Die Deutschen werden immer älter, die Zahl der Pflegeheime steigt. Laut Pflegestatistik 2009 leben 720.000 Menschen in 11.600 Pflegeheimen. Bei der nächsten Erhebung 2011 dürften es erneut einige hundert Einrichtungen mehr sein - wie bereits in den vergangenen Jahren. Es wird immer deutlicher: Altenpflege ist ein Wachstumsmarkt. Das bietet Chancen auch für die Reinigungsbranche.
Die Branche zeigt Flagge
- Mit rund 34.000 Besuchern ging im April die dreitägige Fachmesse Altenpflege 2011 zu Ende. Zu sehen waren hauptsächlich Lösungen und Produkte rund um die klassische Pflege. Aber auch die Reinigungsbranche war im Messezentrum Nürnberg vertreten. Knapp zehn Prozent der 683 Aussteller zeigten den Besuchern - laut Messegesellschaft rund ein Drittel davon aus der Leitungsebene der stationären und ambulanten Altenpflege -, was alles zur professionellen Reinigung gehört. Präsenz zeigen in einem Markt, der allgemein als zukunftsträchtig und vielversprechend bewertet wird - das zieht viele Hersteller auch von Reinigungsprodukten an. Für manche ist die Altenpflegemesse bereits seit vielen Jahren ein fester Termin im Kalender. „Altenpflege ist für uns ein wichtiges Geschäftsfeld“, sagt beispielsweise Hans-Leo Fernschild, Technical Support Manager bei Ecolab. Andere Aussteller waren in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Leitmesse der Pflegewirtschaft vertreten. Die Bilanz von Markus Hochkirchen, Head of Corporate Communications bei Ophardt Hygiene: „Um unsere Marke bekannter zu machen, hat es sich gelohnt.“ Auch einige Gebäudedienstleister nutzten die Messe, um potenzielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen (lesen Sie dazu auch den Beitrag auf Seite 60 und das Interview auf Seite 62.)
Die Trends im Ausstellungsangebot rund um die großen Themen Gebäudereinigung sowie Wäsche und Großküche in Alten- und Pflegeeinrichtungen: Wäschedesinfektion bei niedrigen Temperaturen, platz- und auch energiesparende Lösungen, hautverträgliche, aber wirkungsvolle Händehygiene, umweltbewusste Reinigungsmittel, Maschinen in eher kleinerem Format und praktische Lösungen für die Reinigung und Hygiene, die keine großen Anforderungen an den Benutzer stellen. Schön anzusehen, einfach zu bedienen - diese Kombination kam an bei den Besuchern der Altenpflege, die als Pflegekräfte oft genug auch für die Reinigung zuständig sind.
Gezeigt wurde Bewährtes ebenso wie Weiterentwicklungen und auch Neues, allerdings in eher kleinerem Stil. Stehen in den kommenden Wochen und Monaten doch schließlich große Branchenmessen bevor - vor allem die CMS in Berlin (20. bis 23. September), aber auch die Pulire in Verona (24. bis 26. Mai). Eine Auswahl:
Numatic bietet neben Reinigungsgeräten, -wagen und Moppboxen jetzt auch Wischbezüge: Der „Numop MedicalPlus“ wurde speziell für medizinischsensible Bereiche entwickelt. Er besteht aus 40 Prozent Mikrofaser, 20 Prozent PP-Polyamid und 40 Prozent Rayon-Viskose und ist für alle Hartbodenbeläge geeignet. Die Flächenleistung liegt bei 20 bis 29 m², je nach Bodenbeschaffenheit. Der systemunabhängige Mopp bringt nur 95 g auf die Waage und kann das Dreifache dessen an Reinigungsflotte aufnehmen. Das geringe Gewicht wirkt sich auch positiv auf die Waschkosten aus. Verglichen mit einem 150-g-Bezug lassen sich nach Worten von Projektleiter Steven Raabe 30 bis 40 Prozent der Waschkosten sparen. Weil zwei Kunststoffe verknüpft sind (PP-Polyamid), gleitet der Wischbezug auch auf strukturierten Fliesen gut. Die vergleichsweise stabile Rayon-Viskose sorgt für Haltbarkeit. Numatic garantiert 600 Waschzyklen. Der Bruder des „MedicalPlus“, der „Numop EcoGreen“, hat ähnliche Eigenschaften - allerdings ist die Faserkombination (Baumwoll-Polyester-Mischung statt Rayon-Viskose) eine andere. Er wurde speziell für Gebäudedienstleister entwickelt.
Nilfisk zeigte eine neue batteriebetriebene Kompaktmaschine, die bei Vorwärts- und Rückwärtsfahrt scheuert und saugt. Das Schrubbdeck ist um 180 Grad drehbar. Die Einsatzzeit liegt nach Herstellerangaben bei über einer Stunde. Mit 27 kg Anpressdruck und 37 cm Arbeitsbreite erreicht die SC 350 eine theoretische Flächenleistung von 1.480 m² pro Stunde. Frisch- und Schmutzwassertank fassen jeweils 11 l. Die 42-kg-Maschine kann zusammengeklappt in fast jedem Auto transportiert werden. Mit 64 dB ist sie auch dort einsetzbar, wo Geräusche schnell als störend empfunden werden. Darüber hinaus präsentierte Nilfisk sein Portfolio an Scheuersaugmaschinen und Gewerbesaugern, vor allem für die Tagesreinigung. „Besonders nachgefragt sind kleine Maschinen“, berichtete Key-Account-Manager Wolfgang Stecher.
Kärcher stellte einen neuen, besonders energieeffizienten Trockensauger vor. Er verbraucht nach Herstellerangaben 40 Prozent weniger Energie als Geräte mit vergleichbarer Reinigungsleistung und ist mit 56 dB besonders leise. Der 6,6 kg schwere Sauger kann mit dem Fuß ein- und ausgeschaltet werden und hat ein robustes Fahrwerk mit gummierten Bock- und Lenkrollen. An der Oberseite des „T 12/1 eco!efficiency“ befindet sich ein Griff, der den Transport über Treppen und Absätze erleichtert. „Klein und kompakt, bedienerfreundlich, ansprechende Optik: Das kommt bei den Messebesuchern gut an“, sagte Fachberater Joachim Wehrl. Auf Interesse stieß auch die Kompaktscheuersaugmaschine BD 40/12 (eine Stunde Akkulaufzeit, zwei 12-l-Tanks, 38 cm Arbeitsbreite, 70 kg Gewicht). Viele Nachfragen, viele Vorführtermine und insgesamt eine deutliche Steigerung gegenüber der Altenpflege 2009 in Nürnberg: Wehrl ist mit der Resonanz sehr zufrieden.
Sebo konzentrierte sich auf die Dart-Baureihe und den Bürstsauger Sebo Automatic XP2. „Die Dart-Reihe ist bei der Zielgruppe hier auf der Altenpflegemesse am erfolgreichsten“, berichtete Vertriebsleiter Thomas Dietz. Dart lässt sich im Baukastensystem konfigurieren - mit einer Elektrobürste für Teppiche und einem Poliervorsatz für Hartböden. Auch der Sebo Automatic XP2 mit automatischer Höhenverstellung ist für beide Bodenbelagsarten geeignet.
Bei Gregomatic war das gleichnamige Vakuumwaschsystem zu sehen. Das Gerät kann auf Böden, Wänden oder Decken eingesetzt werden. Durch Unterdruck verwirbeltes Leitungswasser wäscht den Schmutz aus den Poren der Oberfläche, gleichzeitig wird das Schmutzwasser abgesaugt. Reinigungschemie ist in den meisten Fällen nicht erforderlich. Die Einsatzmöglichkeiten sind nach Herstellerangaben nahezu unbegrenzt. Oberflächen in Küchen oder Kliniken können mit dem Waschsystem ebenso gereinigt werden wie Rolltreppen oder graffitibeschmierte Fassaden.
Ophardt Hygiene stellte einen neuen Seifen- bzw. Desinfektionsmittelspender in Signalfarbe vor. Der manuelle Spender aus der Reihe ingo-man ist in Leuchthellrot, Leuchtgelb und Leuchtorange erhältlich und erinnert - an den entscheidenden Stellen platziert - unübersehbar an die mitunter vernachlässigte Händehygiene. „Das kam super an“, sagte Markus Hochkirchen am Ende der Messe. Ebenfalls gut nachgefragt seien Haltesysteme für Spender gewesen. Neu ist beispielsweise eine Klemmhalterung für unterschiedlich dicke Regalbretter. Auch Touchless-Spender zogen einige Blicke auf sich. „Das kannten viele Besucher noch gar nicht“, sagte Hochkirchen.
Georgia-Pacific präsentierte unter der Markenbezeichnung Lotus Professional einen neuen Einzelblattspender für Toilettenpapier. Er ist für zwei Rollen konzipiert und eine Weiterentwicklung des Ein-Rollen-Spenders aus der Reihe „Smart One“. Das nächste Blatt ragt jeweils griffbereit heraus.
Neu bei Ecolab: Wäschedesinfektion bei
30 °C/40 °C mit Turbo-Clean & Safe. Dazu gehören ein Feinwaschmittel (Turbo Usona) und ein Desinfektionsmittel mit Bleiche (Turbo Oxysan). Zu sehen war auch ein neuer Reinigungswagen - eine kleinere Version der Mobilette mit drei Schubladen, zwei Moppboxen, vier Eimern und zwei Haltern für Abfallsäcke. „Alles hat Platz“, sagte Fachberaterin Ines Müller. Der Wagen ist besonders für kleinere Objekte geeignet und in allen Segmenten einsetzbar. Ecolab präsentierte sich als Komplettanbieter für Altenheime und Pflegeeinrichtungen mit Produkten in den Bereichen Reinigung, Pflege, Waschen und Küche sowie darauf abgestimmten Serviceleistungen. Im Bereich Weiterbildung gibt es jetzt beispielsweise ein Kommunikationstraining für Pflegepersonal.
Ein Schwerpunkt bei Dr. Schnell : die Sensitive-Linie, die als erstes professionelles Reinigungsmittelsystem gerade vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) getestet und als besonders verträglich empfohlen wurde. Die Produkte der Linie - Milizid (Sanitärreinigung), Forol (Universalreiniger) und Floortop (Wischpflege) - kommen ohne Konservierungsstoffe, Parfüm und Farbstoffe aus. Vier Wochen lang verwendeten 200 Reinigungskräfte in einer Uniklinik sowie fünf Alten- und Pflegeheimen nur diese Reinigungsmittel. „Alle drei Produkte haben Bestnoten in Sachen Hygienewirkung, Einsatz und Verträglichkeit bekommen“, berichtete Prokuristin Antje Schumann. Ein weiteres Messethema bei Dr. Schnell: ein ph-neutrales Waschsystem (Professional Ariel) mit Niedrigtemperaturbleiche, das desinfizierendes Waschen bereits bei 40 °C ermöglicht.
Kiehl präsentierte sich mit den Themen Textilwäsche (Arenas-Tex), Moppwäsche und -präparation (Promop), Großküche (maschinelle Geschirrreinigung, Arcandis) und ökologische Reinigung. Neu im Sortiment: Spülmaschinentabs mit Folienverpackung. Die Folie löst sich in der Maschine auf. Kiehl war bereits zum sechsten Mal auf der Messe vertreten. „Das ist ein wichtiger Markt für uns“, betonte Karl-Ludwig Niederhofer, Manager Marketing Services. Prokurist Jochen Pickelmann zog am Ende der Messe eine insgesamt positive Bilanz. Zwar handele es sich um ein spezielles Publikum mit einer überschaubaren Anzahl an Entscheidern. „Aber die, die herkommen, ermöglichen uns sehr qualifizierte Gespräche.“
Tana konzentrierte sich auf Großküchenhygiene und stellte dabei das Küchenreinigersortiment E3 in den Vordergrund. Die nachhaltig entwickelte Produktreihe enthält einen Geschirrreiniger (Energy E3), einen Glanzspüler (Brillant E3) und einen Fettlöser (Grease E3). E3 steht für „Efficiency“ (maximales Leistungsniveau), Ecology (Umweltleistung) und Economy (Preis-Leistungs-Verhältnis). „Anwendungsexpertin“ Tanina gehörte zu den Hinguckern am Stand. Für Zulauf sorgte auch eine Verlosung von Tana-Fröschen aus Stoff.
Bei Orochemie stand das Thema Händedesinfektion und Hautschutz im Mittelpunkt. Marketingchefin Cornelia Wegemund und ihr Team hatten Desinfektionsmittel für unterschiedliche Hauttypen mitgebracht: ein parfüm- und farbstofffreies Präparat für sensible Haut (C 20) und eines für trockene Haut (HD 410). Zum Sortiment gehören eine Pflegelotion (C 50) und ein Hautschutzschaum (C 60). Ein weiteres Thema: die Kooperation von Einrichtungen des Gesundheitswesens und Gebäudereinigern. Orochemie hat dazu einen Leitfaden erarbeitet.
Um Haut und Hände ging es auch bei Bode Chemie. Unter anderem war die Baktolan-Serie zu sehen. Sie enthält beispielsweise eine Creme, die der Hautregeneration ebenso wie dem Hautschutz bei Arbeiten im feuchten Milieu dient (Baktolan protect + pure).
Energie- und platzsparende Lösungen für die Wäschepflege sowie Desinfektion bei niedrigen Temperaturen waren die großen Themen bei Miele. Zu den Messeneuheiten gehörten gewerbliche Wäschetrockner (Slim Line) mit nur 71 cm Breite, die problemlos durch jede Tür passen, und besonders energiesparende Profi-Wärmepumpentrockner. Für 10 kg Wäsche brauchen sie nur 44 Minuten, der Energieverbrauch ist um 60 Prozent reduziert. Im Fokus standen auch Kombinationen, die sich in eine Säule integrieren lassen. Ebenfalls neu: Waschmaschinen für 10 bis 20 kg Füllgewicht, die unter anderem über ein Programm zur chemothermischen Desinfektion nach RKI-Richtlinie bei 40 °C verfügen. Beim maschinellen Ausrüsten von Mopps kann der Restfeuchtegrad - nebelfeucht, feucht, nass oder tropfnass - eingegeben werden. Maschinen aus der Reihe Octoplus gibt es jetzt auch mit 10 kg Füllgewicht sowie in einer neuen Basisversion.
Auch Electrolux präsentierte sein Sortiment an Waschmaschinen und Trocknern für das Gesundheitswesen sowie Geräte für Großküchen. „Altenpflege ist ein aufstrebender Markt. Für uns ist das ein Kerngeschäft“, sagte Holger Dannenberg, Segment-Manager Commercial/Consumer.
Mit einer neuen Mikroprozessorsteuerung ausgerüstet sind die Maschinen von Stahl. „Free pro“ der dritten Generation steht für freie Programmierbarkeit aller einstellbaren Parameter wie Waschzeit, Wasch- und Schleuderdrehzahl, Temperatur, Wasserstand oder Dosierart. Mitgebracht hatte Geschäftsführer Uwe Stahl beispielsweise Waschmaschinen aus der Atoll-Reihe, die in verschiedenen Größen für Füllgewichte von 5,5 bis 200 kg erhältlich sind. Die Maschinen aus eigener Produktion sind nach Herstellerangaben besonders robust, auf das Trommellager gibt es fünf Jahre Garantie. „Altenheime sind für uns ein starker Bereich“, sagte Uwe Stahl, der bislang auf jeder Altenpflegemesse mit seinen Waschmaschinen, Trocknern, Mangeln und Faltmaschinen präsent war.
Waschschleudermaschinen und Trockner von Ipso mit Cygnus-Steuerung waren bei Treysse zu sehen. Beim Waschen sind Beladegewichte von 6 bis 125 kg möglich, beim Trocknen sind es
7 bis 68 kg. Weitere Schwerpunkte waren Mangeln sowie Bügel- und Finishtechnik. Treysse war zwei Jahre nicht auf der Altenpflegemesse vertreten und gehörte nun wieder zu den Ausstellern. „Wir möchten diesen Bereich ausbauen“, erklärte Jutta Treysse. Ihre Einschätzung: „Bei den Besuchern besteht ernsthaftes Interesse.“
Eines der Highlights am Stand von Michaelis: ein Schulthess-Kondensationstrockner aus der Reihe Spirit Topline, der für 7 kg Wäsche nur 46 Minuten braucht. Die Waschmaschine aus dieser Reihe enthält Programme unter anderem zum desinfizierenden Waschen ab 40 °C. Eine Taste auf der Blende ermöglicht den einfachen Zugriff auf die Desinfektionsprogramme.
Auch die richtige Kleidung für Pflegepersonal und Reinigungskräfte war ein Thema. CWS Boco zeigte beispielsweise die neue Health-Care-Kollektion - mit (Cargo-)Hosen, Poloshirts, Jacken, Kasacks und Überwurfschürzen in Weiß, Grau oder Marine, kombiniert mit frischen Farben wie Apricot, Mint und Lavendel. Dazu passt ein leichter Schuh von Adidas, der in Kooperation mit CWS-Boco für den Gesundheitssektor entwickelt wurde. Die aktuelle Kollektion ist auch im Mietservice erhältlich, ebenso wie Waschraumausstattung, Flachwäsche oder Schmutzfangmatten.
Bei DBL stand die textile Mietdienstleistung im Mittelpunkt - von der CI-gerechten Berufsbekleidung über die Wäsche bis zum Hol- und Bringservice. Zu sehen waren verschiedene neue Kollektionen vor allem für den Gesundheitssektor. Dabei spielt Farbe eine große Rolle. Außerdem wurde Businessbekleidung vorgestellt.
Auch Bardusch war in Nürnberg vertreten. Im Rahmen seines
Leasingsystems bietet der Textildienstleister Alten- und Pflegeheimen eine Vollversorgung mit Textilien - von der Stationswäsche über Funktionstextilien und Berufsbekleidung bis zum persönlichen Wäscheservice für die Heimbewohner. Unter anderem stellte Bardusch die neue Kollektion „PuraPharm“ für den Gesundheitsbereich vor.
Im nächsten Jahr treffen sich Aussteller und Besucher in Hannover zur Altenpflege 2012 - und zwar vom 27. bis 29. März. 2013 ist die Messe dann wieder in Nürnberg zu Gast.
Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de