Noroviren in einem Kindergarten Desinfektionsbad für Legosteine

Kurz vor Weihnachten schließt der Träger einer Reihe von Kitas in Essen einen Kindergarten: Verdacht auf Noroviren. Sie sind hochansteckend und lösen Durchfall und Erbrechen aus. Sämtliche Möbel, Geschirr und jedes einzelne Bauklötzchen müssen desinfiziert werden. Einsatz für Profis.

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    © Dornbrach
    Das Kunststoffspielzeug wie Legosteine und Playmobil-Figuren genossen in der Wanne ein 30-minütiges Desinfektionsbad.
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    Die Auszubildenden wischten jedes Holzbauklötzchen einzeln mit dem Desinfektionslappen ab und räumten es wieder ein.
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    Der Boden wurde mit dem 40er-Mikrofaser-Breitwischbezug desinfizierend gereinigt. Bei allen Arbeiten trugen die Auszubildenden Handschuhe und Mundschutz, um sich vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

Desinfektionsbad für Legosteine

-So hatten sich die Mitarbeiter des Kindergartens in Essen die letzten Tage vor den Weihnachtsferien nicht vorgestellt. Immer wieder war bei den Kindern und Erzieherinnen Durchfall, Erbrechen und Fieber aufgetreten. Einige der 52 Kinder waren zum Teil mehrfach erkrankt. Der Träger der Kindertagesstätte reagierte prompt, schloss den Kindergarten, um weitere Infektionen zu vermeiden und holte sich Hilfe.

Berge von Spielzeug

Es wird ein Großeinsatz für Bernd Dornbrach, Gebäudereinigermeister und Lehrer für Reinigungstechnik der Gebäudereiniger-Innung Essen/Mühlheim/Oberhausen und die Auszubildenden aus der Überbetrieblichen Lehrwerkstatt Essen. „Mit insgesamt 16 Personen haben wir zwei Tage im Kindergarten desinfiziert“, erzählt Dornbrach, der einen „Norovireneinsatz“ in dieser Form bis dato noch nicht erlebt hatte. Vor den Auszubildenden im 3. Lehrjahr und ihren Ausbildern lag im wahrsten Sinne des Wortes ein Haufen Arbeit: Jeder Legostein, jedes Holzklötzchen, sämtliche Bücher und Bälle mussten desinfiziert werden.

Hinzu kamen noch alle Einrichtungsgengeständen, wie Stühle, Tische und Schränke und die Kindergartenküche mit Besteck, Geschirr, Töpfen und Tassen. Zum Schluss sollten die Böden desinfiziert werden. In Teams machten sich die angehenden Gebäudereiniger ans Werk. Dornbrach: „Alle mussten bei der Arbeit Mundschutz und Handschuhe tragen, um eine Ansteckung zu vermeiden.“ Auf Dauer eine unangenehme und schweißige Angelegenheit, wie die Schüler feststellen mussten.

Widerspenstige Bälle

Die Legosteine aus Kunststoff wurden in eine Wanne geschüttet und 30 Minuten in einer vierprozentigen Desinfektionslösung gebadet. Im Anschluss konnten sie in Sieben abtropfen. Trickreich ging es beim Desinfizieren von kleinen Kunststoffbällen zu. „Wir hatten einen Berg dieser Spielbälle. Sie füllten zwei große Spannbetttücher von 1,35 m mal 2 m Länge. Die schwammen in der Desinfektionslösung natürlich immer oben“, erinnert sich Dornbrach. Die Lösung brachten Kunststoffboxen: Eine Wanne wurde mit den Bällen gefüllt, mit Desinfektionslösung übergossen und mit den Kunststoffboxen flächendeckend beschwert. Wenn Dornbrach von diesem Arbeitsgang berichtet, muss er lachen, denn „das war gar nicht so einfach – wenn wir eine Lücke hatten, kamen die Bälle natürlich wieder hochgehopst“, erzählt er. Bei so viel Spielzeug für Gebäudereiniger ging die Arbeit entsprechend „lustig und zügig“ von der Hand.

Das Geschirr der Kinder wurde in der Spülmaschine mit alkalischen Tabs im heißesten Programm für Töpfe und Pfannen gereinigt. „Ich habe mir zunächst Gedanken gemacht, wie wir die Teller am besten desinfizieren, dann ist mir eingefallen, dass alkalische Spülmittel natürlich eine desinfizierende Wirkung haben“, erklärt Dornbrach. Die Sanitäranlagen wurden regelrecht gebadet, denn Noroviren werden oft auf Toiletten über den Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Personen übertragen. Der Ausbilder wies die Mannschaft an, sämtliche Einrichtungsgegenstände und Wände mit der desinfizierenden Lösung nass abzuwaschen und anschließend mit einem ausgewrungenen Desinfektionslappen nochmals abzuwischen. Die Schränke der Tagesstätte rückten die Azubis von den Wänden und wischten sie außen und innen gründlich mit Desinfektionslappen aus. Die Oberfläche der Stühle und Tische wurde auf dieselbe Weise bearbeitet. Für den Boden hatte die Truppe 40er-Mikrofaser-Breitwischbezüge mit Desinfektionswaschmittel gewaschen und für das Wischen eine desinfizierende Lösung angesetzt. Dornbrach: „Nach drei Räumen haben wir die Lösung gewechselt und sind mit dem Doppelfahrwagen weitergezogen.“ Drei Azubis durften zum ersten Mal seit Kindertagen wieder mit Bauklötzchen spielen, die es hier kistenweise gab. Jedes einzelne Holzklötzchen musste von Hand abgewaschen, abgetrocknet und aufgestapelt werden. Eine Fleißaufgabe, über die sich aber niemand beschwerte.

Verschollen in der Bibliothek

Die Auszubildenden hatte der Ehrgeiz gepackt. „Da hätten wir beinahe Einen vergessen“, erzählt Dornbrach. Er hatte den jungen Mann in der Kindergartenbibliothek eingesetzt. Von 8 Uhr früh bis 14.30 Uhr am Nachmittag wischte er dort mit Hingabe Bücher ab. „Der war so in seine Arbeit vertieft, dass er prompt Frühstück, Mittagessen und die Kaffeepause vergessen hat.“ So kam es, dass die Mannschaft nach getaner Arbeit ohne den Kollegen abrückte und dem Ausbilder kurz nach der Abfahrt auffiel, dass jemand fehlte und sofort umdrehte. „Als wir auf den Hof fuhren, kam der Kollege gerade aus der Bibliothek. Der hatte gar nicht mitgekriegt, dass wir schon weg waren.“ Glück, dass der Ausbilder so aufmerksam war – einen so arbeitswütigen Auszubildenden möchte der Ausbildungsbetrieb bestimmt ungern missen.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de

Lesen Sie zum Thema Desinfektion bei Noroviren auch unseren
Artikel „Reinigung und Desinfektion mit System“ auf Seite 11.