Projekt der FRT CO 2 -Reinigungsverfahren

Ein neues Forschungsprojekt der FRT beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Verfahrens für Sicherheitsschuhe, das sowohl eine hygienische Aufbereitung als auch die Erhaltung der jeweils vorgeschriebenen Schutzfunktionen gewährleistet.

CO 2 -Reinigungsverfahren

-Im Rahmen eines abgeschlossenen Forschungsvorhabens hat die Europäische Forschungsgemeinschaft Reinigungs- und Hygienetechnologie in Krefeld (FRT) ein desinfizierend wirkendes Reinigungsverfahren auf der Basis von flüssigem Kohlendioxid zur industriellen Aufbereitung von Arbeitsschuhen entwickelt. Da nicht alle am Markt befindlichen Schuhmaterialen in Kohlendioxid beständig sind und starke Verformungen nach einer CO2-Behandlung aufweisen, wurde im Forschungsprojekt eine Optimierung hinsichtlich der Materialauswahl und der Schuhkonstruktion vorgenommen. Diese hat zur Entwicklung eines Modell-Arbeitsschuhs geführt, der unter industriellen Bedingungen in flüssigem Kohlendioxid desinfizierend aufbereitet werden kann.

Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) waren nicht Gegenstand des Forschungsprojektes. Zu den persönlichen Schutzausrüstungen gehören auch Sicherheitsschuhe. Diese umfassen gemäß BGR 191 „Fuß und Beinschutz“ (Januar 2007) Sicherheits-, Schutz- und Berufsschuhe mit mindestens einer Schutzfunktion.

Im Lebensmittelbereich wurden u.a. das HACCP-Konzept und der ‚‚International Food Standard“ (IFS) eingeführt, um für mehr Transparenz, Sicherheit und Hygiene innerhalb der Lebensmittelkette zu sorgen. Vor diesem Hintergrund sind auch die ständig steigenden Hygieneanforderungen an Berufsbekleidung aus hygienisch anspruchvollen Bereichen zu sehen. Die DIN 10524 enthält Vorgaben zur Herstellung, Nutzung und Wiederaufbereitung von Arbeitsbekleidung (inklusive Fußbedeckungen) in Lebensmittelbetrieben. Ziel der DIN 10524, die im engen Zusammenhang zur Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) steht, ist die Vermeidung einer nachteiligen Beeinflussung der Lebensmittel, die von unzweckmäßiger Arbeitsbekleidung ausgehen kann. Bei der Wiederaufbereitung der Fußbedeckungen muss gemäß DIN 10524 eine hygienegerechte Reinigung sichergestellt sein.

Sicherheitsschuhe müssen verschiedene, in europäischen und nationalen Richtlinien vorgeschriebene Schutzfunktionen (Fußschutz, Chemikalienschutz etc.) gewährleisten. Aus aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich resultieren zusätzliche, sehr spezifische Anforderungen. Einige dieser Normen werden gegenwärtig überarbeitet. Vom Normenausschuss „Persönliche Schutzausrüstung“ im Fachbereich „Fuß- und Beinschutz“ (NA 75-04) wird aktuell eine neue EN-ISO-Norm erarbeitet, die mit dem Arbeitstitel „Persönliche Schutzausrüstung – Schuhwerk für die Lebensmittelindustrie“ demnächst fertig gestellt werden soll. Da es bisher kein universell einsetzbares, standardisiertes Aufbereitungsverfahren für Sicherheitsschuhe gibt, werden die Schuhhersteller bzw. -bereitsteller in der Vorversion der Norm aufgefordert, Reinigungs- und/oder Dekontaminationsanleitungen anzugeben. Dies ist jedoch zum heutigen Zeitpunkt nicht in erforderlichem Maße möglich.

Vor diesem Hintergrund trat der zuständige Fachausschuss „Persönliche Schutzausrüstungen“ der Berufsgenossenschaftlichen Zentrale für Sicherheit und Gesundheit (BGZ) direkt an die Forschungsstellen heran und erklärte, dass für Sicherheitsschuhe über die Ergebnisse des genannten Forschungsprojektes hinaus zusätzlicher Forschungsbedarf besteht. Dies wurde den Forschungsstellen auch von verschiedenen betroffenen Unternehmen bestätigt. Der Forschungsbedarf liegt in der Entwicklung eines hygienischen Aufbereitungsverfahrens für Sicherheitsschuhe, das sowohl eine hygienische Aufbereitung als auch die Erhaltung der jeweils vorgeschriebenen Schutzfunktionen gewährleistet.

Die Aufbereitung von Sicherheitsschuhen sowie die sichere Erhaltung der Schutzfunktionen war nicht Gegenstand des genannten Forschungsprojektes. Die Projektergebnisse auf der Basis der toxikologisch und ökologisch vorteilhaften Reinigung mit flüssigem CO2 zeigen aber, dass aufgrund spezifischer, durch die CO2-Behandlung bedingter Materialveränderungen der sichere Erhalt von Schutzfunktionen derzeit nicht gewährleistet werden kann.

Aufgrund der Projektergebnisse ist jedoch davon auszugehen, dass durch spezielle Verfahrensmodifikationen einerseits und die gezielte Auswahl und Optimierung der Schuhmaterialien andererseits ein Verfahren zur desinfizierenden Reinigung von Sicherheitsschuhen bei gleichzeitiger Gewährleistung der relevanten Schutzfunktionen entwickelt werden kann.

Die Entwicklung eines solchen validierten Aufbereitungsverfahrens zur hygienischen Aufbereitung von Sicherheitsschuhen eröffnet den im Bereich der Hygiene tätigen externen Reinigungsdienstleistern ein zusätzliches, wirtschaftlich sehr attraktives Marktpotenzial. Ferner können die deutschen Hersteller von Sicherheits-, Schutz- und Berufsschuhen durch die Entwicklung neuer Sicherheitsschuhe für hygienisch anspruchsvolle Bereiche ihre Produktpalette erweitern und damit ihre Marktposition sichern oder ausbauen.

Das Projekt wird demnächst beginnen und in Kooperation mit dem Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V. (PFI) durchgeführt. Weitere Informationen erhalten Sie bei der FRT-Geschäftsstelle (info@frt.de).

Tamara Neumann