Die langfristige Investition und ihre Finanzierung Der Weg zur Stärkung der Firma

Aufgabe einer Investition ist die Existenzsicherung des Unternehmens, aber auch die Stärkung des Unternehmensziels: Gewinne zu erwirtschaften und zu optimieren. Nicht jedoch, sich aus „steuerlichen Gründen“ Abschreibungsbedarf zu schaffen; drücken doch Abschreibungen echten Vermögensverzehr aus, der am Betriebserfolg nicht nur „steuerlich“ knabbert.

Der Weg zur Stärkung der Firma

-Dieser Beitrag zielt auf die langfristige Investition in (Sach-) Anlagevermögen (-güter) wie Kraftfahrzeuge, Maschinen oder Geräte – die Anschaffung etwa eines Firmenanwesens sei hier vernachlässigt –, also auf eine bestimmte zielgerichtete Kapitalbindung zur Erwirtschaftung künftiger Erträge. Wir klammern also Personalinvestitionen (ein ganzes Bündel verschiedenartigster Investitionsbausteine) oder Vorratsinvestitionen genauso aus wie die Kapitalanlage in immateriellen Werten (wie Patente, Software, Firmenwert und dgl.) oder Finanzanlagen (z.B. Beteiligungen, Wertpapiere).

Investitionen im Sachanlagevermögen kennen wir in drei Grundformen:

  • die Ersatzinvestition;
  • die Rationalisierungsinvestition und
  • die Erweiterungsinvestition.

Daneben finden sich Mischungen aus diesen drei Erscheinungsformen.

Die Investitionsplanung

Jeder Investition hat eine qualifizierte Planung vorauszugehen, die die Prüfung von Investitionsalternativen mit Kostenvergleichsrechnungen selbstverständlich einschließt.

Motiv für eine Ersatzinvestition kann ein nicht mehr einsatzfähiges Anlagegut – etwa infolge Brandschadens – genauso sein wie ein technisch veraltetes. Auslöser kann aber auch hohe laufende Reparaturanfälligkeit einer Altanlage sein, die deren Wirtschaftlichkeit ernsthaft bedroht.

Angesichts hoher Personal- und Personalnebenkosten drängt sich die Frage auf, ob nicht rationellere Anlagegüter den Unternehmenserfolg verstärken könnten. Freilich stellt sich hier noch mehr als bei der Ersatzinvestition die Frage, ob die projektierte Rationalisierungsinvestition unterm Strich mittelfristig auch tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt.

In konjunkturell rezessiven Phasen stellt sich das Thema Erweiterungsinvestition kaum – und doch! Konnten beispielsweise ein oder zwei Großkunden an Land gezogen werden, die die Kapazitätsgrenzen der vorhandenen Anlagegüter überschreiten, drängt sich zweifellos der Gedanke einer Erweiterungsinvestition auf. Amortisieren die sonderauftragsbedingten Mehrerlöse die (Gesamt-!) Kosten der Erweiterungsinvestition, fällt die Beantwortung dieser Frage nicht besonders schwer, wenn auch später ein ungenutztes Anlagegut Raum wie auch eine gewisse Wartung für sich beansprucht – also Geld kostet. In allen übrigen Fällen aber muss das Problem der Auslastung wohl bedacht werden, sollte man den/die neu gewonnenen Großkunden aus welchem Grund auch immer wieder verlieren. Bleibt eine Kapazitätsauslastung für die Zeit „danach“ zweifelhaft, sollte man nach Auswegen suchen, um langfristig betrachtet Überkapazitäten zu vermeiden: Über ein (soweit möglich) kapazitätsorientiertes „Strecken“ der Aufträge, durch ein zeitangepasstes Leasen von zusätzlich erforderlichen Anlagegütern (namentlich via Operate Leasing), durch Leiharbeiter – vielleicht aber auch durch Vergabe von Aufträgen an Subunternehmer. Und scheiden die hier angeführten Variationsmöglichkeiten aus: Zuweilen erwies sich schon ein Nein zu nicht kapazitätsgerechten Aufträgen als Nein zu einem Verlustgeschäft. Liegt doch das Abwanderungsrisiko bei Neukunden erheblich über dem bei Altkunden.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ist das A und O

Anschaffungs- wie Herstellungskosten gehen auf dem Weg über die Abschreibungen als Kosten im wahren Wortsinn in die Gewinn- und Verlustrechnung ein. Dabei gilt der alte Grundsatz: Das billigste Anlagegut ist nicht immer das preisgünstigste, und das teure nicht immer das beste.

Zu den Anschaffungskosten zählen auch Aufwendungen für Frachten und Zölle wie gegebenenfalls für das Aufstellen einer Anlage. Daneben sind mit der Investition verknüpfte Probleme und Kosten zu klären: Reichen die zur Verfügung stehenden – geeigneten – Räumlichkeiten und deren Ausstattung aus?

Schließlich sind die laufenden Betriebskosten auszumachen: Fix- wie variable Kosten, die das neue Anlagegut auslöst. Neben den bereits angesprochenen Abschreibungen sind als Fixkosten namentlich etwaige Mietverteuerungen wegen Raummehrbedarfs, Versicherungsbeiträge und vor allem Finanzierungskosten anzuführen. Weiter sind zu erwartende laufende Betriebskosten (von der Stromrechnung bis zur Wartung) festzustellen, wobei nicht nur Erfahrungswerte Pate stehen dürfen; für Unwägbarkeiten ist ein weiterer Puffer einzuplanen.

Stellt man am Ende dieser Überlegungen fest, dass sich die projektierte Investition „rechnet“, steht deren Realisierung wohl nichts mehr im Weg. Nun aber geht es noch um den gesicherten (!) Liefertermin. Zielt die Investition auf ein höheres Umsatzvolumen, hat man sich auf wachsenden Betriebsmittelbedarf einzustellen. Reicht hierzu das Liquiditätspolster des Unternehmens nicht aus, steht das Thema Krediterhöhung auf der Tagesordnung eines schon im Vorfeld der Investitionsentscheidung zu führenden Gesprächs mit der Bank. Die Entscheidung der Bank, das Vorhaben zu begleiten, erleichtert mit Sicherheit ein vom Unternehmer vorgelegter seriöser Liquiditäts- und Finanzplan. An dieser Stelle ein kurzer Hinweis zur Desinvestition: Hier geht es fallweise nicht nur um die Kosten des Abbaus einer Anlage, sondern darüber hinaus um die Entsorgungsproblematik. Beabsichtigt man den Verkauf eines Anlagegutes, bietet sich beispielsweise die Insertion in der Fachpresse an. Der Kunde einer erfahrenen Leasinggesellschaft findet in seinem Vertragspartner u.U. auch einen Helfer anlässlich der Verwertung eines gebrauchten (selbst nicht geleasten) Anlageguts, ist doch eine marktstarke Leasingfirma auch im Second-Hand-Markt zu Hause.

Finanzierungswege

Langfristig gebundene Vermögenswerte bedürfen einer angepassten, d.h. langfristigen Finanzierung. Hier gilt es zunächst, Finanzierungsreserven im eigenen Betrieb zu reaktivieren: vom Verkauf entbehrlicher Anlagegüter über die Ausschöpfung ungenutzter freier (langfristiger!) Kreditlinien bis zur Sale-and-lease-back-Methode. Unter Vorbehalten lässt sich auch Factoring, also der Verkauf von Kundenforderungen, einsetzen. Man sollte den Anlass zugleich zu konsequenterer Debitorenüberwachung nutzen.

Als klassisches Finanzierungsinstrument dient selbstverständlich das Eigenkapital: In Form von Privateinlagen wie reduzierter Entnahmen, von Gesellschafterdarlehen, der Hereinnahme neuer Gesellschafter; schließlich durch begrenzte Vorfinanzierung des bereinigten Cashflows, des erfolgswirksam erwirtschafteten Zahlungsmittelüberschusses.

Banken gewähren Investitionsdarlehen mit einer unter der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (Abschreibungszeit) liegenden Laufzeit, erwarten aber einen Eigenfinanzierungsanteil von meist 20 bis 25 Prozent der Anschaffungskosten. Kann beleihungsfähiger Grundbesitz zur Besicherung angeboten werden, lässt sich eine aktuelle Investitionsfinanzierung auch mit einer Konsolidierung kurzfristiger Verbindlichkeiten verknüpfen: durch ein Hypothekendarlehen einer Hypothekenbank, Landesbank, Sparkasse oder Genossenschaftsbank auf i.d.R. etwa zwei Jahrzehnte. In beiden Fällen aber ist zu beachten, dass eine Nichtabnahme des bereits zugesagten Darlehens Nichtabnahmeentschädigungsverpflichtung auslöst, und tilgungsplanfremde (Teil-)Rückführungen Vorfälligkeitsentschädigungszahlungen. Folglich sollte man sich vorab über diese Hürden klar werden, vor allem aber die mögliche Höhe derartiger Konventionalstrafen einigermaßen zutreffend einschätzen.

Investitionsdarlehen der Bank werden häufig mit einem Festzins auf zwei bis fünf Jahre ausgestattet oder mit Zinssicherungsabsprachen verknüpft. Hypothekendarlehen sind – namentlich bei Hypothekenbanken und Landesbanken – i.d.R. mit einer Zinsfestschreibung von fünf oder zehn Jahren konzipiert; während dieses Zinsbindungszeitraums unterliegen außerplanmäßige Tilgungen (der die Bank aber erst zustimmen muss) der Verpflichtung zur Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung.

Bund und Länder bieten eine ganze Reihe zinsgünstiger Finanzierungsmittel für bestimmte Investitionsvorhaben an. Sie sind zwingend bereits vor Bestellung bzw. Investitionsbeginn über die jeweilige Hausbank zu beantragen. Schließlich sei noch eine Form der Investitionsfinanzierung angesprochen: Die Anschaffung über Leasing, bei der der Leasingnehmer das Leasinggut nutzt, das Eigentum daran jedoch beim Leasinggeber verbleibt – ein allerdings meist (auch unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte) teurerer Weg als die konventionelle Fremdfinanzierung.

Auf keinen Fall sollte man sich hinreißen lassen, langfristige Investitionsgüter über kurzfristige Finanzierungsquellen zu refinanzieren; denn ein nachhaltiger Erfolg der Investition lässt sich nur über ein solides Finanzierungsnetz absichern. M

Michael Bandering