Effiziente Reinigung im ÖPNV: Sauber und sicher ans Ziel

Sinn und Zweck der Innen- und Außenreinigung von Bussen, Bahnen und Halte­stellen ist es, Fahrgästen eine möglichst saubere, gepflegte Umgebung zu bieten und das ­Erscheinungsbild auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Das gelingt nur im engen Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure – Verkehrsbetriebe, Dienstleister sowie Hersteller von Reinigungsmitteln und -geräten.

Ein steigendes Fahrgastaufkommen und verändertes Nutzer­verhalten im ÖPNV führen zu mehr Verschmutzung und auch Vandalismus. Entsprechend immer anspruchsvoller wird die Reinigung der Verkehrsmittel und Haltestellen. - © Wisag

Im öffentlichen Nahverkehr gelten – auch im Sinne der Kundenzufriedenheit – hohe Sauberkeits- und Hygienestandards. Diese Standards sicherzustellen, erfordert regelmäßige Reinigungen, die meist nachts und innerhalb eines engen Zeitfensters durchzuführen sind – und das bei unterschiedlichen Wetterlagen und oft nicht an einen zentralen Ort gebunden. Vor allem in Bussen und Stadtbahnen werden Kontaktflächen desinfizierend gereinigt, um die Ausbreitung von Keimen und Viren zu verhindern. Auch Außenflächen und stark frequentierte Bereiche wie Haltestellen und Bahnsteige müssen regelmäßig gesäubert und gepflegt werden. Neben umweltfreundlichen Reinigungsmitteln und speziell geschultem Personal besonders im Fokus: digitale Tools zur Koordination und Kontrolle der Reinigungsprozesse, um nicht unnötig in die Betriebsabläufe der Verkehrsunternehmen einzugreifen.

Verändertes Nutzerverhalten bei ­erhöhtem Fahrgastaufkommen

Zwei Entwicklungen im Verkehrswesen wirken sich unmittelbar auf die Reinigung aus: Zum einen verändert sich das Nutzerverhalten, zum anderen nutzen immer mehr Menschen den öffentlichen Personennahverkehr. Und damit kommen letztendlich neue Anforderungen auf die involvierten Akteure zu.

"Bei ­U-­Bahnen ist grundsätzlich davon auszugehen, dass mit zunehmendem Fahrgastaufkommen der allgemeine Verschmutzungsgrad der Fahrzeuge, ­gerade im Innenraum, steigt", sagt Franziska Ellrich, Presse­sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) – AöR, Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen. Mit U-Bahn, aber auch Straßenbahn, Bus und Fähre transportiert die BVG jährlich über eine Milliarde Fahrgäste – entsprechend umfangreich sind die Hinterlassenschaften. Da sich zum Beispiel die Anforderungen an die Graffitientfernung kurzfristig ändern können, sei mit dem Dienstleister vertraglich vereinbart, die Reinigungsfrequenz kurzfristig zu erhöhen.

"Ständige Kontrollen, Rücksprachen bei den Firmen sowie Hinweise der Fahrgäste sind für uns sehr wichtig. So können wir Reinigungen anpassen beziehungsweise auf geändertes Nutzerverhalten reagieren", ergänzt Hannes Hildesheim, Teamleiter Haltestellen im Unternehmensbereich T (Technische Infrastruktur) bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), einer der größten Nahverkehrsbetriebe in Deutschland. Dieser Bereich ist ausschließlich für die SSB-eigenen Stadtbahn- und Bushaltestellen im Großraum Stuttgart verantwortlich. Durch ihn werden auch Gleisbereiche, Tunnel und angrenzende Grünbereiche gesäubert. "Insbesondere bei kleinflächigen Graffiti, sogenannten Tags, und großflächigen Sprühereien ist es zu ­einer enormen Zunahme gekommen", fährt Hannes Hildesheim fort. Ein noch recht neues Phänomen ­stelle der Einsatz von Säuren dar, die jede Oberfläche angreifen, wodurch der Schaden nur schwer zu beheben sei.

"Aus stärkeren Fahrgastzahlen resultierten an Stationen eine intensivere Nutzung der Infrastruktur und damit ein erhöhter Bedarf an Reinigungsleistungen", bestätigt Aladin Kaya, Referent Infrastrukturelles Facility Management, DB InfraGO – Personenbahnhöfe, Berlin, die deutschlandweit rund 5.400 Bahnhöfe und Haltepunkte, inklusive der rund 9.000 Bahn­steige, betreibt. Generell seien die Leistungskonzepte so gestaltet, "dass wir sowohl auf reguläre Bedarfsveränderungen reagieren – etwa durch Anpassung der Zyklen oder Umstellung von Reinigungsverfahren – als auch akute Themen infolge Vandalismus durch Sonderbeauftragungen abdecken können", führt Aladin Kaya weiter aus.

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    Immer kürzere Standzeiten an den Haltestellen und betriebliche ­Verzögerungen erschweren zusätzlich ein gründliches Reinigen.
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    Verschiedene Materialien brauchen verschiedene Reinigungs­techniken – mehr und mehr spielen dabei auch die Aspekte Umwelt und Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle.
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    Graffiti ist ein allgegenwärtiges Ärgernis – ein noch recht neues Phänomen ist dabei der Einsatz von Säuren, die jede Oberfläche angreifen.
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    Aladin Kaya, DB InfraGO: "Wir müssen Sauberkeit und 24-stündige Verfügbarkeit unter einen Hut bringen und unsere Konzepte und Leistungen entsprechend ausgestalten."
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    Jörg Vierke, Wisag: "Der Fokus verlagert sich auf flexibel, zeitnah und sichtbar durchgeführte ­Arbeiten."
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    Caty Pechmann, Dr. Schnell: "Wünscht sich ein Kunde wie die Deutsche Bahn ­eine ganz bestimmte neue ­Lösung, entwickeln wir ein Produkt genau für diese ­Anforderung."
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    Hartmut Büteführ, Igefa: "Umweltzertifizierte ­Mittel, ressourcenschonende Dosier­systeme und energie­effiziente Maschinen setzen sich durch."
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    Ein steigendes Fahrgastaufkommen und verändertes Nutzer­verhalten im ÖPNV führen zu mehr Verschmutzung und auch Vandalismus. Entsprechend immer anspruchsvoller wird die Reinigung der Verkehrsmittel und Haltestellen.

Mehr Fahrgäste und ein verändertes Nutzungsverhalten führten im ÖPNV nicht nur zu deutlich mehr Reinigungsaufwand durch Abfall und stärkere Verschmutzungen. "Unsere Kunden und die Fahrgäste haben seit der Corona-Pandemie auch höhere Erwartungen an Hygiene", verdeutlicht Jörg Vierke, Vertriebsleiter der Wisag Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmittelwartung mit Verwaltungssitz in Frankfurt/Main, welche die umfassende Pflege von Bussen, Zügen und Straßenbahnen übernimmt. Kurze Standzeiten ließen kaum Raum für gründliches Reinigen – hier seien schnelle, eingespielte Abläufe gefragt. "Besonders in Zügen steigt der Verbrauch von Hygieneartikeln wie Seife und Papier, Toiletten müssen häufiger gereinigt werden. Bei der Graffitientfernung haben wir nur wenige Stunden Reaktionszeit. Das alles erhöht den Bedarf an qualifiziertem Reinigungspersonal und verlangt nach moderner Ausrüstung, gezielter Schulung und optimierten Prozessen", fährt Jörg Vierke fort. Wer Sauberkeit und Kundenzufriedenheit garantieren wolle, brauche mehr Planung, mehr Ressourcen – und maximale Flexibilität.

"Die zunehmende Nutzung von Verkehrsmitteln führt nicht nur zu einem höheren Verschmutzungsgrad der Fahrzeuge, vor allem im Innenraum, sondern auch zu einer stärkeren Beanspruchung der Infrastruktur"" stimmt Hartmut Büteführ, stellvertretender Vertriebsleiter Industrie & Verkehrswesen bei der Igefa, Neumünster, zu. Die Igefa, ein B2B-Fachgroßhändler, zählt als Systemdienstleister Produkte und Services auch im Bereich Verkehrswesen zum Portfolio. "Durch die gestiegenen Ansprüche an Sauberkeit, Hygiene und sichtbare Pflege müssen professionelle Anbieter Reinigungsarbeiten flexibler, effizienter und nachhaltiger gestalten."

Umstellung auf Tagesreinigung – ­möglich und auch gewünscht?

Angesichts der geschilderten Entwicklungen stellt sich unter anderem die Frage, wie sich die Reinigungsfrequenzen und -zeiten verändern. Mit anderen Worten: Ist ein Umstellen auf Tagesreinigung möglich beziehungsweise auch gewünscht? "Tagesreinigung ermöglicht es, Verschmutzungen im laufenden Betrieb zu beseitigen und das Erscheinungsbild der Fahrzeuge und Haltestellen gleichbleibend auf hohem Niveau zu halten. Insofern rückt sie zunehmend in den Blick", so die Erfahrung von Hartmut Büteführ. Dies umzusetzen, erfordere jedoch präzise Einsatzplanung, geschultes Personal und – hinsichtlich der Sicherheitsaspekte und Betriebsabläufe – eine enge Abstimmung mit den Verkehrsunternehmen.

In U-Bahnen beispielsweise setzt sich die Fahrzeug­reinigung laut Franziska Ellrich von der BVG aus mehreren Bausteinen zusammen:

  • Umlaufreinigung (Grobschmutzbeseitigung an den Endbahnhöfen im laufenden Betrieb),
  • Aussetzerreinigung (feuchte Innenreinigung in der Betriebspause in definierten Aufstellanlagen),
  • R-Stufen-Reinigung (umfassende Innenreinigung und Außenwäsche alle 24 bis 28 Tage in den ­Betriebswerkstätten),
  • Sonderreinigungen (bedarfsabhängige Reinigung, zum Beispiel bei Fahrgastunfällen),
  • Graffitientfernung (im Außenbereich nach Anforderung oder im Rahmen der R-Stufen).

"Da sich zum Beispiel die Anforderungen an die Entfernung der Graffiti von jetzt auf gleich ändern können, ist vertraglich verankert, dass die Reinigungsfrequenz in Absprache mit dem Dienstleister kurzfristig erhöht werden kann", sagt Franziska Ellrich. Die Fahrzeuge würden in den Innenräumen während der Umläufe an den jeweiligen Endbahnhöfen gereinigt, um Grobschmutz wie Getränkeverpackungen zu entfernen. "Was die Reinigung unserer Busse betrifft“" fährt Ellrich fort, "erfolgt diese in drei abgestuften Inter­vallen":

  • tägliche Reinigung nach dem Linieneinsatz, einschließlich Außenwäsche sowie Betankung oder Anschluss an eine Ladesäule;
  • umfassende Turnusreinigung alle vier Wochen;
  • zweimal jährlich wird die Turnusreinigung durch eine Grundreinigung, ­inklusive Versiegelung der Fußböden, ersetzt.

"Für unvorhergesehene Reinigungen haben wir zusätzliche Kräfte im Einsatz, die wir schnell beauftragen können und die über größere Maschinen verfügen“, schließt Hannes Hildesheim an. Außerdem laufen SSB-Mitarbeiter nach Plan Haltestellen ab oder suchen Haltestellen nach einer Meldung auf. "Sie überprüfen diese, reinigen gegebenenfalls selbst oder geben Rückmeldung, was zu tun ist" – so der Teamleiter Haltestellen bei den Stuttgarter Straßenbahnen. Meldungen kämen meist über den Fahrdienst, der die Leitstelle informiere, etwa wenn ein neues Graffiti aufgetaucht sei.

"Reinigungszeiten und Frequenzen werden an den Bedarf angepasst, jedoch kann nicht deutschlandweit 24/7 an jeder Verkehrsstation oder an jedem Haltepunkt ein Reiniger vor Ort sein", erklärt Aladin Kaya von der DB InfraGO. Zwar seien Tagesreinigungen oder mobile Teams ein fester Baustein der Stationspflege; "aufgrund hoher Kundenfrequenzen müssen Leistungen aber oft in Tagesrandzeiten und nachts durchgeführt werden, auch um einen effizienten ­Arbeitsablauf zu ermöglichen."

Dass sich die Reinigungsfrequenzen und -zeiten im ÖPNV durch neue Betriebs- und Fahrgastanforderungen spürbar verändern, bestätigt auch Jörg Vierke von der Wisag. Immer häufiger setzten Verkehrsunternehmen zusätzlich auf Tages- beziehungsweise Präsenzreinigungen: "Unsere Reinigungskräfte sind dabei sichtbar im Einsatz, leeren Mülleimer, reinigen Toiletten und entfernen groben Schmutz.“ Gleichzeitig stünden die Teams unter Druck, denn kurze Standzeiten an den Haltestellen und betriebliche Verzögerungen würden ein gründliches Reinigen erschweren. Deshalb bleibe die nächtliche Reinigung unverzichtbar. Der Fokus verlagere sich vielmehr auf flexible, zeitnahe, sichtbar durchgeführte Arbeiten. "Vollständig auf Tagesreinigung umzustellen, ist jedoch nicht realistisch", sagt Jörg Vierke.

Die Unterschiede: Im Fahrzeug, auẞen am Fahrzeug, an der Haltestelle

Je nachdem, ob im Fahrzeuginneren oder außen am Fahrzeug oder aber an einer Haltestelle gereinigt werden muss, sind die Herausforderungen unterschiedlich. Franziska Ellrich zur Fahrzeuginnenreinigung: "Mit Blick auf die tägliche Ablaufreinigung gilt es, die Fußböden und Klapprampen zu fegen, grobe Verschmutzungen nass zu entfernen, Ablagen vor Front- und Heckscheiben feucht abzuwischen, kleinere Farbschmierereien – so weit möglich – zu entfernen, den Fahrerarbeitsplatz zu reinigen und Abfall einzusammeln." Im Gegensatz dazu stehe die Turnus- beziehungsweise Grundreinigung an, die alle vier Wochen stattfinde. Hier gehe es darum,

  • Graffiti im gesamten Fahrgastraum zu entfernen;
  • Decken- und Heizungselemente, Seitenverkleidungen, Fenster, Türen, Trennscheiben und Spiegel nass zu reinigen;
  • Klapprampen, Fahrscheinentwerter und Innenanzeiger, Haltestangen, Schlaufen und Haltewunschtaster nass zu reinigen und zu desinfizieren;
  • Fahrgastsitze zu entstauben und – wie Sitzgestelle und Rücklehnen – feucht zu reinigen, Kaugummireste sowie gegebenenfalls Aufkleber abzulösen;
  • Fußböden nass zu wischen, diese zweimal jährlich im Rahmen der Grundreinigung zu versiegeln und den Fahrerarbeitsplatz gründlich zu säubern.

"Wir auf unseren Stationen", legt Aladin Kaya von DB InfraGO dar, "haben oft das Problem, nicht wie in anderen Immobilien einfach das Objekt abschließen zu können. Wir müssen Sauberkeit und 24-stündige Verfügbarkeit unter einen Hut bringen und unsere Konzepte und Leistungen entsprechend ausgestalten." Für beauftragte Dienstleister bedeutet das, dass sie insbesondere die Fahrzeuginnenreinigung oft unter Zeitdruck während kurzer Pausen zwischen zwei Fahrten durchführen müssen und die Ausführung daher schnell und flexibel funktionieren müsse. "Das erfordert speziell geschultes Personal, das sich mit den verschiedenen Oberflächen und Hygieneanforderungen sehr gut auskennt", merkt Jörg Vierke von der Wisag dazu an. Angepasst an empfindliche Materialien und enge Platzverhältnisse kämen im Fahrzeuginnenraum mobile Reinigungsgeräte und gut handhabbare Reinigungsmittel zum Einsatz.

Verkehrsmittelreinigung im Rahmen der CMS Berlin 2025

Am zweiten Messetag (Mittwoch, 24. September) lädt die CMS Berlin mit dem Mobility Cleaning Circle bereits zum vierten Mal zum Networking-Event für Verantwortliche für Reinigung und Reinigungsleistungen im Verkehrssektor sowie entsprechenden Verantwortlichen aus Reinigungsindustrie und Dienstleistung. In diesem Rahmen können Anforderungen, Bedarf und Lösungsansätze der Branchen vis-à-vis erörtert und relevante Kontakte geknüpft werden.

Der Mobility Cleaning Circle startet um 10 Uhr mit der Registrierung im Marshall-Haus (Kinosaal). Nach der Begrüßung um 10.30 Uhr gibt es dort bis 12.30 Uhr Gelegenheit zum Networking beim Businesslunch. Direkt im Anschlusss startet ein geführter Messerundgang zu ausgewählten Ausstellern mit Fokus auf Reinigungslösungen für die Mobilitätsbranche.

Ergänzend dazu findet an allen vier Messetagen eine Live-Graffitientfernung an einer Mauer zwischen Halle 1.2 und Halle 3.2. statt.

Die Anmeldung zum Mobility Cleaning Circle ist per E-Mail an mandy.gutzeit@messe-berlin.de möglich.

Dagegen erfolge die Fahrzeugaußenreinigung meist nachts oder außerhalb der Betriebszeiten, automatisiert mit Waschanlagen. "Das Personal muss solche Maschinen sicher bedienen können und auf Witterungseinflüsse oder Insektenverschmutzungen ­reagieren", merkt Jörg Vierke an. Nicht zuletzt sei auch die verwendete Reinigungschemie speziell auf Lack, Glas und Umweltstandards abgestimmt. In Bahnhöfen und Haltestellen schließlich seien die Anforderungen wieder anders: große Flächen, hoher Publikumsverkehr, unterschiedlichste Materialien – von Beton über Metall bis Glas. "Die Reinigung findet hier sowohl tagsüber als auch nachts statt, und jeder dieser Bereiche erfordert wiederum ein individuelles Reinigungskonzept – mit eigenen Abläufen, geschultem Personal sowie angepasster Reinigungstechnik und -chemie.“

Hartmut Büteführ von der Igefa fasst zusammen: "Während in der Fahrzeuginnenreinigung Hygiene, Geruchskontrolle und Entfernung von Vandalismusschäden im Vordergrund stehen, muss die Fahrzeugaußenreinigung Umweltauflagen wie Wasseraufbereitung und Abwasserentsorgung berücksichtigen und ist stark wetterabhängig. An Bahnhöfen und Haltestellen wiederum sind kontinuierliche Reinigungszyklen notwendig, um Aufenthaltsqualität und Sicherheit zu gewährleisten – insbesondere bei stark frequentierten Knotenpunkten."

Die Aspekte Umwelt und Nachhaltigkeit

"Ob in U-Bahnen oder in Bussen: Wir sind darauf bedacht, den Reinigungsprozess, der Reinigungsverfahren und -mittel einschließt, ständig zu optimieren", betont die BVG-Pressesprecherin Franziska Ellrich und ergänzt: "So haben wir beispielsweise seit Ende 2021 ein neues Reinigungsmittel im Einsatz, mit dem sich Innengraffiti schneller und effektiver entfernen lassen." Aufgrund seiner besonders umwelt- und gesundheitsschonenden Rezeptur könne dieses Mittel auch ohne spezielle Schutzmaßnahmen von Mitarbeitern im Fahrdienst und den Reinigungskräften im Netz genutzt werden.

"Verschiedene Materialien brauchen verschiedene Reinigungstechniken und -mittel", weiß auch Hannes Hildesheim. "Wir versuchen, schon beim Bau der SSB-eigenen Haltestellen die Reinigungsmöglichkeiten zu beachten und pflegeleichte Materialien zu verwenden. Auch eine mögliche Vereinheitlichung hilft hier, zum Beispiel kein Teppich, geschlossene Oberflächen – lackierte Metalle oder Glas –, keine hellen Farben, keine offenporigen, hellen Beläge." An manchen Flächen würden Beschichtungen aufgebracht, die ein Besprühen oder Aufkleben schwieriger und deren Entfernung einfacher machten. Auch silikonhaltige Farben kämen zum Einsatz, die Schmutz und Graffiti nicht so leicht eindringen ließen.

Aladin Kaya von der DB InfraGO ergänzend: "Zwar sind Reinigungsverfahren und -technik oft bewährt. Um jedoch Entwicklungen zu erkennen und bei Bedarf in unsere Produktionsabläufe zu übernehmen, sind wir ständig im Austausch mit Herstellern von Maschinen und Geräten, Reinigungschemie oder Verbrauchsmaterialien" Dazu gehörten Technologiethemen wie KI und Robotik ebenso wie angepasste Reinigungsverfahren für neue Ausstattungselemente und Materialien auf den Stationen.

Einer dieser Hersteller, der bereits seit mehr als 60 Jahren mit der Deutschen Bahn zusammenarbeitet und damit das Ohr stets nah am Kunden habe, ist Dr. Schnell aus München. Caty Pechmann, Leiterin KAM Verkehrswesen bei dem familiengeführten Unternehmen, sagt dazu: „Wünscht sich die Deutsche Bahn eine ganz bestimmte neue Lösung, entwickeln wir ein Produkt genau für diese Anforderung. Umgekehrt kreieren wir aus eigenem Antrieb etwas Nützliches für unseren Kunden, wenn wir einen Bedarf entdecken."

Dass die Anforderungen an Reinigungsmittel, -verfahren und -techniken in letzter Zeit deutlich steigen, bestätigt auch Wisag-Experte Jörg Vierke aus der Dienstleisterperspektive: "Neue, empfindliche Oberflächen, oft aus offenporigem Kunststoff, in modernen Fahrzeugen erfordern eine schonendere Reinigung. Gefragt sind umweltfreundliche Produkte ohne Gefahrstoffe, die trotzdem wirksam sind." Zugleich machten diese sensiblen Flächen Grundreinigungen in kürzeren Intervallen notwendig, um Verschleiß oder dauerhafte Schäden zu vermeiden. Auch müsse die Taktung von Desinfektionsmaßnahmen an stark frequentierten Kontaktpunkten erhöht werden. "Unsere Techniken sind speziell auf die Eigenschaften neuer Materialien abgestimmt, etwa bei Touchscreens oder sensiblen ­Bodenbelägen. Das setzt Fachwissen voraus, weshalb wir unser Personal regelmäßig schulen – im Umgang mit neuen Produkten und bei der Anwendung spezieller Verfahren", berichtet Jörg Vierke.

Gleichzeitig wächst aber auch der Druck, nachhaltiger zu agieren, wie Hartmut Büteführ in diesem Kontext aus Herstellersicht unterstreicht. Doch er ist überzeugt: "Umweltzertifizierte Mittel, ressourcenschonende Dosiersysteme und energieeffiziente Maschinen setzen sich durch." Hinzu kämen die Digitalisierung mit Sensorik zur Verschmutzungserkennung, automatisierte Reinigungslösungen sowie datenbasierte Einsatzplanung, die ein bedarfsgerechtes Arbeiten ermögliche.

Nichts dem Zufall ­überlassen

"Im Rahmen unserer kontinuierlichen Qualitätskon­trolle und im Bestreben, die Leistungen stetig zu verbessern, evaluieren wir regelmäßig die bestehenden Prozesse und passen diese bei Bedarf an neue Anforderungen an", hebt Franziska Ellrich (BVG) hervor. Unterstützend sei im Herbst 2023 eine Datenbank für die Fahrzeugreinigung U-Bahn implementiert worden, die der Erfassung, Steuerung und Qualitätssicherung aller Reinigungsleistungen diene – digital, transparent und in Echtzeit.

Und auch die SSB überlässt nichts dem Zufall: "Für die Säuberung verfügen wir für jedes Objekt an unseren Halte­stellen über eine genaue Beschreibung der Oberflächen und Einbau­teile. Hier geben wir auch zu beachtende Rahmenbedingungen mit wie Straßensperrungen, Gleisarbeiten und Wasseranschlüsse", erläutert Hannes Hildesheim. Jede Haltestelle habe definierte Reinigungstätigkeiten mit verschiedenen Häufigkeiten. Alle Arbeiten ­seien in einer großen Leistungsbeschreibung zusammengefasst und würden nach gewissen Einkaufsregeln an Dienstleister vergeben. „Aufgrund der Größe und Menge sowie der Gleichzeitigkeit der Tätigkeiten verteilen sich diese auf mehrere Anbieter.“

Am Ende brauche es für eine zukunftsfähige Reinigung im ÖPNV mehr als Technik und Taktung. Jörg Vierke von der Wisag bringt es auf den Punkt: "Neben qualifiziertem Personal ist es besonders wichtig, dass Fahrzeughersteller, Betreiber und Reinigungsdienstleister eng zusammenarbeiten, um Sauberkeit, Hygiene, Werterhalt und Kundenzufriedenheit dauerhaft zu sichern."

Simone Bittner-Posavec, Maintext | guenter.herkommer@holzmann-medien.de