Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern Ein teuflischer Auftrag

Die Reinigung des Fritz-Walter-Stadions in Kaiserslautern ist ein außergewöhnlicher Auftrag für die Gebäudereinigung Jeblick. Einerseits, weil der Dienstleister sehr flexibel auf unterschiedlich starkes Schmutzaufkommen reagieren können muss; und andererseits, weil die beiden Firmenchefs mit „ihrem“ 1. FCK schon einiges erlebt haben.

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    01 Perfekter Paarlauf in den Katakomben des Stadions: Die Großflächen werden mit den Scheuersaugmaschinen BR 700S EDS und BR 800S EDS von Nilfisk-Advance abgefahren.
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    02 Auch am Ball beim FCK ist die Scheuersaugmaschine BA 531 D, die ihre Stärken ausspielt, wenn die „Räume eng gemacht werden“.
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    03 Schnelles „Doppelpass-Spiel“ in den Sanitärräumen: Die Bodenfliesen im Sanitärbereich werden mit dem PowerScrub P400 von Nilfisk-Alto gereinigt und anschließend trocken gesaugt.
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    02 Ein Hauch von Bergsteigen auf dem Betzenberg: Die einfachste Methode, die Glasflächen der hoch aufragenden Stadionfassade zu reinigen, ist die Abseiltechnik.
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    01 Ab und an braucht sogar der Teufel eine Komplettreinigung. Das über dem Stadioneingang befestigte Wahrzeichen des 1. FCK wird mit Hilfe einer Arbeitsbühne auf Hochglanz gebracht.
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    Ein eingespieltes Team mit Spaß an der Arbeit (v.l.): Stephan Theis (Nilfisk-Advance), Karl-Heinz Schweigert (technischer Leiter und Fachkraft für Arbeitssicherheit, Jeblick), Christian Knoll (Geschäftsführer Jeblick), Gabi Heidermann (Bereichsleiterin Unterhaltsreinigung, Jeblick), Jeblicks „teuflisches“ Team vom Betzenberg und Klaus Schmid (Nilfisk-Advance, v.l.).
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    Nach dem Wiederaufstieg 1997 stürmten die Fans die Spielfläche – für Jeblick stand anschließend die Reinigung der Torpfosten auf dem Programm.

Ein teuflischer Auftrag

-Anfangs jubeln sie noch. Dann wendet sich das Blatt. Und am Ende ärgern sie sich. Ihr 1. FC Kaiserslautern hat nach einer vermeintlich beruhigenden Führung zur Halbzeit doch noch das Spiel aus der Hand gegeben und schließlich – mal wieder – verloren. Es geht gegen den Abstieg aus der 2. Fußballbundesliga. Und es sieht nicht gut aus für die „roten Teufel“. Das wissen Richard Föhre und Christian Knoll. Sie sind seit Jahren mit dem Herzen dabei und haben alle Hochs und Tiefs mitgemacht – nicht nur als Fans auf der Tribüne. Sie sind mit dem Fußballverein aus der Pfalz auch geschäftlich verbunden. Die beiden Geschäftsführer der Gebäu-dereinigung Jeblick aus Kaiserslautern sorgen mit ihren Mitarbeitern dafür, dass das Fritz-Walter-Stadion – der „Betze“, wie das Stadion auf dem Betzenberg von Fans auch genannt wird – sich stets in einem Topzustand präsentiert.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, besagt eine alte Fußballerweisheit. Im Grunde heißt dies, dass man sich unmittelbar nach Spielende bereits auf das nächste Match vorbereitet. Nichts anderes machen die Mitarbeiter von Jeblick: Nach dem Spiel gilt es, das Stadion für das nächste Ereignis wieder auf Vordermann zu bringen. Das muss nicht immer ein Heimspiel des 1. FCK sein. Moderne Stadien sind längst keine reinen Spielstätten mehr. Sie beherbergen eine ganze Bandbreite an Einrichtungen wie Gastronomie, Shops, Logen und Veranstaltungsräume, die rege genutzt werden. Dementsprechend heißt es für die Jeblick-Mannschaft: In zwei Tagen muss das Objekt wieder blitzblank sein. Es gibt aber auch Bereiche wie z.B. die Verwaltung, die ständig besetzt sind bzw. täglich genutzt werden, und somit auch jeden Tag gereinigt werden müssen.

Eigentlich ist es ein Auftrag wie jeder andere, wenn man es nüchtern betrachtet. Andererseits, geben die beiden Geschäftsführer zu, ist es für jemanden, der sich auch als Fan sieht, schon etwas Besonderes, seinen Teil zum Erfolg des Unternehmens
1. FCK beizutragen. Auch wenn es derzeit sicherlich nicht an Jeblick liegt, dass die „roten Teufel“ in einer kritischen Lage stecken. Ebenfalls spezifisch für den Auftrag ist, dass vieles nur bedingt planbar ist und man daher sehr flexibel reagieren muss. Ihre Flexibilität war auch mit dafür entscheidend, dass Föhre und Knoll den Auftrag erhielten.

Nach dem Neubau der Nordtribüne bekam Jeblick den Zuschlag für die Glasreinigung in der Gastronomie. Christian Knoll erinnert sich: „Eines Abends erhielten wir dann einen Anruf, ob wir kurzfristig für den damals zuständigen Dienstleister einspringen könnten. Für den nächsten Tag war ein Bundesligaspiel angesetzt und der Dienstleister hatte den Kunden versetzt. Wir haben dann alle Hebel in Bewegung gesetzt und die Reinigung des Stadions in einer Nacht- und Nebelaktion durchgezogen. Die Verantwortlichen beim Verein erkannten, dass unsere Firma zwar klein, aber sehr leistungsfähig war. Ein viertel Jahr später hatten wir den Auftrag und der läuft jetzt seit 1996.“ Im Laufe der Zeit ist im Zuge der diversen Um- und Ausbaumaßnahmen (auch zur WM 2006) immer mehr an Auftragsvolumen hinzugekommen.

Hin und wieder hatte auch Jeblick mit einem Problem zu kämpfen, dass jedes Reinigungsunternehmen kennt: Niedrigpreise der Konkurrenz. Aber auf Dauer setze sich Qualität und Kontinuität eben durch, betonen die beiden Geschäftsführer. „In Teilen des Objektes war dann für ein Jahr mal ein anderer Dienstleister drin; die Glasreinigung hat auch einmal eine andere Firma gemacht. Vor einem Länderspiel hat der Dienstleister dann halbfertige Arbeit liegen lassen, weil Wochenende war. Und dann hat man uns doch wieder zurückgeholt“, weiß Richard Föhre zu berichten. „Wir haben schon einiges mit dem FCK erlebt und haben uns trotzdem immer wieder durchgebissen und den Auftrag dann doch immer wieder bekommen.“

Heute ist Jeblick für das komplette Objekt verantwortlich – fast. „Der Müll auf den Rängen wird von einer Entsorgungsfirma entfernt“, berichtet Christian Knoll. „Alle anderen Bereiche betreuen wir: Fanbereich, Sanitäranlagen, die Katakomben, die Verwaltung, Gastronomie, VIP-Bereich, Spielertrakt mit Entmüdungsbecken, Saunabereich, Wellness- und Massagebereich. Dazu kommen noch infrastrukturelle Gebäudedienste wie Schmutzfangmattenservice, die Bestückung der Spender in den Sanitärräumen und Ähnliches.“

Insgesamt sind es rund 30.000 m², die zu reinigen sind. Der Verschmutzungsgrad variiert aber extrem. Bei einem Derby ist das Stadion ausverkauft, zu anderen Spielen kommen „nur“ 15.000 Zuschauer. Je nachdem, ob ein Spiel für die heimischen Fans einen positiven oder negativen Ausgang hatte, verändert sich auch deren Verhalten. Bei erfolgreichem Ausgang halten sich die Fans länger in den Hallen auf. Dies bedeutet für das Jeblick-Team mehr Arbeit. Entscheidend sind auch die Witterungseinflüsse. Richard Föhre: „An manchen Sommertagen hat man das Gefühl, man müsste nur durchkehren, aber wenn es mal regnet oder wenn es schneit, dann ist es schon ganz heftig. Es finden zudem in den Räumlichkeiten des Stadions z.B. auch Fanfeten statt – mit zum Teil ganz extremen Verschmutzungen ...“

Es arbeiten 17 Kräfte vor Ort, die das Stadion nach einem Spieltag innerhalb von zwei Tagen komplett reinigen. Am Tag vor einem Spiel werden die kritischen Bereiche noch mal vorgereinigt. Ein Beispiel: Die meisten Sanitärbereiche werden zwar nach der Reinigung abgeschlossen. Es müssen aber einige Sanitärräume für Stadionbesucher und Teilnehmer an Führungen offen bleiben. Diese werden dann noch mal gereinigt. Beim Stadiondurchgang vor einem Spiel findet ein umfassender Check statt: Die Sitzplätze werden auf eventuelle Verunreinigungen durch Taubenkot kontrolliert; sind Handtuch- und Seifenspender befüllt, funktionieren sie? Ist ausreichend Verbrauchsmaterial vorhanden? Glänzt der VIP-Bereich? Die „To-do-Liste“ ist lang.

Reinigungskonzept zur Fußball-WM umgestellt

„Wir mussten zur WM 2006 unser Reinigungskonzept umstellen, denn während der WM hatten wir eine Reaktionszeit von maximal zwei Tagen. Innerhalb von einem Tag musste das Stadion komplett sauber sein. Dann liefen schon die Vorbereitungen für das nächste Spiel an. Vor den Spieltagen war noch das Training der beiden gegeneinander antretenden Mannschaften angesetzt. Somit hatten wir sehr wenig Zeit, um die Bereiche wieder zu reinigen“, erinnert sich Christian Knoll.

Die Verantwortlichen bei Jeblick haben daher ihren Maschinenpark neu zusammengestellt. Hierfür stellte Karl-Heinz Schweigert, technischer Leiter bei Jeblick, einen 20 Punkte umfassenden Anforderungskatalog zusammen, nach dem die Maschinen verschiedener Hersteller bewertet wurden. Schließlich kamen zwei Hersteller in die engere Auswahl. Die Wahl fiel dann auf Nilfisk-Advance, weil das Konzept, das der Hersteller für die Anforderungen des Dienstleisters erarbeitet hatte, überzeugte. Mit ausschlaggebend war, dass der Hersteller für die Zeit der WM jede Maschine doppelt zur Verfügung stellte, falls eine mal ausfällt. Jeblick kaufte die Maschinen und nutzt sie seit-her auch für den Ligabetrieb.

„Wir haben sozusagen die ganze Bandbreite angeschafft. Es geht vom 70-cm-Aufsitzer bis zum 1-m-Aufsitzer und bei den Nachläufern von ganz kleinen Walzenmaschinen bis hin zur 60-cm-Nachlaufmaschine, alles batteriebetrieben“, erzählt Knoll. „Sehr sinnvoll sind die eingebauten Dosiersysteme. In den Sanitärbereichen setzen wir noch einen Flächenreiniger von Nilfisk-Alto ein, um mit Hochdruck die Sicherheitsfliesen wieder sauber zu kriegen; gerade bei schlechtem Wetter ist das Gerät unverzichtbar. Die grauen Böden sind dann nach einem Spiel schwarz.“

Erschwert wird die Reinigung dadurch, dass im Stadion eine Vielzahl verschiedener Bodenbeläge verbaut ist: z.B. Fliesen- bzw. Sicherheitsfliesen, Linoleum, Parkett, Teppich etc. Kritisch sind eigentlich nur zwei Fälle: die Epoxydharzbeschichtung in den Stehplatzbereichen – diese weist zwar eine sehr gute Rutschhemmung auf, dafür müssen aber relativ häufig die Absauglippen in den Automaten ausgetauscht werden; und die offenporigen Fliesen in der Südtribüne – teilweise lässt sich der Schmutz hier nur schlecht entfernen. Zusammen mit dem Maschinenhersteller hat man zahlreiche Tests durchgeführt, auch verschiedene Chemielieferanten ausprobiert, um die beste Kombination für den jeweiligen Bodenbelag zu ermitteln. Richard Föhre hebt aber einen Aspekt der Maschinenwahl besonders hervor: „Der wichtigste Punkt war, dass die batteriebetriebenen Geräte entsprechend lange Laufzeiten haben. Bei den großen Flächen im Stadion war dies eine unserer Hauptforderungen.“

Langweilig wird es nie

Kurze Reaktionszeiten, von Fall zu Fall sehr unterschiedliches und manchmal nicht vorauszusehendes Schmutzaufkommen, eine Vielzahl an zum Teil problematisch zu reinigenden Bodenbelägen – kurz: langweilig ist der Auftrag im Stadion nie. Hinzu kommt, dass Richard Föhre und Christian Knoll schon einiges an Kuriositäten im Objekt erlebt und mitgemacht haben.

Knoll erinnert sich mit einem Schmunzeln an einen Vorfall vor dem WM-Spiel Spanien gegen Saudi-Arabien. „An diesem Tag waren König Juan Carlos und Königin Sofia da. Im VIP-Bereich war eine Tür offen, durch die eine Taube hineingeflogen ist. Die Taube ist wie wild hin und her geflogen und hat überall Kotspuren hinterlassen. Eine unserer Mitarbeiterinnen hat sie dann wieder hinausgescheucht und zu Füßen des königlichen Paares die Verunreinigungen entfernt.“ Einen Tag vor diesem Spiel hat Knoll selbst für „Aufruhr“ gesorgt, als er bei dem nicht öffentlichen Training der Saudis einige Erinnerungsfotos geschossen hat und dabei beobachtet worden ist. Eine Delegation der FIFA war sofort zur Stelle und stellte ihn zur Rede. Erschwerend kam für Knoll hinzu, dass er dabei ein Trikot der Spanier trug …

Unvergessen bleibt der Wiederaufstieg der „roten Teufel“. Im Anschluss an das letzte Spiel haben die Fans das Spielfeld gestürmt. „Irgendwann erhielten wir einen Anruf mit dem Auftrag, eine Graffitientfernung durchzuführen. Wir sind hingefahren und wurden – zu unserer Überraschung – zu den Torpfosten geführt. Dort hatten die Fans diverse Aufstiegssprüche mit Edding hinterlassen. Wir haben uns dann selbst hingestellt und alles in mühevoller Kleinarbeit entfernt. Ähnliche – mehr oder weniger witzige – Geschichten könnten wir stundenlang erzählen“, sagt Knoll lachend.

Engagement für das Gebäudereiniger-Handwerk

Wenn man sich mit den beiden Firmenchefs unterhält, wird deutlich, dass das Fritz-Walter-Stadion eben doch kein „gewöhnlicher“ Auftrag ist, und neben dem Ernst des Geschäfts auch der Spaß und die Freude an der Arbeit nicht zu kurz kommen. Das eine schließt das andere nicht zwangsläufig aus. Beide sind stolz auf ihren Beruf und engagieren sich dementsprechend auch stark für ihr Handwerk, z.B. seit vier Jahren bei der Gütegemeinschaft Gebäudereinigung. Letztes Jahr ist Richard Föhre zum Vorstandsvorsitzenden der Gütegemeinschaft gewählt worden und Christian Knoll zum Schatzmeister.

Gefragt nach den unternehmerischen Zielen, bleiben die beiden Firmenchefs bescheiden. Sie wollen nicht um jeden Preis wachsen. Als erstes fällt das Stichwort Arbeitsplatzsicherung für alle Mitarbeiter. In einem strukturschwachen Gebiet wie der Westpfalz wollen sie als Unternehmer ordentlich bezahlte Arbeitsplätze schaffen und sichern. „Wir machen lieber 50 gute Aufträge als 100 schlechte“, bringt Föhre die Unternehmensmaxime auf den Punkt. „Deswegen ist unser Ziel, langsam und gesund zu wachsen.“ Man habe auch lukrative und prestigeträchtige Aufträge verloren, weil Kunden allzu oft irgendwann auf den billigsten Anbieter setzten. „Mich wundert es nur manchmal wie schnell man doch mit einer schlechten Leistung zufrieden ist, nur weil man wenig Geld dafür bezahlt“, erzählt Föhre. „Für schlechtes Geld hätten wir auch schlechte Leistung bringen können, aber das ist nicht unsere Philosophie, dann lassen wir es lieber bleiben.“

In diesem Zusammenhang fällt irgendwann auch das Stichwort Entsendegesetz. Die Aufnahme des Gebäudereiniger-Handwerks in das Entsendegesetz trage erste Früchte. „Es macht seither wieder mehr Spaß zu arbeiten“, unterstreicht Föhre. Das Gebäudereiniger-Handwerk sei wieder auf einem guten Weg. Dies hoffen die beiden Firmenchefs nach dem kürzlich erfolgten Trainerwechsel auch für ihren Verein, mit dem sie schon Champions-League-Zeiten erlebt haben. Derzeit gilt es den Worst Case zu vermeiden: den Abstieg in die 3. Fußballbundesliga.

Markus J. Targiel | markus.targiel@holzmannverlag.de