Diskussion um Tarifeinheit und Vergabe-Mindestlohn
Anfang März veranstaltete die Gebäudereiniger-Innung Berlin ihren 38. Frühjahrsempfang. Neben dem Thema Tarifeinheit 2020 ging es dabei auch die besondere Bedeutung der Branche in Zeiten von Corona und die Diskussionen um den Vergabe-Mindestlohn.
Die Gebäudereiniger-Innung Berlin hatte mit ihrem diesjährigen Frühjahrsempfang, der am 5. März stattfand, noch Glück: Ein paar Tage später wäre die Veranstaltung aufgrund von Corona wohl nicht mehr möglich gewesen. So aber versammelten sich im festlich geschmückten Baalsaal des Grand Hyatt Berlin knapp 200 geladene Innungsmitglieder zum Austausch mit der Politik, den öffentlichen Verwaltungen sowie Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundesgebiet. Die wichtigsten Themen sowie Statements der Redner haben wir in der folgenden Bilderstrecke zusammengefasst. / GH
Olaf Bande, Obermeister der Gebäudereiniger-Innung Berlin, würdigte in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung der allgemeinverbindlichen Tarife, insbesondere die Angleichung der Löhne in Ost und West zum 1. Dezember 2020: „Im 30sten Jahr der Wiedervereinigung ist die Tarifangleichung aus Sicht des Gebäudereiniger-Handwerks ein wichtiger Schritt, ein Signal, keine Unterschiede in der Entlohnung unser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuzulassen. Seit Jahrzenten setzt unsere Branche mit dem tariflichen Mindestlohn ein Zeichen und auch jetzt liegen wir mit 10,80 Euro nach wie vor über dem gesetzlichen Mindestlohn.“ Kritisch bewerte der Berliner Obermeister das Vorhaben des Berliner Senats, einen Vergabemindestlohn für öffentliche Aufträge in Höhe von 12,50 Euro einzuführen. Die Berliner Gebäudereiniger sehen hier nicht nur einen Eingriff in die Tarifautonomie, sondern aufgrund der unzweifelhaft steigenden Bürokratie auch die Gefahr, dass sich gerade kleinere und mittlere Unternehmen immer seltener an den Vergabeverfahren beteiligen werden.
Auch der Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der CDU Berlin, Herr Kai Wegner, ging auf das Tarif-Thema ein. Er betonte außerdem, wie existenziell wichtig die Branche für die Berliner Wirtschaft ist – vor allem, aber nicht nur wegen der Herausforderungen durch die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus. Er unterstrich, dass das zahlenmäßig stärkste Handwerk für die Berliner Wirtschaft nicht nur in Bezug auf die Beschäftigtenzahlen, sondern auch im Hinblick auf gelebte Integration von besonderer Bedeutung ist: Allein in Berlin arbeiten Menschen aus mehr als 100 Nationen friedlich mit- und nebeneinander. Wegner sicherte den Berliner Gebäudereinigern zu, dass er ihre Anliegen weiterhin sehr ernst nehmen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen auf die drängendsten Fragen suchen wird.
Die Präsidentin der Handwerkskammer Berlin, Frau Carola Zarth, stellte in ihrem Grußwort die neue Imagekampagne des Deutschen Handwerks unter dem Motto „Wir wissen, was wir tun“ heraus. Das Handwerk wisse sehr genau, was es tue und dass sich die Bedeutung des Handwerks inzwischen – zumindest ansatzweise - auch in den Köpfen der politisch Verantwortlichen festgesetzt habe. Kritisch ging Zarth auf die Pläne zum Berliner Vergabe-Mindestlohn ein, ebenso auf die Diskussionen um den Mietendeckel sowie auf den Bürokratie-Dschungel und das Paragraphen-Dickicht, die inzwischen so dicht geworden seien, dass dringend mal abgeholzt werden müsse.
Thomas Dietrich, Bundesinnungsmeister des Gebäudereiniger-Handwerks, kritisierte anlässlich des Frühjahrsempfangs der Gebäudereiniger-Innung scharf die anhaltende Debatte über die Rekommunalisierung von gewerblichen Reinigungsdienstleistungen, die gerade in der Hauptstadt zunehmend an Fahrt gewinne: „Es kann nicht sein, dass die öffentliche Hand billig ausschreibt, sich aber dann wundert, wenn Schulen verdreckt sind. Das ist eine unredliche Debatte. Keine Schule wird sauberer, weil Reinigung verstaatlicht wird. Reinigung wird dann besser, wenn mit ordentlichen Leitungsverzeichnissen und auskömmlichem Budget ausgeschrieben wird. Das muss die Politik anpacken.“
Für die rund 200 geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft hatte Obermeister Olaf Bande noch eine besondere Überraschung parat: Er bat Anna Doering auf die Bühne, die 2019 die beste Gesellenprüfung ihres Jahrgangs absolviert hatte und die Berliner Innung auch beim Bundesleistungswettbewerb vertrat. Sie stand dem Obermeister Rede und Antwort unter anderem auf die Frage, was sie den Ausbildern in unserem Handwerk mit auf den Weg geben möchte. Ihre Antwort: „Bleiben Sie nah dran an Ihren Azubis, halten Sie den persönlichen Kontakt und gestalten Sie die Ausbildung im Rahmen der Vorgaben interessant und abwechslungsreich!“ Gemeinsam mit ihrem Ausbilder John Martinez von Universal Gebäudemanagement und Dienstleistungen konnte sich die die Gesellin schließlich über die Ehrung mit einer Urkunde und einem Präsent freuen.