Digitalisierung: Der Faktor Mensch im Smart ­Cleaning

Wie wirken sich bedarfsorientierte Leistungsverzeichnisse im Vergleich zu input­orientierten Leistungs­verzeichnissen auf die Arbeitsmotivation der Reinigungskräfte und damit die Qualität der Reinigung aus? Eine Bachelorarbeit an der ZHAW ging dieser Frage nach. Das Ergebnis: Für eine Implementierung von daten­basierten smarten Reinigungssystemen ist der Mensch eines der Schlüsselelemente.

Laut einer Bachelorarbeit haben Reinigungskräfte eine sehr differenzierte Meinung zu Smart Cleaning und sehen positive und negative Aspekte. - © rationell reinigen

Welche Faktoren die Arbeit intrinsisch motivierend machenund dass sich eine hohe Arbeitsmotivation positiv auf die Arbeitsqualität auswirkt, ist inder Forschung gut untersuchtund bekannt [1]. Hackmannund Oldham integrieren in ihrer Formel für das Motivationspotenzial die Faktoren Vielseitigkeit, Ganzheitlichkeit, Bedeutung, Rückmeldungund Autonomie [2]. Ulich [3] arbeitet im Kontext des betrieblichen Gesundheitsmanagements die Bedeutung einer vollständigen Aufgabe für die Arbeitsmotivation heraus. Vollständige Tätigkeiten enthalten planende, steuernde, ausführendeund ­kontrollierende Elemente. Untersuchungen inder Industrie haben gezeigt, dass hochgradig zerstückelte Arbeit mit genauestens vorgeschriebenen Handlungen, zum Beispiel am Fließband, zu Unzufriedenheit, Desinteresseund Leistungsrückgang führt [4]. Auch in ISO-Normen  [5] werden den Forschungsergebnissen entsprechende Faktoren für eine gute Arbeitsgestaltung ­beschrieben.

Intrinsische Arbeitsmotivation

Zusammengefasst werden Menschen für ihre Arbeit motiviert, wenn sie Abwechslung (also eine Vielfalt von Anforderungen), Autonomie, Wertschätzung, soziale Unterstützungund Gerechtigkeit erlebenund wenn die Arbeitsaufgabe bedeutsam ist (Sinnhaftigkeit). Zudem werden Mitarbeitende motiviert, wenn sie Möglichkeiten zur Partizipation wahrnehmen dürfenund Feedback zu ihrer Arbeit erhalten.

Im Folgenden werden ausschließlich die intrinsischen Motivationsfaktoren diskutiert, da sich diese stärker positiv auf die Leistungsqualität auswirken. Denn externe Motivationsfaktoren, beispielsweise das Honorierungssystem, wirken sich positiv auf die Leistungsquantität, aber nicht unbedingt die Qualität aus  [6]. Natürlich ist gerade im Niedriglohnsegment eine Kopplungder Arbeitsaufgabe an finanzielle Anreize sehr wichtigund hat einen großen Einfluss auf die Arbeitsmotivation. Aber die Arbeit ist befriedigender, wenn man Gestaltungsspielraum hat, Wertschätzungund Feedback erhält, etwas bewirkenund Verantwortung übernehmen kann. Eine starke intrinsische Motivation erhöht gemäß Studien­ergebnissen die Qualitätder Arbeitsleistungund die Arbeitszufriedenheit und reduziert Fehlzeitenund ­Fluktuationen  [7].

Was Reinigungskräfte motiviert

Beider Reinigung beispielsweise erhalten die Reinigungskräfte das Feedback direkt ausder Aufgaben­erfüllung heraus, nämlich wenn die Räume nachder Reinigung sauber sind. Die Sinnhaftigkeit ergibt sich daraus, dassmitder Reinigungsaktivität Räume von Schmutzund Unordnung befreit werdenund die Nutzenden sich durch eine saubereund ordentliche Umgebung wohler fühlenund gesund bleiben. Das eigene Arbeitsresultat hat also eine grundlegende Bedeutung für andereund wird damit sinnvoll. Es ermöglicht eine Identifikationmitder eigenen Tätigkeitundmit dem Arbeitgeber. Aus dieser Identifikation heraus entwickelt sichder sogenannte Berufsstolz. Dieser wie­derum fördert das Verantwortungsgefühl, qualitativ gute Arbeit zu leisten.

Autonomie erleben Reinigungskräfte, wenn sie beispielsweise ihre Arbeit selbstständig einteilen und Verantwortung für Reinigungsprozesseund Reinigungsergebnis übernehmen können. Dies zeigt sich etwa darin, dass sie Schmutz von Flächen entfernen, auch wenn diese nicht auf ihrem Plan stehen, sie sich also den Freiraum herausnehmen, diese zu reinigen. Oder auch, dass sie die Reihenfolgeder zu reinigenden Räume eigenständig einteilen. Zudem weiß man ausder Motivationsforschung, dass es gerade bei unqualifizierten Tätig­keiten für die Mitarbeitenden wichtig ist, soziale Kontakteund damit Interaktionund Kooperation zu erleben [3].

Arbeitsorganisation: Arten von Leistungsverzeichnissenund ­Reinigungsplänen

Leistungsverzeichnisse /Reinigungspläne
  • inputorientiert/statisch
  • outputorientiert /dynamisch
  • bedarfsorientiert/automatisch

Stephanie Wallimann ist im Rahmen ihrer Bachelorarbeit am Institut für Facility Management [8] deshalbder Frage nachgegangen, wie sich die Formder Reinigungsorganisation auf die Arbeitsmotiva­tionder Reinigungskräfte auswirkt. Dazu hat sie die ­Motivationsfaktorender Reinigungskräfte untersuchtund die herkömmliche Organisationsform (statische Reinigungspläne) mit neuen smarten Formender Arbeitsorganisation (Smart-Cleaning-Lösungen) verglichen. Ausgehend von drei Arten von Leistungsverzeichnissen (Tabelle oben) hat sie sich auf den Vergleich von inputorientiert versus bedarfsorien­tiert beschränkt. Es sei darauf hingewiesen, dass Smart-Cleaning-Lösungen technologisch laufend weiterentwickelt werdenund damit zum jetzigen Entwicklungsstand nicht voll ausgereifte Systeme sind.

Variantender Reinigungsplanung

Bei den inputorientierten Leistungsverzeichnissen werden die Reinigungsaktivitäten nach Wochentagenund Zeiten festund damit statisch eingeplant. Die Reinigungskräfte vor Ort arbeiten entweder im Revier- oder Kolonnensystem.

Bei den bedarfsorientierten Leistungsverzeichnissen werden die Arbeiten nach Bedarf ausgeführt, die Reinigungsorganisation wird digitalmit smarter Sensortechnologie und künstlicher Intelligenz sowie einer App auf mobilen Endgeräten vor Ort unterstützt. Der Bedarf wird mittels Sensoren in den Objekten erhoben. Die Sensoren ermitteln beispielsweise Belegungs- oder Füllstandsangaben und übertragen die Daten an eine Software. Inder Software werden dann auf Basisder zu reinigenden Räume oderder zu leerenden Abfalleimer beziehungsweiseder zu füllenden Spender in Toilettenanlagen automatisiert intelli­gente Reinigungspläne erstellt. Die Reinigungskräfte erhalten die Pläne zu Beginn ihres Einsatzes direkt auf ihrem Smartphone oder Tablet. Die Reinigungsleistungen werden demzufolge automatisch disponiert. Je nach System werden diese sogar währendder Schichten in Echtzeit aktualisiert. Die Ausführungder Aktivitäten wird durch die Reinigungskräfte während des Einsatzes laufend dokumentiert. Ergänzt werden die Touren inder Praxis häufig automatisch durch periodische Arbeiten, um die Dauerder Arbeitseinsätze zu nivellieren.

Das sagen Reinigungskräfte dazu

Ander Untersuchung nahmen zwei Gruppen von Reinigungskräften im Rahmen einer begleiteten Fragebogenstudie teil. Eine Gruppe bestand aus 29 Reinigungsmitarbeitenden, diemit bedarfsorientierten Smart-Cleaning-Lösungen und damit automatischen, intelligenten Reinigungsplänen arbeiten. Inder anderen Gruppe wurden hingegen 39 Personen befragt, die in einem System von inputorientierten Leistungsverzeichnissen und damit statischen Reinigungsplänen tätig sind.

Von den insgesamt 68 beteiligten Reinigungskräften verfügen 30 über Erfahrungenmit beiden Organisationssystemenund wurden zusätzlich um einen Vergleichder beiden Systeme gebeten. Den größten Unterschied sehen sie darin, dass bei automatischen, intelligenten Reinigungsplänen jeder Tag anders ist, auchmit unterschiedlichen Arbeitszeiten. Es muss weniger Zeit für die Kontrollreinigung aufgewendet werden, dafür umso mehr Zeit für die Reinigungder einzelnen Räumlichkeiten, da diese seltener gereinigt werden.

Einige Reinigungskräfte stellten fest, dass ein Ge­bäudemit inputorientierten Leistungsverzeichnissenund statischen Reinigungsplänen sauberer wirktund dass sie bei Smart-Cleaning-Lösungen weniger Kon­trolle über die Sauberkeit im Gebäude haben. Eine Reinigungskraft sagte beispielsweise, dass das Gebäude nach Einführung einer Smart-Cleaning-­Lösung einen generell schmutzigeren Eindruck macht.

Die Reinigungskräfte fühlen sich durch die digitalen Pläne mehr an diese gebunden als bei den inputorien­tierten Plänenund dadurch könnten sie weniger flexibel auf Schmutz reagieren. Das beeinträchtigt die Reinigungskräfte als Ganzes, wenn sie dem mit Hilfe von Sensoren technisch erhobenem Reinigungsbedarf folgenund dabei an sichtbarem Schmutz vorbeilaufen, da dieser durch die Sensoren nicht erfasst werden ­konnte. Zudem finden sie, dass die Erwartungen an die Reinigungskraft bei input­orientierten Leistungsverzeichnissen klarer sind, weil da geregelter gearbeitet werde. Auf die Frage, welches System sie bevorzugen, war die Antwort erstaunlich eindeutig. Knapp 75 Prozent, also 22 von 30 Reinigungskräften, sprachen sich für eine statische Reinigungsplanung aus.

Vergleichder beiden Systeme

Die Vorteileder einzelnen Systeme beschreiben die Reinigungskräfte wie folgt. Bei Smart Cleaning

  • ist jeder Tag anders,
  • reinigt man aufgrund von Sensormeldungen,
  • handelt es sich um ein flexibleresund zugleich einfach zu verstehendes System,
  • erhält man klareund kontrollierbare Aufgaben,
  • erzielt man eine Zeitersparnis.

Bei inputorientierten Leistungsverzeichnissen mit statischen Reinigungsplänen

  • sind die Räume bei einer anstehenden Reinigung weniger schmutzigund es braucht weniger Zeit für die einzelne Reinigung, weil sie häufiger gereinigt werden,
  • kann manmitentscheidenund die Arbeit selbst einteilen, sodass man flexibel auf Schmutz reagieren kann,
  • hat man auch klare Aufgaben, kann jedoch eine Routine entwickeln,
  • sind die Arbeitszeiten regelmäßigund gleichbleibend.

Entscheidend scheint bei inputorientierten Leistungsverzeichnissen die Anmerkung, dass die Sauberkeit des Gebäudes den Reinigungskräften eher bekannt ist, da sie als Mensch die Verantwortung dafür übernehmen können.

Aus wirtschaftlicher Sicht liegen für Auftraggeber von Reinigungsleistungenund für Softwareanbieter die Vorteile von Smart-Cleaning-Lösungenmit automatischen Reinigungsplänen aufder Hand:

  • Der Reinigungsaufwand kann durch die Reduk­tionder Reinigungsfrequenzen, das Vermeiden von Reinigungsaktivitäten auf ungenutzten Flächenund die Optimierungder Arbeitswege reduziert werden.
  • Durch die Digitalisierung werden die Prozesse transparenterund steuerbarer.
  • Die direkt für die Reinigungsplanung Verantwortlichen werden konkret vonder Dispositionder Reinigungsarbeiten entlastet.

Fazit: Was die Motivation beeinflusst

Das Ergebnisder empirischen Untersuchung von Wallimann [8] zeigt auf, dass die Art des Leistungsverzeichnisses und damit verbunden der Reinigungsplanung einen Einfluss auf die Motivationder Reinigungskräfte haben. Beim Vergleichder Gruppemit inputorientierten Leistungsverzeichnissenund derjenigenmit bedarfsorientierten Leistungsverzeichnissen zeigte sich demzufolge die Tendenz, dass Mitarbeitendemit Smart-Cleaning-Lösungen weniger Autonomieund Sinnhaftigkeit erleben als solchemit herkömmlichen statischen Reinigungsplänen. Sie fühlen sich fremdgesteuert durch die Software, werden täglich wechselnd auf Abruf eingesetztund sie können nicht spontan auf Verschmutzungen reagieren, was an ihrem Berufsstolz nagt.

Mitarbeitende bei inputorientierten Leistungsverzeichnissen haben stärker das Gefühl, autonom handeln zu können, da ihnen aufgrundder Strukturen weniger vorgegeben wird, wann, wasund wie sie reinigen müssten. Damit gekoppelt haben die Reinigungskräfte durch die individuell beeinflussbare Übernahme von Verantwortung für die Sauberkeit im Gebäude das Gefühl, wirklich etwas zu leistenund erleben dadurch Sinnhaftigkeit.

Zusammengefasst kann man sagen, dass das menschliche Auge mehr als die Sensoren sieht und dies wohl einesder Kernprobleme im Zusammenhangmitder Arbeitsmotivationund dem Reinigungsresultat bei smarten Lösungen darstellt.

Damit die Reinigungsbranche die Vorteile von Smart-­Cleaning-Lösungen ausschöpfen kann, müssen Technikund Organisationmit den Bedürfnissen der Menschen koordiniert werden. Denn nur wenn die Bedürfnisseder Reinigungskräfte nach Verantwortungsübernahme für das Arbeitsresultat, also Autonomieund Ganzheitlichkeit beider Reinigungsorganisa­tionund damit die Weiterentwicklung von smarten ­Lösungen, berücksichtigt werden, kann man auf Dauer motivierte Reinigungskräfte beschäftigen, die Wert­erhaltungder Gebäude gewährleistenund den Erfolgder Reinigungsleistungen sichern. Da im ­Zugeder ­Automatisierung immer mehr menschliche Arbeit durch autonome maschinelle Arbeit ersetzt wird, ­sollte weiterführend überlegt werden, wo inder Reinigungder Mensch künftig Mehrwerte schaffen kannund wo er langfristig überhaupt eingesetzt werden soll.

Das Auge des Menschen, alle seine Sinne sindder Sensortechnik noch weit überlegen. Das Potenzial des Menschen liegt neben anderen Punkten sicher inder schnellen Wahrnehmung von Situationen, der Urteilsfähigkeit und entsprechend schnellen Reaktionsmöglichkeiten sowie in einer übergeordneten Verantwortung für die Sauberkeit in Gebäuden. Es ist also für die Qualitätder Reinigungsleistung auch bei smarten Lösungen notwendig, dass den Reinigungskräften ein gewisser Handlungsspielraum beider Planungund Ausführungder Reinigungsaktivitäten eingeräumt wird.

Irina Pericin Häfligerund Dr. Miriam ­Schirmer, ­Institut für Facility Management, Zürcher ­Hochschule für Angewandte Wissenschaften | markus.targiel@holzmann-medien.de

Quellenund ergänzende Angaben zum Beitrag

[1] Hackmanund Oldham, 1976, zitiert nach Kirchler, E. (Hrsg.). 2011, Arbeits-und Organisationspsychologie. Wien: UTBund Ulich, E. & Wülser, M. 2018. Gesundheitsmanagement in Unter­nehmen, Arbeitspsychologische Perspektiven, 7., überarbei­teteund erweiterte Auflage, Springer Gabler: ­Wiesbaden, ­uniscope. Publikationender SGO Stiftungund Robbins, S. P., Judge, T. A. & Campell, T. T. (Ed.). 2010. Organi­zational Behavior, European ­Edition. Essex: Pearson Education Limited

[2] Gemäß Job Characteristic Model von Hackmanund Oldham, 1976, zitiert nach Kirchler, E. (Hrsg.). 2011, Arbeits-und Organisa­tionspsychologie, Wien: UTB

[3] Ulich, E. & Wülser, M. 2018. Gesundheitsmanagement in Unternehmen, Arbeitspsychologische Perspektiven, 7., überarbeiteteund erweiterte Auflage, Springer Gabler: Wiesbaden, uniscope. Publikationender SGO Stiftung

[4] Rundnagel, R. 2018. Menschengerechte Arbeitsgestaltung – Grundlagenund Modell. Bagm. Beratungsbüro für Arbeitsgestaltungund Gesundheitsmanagement. Zugriff am 25.10.2021. Verfügbar unter: www.bagm.de/download/Menschengerechte_Arbeitsgestaltung.pdf

[5] DIN EN ISO 9241-2:1992-06. Ergonomieder Mensch-System-­Interaktion, Teil 2: Anforderungen an die ­Arbeitsaufgaben – Leitsätzeund DIN EN ISO 10075-2:2000-06. Ergonomische Grund­lagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung, Teil 2: Gestaltungsgrundsätze

[6] Biermann, T. 2020. Motivationund Mitarbeiterleistung. Haufe.de.

Zugriff am 25.10.2021. Verfügbar unter: www.haufe.de/personal/hr-management/pq-state-of-the-art-motivation-und-mitarbeiterleistung_80_514748.html

[7] Gemäß Modell des Motivationspotenzials nach Hackmanund Oldham, 1976, zitiert nach Kirchler, E. (Hrsg.). 2011, Arbeits-und Organisationspsychologie. Wien: UTB

[8] Wallimann, St. 2021. Unterschiededer Arbeitsmotivation von Menschen in den Berufsfeldern tätigkeitsorientierte Reinigungund Smart Cleaning. Ergebnisse einer begleiteten Fragebogenstudie, unveröffentlichte Bachelorarbeit. Institut für Facility Mana­gement. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Wädenswil

Was sagen Unternehmensvertreter aus dem Gebäudereiniger-Handwerk zum Thema Smart Cleaning? rationell reinigen hat nachgefragt.

"Weitere Evolutionsstufe im People‘s Business FM"

Dr. Laura Sasse - © Dr. Sasse

Dr. Laura Sasse, Chief Digital Officer, Dr. Sasse Gruppe, München: "Es sind nicht die Maschinen, auf die es beim Facility Mana­gement ankommt, sondern die Menschen, denen diese Maschinen ein Werkzeug sind, um ihre Dienstleistung optimal zu erbringen. Dieser Gedanke bewegt uns, seit wir FM-Dienstleistungen erbringen –und daran hat sich auch durch Digitalisierungund Automatisierung nichts geändert. Im Gegenteil: Überall dort, wo technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um Routinetätigkeiten zu erleichtern oder ganz zu übernehmen, beobachten wir etwas sehr Erfreuliches: Unseren Mitarbeitenden bleiben mehr Zeitund Energie für den persönlichen Kontakt, das Gesprächmit unseren Kunden.

Das Zugehen auf die Menschen, die uns Aufträge ­anvertrauen, steigert einerseits Akzeptanzund Wertschätzung unserer Services. Aufder anderen Seite gewinnen wir dadurch wertvolles Wissen für die Optimierungund Erweiterung unserer Arbeit, wie es kein noch so schlauer Computer oder Roboter erzeugen könnte.

Was wir aus dem Feedback aus unseren Teams ebenfalls als positive Reaktion bekommen, ist die Steigerung ihrer Arbeitsqualität durch digitale Unterstützungund Steuerung. Wir haben inzwischen beim „Service on demand“ ein ziemlich gutes Level erreicht. Das bedeutet: Wir sind schnellund zuverlässig dort, wo wir gebraucht werden. Überflüssige Arbeitenund Kontrollgänge werden vermieden. Gleichzeitig erleichtern wir allen Beteiligten ein schnelles Feedback, um das abzustellen, was stört, fehlt oder Ärgermacht.

Diese Effizienz schafft eine höhere Zufriedenheit am Arbeitsplatz für unsere Mitarbeitendenund mehr Transparenz –und damit Vertrauenund „Wellbeing“ – bei den Kunden. Die digitalen Tools wirken damit inder Summe als positiver Faktor, wie ihnder „Glücksindex“ nennt, den die University of Oxford entwickelt hat. Als Familienunternehmen sehen wir ihre intelligente Nutzung als weitere Evolutionsstufe im „people’s business FM“."

"Technologie ist keine Kür mehr, sondern Pflicht"

Christian Wilms - © Klüh

Christian Wilms, Geschäftsführer, Klüh Cleaning, Düsseldorf: "Die Kernaussagender Bachelorarbeit mögen auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinen; dass sich Smart-Cleaning-Lösungen negativ auf die Arbeitsmotivation oder die Qualitätder Arbeit auswirken, kann ich jedoch nicht bestätigen. Stattdessen habe ich von unseren Reinigungskräften bislang sehr gutes Feedback erhalten – insbesondere, weil ihre Tätigkeit dadurch an vielen Stellen erleichtert wird.

Zu den Vorzügen, die ich vor allem sehe, gehört etwa, dass smarte Cleaning-Lösungen den Mitarbeitenden helfen, sich gerade in großen Objekten zurechtzufinden. Das ist nach meiner Erfahrung speziell dann von Vorteil, wenn eine Reinigungskraft neu ins Objekt kommtundmit den Gegebenheiten vor Ort nicht vertraut ist. Einige Digitalanwendungen können Arbeitsanweisungen dank grafischer Darstellung sogar ohne Sprachbarrieren verständlich vermitteln. Ein weiterer Mehrwert vieler Anwendungen ist, dass die Mitarbeitenden jederzeit kurz ins Leistungsverzeichnis schauen oder Schulungsinhalte aufrufen können. Das ist insofern gut, weil trotz Einarbeitung immer mal wieder Fragen aufkommen, welche die Reinigungskräfte nicht für sich beantworten können.

Von Vorteil für Reinigungskräfte ist auch die automatische Erfassung von erbrachten Leistungen. Vergessene Unterschriften, etwa in Sanitärbereichen oder anderen hygienerelevanten Räumen, führen nämlich häufig dazu, dass Kunden sich den vermeintlich nicht gereinigten Raum nicht in Rechnung stellen lassen wollen –und das fällt natürlich auf die diensthabende Reinigungskraft zurück.

Schließlich hätte inder Bachelorarbeit meiner Meinung nach auch das Thema Cobotik ausführlich behandelt werden müssen. Autonome Roboter, diemit den Reinigungskräften zusammenarbeiten, können besonders sich wiederholendeund zeitraubende sowie ergonomisch anspruchsvolle Aufgaben übernehmenund die Mitarbeitenden hierdurch sehr entlasten. Konkret können sie an Stellen reinigen, die für die Reinigungskräfte nur schwer zu erreichen sind, wie beispielsweise große Flächen unterhalb von Fließbändern in Logistikzentren. Viele unserer Kolleginnenund Kollegen sind stolz, bei ihrer Arbeit solche Hightech-Lösungen an die Hand zu bekommen. "

"Positiv für die Umwelt und unseren Beruf"

Sascha Hartmann - © Dussmann

Sascha Hartmann. Leiter Competence-Center-Experten Gebäudereinigung, ­Dussmann Service, Berlin: "Unser Erfolg hängt von unseren Mitarbeitenden ab, daher müssen wir sie von Anfang an einbinden, wenn wir neue ­Wege gehen – auch beim Smart Cleaning. Immer wieder ­sehen wir Berührungsängste auf Seitender Mitarbeitenden. Das Thema ist zentral für unsere digitale Transformation – ­daher kommunizieren wir intensiv ins ganze Unternehmen, vom Management bis zur einzelnen Reinigungskraft. Mit einer „Cobotics-Roadshow“ touren mein Teamund ich durch die Republik, um den Kolleginnenund Kollegen die Technologieund den Einsatz digitaler Tools näherzubringen. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Menschen direkt im Objekt zu schulenund einzuarbeiten – so können Problemstellungen direkt angesprochen werden.

Mitarbeitende, die schon lange inder Gebäudereinigung arbeiten, tun sich manchmal schwer, etwas Neues auszuprobieren. Am reibungslosesten gelingt es daher, Smart Cleaning in neuen Aufträgen einzuführen – so muss das Team nicht umdenken, sondern beginnt gleichmit etwas Neuem. Das motiviert sie! Die Beschäftigten müssen auch erstmal verstehen, dass die digitaleund damit transparente Dokumentation nicht eine Kontrollfunktionhat, sondern auch für sie von Vorteil ist: Die digitale Dokumentation bildet eindeutigund nachvollziehbar die erbrachte Leistung ab.

Smart Cleaning hat auch positive Auswirkungen auf die Umwelt: Wir können zielgerichtet reinigen, nur dort, wo es nachder Systemlogik wirklich notwendig ist; sparen Papier, Verbrauchsmaterialund Reinigungschemie, weil die notwendige Leistung im Vorfeld bekannt ist. Eine riesige Chance für mehr Nachhaltigkeit!

Große Chancen gibt es auch für unser Berufsfeld: Mit Smart Cleaning entstehen neue Aufgabenund ein neues Berufsverständnis: Die Reinigungskraft istder Kopf, die Maschine führt aus. Das wertet den Beruf auf,und verschafft den Reinigungsprofis mehr Zeit, sich um die Flächen zu kümmern, wo menschliche Präzision gefordert ist."