Mehr als 60 Prozent der Böden im Objektbereich sind mit textilen Belägen ausgestattet. Es gibt sie in zahlreichen Farben und Strukturen. So lassen sie sich sehr gut gezielt für die jeweilige Gebäude- bzw. Raumnutzung auswählen. Außerdem gewährleisten Teppichböden eine hohe Trittsicherheit und tragen zur Reduzierung der Laufgeräusche bei. Sie sind jedoch auch auf eine effiziente, systematische und differenzierte Reinigung mit modernen Methoden angewiesen.
Der Faser richtig zu Leibe rücken
-Die Unterhaltsreinigung besteht in der Regel aus Saugen oder Teppichbürstsaugen. Es kann aber auch eine Kehrsaugmaschine mit einer Teppichkehrwalze (antistatisch) verwendet werden. Die Entscheidung über den Einsatz der Maschinenart hängt vom täglichen Schmutzeintrag, der Art des textilen Belags und der Flächengröße ab. Grundsätzlich gilt: Je effizienter die Unterhaltsreinigung, umso weniger häufig muss zwischen- bzw. grundgereinigt werden. So lassen sich entsprechend höhere Folgekosten sparen.
Bei der Auswahl des richtigen Geräts für die Unterhaltsreinigung ist neben der Flächengröße und Oberflächenstruktur des Belags die Leistung des Saugers von entscheidender Bedeutung. Hierzu wird vielfach nur die Wattzahl der Turbine herangezogen. Diese ist jedoch nicht das allein ausschlaggebende Kriterium für eine hohe Reinigungsleistung.
Auch der Unterdruck in Millibar/Kilopascal (mbar/kPa) und die Luftmenge in Litern/Sekunde (l/s) sind von wesentlicher Bedeutung. Anhaltswerte für Profigeräte liegen beim Unterdruck zwischen 210/21 und 250/25 mba/kPa und bei der Luftmenge zwischen 50 und 70 l/s. Um eine gute Saugleistung erreichen zu können, muss unbedingt ebenfalls auf die Qualität des Zubehörs geachtet werden. Denn nur durch ein gutes Aufliegen der Bodendüse an den textilen Fasern kann auch der erforderliche Unterdruck erhalten bleiben, d.h., die Bodendüse folgt den Bewegungen des Bedieners. Dies wird nur mit entsprechenden Gelenken am Saugrohrstutzen der Bodendüse unterstützt. Auch das Eigengewicht der Bodendüse spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein Metallgleitschuh ist hier von Vorteil.
Bei höherflorigen Teppichböden (Schlingenware oder Velours) bzw. auch bei starkem Schmutzeintrag sollte ein Teppichbürstsaugsystem gewählt werden, da die Bürstenwalze tief in den Florgrund eingreift und damit stärker haftende Schmutzpartikel, Fäden und Haare ablöst. Der Saugluftstrom saugt die losgebürsteten Teile auf und transportiert sie in den Filterbeutel. Durch die zusätzliche mechanische Wirkung der Bürste wird das Reinigungsergebnis erheblich verbessert und, da gleichzeitig die Faser wieder aufgerichtet wird, auch die Optik.
Neuerdings sind für größere Flächen Doppelwalzensysteme mit gegenläufigen Bürsten am Markt, die den zusätzlichen Vorteil haben, dass sie – egal in welcher Arbeitsrichtung diese Maschine eingesetzt wird – ein schattenfreies Reinigungsbild (ohne Zebramuster) erzeugen. Das ist insbesondere bei Velours vorteilhaft.
Bei der Unterhaltsreinigung des textilen Belags darf die Fleckenentfernung nicht fehlen. Hier gilt das Motto: Flecken sollten unbedingt noch am Tage ihrer Entstehung wieder beseitigt werden. Dies geschieht in der Regel mit Hilfe von Allrounddetachur (Fleckenentfernungsmittel), wobei der Fleck eingesprüht und nach einer kurzen Einwirkzeit mit einem hellen saugfähigen Tuch aufgetupft wird. Vorsicht: Darauf achten, dass hierbei der Fleck nicht tiefer in den Teppich hineingerieben bzw. vergrößert wird. Auch sollte vorab auf einer wenig einsehbaren Stelle der Teppich auf Farbechtheit geprüft werden, da die Allrounddetachur in der Regel geringe Lösungsmittelanteile enthält.
Tipp: Bei Material mit höheren Fasern kann durch Einsatz einer Schuhcremebürste die aufgesprühte Detachur in die tiefere Region hineingeklopft werden, um auch dort den Schmutz zu lösen.
Alternativ zur Fleckenentfernung mit der Saug-/Tupftechnik kann auch die Fleckspülmethode zur Anwendung kommen. Dabei wird der Fleck ebenfalls mit der Detachur benetzt und nach der erforderlichen Einwirkzeit mit der Handdüse eines Sprühextraktionsgerätes mit Wasser durchgespült und abgesaugt. Der Vorgang kann nach Bedarf wiederholt werden, was den Vorteil hat, dass keine Detachurmittel-Rückstände im Teppich verbleiben.
Nun zur Gerätewahl: Wie findet man den richtigen Sauger? Neben den bereits genannten gibt es eine Reihe weiterer wichtiger Kriterien:
- Größe,
- Schmutzbehälter-Volumen,
- Gewicht,
- Arbeitsgeräusch,
- Handhabung,
- Aktionsradius (Kabel-, Saugschlauch-, Saugrohrlänge, Hybrid- oder Batteriegerät),
- Zubehöraufnahme,
- Abfilterungsgrad.
Bei der Auswahl des Saugers nach dieser Kriterienliste ist außerdem darauf zu achten, dass die Filtertüte im Schmutzbehälter auch den Platz hat, den sie braucht, um ihre Kapazität zu entfalten und so die Schmutzmenge aufnehmen zu können, die sie nominell hat. Hier hat sich vor allem die Vliesfiltertechnologie bewährt, da sich das Vlies aufgrund seines dreidimensionalen Aufbaus nur sehr langsam mit Feinststaubpartikeln zusetzt und somit einen gleichmäßigen Saugluftstrom gewährleistet. Somit gelangt der aufgenommene Schmutz sicher bis zur Kapazitätsgrenze in die Filtertüte. Dadurch werden rund 50 Prozent weniger Filtertüten verbraucht. Weitere Vorteile sind neben dem sehr beachtlichen Abfilterungsgrad (99,99 Prozent) die hohe Reißfestigkeit. Dies bedeutet im Ergebnis eine insgesamt höhere Wirtschaftlichkeit.
Eben die wird außerdem beeinflusst durch die Auswahl des Saugertyps. Rückensauger z.B. haben eine sehr hohe Effizienz bei stark überstellten oder sehr engen Bereichen. Da der Bediener den Sauger direkt am Körper trägt, lässt sich der Reinigungsaufwand um ca. 20 Prozent verkürzen: Der Bediener kann sich freier und schneller bewegen und voll auf die Reinigungsarbeit konzentrieren.
In der Zwischendurchreinigung – z.B. bei Publikumsverkehr im Foyer oder bei der Beseitigung kleinerer Schmutzmengen (Spot-Cleaning) – haben sich sogenannte Hybridsauger bewährt. Hier ist allerdings zu beachten, dass diese Geräte im Batteriemodus mit geringerer Saugleistung arbeiten. Sobald sie allerdings ans Stromnetz angeschlossen werden, wird die volle Saugleistung erreicht.
Zwischenreinigung
Die Zwischenreinigung stellt ein Reinigungsverfahren dar, das eine optische Oberflächenverbesserung des Belags bewirkt. Sie wird angewandt, um eine Grundreinigung zeitlich hinauszuzögern oder um Laufstraßen in Gängen oder auf sonstigen stark beanspruchten Stellen, z.B. vor dem Fahrstuhl, zu entfernen.
Neben den bisher praktizierten Verfahren (Trockenschaum-, Pulver-, Garnpad- oder Mikrofaserpad-Reinigung) ist eine neue Methode am Markt, die mit der Einkapselungstechnologie arbeitet. Diese zeichnet sich durch besonders einfache Anwendung, effiziente Tiefenwirkung, minimale Reinigungsmittelrückstände und damit geringe Wiederanschmutzung sowie kurze Trocknungszeiten aus. Die gereinigten Böden sind so sehr schnell wieder begehbar. Diese Methode ist daher vor allem für den Einsatz im Hotelgewerbe, in der Gastronomie und in Bürogebäuden angebracht.
Beim Einbringen des speziellen Reinigungsmittels (sechsprozentig) haben sich besonders Walzenbürstsysteme mit einer Umdrehungszahl von bis zu 500 U/min bewährt. Im Teppich wird der Schmutz an der Faser vom Reinigungsmittel ummantelt, die Haftkräfte werden dabei neutralisiert und nach dem Trocknen der Substanz lässt sich der gelöste Schmutz mühelos aufnehmen. Dabei sollte ein Teppichbürstsaugsystem eingesetzt werden.
In Anbetracht der geringen Reinigermenge (0,05–0,25 l/m²) wird nur eine sehr kurze Trocknungszeit benötigt. Sie beträgt 20 bis 120 Minuten, je nach aufgebrachter Menge, Verteilung auf dem Teppich und klimatischen Bedingungen.
Besonders wirtschaftlich ist das Einarbeiten des Reinigungsmittels am Abend. Nach dem Trocknen über Nacht kann dann der eingekapselte Schmutz im Zuge der routinemäßigen Unterhaltsreinigung am nächsten Tag aufgesaugt werden – am besten mit einem Teppichbürstsauger.
Grundreinigung
Durch eine Grundreinigung, die in größeren zeitlichen Abständen erfolgt, lassen sich all die Verschmutzungen entfernen, die sich trotz der optimalen Unterhaltsreinigung im Laufe der Zeit gebildet haben. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Schmutz, der sich in der Tiefe des Flors abgelagert hat oder mit dem Flor verklebt ist.
Eine Grundreinigung lässt sich bis heute nur als Nassreinigung durchführen. Hierdurch ergeben sich besondere Ansprüche an die Teppichqualität wie Material, Aufbau und Verlegungsart. Auch müssen bei diesem Reinigungsverfahren die entsprechenden Trocknungszeiten eingeplant werden. Vor der Nassreinigung muss in jedem Fall das gründliche Reinigen mit einem Staub- oder Bürstsauger erfolgen. Auch sind auffällige Flecken vorab mit Detachur zu behandeln bzw. mit der Reinigungsflotte über ein Handtool (optionales Zubehör für die einzusetzende Maschine) oder mit einem Sprayer zu benetzen. Die Nassreinigung ist nur für Beläge geeignet, die gegen Feuchtigkeit unempfindlich sind. Dies gilt auch für das Trägermaterial und den Kleber.
Zu den bisher bekanntesten Nassreinigungsverfahren zählen je nach Verschmutzungsintensität:
- Sprühextraktion in der Einstufenmethode,
- Sprühextraktion in der Zweistufenmethode,
- Sprühextraktion mit zusätzlichem Waschkopf,
- Kombinationsmethode Nass-Shampoonierung/Sprühextraktion mit klarem Wasser.
Darüber hinaus kommt mehr und mehr der Einsatz von Teppichreinigungsautomaten mit integriertem Bürstensaugkopf zum Tragen. Hier wird zwischen Einfach- und den Doppelwalzenbürstenkopf unterschieden. Die Bürstenkopfe sind schwingend aufgehängt, damit sie sich der Teppichart und der Flortiefe individuell anpassen können.
Wie funktioniert nun dieses System? Es wird grundsätzlich in der Einschrittmethode gearbeitet, um eine zu starke Durchfeuchtung des Teppichs zu vermeiden. Die Reinigungsflotte (Ansatz je nach Verschmutzungsgrad) wird über eine Pumpe in der Maschine auf die Bürstenwalze aufgesprüht und dann in die Teppichfaser eingearbeitet. Dabei kommt die Reinigungsflotte mit dem Schmutz an der Faser in Kontakt, die Bindungskräfte werden neutralisiert und der Schmutz quillt auf. Durch die zusätzliche mechanische Kraft der Bürste wird auch schwerer Schmutz aus dem Florgrund heraufgearbeitet und mit dem bereits von der Faser gelösten dem Rücksaugstrom zugeführt sowie in den Schmutzwasserbehälter befördert. Dabei wird abschnittsweise gearbeitet. Durch das Eigengewicht des Bürstkopfes mit der integrierten Absaugung bleibt nur eine geringe Restfeuchte zurück. Danach sollte unbedingt ein Klarspülgang in gleicher Arbeitsweise folgen, um die Wiederanschmutzung durch Reinigungsmittelrückstände zu verhindern.
Bei größeren Flächen kommen Maschinen mit größerem Tankvolumen und mit Doppelwalzensystem (gegenläufig) zum Einsatz, die sowohl gezogen als auch geschoben werden können. Bei Flächen mit mehr als 1.000 m² sollte für die Reinigung aus Wirtschaftlichkeitsgründen ein Teppichreinigungsautomat mit Batterieantrieb eingesetzt werden, der wie eine Scheuersaugmaschine gehandhabt wird.
Und damit das Trocknen der Böden in jedem Fall schneller geht, bietet sich noch ein weiteres Gerät an: ein leistungsfähiges Luftgebläse. Mit seiner Hilfe werden Teppichböden nach der Grundreinigung bis zu 50 Prozent schneller trocken. Dabei ist stets für ausreichende Belüftung zu sorgen.
Der grundgereinigte Boden darf bis zum vollständigen Austrocknen nicht betreten werden. Vor dem Einräumen bzw. Begehen den Belag gründlich absaugen, um eventuell noch vorhandene Reinigungsmittelrückstände aufzunehmen. Auf die geschilderte Weise bearbeitete textile Beläge erscheinen wieder in ihrer ursprünglichen Farbgebung und Struktur und tragen damit in erheblichem Maße zum positiven Erscheinungsbild eines Objektes bei.
Gerd Heidrich, Schulungsleiter, Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH | Niels W. Buhrke, freier Journalist