Wie ist das Gebäudereiniger-Handwerk durch das Jahr 2024 gekommen? Was erwarten die Dienstleister im laufenden Geschäftsjahr und worin sehen sie die größten Herausforderungen, denen sich die Branche aktuell stellen muss? Antworten liefert der aktuelle Branchenspiegel Gebäudedienste in Deutschland 2025.

Exakt 100 Unternehmen – vom Acht-Mann-Betrieb bis hin zu Konzernen mit mehreren Zehntausend Beschäftigten und Umsätzen im Milliarden-Euro-Bereich – haben sich in diesem Jahr an der traditionellen Umfrage von rationell reinigen im Zeitraum Mai/Juni beteiligt, drei Viertel davon nahmen bereits 2024 an der Befragung teil. Mit der Erhebung und Auswertung der Daten für die mittlerweile 31. Auflage des Branchenspiegels war wie auch in den Vorjahren die studentische Unternehmensberatung der Universität Augsburg, die JMS Augsburg e. V., beauftragt. Deren Erkenntnisse lieferten uns einmal mehr die Basis, um ein aktuelles Lagebild der Branche zu erstellen.
Eine zentrale Frage im Rahmen der breit angelegten Umfrage lautet stets, wie die Betriebe wirtschaftlich durch das zurückliegende Geschäftsjahr gekommen sind. Das Ergebnis: Im Durchschnitt konnten die Dienstleister ihren Umsatz im Jahr 2024 um 6,8 Prozent steigern. Damit ist das Wachstum im Vergleich zu den Jahren davor (2023: 10,7 Prozent; 2022: neun Prozent) zwar niedriger ausgefallen, aber durchaus noch mehr als respektabel angesichts der volatilen konjunkturellen Rahmenbedingungen und zunehmenden Herausforderungen, denen sich die Branche Tag für Tag stellen muss.
Die Zahl der Beschäftigten ist im genannten Zeitraum hingegen nur marginal um knapp ein Prozent gestiegen: In Summe beschäftigten die 100 teilnehmenden Unternehmen in Deutschland rund 342.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vergleich zu knapp 338.650 im Jahr davor. Betrachtet man die Mitarbeiterentwicklung nach Betriebsgröße, ergibt sich ein differenzierteres Bild: Kleinere Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitenden verzeichnen einen Rückgang der Beschäftigung um 2,7 Prozent, während die Gruppe der Dienstleister mit 100 bis 500 Beschäftigen mit plus 5,8 Prozent in puncto Personal am deutlichsten zulegen konnte.
Abgefragt haben wir zudem die durchschnittliche Beschäftigungszeit pro Mitarbeiter (Stunden/Woche) sowie den Anteil geringfügig Beschäftigter. Letzterer liegt im Durchschnitt bei 40,2 Prozent. Nach Unternehmensgröße betrachtet hat die Gruppe der Betriebe mit 500 bis 2.000 Mitarbeitenden mit 45,2 Prozent den höchsten Anteil geringfügig Beschäftigter, Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden beschäftigen mit 27,9 Prozent anteilsmäßig die wenigsten Minijobber. Stellt man weiterhin die Anzahl der Beschäftigten und deren durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit in Relation zum Umsatz, lässt sich daraus ableiten: Dienstleister mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden erzielen mit 37 Euro den höchsten Umsatz pro Arbeitsstunde; am geringsten ist er mit knapp 22 Euro bei den kleinen Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten (Durchschnitt über alle Unternehmen: 34 Euro pro Arbeitsstunde).
Arbeitskräftemangel spitzt sich zu
Die Tatsache, dass das marginale Plus bei den Beschäftigten bei Weitem nicht mit dem Umsatzwachstum Schritt halten kann, heißt nichts anderes als: Die Dienstleister müssen ihre Leistung mit immer weniger Reinigungskräften erbringen. Zwar ist der Arbeitskräftemangel in der Branche nicht neu, die Lage wird jedoch zunehmend brisanter. Gleiches gilt für die Entwicklung bei den Azubi-Zahlen. In Summe bildeten die 100 befragten Betriebe im vergangenen Jahr lediglich 424 Gebäudereinigerinnen und Gebäudereiniger aus. Zum Vergleich: Bei der letztjährigen Befragung meldeten die 98 Teilnehmer immerhin insgesamt noch 482 Gebäudereiniger-Azubis.
Angesichts der stetig sinkenden Lehrlingszahlen drängt sich die Frage auf, ob die Ausbildung zum Gebäudereiniger noch eine Zukunft hat. Ein Großteil der Umfrageteilnehmer antwortete darauf eindeutig mit "Ja". Dazu eine Stimme aus dem Teilnehmerkreis: "In einer Zeit, in der Materialien und Oberflächen immer vielfältiger werden und Reinigungschemikalien gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden müssen, sind fundierte Fachkenntnisse unerlässlich. Eine qualifizierte Ausbildung vermittelt genau dieses Wissen und sichert die Qualität und Nachhaltigkeit unserer Arbeit – sie ist damit wichtiger denn je!" Ein anderer Unternehmensvertreter ergänzt: "Wichtig ist, den jungen Menschen bereits während der Ausbildung die aktuellen Entwicklungen in den Bereichen Digitalisierung und Robotik in der Gebäudereinigung nahezubringen. Das erhöht nicht nur die Attraktivität des Ausbildungsberufs, sondern zeigt den jungen Menschen auch die zukunftssicheren Aussichten in der Branche auf."
Technik wird wichtiger, ist aber nicht das Wichtigste
Der verstärkte Einsatz moderner Technik beziehungsweise von Automatisierung wird zwar immer wichtiger – nicht nur im Rahmen der Ausbildung –, ist aber nicht der größte Hebel, um den Arbeitskräftemangel am effektivsten zu kompensieren. Von den rund 83 Prozent der Unternehmen, die von starken oder sehr starken Auswirkungen des Arbeitskräftemangels auf ihr Geschäft berichten, sehen knapp die Hälfte (44 Prozent) vielmehr in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen/-zeiten beispielsweise durch Intensivierung der Tagesreinigung (Daytime Cleaning) die vielversprechendste Maßnahme.
Eine verstärkte Etablierung von Daytime Cleaning oder auch Cleaning on Demand (bedarfsorientierte Reinigung) ruft allerdings nach einer Entwicklung, die Abschied nimmt von starren Leistungsverzeichnissen und stattdessen bedarfsorientierte Vergabemodelle mit flexibler Anpassung der Services in den Vordergrund stellt. Auf die Frage, wie es diesbezüglich in den Unternehmen steht, antworteten rund 50 Prozent der Teilnehmer, dass die Vergabe nach Leistungsverzeichnis in ihrem Betrieb nach wie vor die Regel ist. Bei 38 Prozent der Dienstleister sind bedarfsorientierte Vergabemodelle noch die Ausnahme. Erst knapp zwölf Prozent der Befragten geben an, bei Neuausschreibungen bereits mehrheitlich bedarfsorientierte Verträge abzuschließen.
Zurück zur Automatisierung: Ein wichtiger Baustein diesbezüglich ist der Einsatz von Reinigungsrobotern, die sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt haben. Im Echtbetrieb bei den Kunden setzen Stand heute ein Drittel der Unternehmen entsprechende Geräte in größerem Umfang ein. Zumindest teilweise implementieren weitere 30 Prozent der Dienstleister die autonome Reinigung bei ihren Kunden, 37 Prozent der befragten Gebäudereiniger haben noch keine Roboter bei ihren Auftraggebern im Echtbetrieb.
Der Einsatz spezieller Sensorik, beispielsweise zur Erfassung von Besucherfrequenzen beziehungsweise Raumbelegungen, ist ein weiterer Baustein, um sowohl die Effizienz als auch die Qualität der Leistungserbringung zu steigern. Von den Unternehmen, die hierzu Stellung bezogen, gaben knapp neun Prozent an, bereits entsprechende Systeme einzusetzen, und sehen darin einen Ansatz mit hohem Potenzial in der Zukunft. Rund 91 der Befragten setzen aktuell keine sensorgesteuerte Reinigung ein.
Ein Thema, an dem man auch in der Gebäudereinigung in der Zukunft definitiv nicht vorbeikommen wird, ist Künstliche Intelligenz – kurz KI. Knapp 54 Prozent der Dienstleister beschäftigen sich intensiv damit und testen bereits entsprechende Tools. Weitere 41 Prozent beobachten zwar die Technologie, sind aber noch eher abwartend; und nur rund fünf Prozent der Befragten geben an, in der KI aktuell keinen konkreten Nutzen zu sehen.
Mehrheitlich zuversichtlich
Wie immer, interessiert uns im Rahmen der Umfrage auch, wie die Gebäudereiniger auf das laufende Geschäftsjahr blicken. "Sehr zuversichtlich" für 2025 sind etwas über elf Prozent der Unternehmen, knapp 78 Prozent sind perspektivisch "eher zuversichtlich". Ebenfalls rund elf Prozent der Betriebe blicken "eher nicht zuversichtlich" auf die kommenden Monate. Unsicherheit ist insbesondere dahin gehend zu verspüren, was das Wirken der neuen Bundesregierung wohl für die Branche bringen wird. Auch hierzu eine klare Aussage aus der Reihe der Umfrageteilnehmer: "Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass der Mittelstand weiterhin gezielt gefördert wird, um seine Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu stärken. Des Weiteren sollten klare und umsetzbare Regelungen im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz geschaffen werden, die realistisch in der Praxis anwendbar sind. Dabei ist es wichtig, dass diese Vorschriften nicht zu hohen Kosten führen, die letztlich die Auftragslage gefährden und die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen unterminieren."
Weitere Ergebnisse und grafische Auswertungen der Branchenbefragung (unter anderem nach Umsatzklassen der befragten Betriebe) stehen auf rationell-reinigen.de zum Download bereit.
Abonnenten der Printausgabe können den Branchenspiegel Gebäudedienste 2025 als pdf auf https://downloadportal.holzmann-medien.de/produkt/rationell-reinigen-branchenspiegel2025/ herunterladen, Bezieher des rationell-reinigen-Newsletters unter https://www.rationell-reinigen.de/whitepaper/?etcc_cu=onsite&etcc_cmp_onsite=Eigenbanner%20Whitepaper&etcc_med_onsite=Display.
Günter Herkommer | guenter.herkommer@holzmann-medien.de