Messe „Lounges“ in Karlsruhe Die reinste Informationsflut

90 Aussteller zu sieben verschiedenen Spezialgebieten präsentierte die Messe „Lounges“ in Karlsruhe vom 6. bis 8. Mai. Ein Spezialgebiet war die „Reinraum-Lounge“, die vielfältige Informationen zum Thema Reinraum bot. Zum Ausstellungskonzept gehörten neben Produkt präsentationen auch Fachvorträge und Aktions bühnen.

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    Erfinder Dominique Leclercq stellte das System „Minncare Dry Fog“ vor: Mit Trockennebel lassen sich Reinräume desinfi zieren.
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    01 Vorträge, Aktionsbühnen, Messestände – auf der Spezial messe Lounges gab es viele Informationen zum Thema Reinraum.
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    02 Seminar „Effizienz von Reinigungstech niken“: Wer glaubte, er macht alles richtig, erlebte eine Über raschung.
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    03 Mit der Kontrolllampe machte Seminarleiter Uwe Zink kontaminierte Stellen sichtbar.

Die reinste Informationsflut

-„Reinraum-Lounge“, „Steril-Lounge“, „Facility-Lounge“, „Wasser-Lounge“, „Automation-Lounge“, „Powder-Lounge“ und „HygieniCon“ hießen die Teilbereiche der „Lounges“, die zusammen in einer Messehalle auf rund 8.000 m2 präsentiert wurden. Der Besucher konnte sich zum einen direkt bei Ausstellern informieren. Darüber hinaus boten Fachvorträge für Experten und Neueinsteiger Gelegenheit, Spezialwissen zu erwerben oder zu vertiefen. Auf 20 Aktionsbühnen und Präsentationsflächen stellten Firmen zusätzlich Produkte, Techniken oder Dienstleistungen vor.
Innerhalb der „Reinraum-Lounge“ wurden zum Beispiel Themen wie Mietberufsbekleidung für Reinraum-Personal, Personalschulung, Arbeitssicherheit im Reinraum, Reinraum-Verbrauchsmaterial, Desinfektionsverfahren, Dekontamination von Oberflächen oder Bodenbeläge behandelt. Zur „Steril-Lounge“ gehörten Aspekte wie Reinigung und Desinfektion, Steriltechnik, Pumpen und Ventile, Abfüllanlagen oder Sterilisationsmethoden. Mehr Informationen über die Messe unter www.reinraum-lounge.de.

Effizienz von Reinigungstechniken

Wie lassen sich Arbeitsequipment und Arbeitsflächen desinfizieren oder dekontaminieren? Der Vortrag „Effizienz von Reinigungstechniken“ war mit rund 100 Teilnehmern sehr gut besucht. Referent Uwe Zink von der Comprei Reinraum-, Handel- und Schulungs GesmbH setzte dabei auf das Prinzip „Learning by doing“: 22 Teilnehmer dürfen Overalls und Handschuhe anziehen und versuchsweise eine Kunststoffbox reinigen. „Das Reinigungspersonal ist das Personal, das die Qualität oben hält“, verdeutlicht Zink, wie wichtig bei der Produktion in Reinräumen die richtige Reinigungstechnik ist.

Vor allen Versuchsteilnehmern steht eine mit Isopropanol gefüllte Sprühflasche und liegen Wischtücher, mit denen die Box gereinigt wird. Nachdem die Teilnehmer die Reinigung abgeschlossen haben, kontrolliert Zink mit einer Prüflampe das Ergebnis. Das UV-Licht macht Kontaminationen sichtbar, die der Referent vorher auf Box, Tischfläche und Tischkante aufgebracht hatte. „Der Kollege leuchtet ja wie ein Christbaum“, kommentiert der Schulungsleiter die roten und gelben Pünktchen, die am Overall eines Teilnehmers aufleuchten. Die roten Leuchtpartikel hatte Zink auf Boxen und Tischoberflächen aufgebracht, die gelben stammen von der Tischkante. „Sie müssen die Tischkante reinigen und auch die Tischoberflächen, sonst werden Kontaminationen verschleppt“, gibt der Referent Tipps zur richtigen Arbeitsweise. Beim nächsten Teilnehmer richtet Zink die Lampe auf den Boden der Sprühflasche - hell leuchten rote Punkte. „Auch die Flasche muss gereinigt werden, sonst werden Kontaminationen verschleppt“, mahnt der Schulungsleiter. Ebenso können die Handschuhe für Kreuzkontaminationen verantwortlich sein. Zink: „Wechseln Sie die Handschuhe, um keine Kontaminationen zu verschleppen.“

Tischoberflächen auch von unten reinigen

Schon ein übersichtlicher Behälter wie die Kunststoffbox ist, sobald Reinraum-Anforderungen gelten, nicht einfach zu reinigen, zeigt die Demonstration. Bei vielen Versuchsteilnehmern verweisen Leuchtpunkte auf Restkontaminationen. „Teilen Sie sich die Box in Flächen ein und reinigen Sie die Flächen nacheinander. Sonst weiß man hinterher nicht mehr, welche Flächen man schon gereinigt hat“, gibt der Referent Vorschläge für die Praxis, „und seien Sie nicht zu sparsam mit den Tüchern.“

Die beste Wischtechnik für die Box hilft nichts, wenn die Arbeitsfläche, auf der die Box steht, bei der Reinigung vergessen wird. Dann wird die Box bei jedem Abstellen erneut kontaminiert. Für die Reinigung der Arbeitsfläche empfiehlt Zink die so genannte laminare Wischtechnik, bei der mit dem gefalteten Tuch überlappend gereinigt wird. Bei dem Versuch reinigen die Teilnehmer mit saugfähigen Einwegtüchern aus 45 Prozent Polyester und 55 Prozent Cellulose. Dabei gilt laut Uwe Zink: „Mit vorgetränkten Tüchern lässt sich effektiver reinigen als mit eingesprühten.“

Auch nach Abschluss des Arbeitsganges müssen Regeln beachtet werden, um den Reinigungserfolg dauerhaft zu sichern. Der Referent: „Der Abfallbehälter für die Tücher sollte geschlossen sein. Wenn Isopropanol trocknet, werden die gebundenen Partikel wieder frei und die Raumluft würde diese Partikel erneut verteilen.“

An einem Projektionsbild zeigt Zink, wie sich Luftmassen in einem Raum verteilen: Durch Verwirbelungen gelangen Partikel auch unter Tischoberflächen – deshalb müssen diese Flächen auch von unten gereinigt werden.

Prinzipiell empfiehlt Uwe Zink eine Vorreinigung und eine Nachreinigung in Reinräumen. „Eine Desinfektion ist keine Reinigung. Sie bringen dann vielleicht alles um, was auf der Fläche ist, aber die Verschmutzung ist noch vorhanden“, stellt Zink auch klar, dass die richtige Reinigung Voraussetzung für gute Arbeitsergebnisse ist. Da bei der anspruchsvollen Reinigung im Reinraum viele Fehler gemacht werden können, ist die richtige Schulung des Personals wichtig. Nach Ansicht des Referenten können so nachhaltige Erfolge erzielt werden. Zink: „Das Desinfektionsprozedere ist oft eine Angewohnheit des Personals. Man macht es immer richtig oder immer falsch. Deshalb ist die richtige Schulung wichtig.“

Desinfektion mit Trockennebel

Ein Verfahren zur schnellen, sicheren und wirtschaftlichen Desinfektion von Reinräumen mit Trockennebel stellte die Firma Basan GmbH auf einer der Aktionsbühnen vor. Bei dem Verfahren wird zum Beispiel das Produkt Minncare eingesetzt, ein Konzentrat, das die Bestandteile Wasserstoffperoxid und Peroxidessigsäure enthält, erläuterte Dominique Leclercq, der Erfinder des Systems. Für die Raumdesinfektion wird das Produkt, das Mikroorganismen zerstört, mit Wasser vermischt. Eine spezielle Apparatur erzeugt dann mit Spezialdüsen den Trockennebel, der aus feinsten Teilchen besteht. Laut Erfinder sind die Teilchen so klein und so beschaffen, dass sie sich nicht auf Oberflächen niederschlagen, sondern „wie Pingpongbälle“ durch den Raum fliegen und dabei ihre Wirkung entfalten. Alle mit der Raumluft in Berührung kommenden Teile werden dank des ultrafeinen Nebels innerhalb weniger Stunden wirksam und sicher desinfiziert.

„In vier bis fünf Stunden können 1.000 m3 behandelt werden – danach sind die Räume steril“, sagt Dominique Leclercq. Das Verfahren gliedert sich in drei Schritte: Als Erstes werden die Räume mit dem Trockennebel behandelt, fünf Minuten nach der Anwendung ist die Raumluft laut Leclercq wieder klar. Danach schließt sich die rund einstündige Kontaktzeit an. Anschließend wird im dritten Schritt die Raumluft abgesaugt. Die Firma Basan bietet auch ein Gerät an, mit dem die Raumkonzentration des Anwendungsstoffes überprüft werden kann. Basan stellte zwei verschiedene Geräte vor, mit denen Trockennebel erzeugt und versprüht werden kann: Das kleine Gerät ist für Bereiche mit bis zu 20 m3 konzipiert, das große Gerät kommt bei Raumgrößen von 20 bis 1.000 m3 zum Einsatz. Bei der Anwendung wird das Gerät einfach in der Mitte des Raumes aufgestellt. Die Sprühanlage selber ist autoklavierbar – kann also bei 136 °C sterilisiert werden.

Während der Sterilisation mit dem Trockennebel muss die Luftfeuchtigkeit im Raum auf 75 Prozent erhöht werden, nach Ende der Kontaktzeit wird die Luft abgesaugt. Die behandelten Oberflächen werden nicht nass, die Räume müssen auch nicht leergeräumt werden. Laut Dominique Leclercq desinfizieren die extrem kleinen Nebelpartikel mit einem Durchmesser von 7 µm z.B. auch Computertastaturen. Das Verfahren wird beispielsweise in der Pharmaindustrie, in der Biotechnologie und bei Firmen, die medizinische Geräte herstellen, angewendet. Die Raumdesinfektion mit Trockennebel ermöglicht laut Basan den Verzicht auf gesundheits- und umweltschädliches Formaldehyd. Durch den ultrafeinen Nebel lassen sich die erforderlichen Desinfektionsmittelmengen drastisch reduzieren. Außerdem kann der Reinraum schnell wieder in Betrieb genommen werden. Mit dem Trockennebelverfahren lassen sich verschiedenartige Oberflächen sterilisieren. „Weltweit sind schon rund 300 Systeme im Einsatz“, weiß der Erfinder.

Frank Kleindiek

Reinraum Lounge