Die Sonne bringt’s an den Tag Frühjahrskur für Grünanlagen

Die ersten Sonnenstrahlen des Frühjahrs bringen buchstäblich ins Licht, was der Winter in den Grünanlagen hinterlassen hat. Nicht nur die vielen Plastikteile und Papierfetzen in den laublosen Gehölzpflanzungen trüben das Bild, sondern ebenso vertrocknete Äste und Zweige, unbepflanzte Beete, Staudenflächen mit den leblosen Trieben des Vorjahres. Und dabei geht es nicht nur um das optisch negative Erscheinen der Anlagen, sondern oft auch um Sicherheit. Beispielsweise können vermoderte Laubreste auf Platten- und Pflasterflächen erhebliche Rutschgefahren bergen.

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    Für die gründliche und wirtschaftliche Säuberung von Verkehrsflächen werden in erster Linie Anbau- oder auch Aufbaukehrmaschinen eingesetzt.
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    Mit drei Besen bestückt erlaubt diese Maschine rationelles Kehren auch an schwerer zugänglichen Stellen.
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    Mit dem Rasenstriegel lassen sich leichtere Verfilzungen sehr wirtschaftlich beseitigen.
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    Der handgeführte Aercore 800 ist vielseitig einsetzbar. Er kombiniert einen Aerifizierer mit einem An bau vertikutierer und kann beide Vorgänge einzeln oder auch in Kombination übernehmen.
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    Jahreshauptprüfung der Spielplätze: Das Freilegen von Standpfosten aus Holz ist dabei ein „Muss“! Geprüft wird durch vorsichtiges Anbohren, ob sich das Holz – und wenn ja, wie tief – zersetzt hat.

Frühjahrskur für Grünanlagen

-Nun macht es wenig Sinn, hier und dort Arbeiten zu erledigen, zumal die jeweils günstigsten Zeiträume extrem von der Witterung abhängig sind. Wichtig und wirtschaftlich ist, bei der Arbeitsplanung einen längeren Zeitabschnitt zu erfassen, also mit den Frühjahrsarbeiten sogleich auch den Sommer ins Auge zu nehmen. Dafür ist es erforderlich, sich die einzelnen Teile der betreffenden Anlagen genau anzuschauen und festzulegen, was zu tun ist und welche Mittel und Maßnahmen notwendig sind.

Pflege der befestigten Wegeflächen

Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen gebunden befestigten Wegen – Pflaster, Platten oder Asphalt – und sogenannten wassergebundenen Flächen. Erstere benötigen oft nur eine sorgfältige Grundsäuberung von altem Laub oder in der Frühjahrssonne aufkommenden Gräsern und Kräutern. Auf die Rutschgefahren für Passanten wurde bereits verwiesen. Anders verhält es sich bei wassergebundenen Wegen. Natürlich sind dort ebenfalls Laub- und Vegetationsreste zu beseitigen, aber meist geht es auch um die Beseitigung von Fahr- und Fußspuren in der Deckschicht, die in der Auftauperiode entstanden sind. Kleine Flächen lassen sich mit Eisenharken aufrauen, glätten und mit der Handwalze plan machen. Größere Flächen benötigen für das Abziehen spezielle Anbaugeräte, wie Abziehrahmen oder -balken, die von Fahrzeugen gezogen werden. In jedem Fall ist eine Nachverdichtung erforderlich, und zwar mit einer Walze, nicht mit einer Rüttelplatte, um eine Materialtrennung zu vermeiden. Belagschäden, die bis in den Unterbau gehen, wo also das grobkörnige Mineralgemisch dieser Schicht bereits an die Oberfläche tritt, sind so auszubessern, dass diese zunächst wieder die ursprüngliche Stärke bekommt, bevor es an die oberen Schichten geht. Die ursprünglichen Schichtstärken sind bei den Reparaturarbeiten an jeder Schicht gesondert einzuhalten. Wichtig ist auch, dass das verwendete Material dem vorhandenen entspricht, also gleiches Ausgangsmaterial und gleiche Kornverteilung hat. Bei trockenem Wetter muss unbedingt für eine ausreichende Beregnung gesorgt werden. Jede Austrocknung des Deckschichtmaterials kann zu einer Entmischung führen – während des Einbaus oder danach bei stärkerem Wind oder geringer Belastung. Eine so geschädigte Decke würde niemals mehr die gewünschte Festigkeit bekommen.

Frühjahrskur für Rasenflächen

Auf Spiel-, Bolz- und Sportplätzen werden die Rasenflächen – soweit vorhanden – am stärksten belastet. Das ergibt sich daraus, dass die Nutzung in der Regel auch in den Monaten erfolgt, in denen die Vegetation ruht. Beschädigungen in der Rasendecke wachsen während der Wintermonate nicht zu, und meist führt eine erhöhte Durchnässung zu einer Instabilität des Bodens.

Vor jeder Regenerationsarbeit ist der Rasen auf mindestens 2 bis 4 cm zurückzuschneiden. Das Schnittgut ist aufzunehmen und abzufahren. Rasenfilz aus abgestorbenen, meist auch verdichteten Grasresten muss beseitigt werden. Diese Schicht birgt häufig Krankheitskeime und vermindert die Scherfestigkeit der Rasendecke. Die einzelnen Graspflanzen können sich nicht hinreichend oberirdisch entwickeln beziehungsweise tief einwurzeln. Rasenfilz wird durch sogenanntes Vertikutieren beseitigt. Dafür kommen angebaute oder handgeführte Geräte zum Einsatz, die über einen rotierenden Messersatz verfügen. Die Einschnitte in die Filzschicht erfolgen in großer Dichte (ca. 4 cm) und berühren die Bodenschicht meist nur in der Oberfläche. Das ausgeworfene Material kann nicht auf der Fläche verbleiben, sondern muss aufgenommen und abgefahren werden. Dafür gibt es spezielle Rasenkehrmaschinen als Anbaugerät oder ausschließlich für diesen Zweck.

Zum Standardprogramm gehört auch das Aerifizieren. Dabei werden ca. 400 Löcher je Quadratmeter in etwa 10 cm Tiefe in den Boden gebracht. Auch hierbei kommen Schlepperanbaugeräte zum Einsatz. Ziel ist, die besonders verdichteten oberen Schichten so aufzubereiten, dass sie wieder ausreichend Luft und Wasser für die Graspflanzen aufnehmen können. Nach diesen Arbeitsgängen ist eine Absandung der gesamten Fläche von Vorteil. Dabei wird gewaschener Sand (3 bis 5 l/m2) gleichmäßig aufgebracht und mit einem (Anbau-)Schleppnetz eingearbeitet. Dies fördert die Tiefenverwurzelung und damit die Belastbarkeit des Rasens. Nach Niederschlägen trocknet das Spielfeld schneller wieder ab. Die gleichmäßige Sandverteilung garantiert ein Kreiselstreuer, den es speziell dafür als Schlepperanbaugerät gibt. Tiefere Bodenverdichtungen mindern die Wasserführung erheblich. Verbesserungen bringt der Einsatz von Schlitzfräsen. Dabei werden im Abstand von ca. 12 bis 15 cm Schlitze mit ca. 2 cm Breite 15 cm tief in den Boden gebracht. Das dabei ausgeworfene Material ist mit dem Schleppnetz zu verteilen. So werden gleichzeitig geringe Bodenunebenheiten beseitigt. Eine solche Maßnahme ist auf alle Fälle in Kombination mit den vorhergehend beschriebenen Arbeiten sinnvoll.

Vor der Düngung eine Nährstoffuntersuchung

Bevor eine Nachsaat erfolgt, sollte gedüngt werden. Die Düngermenge lässt sich pauschal nicht festlegen, weil die Bodenarten und Niederschlagsmengen eine entscheidende Rolle spielen. Grundlage sollte eine Nährstoffuntersuchung des Bodens liefern. Geeignet sind u.a. Langzeitvolldünger, die auf das Jahr bezogen ca. (grobe Kalkulationswerte)15 g Stickstoff, 5 g Phosphor, 10 g Kali und 1 bis 2 g Magnesium als Nährstoff enthalten. Die Nährstoffmengen sind über das Jahr zu verteilen. Die Nachsaat erfolgt nicht mit einer beliebigen Mischung aus dem Baumarkt, sondern mit einer Regelsaatgutmischung, z.B. RSM 3.2. Benötigt werden ca. 25g/m2.

Im Anschluss an die Regenerationsarbeiten ist die Fläche zu wässern (Richtwert: 15 l/m2) und während der Keimzeit der Gräser feucht zu halten. Jede Austrocknung, auch über einen kurzen Zeit-raum, bringt Ausfälle! Wenn das Gras ca. 10 cm hoch ist, kann gemäht werden. Nach einer Ruhepause von mindestens sechs Wochen kann der Spielbetrieb stufenweise und unter Berücksichtigung der Wetterverhältnisse wieder aufgenommen werden.

Der beste Zeitpunkt für die Rasenregeneration ist Mitte bis Ende Mai. Die aufgezeigten Regenerationsmaßnahmen sind auf normalem Parkrasen ebenso anzuwenden, allerdings mit nutzungsabhängiger Abwandlung. So wird ein wenig bespielter Rasen in einer Zieranlage öfter Rasenfilz bilden, also öfter zu aerifizieren sein als ein gut genutzter Bolzplatz.

Die Baum- und Strauchpflege

Baumfällungen und größere Gehölzschnittarbeiten greifen tief in die Biotopstrukturen einer Grünanlage ein. Insbesondere Brutvögel sind davon betroffen. Nicht ohne Grund verbietet z. B. das Niedersächsische Naturschutzgesetz solche Maßnahmen ab Ende Februar für die freie Landschaft. Was als Ausschlussdatum für die freie Landschaft für richtig erkannt wurde, sollte auch für das innerstädtische Grün angestrebt werden. Brutvogelschutz kann nicht an der Bebauungsgrenze aufhören. Maßnahmen, die der Verkehrssicherheit dienen, können allerdings meist nicht an ein vorgegebenes Datum gebunden werden.

Bei den Schnittarbeiten an veralternden Gartensträuchern sollte eine permanente Bestandsverjüngung erfolgen, ohne die natürliche Wuchsform wesentlich zu beeinträchtigen. Dies setzt voraus, dass nur Fachleute mit solchen Arbeiten betraut werden können. Es sollte auch ein Wiederholungsschnitt nach dem Austrieb vermieden werden. Es ist also so zu schneiden, dass während der Brutzeit der Vögel kein Eingriff mehr erforderlich ist. Nicht zu vergessen ist der Schnitt von Rosen. Er muss zum Ausklang des Winters erfolgen, weil bereits mit der ersten Märzsonne ein starker Austrieb erfolgt. Geschnitten werden Polyantha- und Edelrosen; Strauch- und Kletterrosen können weitgehend ohne regelmäßigen Schnitt natürlich wachsen. Anfang März sollten auch Staudenbeete überarbeitet werden, was im Wesentlichen das Abschneiden vertrockneter Blätter und Triebe des Vorjahres bedeutet.

Wenn eine Frühjahrsbepflanzung – meist zu Ostern - erfolgen soll, ist eine vorhergehende Aufarbeitung des Bodens erforderlich: Auflockern, Einebnen, Düngen. Diese Arbeiten sind zu wiederholen, wenn die Einjahresblumen für den Sommerflor eingebracht werden. In aller Regel ist es ratsam, dafür die letzten Nachtfröste abzuwarten, also nach den „Eisheiligen“ pflanzen! Für Blumenkästen und -kübel ist zu erwägen, eine fertige Erdmischung zu kaufen, die einen Nährstoffvorrat für die gesamte Blühperiode bereithält.

Kinderspielplätze: Gründliche Überholung nötig

Eine der wichtigsten Arbeiten des zeitigen Frühjahrs ist die gründliche Überholung der Kinderspielplätze: Verkehrssicherheitskontrolle an Bäumen (Totholz), Strauchschnitt wo erforderlich, Austausch des Spielsandes, Durchführung der jährlichen Hauptkontrolle der Spielgeräte nach DIN EN 1176. Es empfiehlt sich, dafür das Kontrollbuch zur Hand zu nehmen und die registrierten Schäden/
Schadensbeseitigungen mit dem aktuellen Gerätezustand abzugleichen. Geräte oder Geräteteile, die den Anforderungen für ein weiteres Jahr nicht mehr genügen, sind abzubauen und mögliochst durch neue zu ersetzen. Diese Kontrolle sollte –soweit es die Witterung zulässt – bereits Anfang Februar erfolgen, so dass neue Geräte bei durchschnittlich sechswöchiger Lieferfrist eingebaut werden können, wenn die Spielsaison beginnt. Oft wird vergessen, dass es für den Fallschutz Vorschriften nach DIN EN 177 gibt. Bei den Überholungsarbeiten sind also Lockerungen bzw. ein Austausch der Materialien unbedingt einzubeziehen.

Gert Wittmoser | ehem. Leiter Grünflächenamt Lüneburg | peter.hartmann@
holzmannverlag.de