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Bundesleistungswettbewerb 2019 in Kiel Der Sieger heißt Julian May

Leuchtmittelreinigung, Teppichreinigung, Glasfassadenreinigung: Beim Bundesleistungs­wettbewerb im Gebäudereiniger-Handwerk 2019 war Vielseitigkeit gefragt. Am Ende setzte sich Julian May aus Hessen als Sieger durch. Sophie Schmidt (Thüringen) und Niklas Klinkmüller (Brandenburg) belegten die Plätze zwei und drei.

7.45 Uhr im Opernhaus in Kiel: Die erfolgreichsten Absolventen der Gebäudereinigerausbildung aus zwölf Bundesländern sind an diesem Novembermorgen angetreten, um den Besten der Besten zu ermitteln – beim Reinigungseinsatz im Innen- und Außenbereich des Jugendstilgebäudes mit Anbau aus neuerer Zeit. Das Objekt und die Stationen der Arbeitsproben haben die zwölf Wettbewerbsteilnehmer bereits am Vortag besichtigt. Die Aufgabenstellung ist klar, die Gruppen­einteilung bekannt. Jetzt weiß jeder, was zu tun ist.

8 Uhr: Umlagert von zahlreichen Pressevertretern aus den Bereichen Print, Radio und Fernsehen legen die jungen Gesellen los. Drei Arbeitsproben sind im Laufe des Tages abzulegen – Leuchtmittelreinigung im Foyer, Teppichreinigung im Garderoben­bereich und Glasfassadenreinigung im Außenbereich. „Wichtig ist uns der Umgang mit modernsten Verfahren und Reinigungstechniken, aber auch die Anwendung alternativer Verfahren zum Schutz des Objektes und der Umwelt“, sagt René Frackowiak, Vorsitzender der Jury, der auch Martin Gleitsmann, Peter Hollmann, Norbert Jung, Michaela Peters, Marion Presek-Haster, Susanne Selbrede und Michaela Witzany-Wokalek angehören.

Station 1: Leuchtmittelreinigung

Im Foyer des Opernhauses sind bereits die Rollgerüste aufgebaut, von denen aus Maximilian Thilo Dittrich (Hamburg), Anna Doering (Berlin), Niklas Klinkmüller (Brandenburg) und Roy-Mike Kroggel (Sachsen) die Deckenleuchten bearbeiten werden, jeweils zwei Lampen mit abdrehbarem Schirm und zwei fest­sitzende Reflektorlampen pro Teilnehmer. Sie sollen vor allem von Staub und festanhaftendem Schmutz befreit werden. Neben der Heran­gehensweise an die Reinigungsaufgabe, der Wahl des richtigen Reinigungsmittels und natürlich dem Reinigungsergebnis spielt für die Juroren dieser Station – Martin Gleitsmann und Michaela Witzany-Wokalek – auch das Thema Arbeitssicherheit eine Rolle. Steht das Gerüst vernünftig? Ist die Feststellbremse richtig angezogen? Aber auch: Haben die Wettbewerbsteilnehmer das Thema Strom im Blick? Die Bewertung der Prüflinge hat viele Facetten.

Der Bundessieger 2019 heißt Julian May

Auf der Bühne proben die Schauspieler

Auf der Bühne des Opernhauses wird derweil für das Weihnachtsmärchen „Der Zauberer von Oz“ geprobt, das kurz darauf Premiere feiern soll. „Wir mussten per Schallmessung nachweisen, dass unsere Maschinen und Geräte die Proben nicht stören“, erzählt Wilfried Birck, stellvertretender Obermeister der Landesinnung Nord, der den Bundesleistungswettbewerb 2019 organisiert hat. Viele, viele Stunden hat er in die Vorbereitung des Ereignisses investiert, unterstützt von zahlreichen Helfern. Die größte Heraus­forderung aber sei es gewesen, vom Opernhaus die Zustimmung für den Wettbewerb im Objekt zu bekommen. „Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen!“, sagt Wilfried Birck.

Station 2: Teppichreinigung

Erste Aufgabe für Christopher Jöcks (Mecklenburg-Vorpommern), Gary Kröckel (Niedersachsen), Sophie Schmidt (Thüringen) und Sebastian Nico Zahnen (Schleswig-Holstein): eine Zwischenreinigung des textilen Bodenbelags im Garderoben­bereich – im Sprayverfahren mit Hilfe einer Orbitalmaschine (Orbot SprayBorg) und speziellen Reinigungspads. Vorteil der Spray­reinigung ist, dass der Boden schon nach kurzer Zeit – Trocknungszeit maximal 15 Minuten – wieder nutzbar ist. Sicher­heitshalber erklärt ein Mitarbeiter der Firma Kenter, wie mit der Maschine zu arbeiten ist, dann läuft die Uhr. „Die Herausforderung ist, dass man sich bei der Durchführung dieser Arbeit entsprechend organisiert“, sagt Susanne Selb­rede, die gemeinsam mit Martin Jung die Bewertung im Bereich Teppichreinigung vornimmt. Außerdem achten die beiden Juro­ren auf gute Vorbereitung, Ordnung am Arbeitsplatz, den Arbeitsablauf und das Reinigungsergebnis.

Station 3: GlasFassadenreinigung

Im Außenbereich des Opernhauses sind Lennart Butzke (Baden-Württemberg), Dominik Gens (Nordrhein-Westfalen), Julian May (Hessen) und Michelle Scheckenbach (Bayern) bereits an der Glasfassade des Anbaus im Einsatz. Die Fassade ist seit Jahren nicht gereinigt worden und entsprechend stark verschmutzt. Moos, Algen, Vogelkot und andere Verschmutzungen sind von Glas und Eloxalrahmen zu entfernen – mit entmineralisiertem Wasser und einem Stangensystem (n-Lite, Unger). Zwei Vertreter des Unter­nehmens haben die Handhabung des Systems erklärt und begleiten die Arbeiten. 20 Meter hoch und zwei Meter breit ist die Fläche, die jeder Teilnehmer zu bearbeiten hat, in zwei Durchgängen, immer von oben nach unten. „Das ist die körperlich anstrengendste Auf­gabe“, sagt Peter Hollmann, der mit Michaela Peters an dieser Station für die Leistungsbeurteilung verantwortlich ist. Beweisen die Teilnehmer einen sicheren Umgang mit den wasserführenden Stangen? Ist der Arbeitsablauf gleichmäßig? Wird den Belangen des Arbeitsschutzes Rechnung getragen? Stimmt das Fachwissen? Den Juroren entgeht nichts.

Der Jury entgeht nichts

Jeweils zwei Stunden stehen pro Arbeitsprobe zur Verfügung, dann wechseln die Gruppen die Station, bis jeder Teilnehmer alle drei Aufgaben erledigt hat. Zwischendrin stehen die Gesellen immer wieder auch den Journalisten Rede und Antwort, sprechen in Mikrofone und blicken in Kameras. Dann heißt es warten, bis alle Unterlagen ausgewertet sind und die Jury eine Entscheidung getroffen hat. Zur Siegerehrung treffen sich alle Beteiligten am Abend im Hotel Steigenberger wieder. Dieter Kuhnert, Obermeister der Landesinnung Nord, heißt die Gäste – Wettbewerbsteilnehmer und ihre Angehörigen sowie Vertreter von Innungen und Betrieben – willkommen, dann hat der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer das Wort.

Siegerprämien in Höhe von 4.500 Euro

Schließlich ruft Roland Böhm, Mitglied des BIV-Vorstands, Niklas Klinkmüller als Drittplatzierten auf die Bühne. Der 19-Jährige hat seine Ausbildung bei der Glas- und Industriereinigung Zimmermann in Luckau/Bran­denburg absolviert. Sophie Schmidt (Ausbildungsbetrieb: TRS Gebäudereinigung in Gotha/Thüringen) wird als zweite Siegerin verkündet, bevor Julian May als Bun­dessieger 2019 geehrt wird. Der 23-Jährige hat bei der Ge­bäudereinigung Daniel Baumann in Freigericht/Hessen gelernt. Inzwischen ist er als Assistent der Geschäftsleitung bei der Glas- und Gebäudereinigung Wischfix in Aschaffenburg tätig. Platz vier teilen sich Lennart Butzke, Maximilian Thilo Dittrich, Anna Doering, Dominik Gens, Christopher Jöcks, Roy-Mike Kroggel, Gary Kröckel, Michelle Scheckenbach und Sebastian Nico Zahnen. Blumen, Glückwünsche und Urkunden sind für alle da, die drei Erstplatzierten erhalten zudem Siegerprämien in Höhe von 2.500 Euro, 1.500 Euro und 500 Euro aus dem Carl-Gegenbauer-Preis. „Allein die Teilnahme am Bundesleistungswettbewerb zeichnet Sie schon aus“, betont Roland Böhm bei der Ehrung der Sieger und Platzierten und lobt: „Unser Handwerksnachwuchs hat beste Werbung für die duale Ausbildung und die Vielfalt unserer Branche gemacht.“ Vielen sei nicht klar, dass der Gebäudereinigerberuf eine aufwändige Ausbildung mit sich bringe, vielfältige Kenntnisse erfordere und gerade Fachkräften beste Zukunftschancen garantiere.

Auch rationell reinigen gratuliert zum Erfolg und schenkt den drei Erstplatzierten in Anerkennung ihrer Leistungen ein Jahresabo für das Fachmagazin der Branche.

Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de

Der Bundesleistungswettbewerb im Gebäudereiniger-Handwerk hat Tradition: Seit mehr als 60 Jahren treffen sich Gebäudereinigergesellen aus ganz Deutschland, um den Besten der Besten zu ermitteln. Wie haben drei Bundessieger aus den Jahren 1961, 1985 und 2018 den Wettbewerb erlebt und was ist aus ihnen geworden? rationell reinigen hat nachgefragt.

Klaus Heine: "Unvergessen: Die Urkunde vom Bundespräsidenten"

Klaus Heine

Klaus Heine, Geschäftsführer, Linder Gebäudedienste, Herdecke, Bundessieger 1961: Mein Eintritt ins Berufsleben im Jahr 1958 war nicht einfach: Nach der Untersekunda (Klasse 10) wurde ich Lehrling in der Firma Linder Gebäudereinigung. Meine Mitschüler und Freunde schlugen andere Wege ein, studierten Archi­­­tektur oder Ingenieurwesen. Ich hingegen schulterte die Glas­reinigerleiter, nahm den Zinkeimer und reinigte Schau­fenster in der Hagener Innenstadt, oft zur Belustigung meiner alten Freunde. Nach und nach wurde ich in alle Arbeits­gebiete eingewiesen, dazu kam der Besuch der Berufsschule in Dortmund. Die gute Ausbildung mündete in einer Gesellenprüfung, die mich zum Besten im Handwerkskammerbezirk und darauf zum Landessieger NRW machte. So durfte ich 1961 am Bundesleistungswettbewerb in Dortmund teilnehmen. Funk und Fernsehen waren damals noch nicht vertreten, die Berichterstattung in der Presse hatte jedoch den Gebäudereinigerberuf etwas bekannter gemacht und mich in der Achtung meiner alten Freunde steigen lassen. Mittlerweile hat die Berichterstattung von den Leistungswettbewerben dem Beruf einen großen Imagegewinn gebracht. Jedes Jahr nehmen Presse, Funk und Fernsehen das Thema gerne auf. Nach meiner Meinung sollte den Innungen empfohlen werden, die Medien zu insbesondere auch den praktischen Gesellen­prüfungen einzuladen – die üblichen Bilder von Freisprechungsfeiern gleichen sich doch über alle Berufe hinweg.

Nach fast 60 Jahren sind wir bei Linder stolz, mit Dominik Gens wieder einen Teilnehmer am Bundesleistungswett­bewerb gestellt zu haben. Dabei ist auch die Leistung unseres Gebäudereinigermeisters Jamal Buzyarzist zu würdigen. Er ist als Lehrling ins Unternehmen eingetreten und zum Meister und Ausbilder aufgestiegen. Einen solchen Weg wünschen wir Dominik Gens ebenfalls.

Wünschenswert wäre es, wenn sich mehr junge Gesellen dem Leistungswettbewerb stellen würden. Erfolgsprämien sind ja in erstaunlicher Höhe ausgesetzt. Mir blieb eine Uhr mit eingravierter Widmung des BIV und, eigentlich noch wertvoller, eine Urkunde des Schirmherrn des Leistungswettbewerbs der Handwerksjugend, des damaligen Bundespräsidenten Dr. Heinrich Lübke.

Ulf Henning: "Für eine tolle Leistung muss man nicht Sieger sein"

Ulf Henning

Ulf Henning, ge s chäftsführender Gesellschafter, Henning Gebäudedienste, Lüneburg, Bundessieger 1985: Mit dem Bundesleistungswettbewerb verbinde ich eine der schönsten Zeiten meiner beruflichen Tätigkeit. Denn durch meinen damaligen Erfolg 1985 habe ich direkt an der Meisterschule teilnehmen dürfen. Dadurch konnte ich den Meistertitel deutlich schneller erlangen. Ein richtiges Highlight im Anschluss: die persönliche Ehrung durch Franz Josef Strauß.

Aber im Vergleich zwischen 2019 und 1985 gibt es eine tolle Entwicklung zu beobachten: Die öffentliche Wahrnehmung und Bedeutung des Bundesleistungswett­bewerbes ist um ein Vielfaches gestiegen. Und deshalb bin ich persönlich ein großer Verfechter von unserem Leistungswettbewerb. Er stärkt die Gesellen, die Branche und die Außenwahrnehmung unseres Handwerks. Es ist deshalb gut und richtig, wenn sich die Besten miteinander messen. Jetzt muss es uns noch gelingen, die Prüfungsaufgaben etwas anspruchsvoller zu gestalten. Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wir sollten unseren Gesellen hier noch mehr zutrauen.

Der maßvolle Umgang zwischen Forderung und Überforderung ist dabei immer ein Spagat. Beispielsweise waren wir 2016 mit einem unserer Gesellen beim Bundesleistungswettbewerb in der Berliner Charité. Er hat eine tolle Leistung gezeigt und den vierten Platz belegt. Doch er war nicht wirklich zufrieden und haderte mit dem persönlichen Druck, den er sich selbst auferlegt hat. Wir haben ihn dann aufgebaut. Man muss nicht den ersten Platz belegen, um eine tolle Leistung gezeigt zu haben.

Insgesamt bin ich mit der Ausbildungsqualität in unserem Handwerk zufrieden. Die beruflichen Anforderungen sind gestiegen, in Bezug auf die Technik und die Maschinen. Jeder Mensch, der sich für diesen Weg entscheidet und die Prüfungen erfolgreich meistert, ist deshalb ein Gewinn für das Gebäudereiniger-Handwerk. Wenn es dann noch für einen Erfolg beim Bundesleistungswettbewerb reichen sollte: Umso besser!

Christoph Rakowski: "Als nächstes kommt die Meisterprüfung"

Christoph Rakowski

Christoph Rakowski, Geselle, H.-D. Kottmeyer Gebäudereinigung und Gebäudemanagement, Harsewinkel, Bundessieger 2018: Den 15. November 2018 werde ich nie vergessen: die gute Atmosphäre beim Bundesleistungswettbewerb, das Medien­interesse und auch, dass mich mein in diesem Jahr verstorbener Lehrherr Dieter Kottmeyer (ihm habe ich viel zu verdanken) nach Bitterfeld begleitet hat. Und dann der Bundessieg! Darüber habe ich mich sehr gefreut – und der Erfolg hat sich sehr positiv für mich ausgewirkt. Ich bin jetzt als Geselle in meinem Ausbildungs­betrieb tätig. Die Firmenleitung unterstützt mich und vertraut mir Führungsaufgaben an. Mir werden Arbeitsgruppen zugeteilt, ich bin Verantwortlicher vor Ort, habe einen Firmenwagen und verdiene natürlich besser als in der Ausbildung. Alles in allem habe ich viel Zuspruch für meine Leistung bekommen, auch von Kollegen und Kunden, und konnte neue Kontakte knüpfen. Immer in Erinnerung bleiben wird mir auch der Festakt in Berlin. Das war schon ein Erlebnis – mit all den anderen Siegern der verschiedenen Gewerke! Durch die Begabtenförderung konnte ich außerdem den finanziellen Aufwand der Meisterausbildung etwas abpolstern. Inzwischen besuche ich berufsbegleitend die Meisterschule in Düsseldorf. Dafür habe ich einen Teil des Preisgeldes für den Sieger zurückgelegt. Auf dem Meister aufbauend möchte ich eine Weiterbildung im Bereich Hygienetechnik absolvieren. Später kann ich mir eine Gutachtertätigkeit vorstellen. Und durch die Mitarbeit in Fachgremien würde ich mich gerne für eine bessere Unterstützung in der Weiterbildung einsetzen.

Ich wurde Gebäudereiniger, weil mein Großvater und mein Vater auch Gebäudereinigermeister sind beziehungsweise waren. In diesem Beruf ist es nie langweilig, der Kundenkontakt gefällt mir und die Aufstiegsmöglichkeiten sind gut. Meine Wahl habe ich nie bereut, obwohl selbst im engen Freundeskreis der Stellenwert des Berufsbildes und sogar der Bundeserfolg (!) teilweise abwertend kommentiert wurden. Der Bundesleistungswettbewerb ist meiner Meinung nach auch deshalb sehr wichtig, weil das Berufsbild präsentiert und aufgewertet wird – was immer noch dringend erforderlich ist!

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