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Nanosilber in Reinigungstextilien Die Meinungen sind geteilt

Silberpartikel in Nanogröße können Bakterienwachstum verhindern, beispielsweise in Reinigungstextilien. Welche Auswirkungen die winzig kleinen Teilchen 1.000-mal kleiner als der Durchmesser eines Haares - auf den Menschen haben, ist allerdings noch kaum erforscht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät deshalb von nanoskaligem Silber in verbrauchernahen Produkten ab. Und die Reinigungsbranche? Drei Meinungen aus der Praxis.

Uwe Büttner, Sachverständiger für das Gebäudereiniger-Handwerk, Nürnberg

Reinigungstextilien mit Silberionen haben den Vorteil, dass sie nicht verkeimen. Dieser Vorteil kommt überwiegend im Bereich der Reinigung von Gesundheitseinrichtungen zum Tragen. Da-durch wird gewährleistet, dass die vorgeschriebene Konzentration der Desinfektionsreinigungslösung nicht durch die Desinfektion von verkeimten Reinigungstextilien unterschritten wird. Dies könnte zu erheblichen Risiken in hygienerelevanten Einrichtungen führen.

Im Zeitalter der Mikrofaser muss man die Problematik jedoch von einem weiteren Standpunkt betrachten. Mikrofasern neigen im Vergleich zu den früher verwendeten Baumwollfasern deutlich weniger zur Verkeimung. Zudem müssen nach den RKI-Richtlinien von 2004 Reinigungstextilien in hygienerelevanten Bereichen vor Verwendung desinfizierend aufbereitet, anschließend getrocknet und trocken bis zum Einsatz gelagert werden. Somit ist die Keimfreiheit der zum Einsatz kommenden Reinigungstextilien gesichert.

Stellt sich also die Frage, wieso Hersteller diese Reinigungstextilien mit Silberionen in Form von eingewebten Silberfäden oder mit nanoskaligen Silberionen ausstatten. Und was dies in der Praxis für Vorteile für den Gebäudereiniger bringt. Nicht zu unterschätzen sind die bisher nicht erforschten Auswirkungen der nanoskaligen Silberionen auf den menschlichen Organismus. Gefahren sind zudem, dass es auf Dauer zu Resistenzenbildung durch den Einsatz von Silberionen kommen kann. Dies ist nach heutigem Stand der Forschung nicht auszuschließen.

Zudem wird momentan die Verwendung von Silberionen in der Medizin, z.B. in Salben und Wundauflagen, infrage gestellt. Durch diese Umstände muss der Einsatz und die Wirksamkeit von Silberionen sowie aller nanoskaligen Partikel besser erforscht werden, bevor diese flächendeckend zur Anwendung kommen.

Volker Ritthaler, General Manager, Vileda Professional,
Weinheim

Vileda Professional hat sich dazu entschlossen, Nanosilber in Mikrofasern während des Produktionsprozesses der Tücher einzuarbeiten. Dies wurde aus folgenden Gründen gemacht. Erstens: Nanosilber hemmt das Verkeimen der frisch gewaschenen Tücher. Und zweitens: Maschinelles Trocken ist nicht mehr notwendig und somit können ein Prozessschritt und Energie eingespart werden.

Die Tücher NanoTech micro kommen - bei ordnungsgemäßer Handhabung im Reinigungsablauf - nicht mit der Haut des Menschen bzw. Lebensmitteln in Berührung. Folgt man der Berufsgenossenschaft, reinigt die Reinigungskraft mit Handschuhen, die den Gisbau-Vorgaben entsprechen. Das Edelmetall Silber wird seit Jahrhunderten zur Bakterienhemmung eingesetzt und auch in jüngster Vergangenheit für eine breite Produktpalette erfolgreich verwendet (sterile Wundauflagen, Geruchshemmer in Bekleidung etc.) Das Nanosilber ist in der Mikrofaser eingebettet und wird in sehr geringen Mengen abgegeben. Die Silberabgabemenge liegt bei 22 µg/l und damit unter der früheren Trinkwasserverordnung gültig bis 2001 (Konservierung von Trinkwasseraufbereitungs-Kleinanlagen). Silber und Nanosilber wird zur Behandlung von Trinkwasser verwendet und dort liegt der Grenzwert bei 0,08 mg/l. Die Weltgesundheitsorganisation WHO setzt einen Grenzwert von 180 µg/l. Silberionen fallen im Abwasser aus, sind damit nicht löslich und somit keine Gefahr für Organismen.

Das Tuch NanoTech micro hat Silber in den Fasern, damit kein Bakterienwachstum nach dem Waschen auftritt. Das Tuch dient nicht zur Desinfektion von Oberflächen. Hierzu sind weiterhin Desinfektionsmittel nötig. Studien belegen, dass Nanosilber wenig kritisch ist bezüglich der Resistenzbildung von Bakterien. Zielsetzung des Nanosilbers in Tüchern ist es, Arbeitsgänge zu reduzieren - hier den Trocknungsvorgang, Beladen und Entladen des Trockners - und auch den Energieverbrauch zu vermindern. Ich persönlich halte die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für nicht zutreffend für den Bereich der professionellen Reinigungsutensilien.

Andreas Carl, Beratung und Planung für Reinigung und Hauswirtschaft, Hilpoltstein

Im Moment wird infrage gestellt, ob Silber in Reinigungstextilien auf Dauer schädlich ist. Für mich stellt sich diese Frage nicht, da aus meiner Sicht das Silber in Reinigungstextilien gar nicht notwendig ist. In Bereichen, wo aus hygienischen Gründen die Wechseltuchmethode angewandt werden muss, lässt sich mit zeitnahem Waschen und der Tuchaufbereitung das Problem der Trocknung und Wiederverkeimung komplett ausschließen. Somit ist eine Extrakeimminderung durch Silber nicht notwendig. In den anderen Bereichen ist es aus meiner Sicht überflüssig.

Bei Moppbezügen sieht es etwas anders aus. Ein zeitnahes Waschen würde eine extreme Waschkapazität voraussetzen, ist damit un-wirtschaftlich und meist auch gar nicht machbar. Daher empfehle ich bei meinen Reinigungskonzepten auch nur Moppbezüge, welche nachweislich (auch ohne Silber) aufgrund ihrer Fasern und Faserdichte innerhalb von mindestens 24 Stunden nicht verkeimen. Dies hängt nicht nur von dem Mopp und der Wäsche ab, sondern auch von den Aufbewahrungsbedingungen (Luftfeuchte, Luftzirkulation usw.). Wenn diese Bedingungen nicht stimmen, dann müssen diese geschaffen werden, denn sonst helfen auch kein Silber und kein Trocknen.

Silber ist zwar nachweislich keimreduzierend, doch in Reinigungstextilien brauchen wir dies nicht. Bei Türklinken, Lichtschaltern und anderen Kontaktflächen im Gesundheitsbereich ist die Verwendung sicher zielführender.

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