Viele Betriebe stehen derzeit vor der Herausforderung, ihren Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Ein Gebäudedienstleister berichtet, wie er das Thema E-Mobilität angegangen ist und von welchen Kriterien er sich hat leiten lassen.

Gebäudedienstleister sind viel unterwegs. So auch die Mitarbeitenden der Unternehmensgruppe Peter Schneider mit Verwaltungssitz in Hannover. Mit rund 5.500 Mitarbeitenden erbringt Peter Schneider an 15 Standorten bundesweit infrastrukturelles Gebäudemanagement sowie Cateringleistungen. Die Liegenschaften der Kunden sind oft zahlreiche Kilometer voneinander entfernt und täglich werden Objekt-, Außendienst- und Niederlassungsleitungen vor Ort gebraucht. Ein funktionaler Fuhrpark ist für die Gebäudedienstleistung daher „ein Grundstein für kundenorientierte Dienstleistungsunternehmen“, so die Fuhrparkleiterin Alexandra Kammerer.
Bereits im Jahr 2021 hat sich das Management mit einem bewussten Schritt dazu entschlossen, einen Teil des Fuhrparks auf E-Mobilität umzustellen. Diese Umstellung sei "als größte Stellschraube des Unternehmens" erkannt worden, "um die CO2-Belastung entscheidend zu senken und einen langfristigen und großen Anteil zur Nachhaltigkeit hinzuzusteuern". Auch wirtschaftliche Vorteile wie etwa durch die damalige von der Bundesregierung geförderte BAFA-Prämie, die für den Kauf oder das Leasing von Elektrofahrzeugen in Anspruch genommen werden konnte, wurden in die Entscheidung einer Umstellung mit einbezogen. Gleichzeitig ergab sich ein Pluspunkt für die Mitarbeitenden: Der geldwerte Vorteil muss bei E-Fahrzeugen mit nur 0,25 Prozent des Listenpreises versteuert werden – ein nicht zu vernachlässigender finanzieller Anreiz.
Im ersten Jahr nach dem Startschuss wurden insgesamt 46 batteriebetriebene Fahrzeuge in den Bestand aufgenommen, was seinerzeit etwa 20 Prozent des Gesamtanteils des Fuhrparks ausmachte. Heute, fünf Jahre später, sind fast 60 Prozent der Fahrzeuge in der Flotte vollständig elektrisch betrieben und die Zahl steigt kontinuierlich weiter. Sämtliche Fahrzeuge für leitendes Personal sind mittlerweile E-Fahrzeuge.
Einzig Transporter für die Fachabteilungen Grund- und Sonderreinigung sind noch nicht umgestellt. Der Grund: Auch nach intensiver Recherche und Sondierung des Fahrzeugmarktes gebe es noch keine Lösung, die im Nutzfahrzeugsegment ein vollumfängliches Ersatzfahrzeug biete. Diese Fachabteilungen müssen kurzfristig reagieren und bei weiteren Strecken mehr Material transportieren. Hierbei sei eine maximale Flexibilität erforderlich und dementsprechend eine hohe Batteriekapazität notwendig. Diese Kombination ist aktuell nach Einschätzung von Peter Schneider noch nicht gegeben.
Viele E-Transporter seien zudem noch sehr hochpreisig in der Anschaffung, weisen längere Ladezeiten auf und haben eine Reichweite von knapp 250 Kilometern, was für den beschriebenen Bedarf nicht ausreichend sei. Jedoch arbeitet Peter Schneider auch diesbezüglich an einem Lösungsansatz für eine dauerhafte Umstellung: Der Markt wird weiterhin sondiert und Verhandlungen mit verschiedenen Herstellern von Elektrotransportern laufen, um eine langfristige wirtschaftliche Lösung zu finden. Sobald die Ladezeiten kürzer und Reichweiten besser werden, gehe die Unternehmensgruppe jedenfalls auch in diesem Fahrzeugsegment in die langfristige Umstellung.
Parameter für die Wahl des geeigneten Modells
Zurück zum Startpunkt: Nachdem die Entscheidung zur Anschaffung von Elektrofahrzeugen gefallen war, mussten sich die Fuhrparkverantwortlichen im nächsten Schritt für das passende Modell entscheiden. Bei dieser Findungsphase waren unterschiedliche Parameter zu beachten, die für die Branche der Gebäudedienstleistung enorm wichtig sind. Unter anderem galt es als eine absolute Notwendigkeit, dass eine bundesweite Verfügbarkeit von Service- und Reparaturwerkstätten gegeben ist. Weitere Aspekte, auf deren Grundlage die Entscheidung für ein für die Branche der Gebäudedienstleistung geeignetes Fahrzeugmodell gefällt wurde, sind:
- ein kompaktes Außenmaß des Modells, um wendig und auch praktisch für den Stadtverkehr zu sein;
- ein hoher Komfort im Innenraum, damit auch längere Fahrten problemlos vorgenommen werden können;
- ein großzügiger Innenraum, um genug Platz für kleine Ladungen wie Geräte, Wischmopps oder Reinigungsmittel zu bieten;
- eine Reichweite von real mindestens 400 Kilometern (77 Kilowatt Nettokapazität) und geringe Verbräuche des Akkus, um auch längere Fahrten ohne zusätzliche Ladungen zu gewährleisten;
- eine Ladeleistung von mindestens 179 Kilowatt, damit ein Aufladen des Fahrzeuges an geeigneten Ladestationen innerhalb weniger Minuten erfolgen kann.
Nach Abgleich dieser Punkte mit diversen am Markt zur Verfügung stehenden E-Fahrzeugen fiel die Wahl der Peter-Schneider-Unternehmensgruppe letztendlich auf das Modell ID3 aus dem Volkswagen-Portfolio.
Zwar waren die Anschaffungskosten für E-Fahrzeuge im Jahr 2021 noch gut 20 Prozent höher, als sie es im Jahr 2026 sind; inzwischen haben sich die Preise jedoch auf einem Niveau stabilisiert, das diese Technologie nun auch für eine breite Masse zugänglich macht. Ein größerer Unsicherheitsfaktor zeige sich allerdings nach wie vor im Weiterverkaufswert von Elektrofahrzeugen. Hier seien aufgrund stetig fallender Anschaffungspreise und folglich sinkender Restwerte der Fahrzeuge deutliche Schwankungen im Preis und Schwierigkeiten in der vorherigen, wirtschaftlichen Kalkulation zu beobachten.
Vor diesem Hintergrund hat sich Peter Schneider für das Leasing entschieden. Anschaffung und Rückgabe sind damit im Vorfeld geklärt und die Kosten konstant kalkulierbar. Zudem ist im Leasingmodell ein Wartungsvertrag mit eingebaut, sodass eine vollständige Planungssicherheit gegeben ist.
Die Aspekte CO2-Ausstoẞ, Versicherung und Ladeinfrastruktur
Ein weiterer, mit der zentralisierten Umstellung einhergehender Vorteil, ist die EU-CO₂-Flottengrenze, denn: Jedes Gramm an CO2-Ausstoß über den vorgegebenen Zielen der EU auf dem Weg zur Klimaneutralität kostet Automobilhersteller 95 Euro pro Fahrzeug. Diese Strafzahlungen werden meistens über die Listenpreise der Fahrzeuge an die Endverbraucher weitergegeben. Bei einer Fahrzeugflotte wie der von Peter Schneider kann dies teuer werden, wenn weiterhin Fahrzeuge mit hohem CO₂-Ausstoß, wie Verbrennerfahrzeuge, angeschafft werden. Die Hersteller lassen die Strafzahlungen in den Fahrzeugpreis einfließen, was zu steigenden Betriebskosten führt. Das langfristige Ziel der Unternehmensgruppe lautet daher, den Ausstoß an CO2 im Zusammenhang mit dem Fuhrpark auf null zu reduzieren – und zu 100 Prozent elektrisch zu fahren.
Für die Versicherung eines Fuhrparks greifen Unternehmen in der Regel auf sogenannte Flottenversicherungen zurück. Damit werden alle Fahrzeuge eines Fuhrparks zentral versichert, was den Verwaltungsaufwand reduziert und günstige Stückprämien sichert. Diese angebotenen Flottenversicherungen lassen sich auch für Elektrofahrzeuge verwenden. Dies verhindert, dass die Aufwände nicht etwa durch Sonderversicherungen steigen.
Um die Kosten weiterhin so gering wie möglich zu halten, wurden zudem die firmeninternen Lademöglichkeiten breit aufgestellt. Neben Wallboxen direkt an den Niederlassungen des Unternehmens wurden für jedes Fahrzeug zwei unterschiedliche Ladekarten angeschafft, die zu unterschiedlichen Betreibern von deutschlandweiten Ladestationen gehören. Somit lässt sich auch in Bereichen mit geringerer Infrastruktur an Elektroladestationen ein flächendeckendes Laden gewährleisten.
Ein weiterer Meilenstein der Elektromobilitätsstrategie wurde im Jahr 2025 mit der Inbetriebnahme zweier Schnellladestationen in Ravensburg und Hannover erreicht. Mit einer Leistung von je 400 Kilowatt bieten diese Stationen eine der höchsten Ladegeschwindigkeiten auf dem Markt. Diese Investition zahlt auf eine noch effizientere Zeit- und Ladeplanung ein und trägt somit zur Akzeptanz bei den Beschäftigten bei. Mehr noch: Die Schnellladestation in Hannover steht nicht nur für den internen Fuhrpark zur Verfügung, sondern wurde auch für die öffentliche Nutzung zugelassen und unterstützt somit auch andere E-Auto-Fahrer in der Region.
Für die Errichtung der zwei Schnellladesäulen mit vier Ladepunkten an der Hauptzentrale in Hannover war zunächst ein Genehmigungsverfahren zu durchlaufen. Die dafür erforderlichen Anträge, Besichtigungen und Abstimmungen wurden gemeinsam mit dem Betreiber Enercity durchgeführt. Von der Projektierung bis zur Inbetriebnahme der Säulen vergingen zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit wurde seitens des Netzbetreibers geprüft, ob die Stromversorgung am Grundstück ausreicht, die Baugenehmigung beantragt und ein Antrag auf Anschlussnutzung gestellt. Im Anschluss wurde die Säule bei der Bundesnetzagentur in das Ladesäulenregister übernommen.
Die Ladesäulen letztendlich auch in die Navigationsgeräte und Apps der Kartenanbieter zu bekommen, sei sehr herausfordernd gewesen. Der Eintrag aus dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur musste dafür in die Datenbanken von Google und Co. übermittelt werden. Dieser Prozess hat nach Freischaltung der Anlage noch einmal knapp neun Monate gedauert, bis die Säulen überall sichtbar waren. Inzwischen ist die öffentlich zugängliche Ladestation aber in allen gängigen Navigationssystemen verortet. Für Peter Schneider hat sich die öffentlich zugängliche Ladestation bereits im ersten Jahr nach der Inbetriebnahme ausgezahlt; die Auslastung liegt hier mittlerweile im mittleren fünfstelligen Kilowattbereich.
Ein Aspekt am Rande, der aber nicht gänzlich ausgeblendet werden darf: Ladestationen stehen immer wieder auch im Blickpunkt von Diebstahl. Laut eines Berichts in der Tagesschau registrierte beispielsweise der Energiekonzern EnBW im Jahr 2025 weit über 900 Diebstähle von den Kabeln der Ladestationen. Diese Kabel enthalten wertvolles Kupfer, welches anschließend verkauft wird. Bei der Peter-Schneider-Unternehmensgruppe reagiert man auf dieses Ärgernis mit einem Sicherheitskonzept rund um die Ladesäulen: Zum einen sind hochwertige Sicherheitskameras und starke Flutlichtstrahler installiert worden, um Diebe fernzuhalten; zum anderen wurden schnittfeste Überzüge angebracht, damit ein Zerschneiden der Kabel nicht mehr möglich ist.
Das Thema Mitarbeiterakzeptanz
Ein zentrales Thema beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge war, wie bereits angedeutet, die Akzeptanz der Belegschaft. Zunächst mussten sich die Mitarbeitenden an neue Arbeitsabläufe gewöhnen, da regelmäßige Ladestopps in die Tagesplanung integriert werden mussten. Durch kleinere Batterien der Elektrofahrzeuge in den ersten Auslieferungsmodellen kam es in der Anfangsphase vermehrt zu notwendigen Haltestopps zum Aufladen der Akkus. Daraufhin wurde die Kundenstruktur der Objektleitungen untersucht und eine Fahrplanoptimierung durchgeführt, um zeitliche Planbarkeit zu gewährleisten beziehungsweise sicherzustellen, dass Kundenobjekte regelmäßig und pünktlich zu erreichen sind. Des Weiteren erfolgte ein Umstieg auf Modelle mit der größtmöglichen Batteriekapazität (ab 77 Kilowatt), was die Reichweite fast verdoppelte.
Ein weiteres Anliegen war die Sicherheit der Fahrzeuge: Da Unfälle mit Hochvoltfahrzeugen Gefahren wie Stromschläge oder sogar Brände bergen, führten die Fuhrparkverantwortlichen von Beginn an umfassende Fahrerschulungen durch, in denen die Mitarbeitenden die Funktionsweise und Sicherheitsaspekte der Fahrzeuge nähergebracht bekamen. Um die Akzeptanz weiter zu erhöhen und gleichzeitig die Unfallrate zu senken, wurden die angeschafften E-Fahrzeuge über die Standardkonfiguration hinaus mit diversen verfügbaren Extras ausgestattet: etwa mit einer Wärmepumpe zur Reichweitenoptimierung, Rückfahrkameras sowie allen bestellbaren Sicherheitsassistenten.
Werkstattmanagement und Reparaturen
Zu Beginn der Elektromobilität hatten viele Werkstätten noch nicht ausreichend geschultes Personal für die Reparatur der entsprechenden Fahrzeuge. Besonders bei komplexen Systemfehlern konnte nur auf große Reparaturzentren zurückgegriffen werden. Häufig auftretende Probleme betrafen Displayausfälle, Updatefehler oder Verluste der Ladeleistung. Die gesetzlich vorgeschriebene UVV-Prüfung (Unfallverhütungsvorschriften) für Fahrzeuge und Ladekabel stellte ebenfalls eine Herausforderung dar, da in vielen Werkstätten die qualifizierten Fachkräfte zur Durchführung dieser Prüfung an E-Fahrzeugen fehlten. In diesen Fällen erschwerte oft eine längere Anfahrt zu spezialisierten Werkstätten die Abnahme und regelmäßige Kontrolle – was Zeit und Ressourcen kostete. Seit 2024 habe sich allerdings viel getan und mittlerweile würden auch kleinere Werkstattbetriebe die Elektrofahrzeuge gut abdecken.
Wo geht die (E-)Reise hin?
Wie erwähnt, ist es das erklärte Ziel der Unternehmensgruppe Peter Schneider, den gesamten Fuhrpark zu elektrifizieren, inklusive der Nutzfahrzeuge. Gerade was Letztere betrifft, gibt es jedoch noch diverse Herausforderungen: Wie erwähnt, reichen die Reichweite und Nutzlast der aktuell verfügbaren E-Transporter oft nicht aus, um die täglichen Anforderungen zu erfüllen. Die Fahrzeuge müssen teilweise bis zu 300 Kilometer am Tag unter engen Zeitplänen zurücklegen. Die Entwicklung in diesem Bereich bleibe abzuwarten.
Zur weiteren Steigerung der Akzeptanz der Elektrofahrzeuge plant die Fuhrparkleitung flächendeckende Fahrsicherheitstrainings für Mitarbeitende, die ganz konkret auf die Elektromobilität ausgelegt sind – unter anderem was das Thema Fahrdynamik betrifft. Diese Trainings werden durch die Berufsgenossenschaft (BG) gefördert und sollen nicht nur das Vertrauen in die Fahrzeuge erhöhen, sondern auch das Fahrverhalten der Mitarbeitenden optimieren. Zudem sollen durch die Schulung Sicherheitsrisiken frühzeitig erkannt und die Schadensquoten langfristig reduziert werden.
Trotz anfänglicher Hürden und Herausforderungen bei der Reise in Richtung Elektromobilität zieht die Peter-Schneider-Unternehmensgruppe heute alles in allem eine äußerst positive Bilanz: "Die Entwicklung der Fahrzeuge hat sich deutlich zum Guten gewendet und bezüglich der zukünftigen Entwicklung sind wir durchaus weiter zuversichtlich", erklärt Fuhrparkleiterin Alexandra Kammerer und betont abschließend noch einmal: "Besonders die steigende Akzeptanz und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden bestätigen den Erfolg der Umstellung. Viele schätzen mittlerweile nicht nur den Komfort, sondern auch die Spritzigkeit der Elektrofahrzeuge."
Quelle: Unternehmensgruppe Peter Schneider | guenter.herkommer@holzmann-medien.de