»Kassiererinnen im Supermarkt: Leistungsstress wird mit der Gelassenheit von ZEN-Buddhistinnen absolviert – bewundernswert!«
Weil wir gerade davon sprechen: Ich habe neue Helden des Alltags entdeckt. Naja, meist sind es Heldinnen. Deshalb wird im Folgenden die weibliche Form gewählt. Gemeint sind die Damen an den Kassen im Supermarkt. Warum Heldinnen? Weil sie unerschütterlich ihre nervige Arbeit vollenden. Kunde um Kunde. Gelassen und vertieft als seien sie in einem Kloster für ZEN-Buddhismus trainiert worden.
Auch ohne WikiLeaks, aber aus glaubhafter Quelle weiß ich: Die Leistungsvorgabe für Kassiererinnen bei einer der großen Supermarktketten lautet: 4.000 Produkte müssen pro Stunde durchgezogen werden. Weniger als eine Sekunde pro Vorgang.
Genau an dieser Stelle beginnt meine Bewunderung für die stoische Ruhe der Kassiererinnen. Zum Beispiel wenn die Öko-Adelheid ihren Einkauf liebevoll in die viel zu kleinen Jutesäckchen stopft. Dann verzweifelt ihre Geldbörse vom Boden des Jutesacks zwei hochbuddelt, wo er verschüttet wartet. Und die Sekunden verstreichen unerbittlich – unproduktiv. Schon wackelt die Norm.
Oder wenn Mutti Adelheid mit Tochter Marie-Felicitas ein pädagogisch wertvolles Gespräch über Überraschungseier führt, die von Geisterhand auf dem Laufband landeten. Die Zeit verstreicht, ohne das wohltönende Scanner-Pling, das der Warteschlange beweist: Es geht voran. Schon wackelt die Leistungsnorm.
Oder wenn der Autor unbedingt genau abgezählt bezahlen möchte und zeitraubend den Kampf mit der Unterscheidung zwischen Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen führt. Bei normgerechten Kunden läuft das so: Geldschein hin, Wechselgeld zurück – fertig.
Und das alles quittiert die Dame an der Kasse mit dem eingefrorenen Lächeln eines unendlichen Martyriums. Einfach nur bewundernswert.
Hartmut H. Wolff | www.bestmakerservice.de
Hartmut H. Wolff hat sich auf personalintensive Dienstleistungen und ihre Vermarktung spezialisiert. Führende Unternehmen der Branche schätzen seine erfolgsorientierte, praxisnahe Arbeit.
