185 Jahre Dreiturm Für die Zukunft gerüstet

Für Dreiturm hat mittlerweile ein neues Kapitel begonnen: Mit Stefan Hedler gibt es inzwischen einen alleinigen Gesellschafter, der bereits kräftig in die Zukunft des Familienunternehmens investiert hat. Zum 185-jährigen Bestehen gewährte der Hersteller von Reinigungsmitteln Einblicke ins Gestern, Heute und Morgen - bei einem Fest mit Gauklern, Feuerschluckern , Märchenerzählern und 300 Gästen im Hof des Schlosses am Firmensitz in Steinau an der Straße.

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    Geschäftsführer Willi Riek konnte rund 300 Gäste bei der Jubiläumsfeier auf dem Gelände des Schlosses in Steinau an der Straße begrüßen.
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    „Wir werden an der Weiterent-wicklung des Unternehmens arbeiten“, versicherte Stefan Hedler. Seit Anfang 2009 ist er alleiniger Gesellschafter.
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    „Dreiturm gehört zu den herausragenden Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis“, sagte Landrat Erich Pipa und stellte die Investitionen in die Zukunft heraus.
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    Der Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe hob die Investitionen des Unternehmens in Standort und Arbeitsplätze hervor.
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    „Wir Steinauer sind besonders stolz auf die Familie Hedler, die ihren 300 Beschäftigten eine gute Zukunfts-perspektive gibt“, erklärte Bürgermeister Walter Strauch.
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    „Der Firma, die ihre Wurzeln in Schlüchtern hat, gratuliere ich herzlich mit leisem Bedauern zum Jubiläum“, sagte Schlüchterns Bürgermeister Falko Fritzsch.
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    Im Innenhof des Schlosses in Steinau an der Straße feierte Dreiturm mit geladenen Gästen das 185-jährige Bestehen des Unternehmens, das seinen Firmensitz seit 1930 in Steinau hat.
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    Sogar die Brüder Grimm gehörten zu den Gratulanten - hier zu sehen mit Gesellschafter Stefan Hedler, den Geschäftsführern Willi Riek und Hans-Jürgen Schuder sowie Andreas Görres, Leiter der Abteilung Großverbraucher.
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    Das Hauptgebäude von Dreiturm im hessischen Steinau an der Straße ist inzwischen denkmalgeschützt. Auf dem großflächigen Areal kamen im Laufe der Zeit weitere Produktions- und Lagerhallen dazu.
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    Zum Festprogramm gehörte eine Werksbesichtigung. Dreiturm stellt Reinigungs- und Pflegemittel her und arbeitet auch für Lohnkunden. Auf unserem Bild wird gerade Flüssigseife abgefüllt und verpackt.

Für die Zukunft gerüstet

- 185 Jahre nach der Gründung beschäftigt Dreiturm rund 300 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr 30 Millionen Euro um. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Reinigungs- und Pflegemittel für gewerbliche Großverbraucher und ist außerdem für Lohnkunden unter anderem im kosmetischen und pharmazeutischen Bereich tätig. Die eigenen Produkte tragen ein Drittel zum Umsatz bei, zwei Drittel macht die Lohnfertigung aus. „Dreiturm gehört zu den herausragenden Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis“, betonte denn auch Landrat Erich Pipa bei der Jubiläumsfeier. Das Unternehmen investiere in die Zukunft und setze nicht auf kurzfristige Bilanzerfolge. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Sascha Raabe hob die Investitionen in Standort und Arbeitsplätze und besonders die Verdienste von Geschäftsführer Willi Riek hervor. Riek hatte seine Laufbahn bei Dreiturm vor 43 Jahren mit einer Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. „Er kämpft nicht für sich, sondern für die Mitarbeiter“, lobte Raabe. Und Falko Fritzsch, Bürgermeister des nahe gelegenen Ortes Schlüchtern, sagte: „Der Firma, die ihre Wurzeln in Schlüchtern hat, gratuliere ich herzlich mit leisem Bedauern - zum Jubiläum.“

Wie ein Schiff in schwerem Sturm

Das Unternehmen im hessischen Steinau an der Straße hat eine wechselvolle Geschichte. Ob Kriege, NS-Regime, Wirtschaftskrisen, firmeninterne Umstrukturierungen oder Eigentümerwechsel: Wie ein Schiff in schwerem Sturm habe Dreiturm alle Klippen umsegelt, berichtete Walter Strauch, Bürgermeister der Brüder-Grimm-Stadt Steinau. Die Firma wurde 1825 von Victor Wolf als Seifenfabrik in Schlüchtern gegründet, erlebte nach dem Ersten Weltkrieg einen beträchlichen Aufschwung, zog 1930 auf ein größeres Gelände mit eigenem Gleisanschluss im benachbarten Steinau um und wurde 1935 von den Nationalsozialisten erst beschlagnahmt, dann enteignet und schließlich an Sidol verkauft. Firmenchef Max Wolf und seine Familie emigrierten nach England. Nach der Rück-übereignung im Jahr 1948 übernahm Max Wolfs Sohn Gerald die Leitung des Unternehmens, das kurz vor Kriegsende fast völlig zerstört worden und 1950 wieder voll betriebsfähig war.

Vom Berater zum geschäftsführenden Gesellschafter

1970 kam Dr. Rudolf Hedler zu Dreiturm. Aus dem anfänglichen Berater in finanziell schwieriger Situation wurde bald ein geschäftsführender Gesellschafter, der die Firma sanierte und die Weichen für die Zukunft stellte. Unter anderem baute er den Bereich Lohnfertigung aus und stellte die Produktpalette von Seife, Pulver und Aerosolen auf hochwertige Kosmetik- und Pharmazieprodukte um. Produktions- und Lagerhallen entstanden und auch das Vertriebs-system für den Bereich Großverbraucher/Reinigung wurde neu ausgerichtet. Als Geschäftsführer hielt Rudolf Hedler die Fäden bis 1995 in der Hand; nach ihm standen Karlfried Hagemann (1994 bis 1999) und Dr. Udo Brand (1989 bis 2003) dem Unternehmen vor. Seit 2000 wird Dreiturm von Willi Riek (kaufmännischer Be-reich) und Hans-Jürgen Schuder (technischer Bereich) geführt. Seinen 50-Prozent-Anteil an Dreiturm übertrug Rudolf Hedler kurz vor seinem Tod im Jahr 2008 an seinen Sohn Stefan.

„Steinau ist sehr stolz darauf, dass die Unternehmerfamilie Wolf der eigentliche Begründer des Industriestandortes Steinau war“, erklärte Bürgermeister Walter Strauch den Gästen der Jubiläumsfeier. Aus der ursprünglichen Seifensiederei habe sich eine hochmoderne Fabrikationsstätte für chemische Produkte und Arzneimittel entwickelt, die am Ort ein sehr geschätzter Arbeitgeber sei. Besonders stolz seien die Steinauer auf die Familie Hedler, die mit einem klaren Bekenntnis zum Standort Steinau und den nunmehr getroffenen unternehmerischen Entscheidungen ihren über 300 Beschäftigten eine gute Zukunftsperspektive gebe.

Zwei Millionen Euro ins Unternehmen investiert

Stefan Hedler, der nach dem Tod seines Vaters 50-Prozent-Gesellschafter war, hatte Anfang 2009 die restlichen Anteile von den Nachkommen der Gründerfamilie Wolf erwerben können. „Wäre es anders gekommen, hätte die Zerschlagung des Unternehmens ge-droht“, sagte Geschäftsführer Willi Riek am Rande der Jubiläumsfeier. Inzwischen habe Hedler bereits zwei Millionen Euro ins Unternehmen investiert. Anfang 2010 wurde ein neues Forschungs- und Entwicklungslabor eröffnet, seit Kurzem gibt es ein neues Hochregallager und demnächst soll ein neuer Ansatzkessel in Betrieb genommen werden. „Wir werden an der Weiterentwicklung des Unternehmens arbeiten“, versicherte der Inhaber.

Dreiturm sei für ihn schon immer Gegenstand des familiären Alltags gewesen, betonte Hedler, der zwei ältere Schwestern hat. Als Teenager habe er in den Schulferien in der Produktion mitgearbeitet und nach dem Schulabschluss eine Lehre zum Industriekaufmann in der Firma absolviert. Auch während seiner Tätigkeit im Ausland sei er eng mit dem Unternehmen verbunden gewesen. Seit rund 20 Jahren lebt der heute 45-Jährige mit seiner Frau und inzwischen drei Kindern in Kanada. Dort führte er eine Firma, die auf den Import und den Vertrieb von Kosmetika spezialisiert war. Die Produktlinie Glysomed wurde jahrelang bei Dreiturm produziert. Inzwischen sind die Rechte in den USA und Kanada an Blistex verkauft worden und Stefan Hedler ist regelmäßig eine Woche im Monat in Steinau und bespricht mit den Geschäftsführern Willi Riek und Hans-Jürgen Schuder, was zu besprechen ist.

„Eine der größten Herausforderungen wird es sein, sich in diesen Jahren der wirtschaftlichen Turbulenzen weiterhin auf die Ursprünge zu besinnen, aber dennoch gegen die immer größer werdende internationale Konkurrenz zu bewähren“, sagte Hedler bei der Ju-biläumsfeier. Unter anderem sollen die Kapazitäten und Technologien im Bereich Lohnfertigung weiter ausgebaut und der Marktanteil im Bereich Großverbraucher/Reinigung durch Entwicklung und Innovation vergrößert werden. Im Bereich Export/Eigenmarken will Hedler neue und internationale Märkte erschließen.

Auch die Brüder Grimm gratulierten

Unter den Gratulanten waren nicht nur Geschäftspartner und Vertreter der Politik, sondern auch die Brüder Grimm (Rüdiger Schade als Jakob und Benedikt Selzner als Wilhelm, beide Schauspieler der Brüder-Grimm-Märchenfestspiele in Hanau). Sie brachten den Gästen die Firmengeschichte nahe und verrieten, wie das Unternehmen zu seinem Namen kam: Als Max Wolf im Jahr 1929 vor dem Umzug nach Steinau von Schlüchtern aus ins Tal blickte, sah er drei Türme die der Stadtkirche und des Klosters. Der Name Dreiturm war geboren. Und die Brüder Grimm versicherten den Gästen: „Heute haben wir Ihnen ausnahmsweise keine Märchen erzählt.“

Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de