Bundesweit einheitliche Hygienekennzeichnung Ein Symbol für Sauberkeit

Die Verbraucherminister von Bund und Ländern haben beschlossen, ein bundesweit einheitliches System zur Kennzeichnung der Hygieneverhältnisse in Restaurants und Lebensmittelbetrieben einzuführen. Gäste sollen künftig auf einen Blick erkennen können, wie ein Betrieb bei den Tests der amtlichen Lebensmittelkontrolle abgeschnitten hat.

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    © Lebensmittelaufsicht Berlin Pankow
    Hygienemängel in Restaurants und Lebensmittelbetrieben sollen künftig bundesweit einheitlich gekennzeichnet und veröffentlicht werden. In der Diskussion ist ein Smileymodell.
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Ein Symbol für Sauberkeit

- Restaurants und andere Betriebe, die Lebensmittel herstellen, bearbeiten oder verkaufen, werden zwar regelmäßig von den Behörden überprüft. Wie es im Küchenbereich, in den Kühl- und Lagerkammern oder den Sanitärräumen für die Mitarbeiter aussieht, wird in der Regel aber nicht veröffentlicht. Nach dem Willen der Verbraucherschutzministerkonferenz soll sich dies nun ändern. Eine Projektgruppe der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV) erarbeitet gerade ein erstes Konzept für ein bundesweit einheitliches Modell zur Veröffentlichung der Kontroll-
ergebnisse. Es könnte nach dänischem Vorbild funktionieren.

In Dänemark zeigen Smileys den Hygienezustand an

Dort müssen Betriebe bereits seit rund zehn Jahren die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung aushängen. Gelbe Smiley-symbole - insgesamt vier mit stark lachenden bis traurigen Gesichtern - machen deutlich, wie es um die Sauberkeit beispielsweise in Restaurants bestellt ist. Die Kontrollergebnisse werden außerdem im Internet veröffentlicht.

Lebensmittelüberwachung ist in Deutschland Ländersache. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) haben die amtlichen Lebensmittelkontrolleure der Bundesländer im vergangenen Jahr 930.000 Inspektionen in rund 545.000 Betrieben durchgeführt. Bei einem Viertel der Unternehmen wurden Verstöße festgestellt. Die meisten Beanstandungen betrafen die Betriebshygiene und das Hygienemanagement. Kontrolliert wurden rund die Hälfte der Unternehmen in Deutschland, die Lebensmittel herstellen, bearbeiten oder verkaufen. Jeder zweite geprüfte Betrieb war im Bereich Gastronomie oder Gemeinschaftsverpflegung - wie Betriebskantinen oder Krankenhausküchen - tätig.

Auch das Hygienemanagement bei der Herstellung und Verteilung von Speisen in Krankenhäusern wurde von den Lebensmittelkontrolleuren untersucht, und zwar im Rahmen eines bundesweit koordinierten Programms. In fast allen der inspizierten 414 Krankenhausküchen war ein HACCP-Konzept (HACCP = Hazard Analysis and Critical Control Points) vorhanden. Allerdings wurde es laut BVL in etwa zehn Prozent der Fälle nicht angewendet, unzureichend dokumentiert oder war unvollständig. „Die Ergebnisse des Programms zeigen, dass das Hygienemanagement in Krankenhausküchen weiterhin gezielt kontrolliert werden sollte“, sagte der Präsident des BVL, Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg, bei einer Pressekonferenz in Berlin zu den Ergebnissen der amtlichen Lebensmittelüberwachung 2009.

Auch in Deutschland gibt es bereits Aktivitäten

Auch in Deutschland gibt es bereits ähnliche Modelle wie in Dänemark. Beispiel Berlin: Im Bezirk Pankow wird seit knapp zwei Jahren ein System erprobt, das ab Juli 2011 auf ganz Berlin übertragen werden soll. Die Sauberkeit eines Restaurants oder Lebensmittelbetriebs wird anhand von Smileysymbolen im Eingangsbereich erkennbar sein. Vorgesehen sind fünf Kategorien - von „Elite“ bis „nicht ausreichend“ - je nachdem, was der letzte Test der Lebensmittelkontrolleure ergeben hat. Die Ergebnisse der Überprüfungen sollen zudem auf den Internetseiten der jeweiligen Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter veröffentlicht werden. Eine Negativliste mit Betriebsnamen, Fotos und Auflistung schwerer Verstöße - wie „Grundhygiene ist mangelhaft“, „Reinigung der Küche ist unzureichend“ oder „An den Wänden befinden sich fettige Ablagerungen“ - wird es dann nicht mehr geben. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen weisen Smileys derzeit nur auf die einwandfreie Hygiene in Restaurants, Fleischereien oder Bäckereien hin. Betreiber erhalten auf Antrag ein Hygienezertifikat und das Gütesiegel Smiley für den Eingangsbereich, wenn es keine negativen Auffälligkeiten gibt.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch setzt sich bereits seit längerer Zeit für die Einführung des dänischen Smileysystems in Deutschland ein. Eine freiwillige Regelung reiche ebenso wenig wie die Vergabe nur von Positivsmileys. Einer Emnid-Umfrage im Auftrag von Foodwatch zufolge wünschen sich 93 Prozent der rund 1.000 Befragten, dass die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen in Deutschland nach dänischem Vorbild öffentlich gemacht werden.

Für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat Hygiene im Gastgewerbe zwar oberste Priorität. Systeme wie die Smileykennzeichnung lehnt der Verband jedoch ab. Der Smiley sei lediglich eine Momentaufnahme, aber kein geeignetes Mittel zur Sicherstellung der Lebensmittelhygiene. Zudem sei die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung gegeben, denn eine flächendeckende, lückenlose und regelmäßige Überprüfung der Betriebe scheine derzeit von den Prüfstellen nicht zu leisten sein. Nur dann aber könne ein Kennzeichnungssystem fair und angemessen sein.

Weitere Meinungen zur bundesweit einheitlichen Hygienekennzeichnung lesen Sie auf den Seiten 20 bis 21.

Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de