„Stillstand ist der Tod“ singt Herbert Grönemeyer in „Bleibt alles anders“. Die Automobilindustrie scheint sich den Satz zum Credo gemacht zu haben. Keinen anderen Industriezweig hat die Koordination von Zulieferern, Just-in-Time-Produktion und Prozessoptimierung nach japanischem Vorbild so weit vorangetrieben. Der reinigende Dienstleister trägt seinen Teil dazu bei.
Die Produktion muss laufen
-Im Verwaltungsgebäude des BMW-Werks Leipzig herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng. Die Ausweise der Besucher werden während des Besuchs am Empfang hinterlegt. Nach der Anmeldung betreten die Werksfremden offiziell das vielfach ausgezeichnete Zentralgebäude, das Verwaltungs-, Qualitäts- und Kommunikationszentrum der BMW-Welt in Leipzig. Über den Gästen schweben fast lautlos Karosserien und machen nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch den Besuchern das Produktionsgeschehen erlebbar. Man stellt sich unwillkürlich die Frage: Nehme ich das dunkelblaue Modell oder doch lieber das rote? Jede Karosserie durchläuft bis zur Fertigstellung mehrmals das Zentralgebäude.
„Wir setzen hohe Standards an die Qualität unserer Produkte und Leistungen. Unsere Strukturen sind auf die Produktion von Premiumfahrzeugen ausgerichtet“, erläutert Dieter Schliek, verantwortlich im Werk Leipzig für die Bereiche Controlling, Gebäude und Energie. Mit dem Bau des Fahrzeugwerkes in Leipzig hat die BMW Group zusätzlich Produktionskapazitäten geschaffen. Hier fertigt der Konzern 3er-Limousinen und drei verschiedene Modelle der 1er-Reihe. Bis zu 700 Fahrzeuge laufen täglich vom Montageband.
Auf dem Elektrotransporter zum Depot
Für die Reinigungsarbeiten und den Winterdienst ist die Niederlassung Leipzig der Hectas Gebäudedienste Stiftung & Co. KG, eine Tochter der Vorwerk-Unternehmensgruppe, zuständig. Den Boden in Teilen der Fertigung reinigen die Mitarbeiter mit unterschiedlichen Scheuersaugmaschinen (Geräte der Hako-Werke). Dazu zählen eine Aufsitzmaschine mit Kehrvorsatz und ein wendiges Modell mit 96 cm Saugbreite. In den Wintermonaten beweisen fünf Transporter ihre Stärke. Darüber hinaus kommt ganzjährig ein Geräteträger mit Sprühaufbau zum Einsatz, der, schnell umgerüstet, auch auf dem Gelände für allgemeine Transporte genutzt wird.
Die Reinigungskräfte nutzen außerdem einen Elektrotransporter mit Industrieanhänger. Damit fahren sie zum Beispiel Depots an, die auf dem gesamten Gelände verteilt sind, um etwa die Sanitärräume mit Seife, Toilettenpapier und sonstigen Verbrauchsmaterialien auszustatten. Aber auch bei BMW selbst kommen in der Abteilung Wartung und Instandhaltung 15 der Elektroschlepper zum Einsatz und sorgen für den schnellen Materialtransport.
Das Gelände misst 208 ha – eine Fläche, so groß, dass man die Cheopspyramide, eines der sieben Weltwunder, gleich 40-mal nebeneinander darauf erbauen könnte. 5.300 Menschen haben im Werk Arbeit gefunden. Auch fünf Systemlieferanten haben sich hier angesiedelt. Durch die Nachbarschaft sparen beide Seiten Verkehrswege und vermeiden unnötigen CO2-Ausstoß.
Roboter schuften im Takt
Die Automobilherstellung erfolgt in drei Prozessabschnitten: Karosseriebau, Lackiererei und Montage. „Der Umweltschutz hat bei uns einen besonders hohen Stellenwert“, erläutert Dieter Schliek, „selbstverständlich sind alle Böden versiegelt, um das Grundwasser gegen auslaufende Flüssigkeiten zu schützen.“ Es handelt sich um Magnesitböden, die gleich nach der Fertigstellung gewachst und nun mit einem Unterhaltsreiniger gepflegt werden. Nicht nur der erste Eindruck bestätigt: Dafür, dass in mehreren Schichten produziert wird, sind die Böden sehr sauber. Obwohl über 500 Roboter im Karosseriebau im Einsatz sind, fällt nur minimaler Schweißstaub an. Die Absaugung schlürft die Partikel sofort ein, während die Maschinen unter hörbarer Anstrengung Schwerstarbeit verrichten. Die menschlichen Mitarbeiter tragen deshalb Lärmschutz. Funken schlagen, Kollege Roboter ist immer im Dienst: Aus mehreren hundert Blechteilen wird in ca. 13 Stunden eine ungefähr 350 kg schwere Karosserie gefertigt. Und da die Maschine selten Pause macht, erfolgt die Reinigung während des laufenden Betriebs.
In der Montage entwickelt sich die lackierte Karosserie zum Wunschfahrzeug mit allen Extras, die der Kunde gewählt hat. Bis zu 235 Arbeitsschritte sind dafür nötig und entsprechend vielfältig ist der anfallende Schmutz. Er reicht von Kabelbinderresten bis hin zu Verpackungsteilen und kleinen Blechresten. Dazu kommt ganz vereinzelt Gummiabrieb von Gabelstaplern und anderen Flurförderzeugen.
Im Karosseriebau und der Montage kommen die zwei Scheuersaugmaschinen mit Kehrvorsatz zum Einsatz. Die Hectas-Mitarbeiter fahren regelmäßig die etwa 3 m breiten Verkehrswege und Bereitstellungsflächen mit den Nassschrubbautomaten ab. Trotz leistungsstarker Absauganlagen fällt hier Schweißstaub an, der gründlich beseitigt werden muss. Die Reinigungsmaschinen sollten daher wendig sein und über langlebige Batterien und große Tanks verfügen, damit die Mitarbeiter die Automaten über entsprechend lange Zeiträume einsetzen können und nur geringe Rüstzeiten einplanen müssen, so die Anforderungen des Dienstleisters.
Das Werk Leipzig hat im Leistungsverzeichnis ein Anforderungsprofil für den Dienstleister hinterlegt. Dass es kontinuierlich erfüllt wird, prüft und dokumentiert Hectas jede Woche, BMW kontrolliert die Leistung monatlich in Stichproben.
Schmutz vermeiden, Schnee räumen
„Da wir uns zum Ziel gesetzt haben, Schmutz bereits im Vorfeld zu vermeiden, haben wir den Hof- und Hallentransport weitgehend entkoppelt und legen seit einiger Zeit im Bereich der Hallentore Schmutzfangmatten aus, die den Schmutzeintrag deutlich reduzieren“, berichtet Dieter Schliek. Die Einführung der Matten haben Dienstleister und Kunde gemeinsam erarbeitet. Die Parteien tauschen sich regelmäßig aus, offene Fragen werden einmal in der Woche in Meetings mit BMW geklärt.
10.000 m³ Material werden täglich mit Lastwagen angeliefert, der Verkehr auf dem Gelände summiert sich auf 500 Lkw pro Tag. Die Produktion darf dabei niemals stillstehen, auch bei Schnee- oder Eisglätte muss Hectas mit Räumfahrzeugen dafür sorgen, dass das Material auf- und abgeladen werden kann. Der Dienstleister hat sich deshalb entschlossen, von November bis März fünf Fahrzeuge zum Räumen und Streuen zu einem monatlichen Festpreis zu mieten. Der beinhaltet das gewünschte Modell und die benötigen Arbeitswerkzeuge, etwa den Schneepflug. Immerhin 450.000 m² müssen schneefrei gehalten werden, allein die Wege und Straßen, die sich durchs Gelände ziehen, lassen sich auf eine überlange Marathonstrecke von 45 km addieren.
Wenn Dieter Schliek dann von SOS spricht, meint er nicht einen Notruf, sondern die Abkürzung für die Begriffe Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. „Dieser Maxime sind wir verpflichtet“, erklärt er und „Sauberkeit am Arbeitsplatz ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einwandfreie Qualität, die wir auch vom Mitarbeiter erwarten.“
Michaela Heider-Peschel | rebecca.eisert@holzmannverlag.de