Schüleraustausch Metzingen/Berlin Der Anfang ist gemacht

„Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!“ Dies dachte sich Gebäudereiniger-Azubi Marcel Jacobi, als seine Fachlehrerin Claudia Pfaller in der Klasse verkündete, dass die Gewerbliche Schule Metzingen mit der Max-Taut-Schule in Berlin eine offizielle Schulpartnerschaft eingegangen ist. Inzwischen hat Marcel seinen Gedanken in die Tat umgesetzt. Was er erlebt hat, liest du unten.

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    Marcel Jacobi denkt gerne an seine Woche in Berlin zurück. Unser Bild zeigt den Gebäudereiniger-Azubi aus Baden-Württemberg mit den Lehrern Britta Kasperczak und Michael Schafferdt von der Max-Taut-Schule in Berlin.
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    Sogar eine Fahrt im Steiger gehörte für Marcel in Berlin dazu.

Der Anfang ist gemacht

- Schüler der Max-Taut-Schule und der Gewerblichen Schule Metzingen haben die Möglichkeit, mit Einverständnis des Betriebes in der Nichtberufsschulzeit die jeweilige Partnerschule zu besuchen und dort am Unterricht teilzunehmen. „Wie komme ich nach Berlin?“, will Marcel zu Beginn wissen. Ganz einfach: An jeder Schule gibt es eine Ansprechpartnerin Claudia Liersch in Metzingen und Britta Kaspercak in Berlin. Als Marcel seiner Lehrerin Claudia Liersch sein Anliegen schilderte, meinte sie: „Super, unser Erster! Seitens der Schulen kein Problem, aber wie sieht es seitens des Ausbilders aus?“ Marcel war sehr zuversichtlich, denn er arbeitet bei der Firma Lieblang (Mannheim), die eine Niederlassung in Berlin hat. Auf einer internen Weiterbildung hatte er - ganz clever - schon bei seiner Berliner Kollegin, Bereichsleiterin Weiß, die Fühler ausgestreckt. Sein Ausbilder Mesud Oraovcanin unterstützte ihn und klärte bei der Geschäftsleitung alles für Marcel ab. Sogar die Fahrtkosten wurden übernommen.

Zwei Tage in der Schule, zwei Tage im Betrieb

Im Frühsommer war es so weit: Marcel saß im Zug von Darmstadt nach Berlin und sein Abenteuer begann. Am Berliner Hauptbahnhof, der ihn mit seinen riesigen Glasflächen schwer beeindruckte, wartete Britta Kasperczak. Zusammen fuhren sie zur Max-Taut-Schule, wo Marcel auch den Abteilungsleiter für Gebäudereinigung, Michael Schafferdt, kennenlernte. Nach einem Rundgang durch die Schule und Begrüßung der Direktorin konnte sich Marcel in der Schulkantine stärken. Eine solche Einrichtung gibt es in Metzingen nicht.

Marcel nutzte die Schulkantine sehr gerne, denn er hatte in den fünf Tagen ein straffes Programm: zwei Tage Unterricht, zwei Tage im Betrieb - und einen Tag Sightseeing. Dem Unterricht in Technologie und Mathe konnte er gut folgen, obwohl er zu der Zeit erst im ersten Lehrjahr war. Besonders schön fand er die Themenklassenräume in der Max-Taut-Schule. So werden dort Klassenräume bezeichnet, die zweigeteilt sind. Ein Bereich ist für praktische Übungen bestimmt, ein weiterer - mit Tischen und Stühlen - für theoretisches Arbeiten. Leider konnte Marcel keinen praktischen Unterricht erleben. Er hatte Mathe! Dafür durfte er alleine mit Britta Kasperczak und Michael Schafferdt Steiger fahren.

Der Blockunterricht in Metzingen gefällt Marcel besser. „Bei nur einem oder zwei Schultagen pro Woche vergessen die Schüler zu viel und es geht Zeit für die Wiederholung verloren“, glaubt er. Auch die Doppelstunden in Berlin fand Marcel anstrengend. Alle 45 Minuten eine Pause hält er für angemessener, weil er sich nach einer kurzen Auszeit wieder besser konzentrieren kann.

An seinem freien Tag schaute er sich im Schnelldurchgang die Stadt an. Besonders interessierten ihn die Gebäude im Regierungsviertel, der Potsdamer Platz, Unter den Linden und der Alexanderplatz.

Im Betrieb kümmerte sich Frau Weiß um Marcel. Die Bereichsleiterin zeigte ihm die Objekte, die Lieblang in Berlin betreut. Außerdem durfte er bei einer Parkettbodensanierung dabei sein. Der Boden wurde abgeschliffen und geölt - und zwar in der Landesvertretung von Baden-Württemberg, so dass Marcel sich wie zu Hause fühlte.

„Schade, dass die Zeit so schnell verging“

Jeden Abend fiel er müde in sein Bett in einer kleinen Pension in Marzahn, in der öfters Lieblang-Mitarbeiter übernachten. Berlin hat ihn fasziniert. „Schade, dass die Zeit so schnell verging“, sagt er. Gerne würde er seinen Austausch wiederholen oder - noch besser - nach der Ausbildung eine Zeit lang in der Berliner Lieblang-Niederlassung arbeiten.

Claudia Liersch | heike.holland@holzmann-medien.de