Alternativ oder klassisch? Entscheidend ist das Ziel

Nachhaltigkeit, umweltfreundliche Reinigungsmittel die Schwerpunkte bei der CMS sind auch aus Sicht des IHO klar gesetzt. Welche Rolle spielen vor diesem Hintergrund heute alternative Reinigungsmittel und -verfahren?

Josef Haentjes (Fachbereichsvorsitzender IHO, rechts) und Dr. Heiko Faubel (Geschäftsführer IHO; Mitte) im Gespräch mit Chefredakteur Peter Hartmann. - © Messe Berlin

Entscheidend ist das Ziel

- Anlässlich des Pressewochenendes zur CMS hatte rationell reinigen Gelegenheit, mit Josef Haentjes (Fachbereichsvorsitzender IHO) und Dr. Heiko Faubel (Geschäftsführer IHO) zu sprechen.

rationell reinigen: Ökologie und Nachhaltigkeit - Stichworte, die in der Gebäudereinigung, aber auch bei den Herstellern von Reinigungsprodukten heute nicht mehr fehlen dürfen. Wird sich der Trend nach möglichst umweltfreundlichen Reinigungsmitteln auch auf der diesjährigen CMS weiter fortsetzen?

Haentjes: Ganz sicher. Das Thema Nachhaltigkeit wird sich wie ein roter Faden durch die CMS ziehen. Es ist hochaktuell - und es ist auch das Bestreben der Trägerverbände, dieses Thema weiter zu forcieren.

rationell reinigen: Welchen Einfluss hat das verstärkte Umweltbewusstsein der Kunden auf die Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Chemiehersteller? Gibt es beispielsweise aus dem Kundenkreis Anregungen?

Haentjes: Es gibt verschiedene Auslöser, allerdings eher aus der Zusammenarbeit mit Kommunen und Behörden, beispielsweise dem Umweltbundesamt. Wir arbeiten da sehr eng zusammen, liefern Input für Regelwerke für die kommunale Beschaffung, um rechtzeitig eventuell unerfüllbare Anforderungen fachlich und wissenschaftlich relativieren zu können.

Faubel: Wir stellen dabei häufig fest, dass Entwicklungen aus dem Haushalt auf die gewerbliche Reinigung übertragen werden sollen. Anforderungen aus dem gewerblichen Bereich sind häufig nicht bekannt. So können wir etwa beim gewerblichen Geschirrspülen nicht auf Phosphate verzichten, wenn der vorgeschriebene Hygienestandard gehalten werden soll. Wenn wir von Nachhaltigkeit reden, geht es ja nicht nur um die biologische Abbaubarkeit jedes einzelnen Inhaltsstoffes. Vielmehr muss der Gesamtprozess betrachtet werden, es muss klar sein, wie das übergeordnete Ziel lautet. Und das kann auch bedeuten, dass mehr desinfiziert werden muss oder eine verstärkte Händedesinfektion angezeigt ist. Anders formuliert: Manchmal kann auch mehr Chemie nötig sein, um ein auch nachhaltig sinnvolles Ergebnis zu erreichen.

rationell reinigen: Seit geraumer Zeit gibt es Mittel und Verfahren, die klassische Chemie in verschiedensten Bereichen ersetzen sollen. Chemiefreie Unterhaltsreinigung, biologische Reinigungsmittel, ionisiertes Wasser - um nur einige Beispiele zu nennen. Wird das Geschäft für die Hersteller klassischer Reinigungsmittel zunehmend schwieriger?

Haentjes: Nein, denn heute hat jeder ernstzunehmende Anbieter klassischer Chemie auch umweltfreundliche Reinigungsmittel im Programm. Wo möglich, wird völlig auf umweltbelastende Inhaltsstoffe verzichtet. Leistungsfähige Rohstoffe sorgen dennoch für die erforderliche Reinigungsleistung bei gleichzeitig konsequenter Ökologie. So weit haben wir mit alternativen Reinigungsprodukten absolut keine Probleme. An der richtigen Stelle eingesetzt, haben sie ihre Berechtigung. Völlig anders stellt sich aber die Situation dar, wenn mit irreführenden Angaben dem Anwender falsche Tatsachen vorgespielt werden. Wir haben Produkte überprüft, die als alternative Reinigungsmittel und -verfahren ausgelobt sind. Ergebnis: Viele dieser Produkte reinigen und desinfizieren nicht besser als reines Leitungswasser.

Faubel: Je nach Reinigungsaufgabe und Verschmutzungsgrad kann man mit Wasser und einem guten Mikrofasertuch durchaus gute Ergebnisse erzielen. In vielen Fällen aber auch nicht.

Haentjes: Nehmen wir als Beispiel das vielpropagierte ionisierte Wasser. Wenn ich einen großflächig verlegten und normal verschmutzten Granitboden, etwa in einem Flughafen, mit ionisiertem Wasser abfahre, gibt es normalerweise keine Reinigungsprobleme. Wenn ich den gleichen Belag nur mit Leitungswasser abfahre aber auch nicht. Und ein Schaden entsteht weder durch das ionisierte Wasser noch durch das Leitungswasser. Schlimmstenfalls ist der Boden nicht einwandfrei sauber. Wird aber ionisiertes Wasser, in diesem Fall aus der Sprühflasche, für die Oberflächenreinigung eingesetzt und dann behauptet, es wirkt wie ein desinfizierendes Reinigungsmittel und könne 99 Prozent der Bakterien abtöten, ist das nicht nur falsch, es ist fahrlässig.

rationell reinigen: Wie ist das zu verstehen?

Haentjes: Die Auslobung „desinfizierend“ ist in Europa in der Biozidrichtlinie streng geregelt. Die Wirksamkeit eines Produktes muss nachgewiesen werden. Gefordert ist eine Abtötungsrate von 99, 999 Prozent. Wer in seiner Produktauslobung die Abtötung von 99 Prozent der Bakterien als Desinfektion bezeichnet, handelt nicht korrekt. Denn eine Keimreduktion von 99 Prozent kann auch durch gründliche mechanische Reinigung mit bloßem Wasser erreicht werden. Hier wird also eine Sicherheit vorgegaukelt, die nicht existiert und das ist eine Täuschung der Anwender.

rationell reinigen: Wenn dem so ist: Lassen sich die Anwender täuschen, oder anders gefragt - gibt es beim IHO Erkenntnisse über die Verbreitung dieses Systems im Markt?

Faubel: Wir treffen es selten an. Das liegt sicher auch am Preis - und an einigen anderen Faktoren. Das Gerät ist schwer und unhandlich; es muss am Abend an die Steckdose angeschlossen werden. Wird das vergessen, ist es am nächsten Tag nicht einsatzfähig. Dazu kommt: Der Akku ist fest verbaut. Fällt er aus, ist das Gerät Schrott. Und das bei Anschaffungskosten von etwa 200 Euro. Das alles ist für uns kein Problem, der Anwender entscheidet, ob er damit leben kann. Ihm aber vorzugaukeln, er könnte mit ionisiertem Wasser hygienisch einwandfrei und noch dazu umweltfreundlich reinigen, das geht nicht.

rationell reinigen: Blicken wir noch einmal auf die CMS. Was erwarten Sie an Entwicklungen, an Trends, an Neuheiten?

Haentjes: Unsere Mitgliedsfirmen werden auf der CMS sowohl neue Produkte als auch innovative Serviceangebote vorstellen. Ein Schwerpunkt stellt bekanntlich das Thema Nachhaltigkeit dar. Die IHO-Firmen stellen dies durch eigenes Handeln und auch in der Unterstützung der Gebäudereiniger eindrucksvoll unter Beweis.

rationell reinigen: Welche Rolle wird die Nanotechnologie spielen - auf der CMS und auf Sicht?

Haentjes: Für unsere Branche eine untergeordnete. Die Technologie ist eher für die Industrie oder im Kosmetikbereich relevant. Im Reinigungsbereich haben schon einige Anbieter Versuche unternommen, der Effekt war aber nie so wie erwartet.

rationell reinigen: Stichwort Rohstoffe - die werden immer teurer und zudem auch knapp. Müssen die Preise für Reinigungsmittel nicht zwangsläufig steigen?

Haentjes: Wir haben hier in der Tat zwei Probleme: Zum einen zeigen die Preise langfristig eine deutliche Tendenz nach oben. Ob das durch Effizienzsteigerung bei der Produktion aufgefangen werden kann, scheint mir fraglich. Und von Mitgliedsbetrieben des IHO hört man, dass nicht mehr alle Rohstoffe so selbstverständlich in den benötigten Mengen verfügbar sind. Steigende Preise - zum Teil durch Spekulanten verursacht -, Rohstoffverknappung und zu allem Übel auch noch höhere Bürokratiekosten durch europäische Gesetzgebungen - die nächsten Jahre werden für unsere Branche sicher spannend.

Peter Hartmann | peter.hartmann@holzmann-medien.de