Schulprojekt: Azubis reinigen Cessnas und heben zum Rundflug ab „Das schreit nach Wiederholung“

Mit einem Lächeln im Gesicht und strahlenden Augen betrachten Sarah Schlayer, Tanja Scholl, Sascha Herr, Patrick Freund und Mirko Jost auf dem Flugplatz Hahnweide die Cessna 172, aus der sie gerade ausgestiegen sind. Dies war ihr erster Flug. Auch die Cessna blinkt und glänzt.

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    01 Sabine bei der Überkopfarbeit auf dem Rollbrett.
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    03 Die ganze Mannschaft: die Klasse B3GR7 der Gewerblichen Schule Metzingen mit den Fachlehrern Claudia Liersch (2. v. re., vorne) und Aleksander Durmishi (li., hinten), den Piloten Eduard König (re., vorne) und Volker Schwarz sowie Herrn Skopin (re., hinten) und Gerald Junge (2. v. re., hinten), Leiter der Flugschule.
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    05 Flugzeugaufbereiter Skopin zeigt den Azubis die im Fachtechnologieunterricht besprochene Vorgehensweise praktisch.
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    07 Nico Baßler (li.), Marcel Sulzer (auf der Leiter) und Roman Degen an ihrer Cessna. Nico ist normalerweise hauptsächlich in der Krankenhausreinigung tätig. „So ein Flugzeug ist schon mal ’ne Abwechslung von meinem sonstigen Gebäude reinigeralltag!“
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    02 Rudi beim Polieren.
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    06 Diogo Maia poliert die Flügel von unten. Er hat Respekt vor der Technik, den vielen Instrumenten und arbeitet sehr gewissenhaft und sorgfältig.
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    04 Die Schüler rollen die Cessna unter Anleitung von Gerald Junge aus dem Hangar auf das Flugfeld, um mehr Platz bei der Arbeit zu haben.
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    Sascha Herr und Mirko Jost zweifeln noch, ob sie es wagen sollen, nachher mitzufliegen: „Wir sind noch nie geflogen und haben da schon unsere Bedenken!“ Rudi Sirotkin und Sabine Stadler sind dagegen vom Flugfieber gepackt. Rudi würde gerne Flugzeugaufbereiter werden, so wie Herr Skopin. Selbstverständlich mit eigener Firma, um viel Geld zu verdienen. Viel Geld verdienen will auch Sabine - aber um zu sparen. Sie will davon ihren Pilotenschein machen - das wäre ihr Traum.

„Das schreit nach Wiederholung“

- Denn die fünf sind Auszubildende im Gebäudereiniger-Handwerk und gehören zur Berufsschulklasse B3GR7 an der Gewerblichen Schule Metzingen, die ein besonderes Schulprojekt angeboten hat. Ein Thema im Lehrplan ist die Verkehrsmittelreinigung. Normalerweise bedeutet das Auto- und Busreinigung. In diesem Jahr organisierten Lehrer der Gebäudereinigungsabteilung, Claudia Liersch und Eduard König, die Möglichkeit einer Flugzeugreinigung.

Eduard König und sein Kollege Volker Schwarz sind Hobbypiloten und Mitglieder der Motorflugschule des Baden-Württembergischen Luftfahrverbands e.V. Sie vermittelten den Kontakt zum Leiter der Flugschule am Flugplatz Hahnweide bei Kirchheim/Teck, Gerald Junge. Der ist gerne bereit, das Experiment zu starten und verspricht: „Falls alles klappt, gibt es einen Freiflug.“

Am lange erwarteten Tag stehen sechs Cessnas zur Reinigung und Aufbereitung im Hangar. Außerdem wartet Herr Skopin auf die Schüler. Er ist Profiaufbereiter am Flugplatz Stuttgart und auch für die technische Wartung der Flugzeuge zuständig. Fachkundig unterweist er die Azubis und unterstützt Praxislehrer Aleksander Durmishi.

Die Jugendlichen legen sich mächtig ins Zeug und geben ihr Bestes. Vor allem das Polieren der Unterseite der Flügel und des Rumpfes finden sie sehr anstrengend, weil es sich um Überkopfarbeit handelt. Auch haben sie großen Respekt vor der Technik der Flugzeuge und sind sehr besorgt, dass sie nichts zerstören. Interessant und neu ist für die Schüler auch, dass das Mittel zur Reinigung und Pflege der Cessnas für die Luftfahrt geprüft sein muss.

Tausende Nieten müssen abgebürstet werden

Das wasserfreie Mittel wird auf besondere kratzfreie Vliestücher aufgetragen und die lackierte Flugzeughaut mit kreisenden Bewegungen poliert. Problematisch sind die Nieten. Um sie herum bleibt der Schmutz ganz besonders hängen. Von ihnen gibt es tausende. Sie müssen alle abgebürstet werden! Das Mittel auf Basis von Wachsen weist das Wasser ab. Ganz wichtig ist, dass kein Wasser zwischen Niete und Flugzeugblech kommt. Das würde eine elektrochemische Korrosion auslösen. Die Azubis wissen: „Deshalb müssen wir die Nieten ganz besonders genau behandeln.“

Endlich ist alles fertig. Gerald Junge, der Leiter der Flugschule, ist vom praktischen Ergebnis sehr angetan und bestätigt den Lehrern Aleksander Durmishi und Claudia Liersch, „dass das Projekt nach Wiederholung schreit“. Mit derart engagierten Jugendlichen heben die Piloten Eduard König und Volker Schwarz gerne ab. Auch das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, so dass der Rundflug über die Schwäbische Alb zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Neben der praktischen Arbeit mussten die Schüler eine Ausarbeitung zum Arbeitsablauf sowie zu den Reinigungsmitteln und -materialien schreiben, in Mathematik einen Angebotspreis für die Arbeit berechnen und in Deutsch ein Angebot formulieren. Einige Jugendliche gestalteten ihre Projektordner besonders liebevoll, so dass sie außer einer guten Note eine bleibende Erinnerung an ihre erste Flugzeugreinigung haben.

Gewerbliche Schule Metzingen | heike.holland@holzmannverlag.de