Boden -

Ein Roboter auf dem ­Basketballparkett

In Neu-Ulm befindet sich Europas modernstes Basketball-Nachwuchsleistungs­zentrum. Die Reinigung der speziellen Böden auf ungewöhnlich großer Fläche ­erfordert ein spezifisches Konzept, um den Erhalt der Qualität des Gebäudes ­sicherzustellen. Der Einsatz eines autonomen Reinigungsroboters trägt maßgeblich dazu bei.

Nach einer 20-monatigen Bauzeit und jahrelanger Vorplanung wurde er vor ziemlich genau einem Jahr offiziell eröffnet – der sogenannte OrangeCampus in Neu-Ulm. Auf einer Grundfläche von 8.000 Quadratmetern sind hier ein hochmodernes Sportleistungszentrum, Büroräume, Fitnessstudio, Gastronomie und Konferenzzentrum an einem Ort vereint. Dabei steht der Anspruch im Vordergrund, nicht nur optimale Bedingungen für herausragende sportliche Leistungen zu schaffen, sondern einen besonderen Wohlfühlfaktor für sämtliche Besucherinnen und Besucher des Geländes am Ufer der Donau zu erzielen. Dies steht und fällt insbesondere mit dem Reinigungskonzept des Objektes.

Hinter dem OrangeCampus steht der gesamte Kosmos rund um Ratiopharm Ulm als Aushängeschild des örtlichen Basketballs. Im Jahr 2001 gegründet, handelt es sich beim Stammverein BBU’01 e.V. um den zweitgrößten Basketballclub in Deutschland mit über 3.000 Mitgliedern und 1.000 Aktiven. Zugehörig ist dabei neben der Spielbetriebsgesellschaft für die Bundesligamannschaft Ratiopharm Ulm auch die Gesellschaft für die Zweitliga- und Perspektivmannschaft OrangeAcademy. Innerhalb dieses rein sportlichen Rahmens gilt es, den Trainings- und Spielbetrieb, welcher zentral über das Basketballleistungszentrum im OrangeCampus gesteuert wird, zu koordinieren.

Doch nicht nur aus Basketballsicht hat der Campus einiges zu bieten und dementsprechend hohen Bedarf an einer möglichst effizienten Steuerung aller Abläufe. Mit seiner hochmodernen Ausstattung über drei Stockwerke hinweg ist etwa das OrangeGym für die ­Öffentlichkeit zugänglich, und auch die haus­eigene Gastronomie sorgt mit ihrem Coffee Shop, dem Restaurant und einer Gartenterrasse dafür, dass unterschiedlichste Personengruppen vom neuen Gebäudekomplex in bester Lage Neu-Ulms angezogen werden. Abgerundet wird das ganzheitliche Angebot durch den Betrieb der Konferenzebene mit insgesamt acht Konferenzräumen, der Conference Lounge und dem Conference Deck.

Hohe Anforderungen unter anderem in puncto Bodenhaftung

Die grundsätzliche Reinigung des OrangeCampus mit seinen variierenden Anforderungen durch die unterschiedlichen Räumlichkeiten erfolgt in Verbindung mit dem Dienstleistungsunternehmen Zentus, das die tägliche Säuberung der Büroräume, des Konferenzzentrums und des sportlichen Bereichs gewährleistet. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf dem Herzstück des Campus – sprich auf den Sporthallen rund um den Main Court mit seinen 1.534 Quadratmetern, auf dem Uzin Utz Court und dem Allianz Court (jeweils 727 Quadratmeter) und nicht zuletzt auf dem 560 Quadratmeter großen Forum als Dreh- und Angelpunkt des OrangeCampus.

Die Aufgabe: Reinigung großer Flächen mit speziellen Anforderungen

Die Besonderheit der großen Flächen in Verbindung mit den speziellen Anforderungen eines Sportparkettbodens in den Hallen waren ursprünglich der Auslöser für grundsätzliche Überlegungen hinsichtlich einer Reinigung unabhängig von personellen Ressourcen und damit verbundenen hohen Kosten. Mit anderen Worten: Es wurde nach einer Lösung in Bezug auf größtmögliche Wirtschaftlichkeit gesucht, unabhängig von Arbeitszeiten, beispielsweise in der Nacht oder an Feiertagen, sowie einer möglichst nachhaltigen Umsetzung. Des Weiteren spielte der hohe Qualitätsanspruch an optimale sportliche Bedingungen eine große Rolle – im Fall des Basketball allem voran möglichst gleichbleibende und zuverlässige Haftungsverhältnisse.

Zusammen mit Adlatus Robotics wurde schließlich ein Lösungsansatz konzipiert, der in Verbindung mit dem OrangeCampus für einen Sportparkettboden in dieser Form erstmals umgesetzt wurde: Ein autonomer Reinigungsroboter, der mit minimalem Zeitaufwand des Personals und höchster Sorgfalt die Reinigung der Hallen selbstständig übernimmt und auf langfristige Sicht die Abläufe im Rahmen des Facility Managements erheblich vereinfachen und effizienter gestalten soll.

Die strategische Veränderung grundsätz­licher Vorgänge

Konkret handelt es sich bei dem umgesetzten Automatisierungsprojekt um eine gemeinsame Weiterentwicklung des Serviceroboters Adlatus CR700 und der zugehörigen Servicestation S700 unter anderem mit der Zielrichtung auf eine optimale Bemessung der Wasser- und Reinigungsmittelmenge. Darüber hinaus im Fokus steht eine Nachrüstung des Roboters mit Funktionen, welche speziell für den Betrieb in Sporthallen benötigt werden. Dies betrifft unter anderem den Vorgang, wie der Reinigungsroboter das Reinigungsmittel zunächst aufträgt, dann einwirken lässt und erst später hartnäckigen Schmutz entfernt. Kurzum: Es geht bei dem Prozess um eine strategische Veränderung grundsätzlicher Vorgänge, die unterschiedlichste Herausforderungen mit sich bringen und somit mitunter das Betreten von neuem (technischen) Terrain bedeuten.

Die bereits angesprochene Servicestation dient der Aufladung des Roboters, der effizienten Entlee­rung des Abwassers und der Versorgung mit Frisch­wasser. Dafür sind lediglich ein regulärer 230-Volt-­Stromanschluss sowie ein Zu- und Abwasseranschluss (vergleichbar mit dem Anschluss einer Waschmaschine) nötig. Ausgehend davon startet der Reinigungsroboter die programmierten hinterlegten Reinigungsprogramme. Alternativ kann er zu einer festgelegten Startposition gebracht werden – im Fall des Orange­Campus innerhalb der Sporthallen und des Forums – und lässt sich anschließend auch manuell starten. Benötigt er frisches Wasser oder eine Aufladung der Batterie, kehrt der Roboter selbstständig zur Servicestation zurück. Dies trägt grundsätzlich zur Steigerung der Effizienz sämtlicher personeller Ressourcen bei, da entsprechendes Personal nicht dauerhaft gebunden ist. Oder anders ausgedrückt: Die Reinigungsfrequenz kann bei gleichbleibenden Kosten flexibel erhöht werden.

Das Navigationskonzept des Adlatus CR700 ermöglicht außerdem eine zuverlässige Navigation auch in komplexen Umgebungen. So können je nach Umgebung beziehungsweise Gebäudestrukturen verschiedene Ansätze der Navigation gewählt werden. Beispielsweise gestalten im Forum mehrere freistehende Säulen das Bild und stellen entsprechende Hinder­nisse für den Roboter dar, um welche er herum navigieren muss. Auch das Dual-Use-Konzept des Roboters, welches ebenso eine manuelle Reinigung erlaubt, spricht für den Einsatz des Gerätes im Orange­Campus. Insbesondere während der Übergangsphase von manueller über halbmanuelle hin zu vollständig automatisierter Reinigung unterstützt dieses Konzept in idealer Weise den gesamten Prozess.

Die nächsten Schritte

Bei der teilweisen Umstellung des Reinigungskonzeptes im OrangeCampus auf automatisierte Hilfsmittel wurden aber auch einige Herausforderungen sichtbar, die aus dem bislang noch wenig standardisierten Einsatz von roboterbasierter Technik resultieren und mit strategischer Zielsetzung auf langfristige Sicht bearbeitet werden müssen. Unter anderem geht es ­ um die Abstimmung unterschiedlicher Hersteller sowie um die Anpassung an ­unterschiedlich­e Gebäudemerkmale. Was Ersteres betrifft, ist es beispielsweise nötig, mit Blick auf die speziellen Erfordernisse des Parkettbodens in puncto Reinigungsmittel einen Kompromiss zu finden: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich und dafür spezifisch auf den Boden abgestimmt. Und auch in Bezug auf Gebäudemerkmale – man denke etwa an schmale Flure, unterschiedlich eingerichtete Räumlichkeiten mit teilweise fest installierten Elementen und teilweise mobilen Möbelstücken oder auch an nicht automatisiert öffnende Türen – müssen verschiedenste Maßnahmen in Betracht gezogen werden, um künftig eine automatisierte Reinigung vermehrt einsetzen zu können.

Zusammenfassend ist am Beispiel der Implementierung eines roboterbasierten Reinigungssystems im OrangeCampus festzustellen, dass sich neben den beschriebenen Herausforderungen auch klare Grenzen für einen derartigen Ansatz definieren lassen. So wird auch bei modernen Neubauten bei Planungsbeginn noch kein Fokus auf sämtliche Elemente gelegt, welche bei der Umsetzung einer automatisierten Reinigung von Bedeutung sind. Eine Nachrüstung des Gebäudes um zum Beispiel automatisierte Türen bedeutet daher einen erheblichen Mehraufwand, welcher sich ausschließlich durch eine merkliche Reduktion des Reinigungsaufwands durch Robotersysteme refinanzieren kann.

Auf der Grundlage der im letzten Jahr gewonnenen Erfahrungswerte im OrangeCampus steht dennoch fest, dass "der Einsatz eines Reinigungsroboters deutlich effizienter, kostengünstiger und auch qualitativ sehr überzeugend ist im Vergleich zu einer manuellen Reinigung", wie Heiko Pfleiderer vom Bereich Operations bei der BBU’01 GmbH feststellt. Und auch ­Marko ­Hamann, verantwortlich für die Haustechnik am Neu-Ulmer Basketball-Nachwuchsleistungszentrum, bestätigt diese Sicht: "Durch die Reinigung der drei Hallen und des Forums mithilfe eines Reinigungsroboters wird nicht nur eine höhere Wirtschaftlichkeit im Haus gewährleistet. Darüber hinaus können sämtliche Abläufe effizienter und mit spezifischem Blick auf die besonderen Bedürfnisse einer Einrichtung wie dem OrangeCampus gestaltet werden.“

Julia Mayer (BBU’01) | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

© rationell-reinigen.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen