haben ähnliche Vorsorgeregelungen getroffen, so dass Geldanlagen in diesen Instituten sicher sind. Doch wie sieht es bei anderen Banken und Kapitalanlagen aus?
Sparbuch und Girokonto
Bei ihren niedrigen Zinssätzen kämpfen auch Sparbücher und Girokonten mit dem Wertverlust. Doch bezüglich der Bankenkrise kann man auch hier Entwarnung geben. Denn 90 Prozent dieser Gelder sind auf Grund staatlicher Vorschriften tabu. Das gilt aber nur bis zu einer Auszahlungsgrenze von 20.000 Euro. Bei rund 22.200 Euro wäre also eine Summe von 20.000 Euro abgesichert.
Zusätzlich gehören fast alle Banken in Deutschland dem Einlagensicherungsfonds an.
Ob Ihre Bank dieser Organisation angehört können Sie den allgemeinen Geschäftsbedingungen entnehmen oder im Internet unter www.bankenverband.de erfahren.
Eine Verpflichtung, dieser Schutzeinrichtung anzugehören, gibt es allerdings nicht. Der Einlagensicherungsfonds garantiert für die Absicherung von privaten und Unternehmenskonten zunächst im Rahmen der bereits beschriebenen staatlichen Vorgaben. Selbst wenn eine Bank ihre Mitgliedschaft kündigt, garantiert der so genannte Bestandsschutz die Einlagen bis zur gesetzlichen Mindestsicherung.
Doch auch wenn die Anlagen darüber hinausgehen, sind die Werte in den meisten Fällen geschützt. Von den Privatbanken haben sich viele freiwillig verpflichtet, pro Kunden die Summe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals zu garantieren. Bei großen Instituten kann dies eine achtstellige Summe sein. Auch diese Gelder werden vom Einlagensicherungsfonds übernommen.
Wie hoch die Garantien Ihrer Bank sind, können Sie dort oder über die Internetseite des Bundesverbands Deutscher Banken (www.bankenverband.de) erfahren.
Tagesgeld und Festgeld
Eine lukrative Verzinsung gibt es bei Tages- oder Festgeldanlagen. Wer also Geld kurz- oder mittelfristig anlegen will, sollte zu dieser Lösung greifen und Zinsen von derzeit fünf und mehr Prozent einstreichen. Diese Anlagen sind genauso gut abgesichert wie die Girokonten oder Sparbücher der Bank. Bei einer Bankenpleite wäre dieses Geld nicht futsch – kann aber über einen längeren Zeitraum eingefroren sein, so dass man nicht darüber verfügen kann.
Wer ganz sicher sein will: Auch der Bund bietet eine „Tagesanleihe“ an, die dann wirklich sicher ist. Allerdings erhält man hier einen Zinssatz, der unter vier Prozent liegt.
Aktien
Hat man Geld in Aktien angelegt und benötigt nun dringend Kapital, steht man vor einer mittleren Katastrophe. Die Kurse gehen in den Keller und die vor wenigen Wochen noch so lukrativen Anlagen verlieren immer mehr an Wert. Selbst Dax-Titel, die bisher als relativ stabile Wertanlagen galten, werden in diesen Sog mitgerissen.
Dass Aktien Risiken mit sich bringen, ist jedem bekannt. Die Kursschwankungen der Vergangenheit konnten auch gut verkraftet werden, weil fallende Kurse relativ schnell durch Steigerungen aufgefangen wurden. Experten gehen davon aus, dass die Wertpapiere auch diese Krise überwinden werden. Allerdings langfristig. Wer also die Möglichkeit hat, seine Aktien langfristig zu halten – wir sprechen hier durchaus von ein bis drei Jahren –, sollte dies tun. Beim derzeitigen Verkauf würde man herbe Verluste hinnehmen müssen.
Angst um ein Bankdepot muss man hingegen nicht haben. Die Wertpapiere im Depot gehören dem Anleger und nicht der Bank. Selbst wenn die Bank pleitemacht, gehören diese Papiere nicht zur Insolvenzmasse.
Fonds
Fonds sind Anlagepapiere, mit denen sich der Sparer an verschiedenen Anlageformen beteiligt. Verlieren diese Anlageformen an Wert, verliert auch der Fondsbesitzer Geld. Im Extremfall kann auch ein Fonds einen Wert von null erreichen. Doch dieser Fall ist äußerst unwahrscheinlich.
Besonders kritisch sind derzeit natürlich Fonds zu betrachten, die Aktien investiert haben. Umgekehrt kann ein Fonds auch in stabile Anlagen investiert haben und dadurch besonders sicher sein. Sollte eine Bank pleitemachen, sind die Fonds geschützt. Auch sie gelten als Sondervermögen der Bank, das nicht in die Insolvenzmasse eingerechnet wird.
Anleihen, Zertifikate
Mit einer Anleihe gibt man dem Herausgeber des Papiers einen Kredit. Dabei gilt die Faustregel, dass mit dem höheren Zinssatz für die Anleihe auch das Risiko steigt, weil zahlungskräftige Herausgeber niedrigere Zinsen gewähren. Wer also bisher hohe Zinsen eingestrichen hat, muss sich verstärkt Sorgen machen. Das leihende Unternehmen könnte im Rahmen der Wirtschaftskrise pleitegehen – und dann ist das Geld für die Anleihe futsch. Übrigens sind die Anleihen der Banken nicht über den Einlagensicherungsfonds abgesichert.
Also wäre dieses Geld bei einer Bankenpleite ebenfalls unwiederbringlich verloren. Auch die in der Vergangenheit immer beliebter gewordenen Zertifikate werden hier nicht abgesichert. Hier wurden zwar Garantien zum Kapitalerhalt geboten, die aber jetzt kaum noch ernstgenommen werden können.
Lebensversicherungen
Aktuell werden die Besitzer von Lebensversicherungen noch nichts von der Krise zu spüren bekommen. Doch im kommenden Jahr muss man damit rechnen, dass die Verzinsung der Verträge sinken wird. Lebensversicherungen investieren nur zum Teil in Aktien. Das Gesetz verbietet, dass mehr als 30 Prozent in Form von Aktien angelegt werden. Als wirklich sicher kann derzeit nur der Garantiezins von aktuell 2,25 Prozent (bei älteren Verträgen kann er allerdings bis zu 4 Prozent betragen) bezeichnet werden.
Neben dem Garantiezins stellt die Überschussbeteiligung die variable Komponente der Lebensversicherung dar. Diese Überschussbeteiligung muss bis Ende 2008 für das kommende Jahr festgelegt werden. Hier wird sich die Finanzkrise negativ auswirken – kann aber in Teilen von den Versicherern aufgefangen werden, die in den „fetten Jahren“ für solche Situationen Rücklagen gebildet haben.
Allerdings darf man hier nicht zu viel erwarten, da diese Rücklagen bei den Versicherern bereits geschrumpft sind und ganz sicher nicht komplett ausgegeben werden. Allerdings sind das bisher eingezahlte Geld und die bereits erhaltenen Zinsen sicher. Wie sich die Versicherung in Zukunft darstellt, hängt von der weiteren Marktentwicklung ab.
Kredite
Die Beschaffung von Krediten wird für Kleinunternehmer jetzt noch schwerer werden. Die Banken haben größte Probleme, um sich selbst Geld zu leihen, und werden in der nächsten Zeit die Schrauben noch fester anziehen, wenn es darum geht, Geld an Kleinunternehmer zu verleihen. Das Kreditzinsniveau ist generell gestiegen. Geld wird aber durch die Finanzkrise noch knapper. Im Ergebnis halten sich die Banken mehr als dezent zurück, Geld zu verleihen, wobei gerade langfristige Kredite exorbitant teuer werden. Doch die Verteuerung wird auch den klassischen Überziehungskredit beim Girokonto mit sich reißen.
Kann eine Bank in Deutschland pleitegehen?
Keine Bank in Deutschland muss Konkurs anmelden. Dieser Satz ist richtig und irreführend zugleich. Denn die Liquidierung einer Bank wird vom Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) durchgeführt. Dabei wird so lange wie möglich geschwiegen, um eine angeschlagene Bank nicht durch Panik der Kunden, die ihr Kapital so schnell wie möglich abziehen wollen, noch mehr ins Trudeln zu bringen.
Um diesen Run der Sparer und Anleger gar nicht erst entstehen zu lassen, verhängt die BaFin für die betroffenen Banken ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Jetzt darf kein Geld mehr die Bank verlassen. Dieses Verbot kann bis zu sechs Wochen aufrechterhalten werden. In dieser Zeit erhält man kein Geld am Automaten, die Daueraufträge werden nicht mehr bedient – auf der Ausgabenseite stehen die Räder der Bank still.
Wer in diesem Fall sein gesamtes Gespartes und seine Girokonten bei einer „Hausbank“ hat, steht vor einem echten Problem. Er kommt an das Geld nicht heran. Darum sollte man zumindest mit zwei Banken zusammenarbeiten, um laufende Zahlungen bedienen zu können und nicht durch die Bankprobleme in eine – unverschuldete – eigene Finanzkrise zu geraten.
Während des Veräußerungs- und Zahlungsverbotes wird versucht, die Bank zu retten. Man versucht, neues Kapital zu beschaffen, und prüft, ob die Bank noch zu retten ist. Ist dies nicht der Fall, beantragt die BaFin die Insolvenz. Dann geht es nur noch darum, die verbliebenen Mittel der Bank zu verteilen.
Doch die Sache hat einen Haken: Es kann – gerade bei Privatbanken – sehr lange dauern, bis der Sparer an sein Geld kommt. Zunächst muss die Zeit des Veräußerungs- und Zahlungsverbotes (bis zu sechs Wochen) überbrückt werden. Kommt es dann zur Insolvenz, müssen Unterlagen verschickt werden und der Sparer muss seine Rechte anmelden. Erst wenn diese Unterlagen geprüft wurden, kommt es zur Auszahlung.
Werden Banken in Deutschland sterben?
Entscheidend ist jedoch die Frage, ob es überhaupt zu Bankenpleiten in Deutschland kommen wird. Diese Frage kann derzeit keiner eindeutig beantworten. Ob es zu Insolvenzen kommt, hängt stark davon ab, wie sich das Vertrauensverhältnis der Banken untereinander und zu den Kunden entwickelt. Um dieses Vertrauen zu erhalten beziehungsweise wieder herzustellen, wird man nicht umhin kommen, mit staatlichen Mitteln die krisengeschüttelten Institute zu stützen.
Dass Kleinunternehmer, die um jeden Cent kämpfen müssen, hierüber erbost sind, ist mehr als verständlich. Doch es gibt derzeit keine Alternative. Darum sollte man die Maßnahmen im Rahmen der Krise aus zwei Blickwinkeln sehen. Zum einen die „Sofortmaßnahmen“, die die Krise eindämmen und überwinden helfen, und zum anderen die Lehren, die man hieraus zieht.
Dabei ist die Regulierung des Marktes nicht das Allheilmittel. Wir haben bereits jetzt Mechanismen, mit denen man versucht, die Banken und vor allem ihr Anlageverhalten im Griff zu behalten. Dies sind aber nationale Bemühungen, die international nicht funktionieren. Wir benötigen ein weltweites Frühwarnsystem und vor allem Banker, die verantwortungsbewusst mit dem ihnen anvertrauten Geld umgehen.
Ob die Deckelung von Spitzengehältern und die Haftung der Banker der richtige Weg ist, ist zweifelhaft. Erfolgversprechender dürfte hier der Versuch sein, die Erfolgskriterien, die über das Salär des Bankers entscheiden, neu zu definieren. Dabei muss aber auch weiterhin der Profit der Bank eine Rolle spielen, denn ohne die Erwirtschaftung von Gewinnen würde dieses System komplett zusammenbrechen.
Neben der monetären Leistung sollten aber auch soziale und volkswirtschaftliche Komponenten in die Leistungsbewertung einfließen. Wenn beispielsweise der Erhalt von Arbeitsplätzen ein Erfolgskriterium der Banken wäre, würde dies ganz sicher die Kredite für Kleinunternehmer und Mittelständler günstiger werden
lassen.