„Mann, ist das wieder stressig!“ Solche und ähnliche Aussagen lassen niemanden mehr aufhorchen, mancher Orts gehört es beinahe zum guten Ton. Weit gefehlt, denn „echter“ Stress gehört zu den ernstzunehmenden Gesundheitsgefährdungen und kann zu schweren Herz-Kreislauf-Störungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Hörsturz/Tinitus und Burn-out führen.
Burn-out – völlig ausgebrannt
-Was versteht man unter Stress und was ist ein Burn-out? „Echter“ Stress ist die Anpassungsreaktion des Körpers auf alles, was die Balance lebenswichtiger Funktionen, wie Temperatur und Blutdruck, stört. Dabei führen lang anhaltende Stresssituationen nicht selten ins Burn-out. Der Begriff stammt aus dem Englischen (to burn out = „ausbrennen“) und bezeichnet einen besonderen Fall chronischer Erschöpfung. Die Symptome sind unterschiedlich und vielfältig wie etwa Schlafstörungen, Magen-Darm-Störungen, Herz-Kreislauf-Störungen, innere Unruhe, Panikattacken, Herzrasen, Stimmungsschwankungen, Gefühl von Überforderung, Depression. Der Verlauf stellt sich schleichend und in mehreren Phasen dar. Oft werden die Symptome der frühen Phasen überhört bzw. nicht ernst genommen. So kann es nach anhaltenden Zuständen dieser Art sogar so weit kommen, dass die Wiederherstellung einer angemessenen und produktiven Anspannungs-/Entspannungssituation ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich ist.
Das Burn-out-Syndrom ist vor allem in der jüngeren Vergangenheit durch einige prominente Fälle aus der Musik-, Medien- und Sportbranche in die Medien und ins allgemeine Bewusstsein gelangt. Einen Burn-out kann jeder erleiden – jedoch insbesondere Manager und Mitarbeiter in Branchen mit hohem Druckpotenzial, starkem Verdrängungswettbewerb und Preiskampf. Branchen, in denen Höchstleistungen nach der Stoppuhr verlangt werden, Lob, Anerkennung und Akzeptanz dagegen eher gering ausfallen; und Kundenkontakte immer sachlicher und unpersönlicher werden. Waren früher eher Manager großer Konzerne und Mitarbeiter in beratenden und helfenden Berufen betroffen, so bieten die heutigen Rahmenbedingungen und gestiegenen Anforderungen der Gebäudereinigerbranche ein ebenso hohes Risikopotenzial.
Mittlerweile sehen nicht nur Wissenschaftler im Stress ein zentrales Phänomen unserer Leistungsgesellschaft. Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. Man geht davon aus, dass arbeitsbedingte Stressursachen einen großen Anteil an der Gesamtzahl der aktuellen Erkrankungen in der EU ausmachen: 13 Prozent aller Arbeitnehmer klagen über Kopfschmerzen, 17 Prozent über Muskelschmerzen, 30 Prozent über Rückenschmerzen, 20 Prozent über Müdigkeit und 28 Prozent über Stress. Stresssymptome lösen im menschlichen Gehirn den sofortigen Befehl zur Ausführung eines reduzierenden Schutzprogramms aus, so dass der größte Teil der Leistungsfähigkeit und Produktivität ungenutzt bleibt. Die EU schätzt, dass Stresserkrankungen und Burn-out jährlich Kosten in Höhe von ca. 20 Milliarden Euro verursachen. Es wird angenommen, dass 50 Prozent aller Ausfalltage mit Stressproblemen im Zusammenhang stehen. Die Zahlen der EU und Weltgesundheitsorganisation lassen erahnen, welchen bedeutenden Wirtschaftsfaktor die Zusatzkosten durch stressbedingte Erkrankungen und Burn-out ausmachen. Zahlen, die die Wirtschaftlichkeit eines klein- oder mittelständischen Unternehmens durchaus betreffen können und deren Entwicklungsende nicht abzusehen ist.
Eine ganze Branche steht unter Druck, den auch die Mitarbeiter täglich spüren. Wachsende Anforderungen und zunehmender Leistungsdruck prägen den Alltag und bergen insofern ein Grundrisiko für Burn-out-Symptome. Jedes Auftreten von Stress- und Burn-out-Symptomen bedeutet eine deutlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Auftretende „echte“ Stresssymptome und die damit einhergehende schlechtere Leistung der Mitarbeiter sind dann keine Frage der Motivation mehr. De facto sind 100 Prozent Leistung aufgrund physischer und psychischer Mängelzustände schlicht weg nicht mehr möglich. Mitarbeiter, die zu lange „übertourig“ gefahren sind, brauchen dringend einen „Boxenstopp“, um frisch aufgetankt wieder in den Wettbewerb einsteigen zu können. Das Ausfallrisiko dieser Mitarbeiter und die damit verbundenen Kosten sind hoch. Die Möglichkeiten, frühzeitig einzugreifen, sind vielfältig. Oft helfen schon die Einhaltung von nahezu selbstverständlichen Standards oder kleine, nicht aufwändige Veränderungen im Alltagsgeschäft, das Risiko deutlich zu reduzieren. So z. B. sollte ein gutes Betriebsklima und ein angemessener Umgang untereinander angestrebt, Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse, insbesondere Veränderungsprozesse, frühzeitig mit einbezogen werden. Mitarbeitern hilft in jedem Fall eine Rückmeldung über die Arbeitsleistung und die Anerkennung bei gutem Arbeitseinsatz. Ein Unternehmensumfeld, in dem Mitarbeiter Fehler machen dürfen und durch Lernen aus Fehlern eine Weiterentwicklung erfolgen kann, vermittelt langfristig ein Gefühl von Sicherheit.
So lässt sich der Anteil an Mitarbeitern, die unter dem Risiko von Stress- und Burn-out-Symptomen stehen, gering halten. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine nicht unerhebliche Kosten- und Energieersparnis. Die langfristige Lösung heißt darum, Burn-Out-Prävention und eine unternehmensweite Gesundheitsorientierung auch zur Aufgabe für die Geschäftsführung zu machen.
Eva Wieprecht | www.eva-wieprecht.de
