Glättebekämpfung Feuchtsalzeinsatz im Winterdienst

Der Straßenwinterdienst besteht aus drei Teilgebieten: Glättebekämpfung, Schneeräumung und Schneeschutz an Straßen. Von allen Teilgebieten ist die Glättebekämpfung das Wichtigste. Dabei spielen die Fragen der Straßengriffigkeit eine große Rolle.

Schnee- und Eisglättebekämpfung mit Anbaustreuern. - © Muck-Truck

Feuchtsalzeinsatz im Winterdienst

-Im Herbst 1976 wurde die Feuchtsalzstreuung wiederentdeckt, nachdem 1962 ein gewisser Ingenieur Amann aus Kempten diese zum Patent angemeldet hatte. Man unterscheidet FS30 und FS5. Letztere wurde 1977 von der Bundesanstalt für Straßenwesen, Außenstelle Inzell, initiiert. „Feuchtsalz 30“ ist ein Natriumchlorid, das unmittelbar vor dem Ausstreuen mit einer Salzlösung angefeuchtet wird. Als Salzlösung wird eine ca. 20%ige Calciumchlorid- oder Natriumchloridlösung (ca. 300 g NaCl auf 1 l Lösung) verwendet. Der Gewichtsanteil der Salzlösung am ausgestreuten Salz beträgt ca. 25 bis 30 Prozent. Die Salzlösung kann in einem Mischtank hergestellt oder fertig bezogen werden.

„Feuchtsalz 5“ ist Natriumchlorid, das beim Beladen des Streugerätes durch Ansprühen mit Wasser oder Salzlösungen auf eine Endfeuchte von drei bis fünf Gewichtsprozent gebracht wird. Bei Verwendung von Salz mit einem deutlichen Grobkornanteil (z.B. Steinsalz) genügen bereits zwei bis drei Gewichtsprozent Flüssigkeitszugabe. Es können normale Trockensalz-Streugeräte verwendet werden. Das zur Feuchtsalzherstellung verwendete Trockensalz soll folgende Anforderungen erfüllen:

  • Maximal fünf Prozent Anteil unter 0,16 mm.
  • Keine Anteile über 5,0 mm.
  • Bei Anlieferung nicht mehr als zwei Gewichtsprozent anhaftende Feuchte.
  • Salze mit einem NaCl-Gehalt unter 93 Prozent sind abzulehnen.
  • Verunreinigte Salze (z.B. tonige Bestandteile, Schwefel) sind abzulehnen.
  • Körnungsanteile zwischen 2 und 5 mm verbessern die Rieselfähigkeit beim Feuchtsalzen.

Für die verwendeten Salzlösungen gelten die nachfolgenden Hinweise:

  • Gemisch aus NaCl und Wasser. Entweder selbst herstellen (Aufbereitungsanlage) oder als konzentrierte Lösung (NaCl
    ca. 25-prozentig) beziehen. Die gebrauchsfertige NaCl-Lösung soll ca. 15- bis 20-prozentig sein.
  • Gemisch aus CaCl2H2O oder MgCl26H2O und Wasser. Es wird empfohlen, diese Salzlösungen fertig zu beziehen. Konzentration bei Anlieferung (CaCl2 ca. 34 Prozent, MgCl2 ca. 33 Prozent). Prozentgehalt der gebrauchsfertigen Lösungen: CaCl2-Lösung ca. 20 bis 25 Prozent, MgCl1-Lösung
    ca. 20 bis 25 Prozent.

Erforderlich ist eine Verdünnungsanlage mit Vorratstank. Vorteil: längere Verweildauer auf Oberflächen. Nachteil: Korrosionserhöhung bei Nichteisenmetallen (z.B. Zink).

Zu Messungen der Verweildauer von Feucht- und Trockensalzen auf Verkehrsflächen (nach Dr. R. Zulauf): So sind z.B. nach dem Überfahren von 1.000 Fahrzeugen noch sechs Prozent Resttrockensalz, aber über 60 Prozent Restfeuchtsalz mit CaCl2-Lösung auf der Verkehrsfläche verblieben.

Spätestens vor Beginn der Streusaison soll jedes Streugerät auf Dosiergenauigkeit überprüft werden.

Prüfung der Dosiergenauigkeit

Die Prüfstrecke, 200 m ebene, möglichst gerade Fahrbahn, eingeteilt wie folgt: Trockensalz und Salzlösung werden in getrennten Behältern aufgefangen.

  • Punkt 0: Beginn der Prüffahrt;
  • Punkt 1: Einschaltpunkt;
  • Punkt 2: Ausschaltpunkt;
  • Punkt 3: Stopppunkt.

Beispiel für Einstellwerte: 20 g/m²; 6 m Streubreite; 30 km/h Streugeschwindigkeit. Die auf 100 m Prüfstrecke aufgefangenen Salz- und Lösungsmengen werden auf 0,1 kg genau gewogen. Bei präziser Arbeit des Gerätes müssten für die im Beispiel gewählten Werte ca. 8 kg Trockensalz und ca. 4 kg Lösung in den Behältern sein. Weitere Einstellwerte: 10 g/m² Salz-Lösungsmenge und 40 g/m² Salz-Lösungsmenge bei jeweils 6 m Streubreite.

Prüfung der Streugutverteilung

Auf einer ca. 12 u 10 m ebenen glatten Fläche wird ein Prüfraster mit Kreide oder Spray wie folgt aufgezeichnet. Vorschlag zur Einstellung der Streuspurbreite: 4, 6 und 8 m bei 40 g/m² Streudichte. Die Beurteilung der Streuspurbreite wird durch Messen mit dem Bandmaß vorgenommen. Die Beurteilung der Gleichmäßigkeit der Streustoffverteilung erfolgt visuell und ist subjektiv. Durch Wegfall der Verwehungs- und Überwurfverluste kann die Einsparungsquote gegenüber Trockensalzstreuung bis 40 Gewichtsprozent erreichen.

Im Kühlraum wurden u.a. die Tauleistungen von NaCl, Urea (technischer Harnstoff) und CMA (Calcium-Magnesium-Azetat) bestimmt. Die Tauleistung ist definiert durch die Eismenge in Gramm, die von 1 g Taustoff bei bestimmter Temperatur und Einwirkzeit geschmolzen wird. In diesem Falle sind die Versuchstemperaturen –2 °C und –10 °C und die Einwirkzeiten zehn und 60 Minuten. Es zeigt sich eindeutig, dass NaCl bei allen Versuchsbedingungen allen anderen untersuchten Taustoffen hinsichtlich Tauleistung weit überlegen ist.

Lagerung von Streusalzen

Um die Rieselfähigkeit und damit unsachgemäße Verstreubarkeit von Tausalzen zu gewährleisten, müssen diese unbedingt trocken gelagert werden. In der Praxis haben sich dafür Holzhallen am besten bewährt. In massiven Bauten wird das Lagergut häufig infolge „schwitzender“ Innenwände so feucht, dass es zum Zusammenbacken und Verhärten neigt. Das in solchen Hallen oder Hochsilos gelagerte Streugut bleibt Monate, in manchen Fällen sogar Jahre verwendungsfähig.

Dipl.-Ing. Günter Rother | ehemaliger Prüfingenieur bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (Außenstelle Inzell) | Mitautor des Buches „Kommunaler Winterdienst und Städtereinigung“ (Franz Brack Verlag)