BIV-Mitglieder treffen sich zur Herbstsitzung

Am Vortag des "Zukunftsforums Gebäudedienste 2024" trat die Mitgliederversammlung des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) zu ihrer Herbstsitzung zusammen. Ein Programmpunkt war die Vergabe des Newcomer-Preises.

Rund 120 Delegierte tauschten sich auf der Herbst-Mitgliederversammlung des BIV in Weimar zu den aktuellen Themen der Branche aus. - © rationell reinigen
Wolfgang Tiefensee warb in seinem Grußwort für mehr Vertrauen in die Politik. - © rationell reinigen

Zur Eröffnung der diesjährigen Herbstsitzung in Weimar hatte der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) den thüringischen Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee eingeladen. Dieser stellte sich nach seinem Grußwort den kritischen Fragen von Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich und der anwesenden Delegierten. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen und politischen Lage hatte er dabei keinen leichten Stand, betonte jedoch mit Nachdruck: "Wir müssen jetzt einen Schub in die Wirtschaft bringen. Wenn das Vertrauen schwindet, werden wir unsere Ziele nicht erreichen. Wir Politikerinnen und Politiker müssen entsprechend mehr zuhören, müssen mehr erklären und Entscheidungen fällen, die im Alltag tauglich sind und letztlich dafür sorgen, dass Sie am Ende erfolgreich sind. Dann ist Politik gut und findet vielleicht auch wieder mehr Vertrauen."

Neben den selbstkritischen Tönen appellierte der Politiker aber auch an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen in der Gesellschaft: "Mein Eindruck ist, dass die Zahl derer zunimmt, die sagen: Alles was ist, ist selbstverständlich, zu spät und zu wenig. Wenn man mit solch einer Grundhaltung an die Dinge rangeht, wird es schwierig." Mit Blick auf zweitägige Zukunftsforum Gebäudedienste 2024, welches am Tag nach der Mitgliederversammlung ebenfalls in Weimar startete, wandte sich Wolfgang Tiefensee zum Abschluss seiner Ausführungen unter anderem zu den Themen Arbeitskräftemangel oder politische Meinungsbildung in Deutschland noch einmal direkt an die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer und fand dabei die richtigen Worte: "Ich bin sehr froh, dass Sie ein solches Zukunftsforum hier bei uns in der Weimarhalle abhalten. Das zeigt nämlich, dass Ihre Branche – anders als mancher Außenstehende es vielleicht vermuten würde – hoch innovativ ist."

Weiter ging es in der Mitgliederversammlung mit dem Bericht des Bundesvorstands. Seit der letzten Mitgliederversammlung, die am 17. Mai in Warnemünde stattfand, sei laut Thomas Dietrich nicht viel passiert: "Bürokratieabbau findet immer noch nicht statt, für unsere Branche wichtige Rahmenbedingungen haben sich noch immer nicht verbessert, und auch zu den wichtigen Fragen 'Wie kommt dieses Land wieder voran?' oder 'Wie können wir ein positives Klima schaffen?' wird zu wenig gesprochen.“ Mit anderen Worten: Viele Dinge würden nicht schnell genug vorangehen. Als ein Beispiel von vielen führte der Bundesinnungsmeister das Thema Arbeitskräftegewinnung an und beklagte: "Wir brauchen eine extrem lange Zeit, bis wir eine vergleichsweise kleine Zahl von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt bekommen – das führt mitunter zu Frustration." Angesichts dieses unbefriedigenden Gesamtzustandes stellt Dietrich fest: "Wir sehen aktuell extrem viele Veränderungen in der Welt; diese Veränderungen erfordern Maßnahmen und konkretes Handeln und weniger ein Zerreden!"

Newcomer-Preis vergeben

Trotz aller kritischen Töne standen auch erfreuliche Punkte auf der Agenda der Herbst-Mitgliederversammlung – etwa die Verleihung des "Newcomer-Preises" durch Holger Eickholz, Vorsitzender des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit im BIV. Nachdem der Titel im vergangenen Jahr an einen Gesellen aus Bayern ging, nahm den diesjährigen Preis die Baden-Württembergerin Sarah Lutz entgegen. Die 21-Jährige hatte im vergangenen Jahr in Düsseldorf den ersten Platz bei der „Deutschen Meisterschaft“ im Gebäudereiniger-Handwerk (ehemals: Bundesleistungswettbewerb) gewonnen.

Sarah Lutz erhielt in diesem Jahr den mit 2.000 Euro dotierten Newcomer-Preis des BIV, überreicht von Holger Eickholz. - © rationell reinigen

Das Konzept des BIV-Newcomer-Preises sieht vor, dass die drei Nachwuchsbesten der Deutschen Meisterschaft ein halbes Jahr lang im Social-Media-Bereich persönlich und individuell über ihr Handwerk berichten. Über das dahin gehende Engagement von Sarah Lutz votierte die Jury, bestehend aus vier Mitgliedern des BIV-Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit (Olaf Bande, Ulf Henning, Erich Peterhoff und Holger Eickholz), einstimmig: "Auch dieser Titel ist hochverdient, weil Sarah Lutz unser Handwerk als Branchenbotschafterin in den sozialen Netzwerken würdig, erfrischend und sympathisch repräsentiert hat und dabei eine respektable Zahl an Likes, Klicks und Followern gewinnen konnte. Last but not least gratulieren wir Sarah Lutz zur bestandenen Meisterprüfung, die sie spannenderweise auch zum Thema bei Instagram gemacht hat."

Ermöglicht hat den mit 2.000 Euro dotierten Newcomer-Preis das Ehepaar Erika und Franz Reitmeier (verstorben 2019 beziehungsweise 2017). Dieses hatte den BIV mit einem Erbe in Höhe von 20.000 Euro bedacht und damit das Anliegen verbunden, die Nachwuchsförderung voranzutreiben. Mehr als dreißig Jahre lang war Franz Reitmeier als Obermeister für die Innung Südbayern und mehr als 25 Jahre als Landesinnungsmeister für Bayern im Ehrenamt tätig; zudem war er Mitglied in der BIV-Tarifkommission.

Zähe Tarifverhandlungen

Stichwort Tarif: Zum Ende der Mitgliederversammlung gab Christian Kloevekorn, der Vorsitzende der BIV-Tarifkommission, einen Abriss des bisherigen Verlaufs der Lohnverhandlungen mit der Gewerkschaft IG BAU: "Wir haben im Juni eine erste Verhandlung geführt, dort aber kein Angebot vorgelegt, weil wir die Forderung der IG BAU nach einer Lohnsteigerung von fast 30 Prozent unter Hinzurechnung des von der Gewerkschaft geforderten 13. Monatsgehaltes bei einer Laufzeit von zwölf Monaten nicht glauben konnten – so etwas hatten wir noch nie."

Weil die Gewerkschaft in der zweiten Verhandlungsrunde am 11. September weiter auf dieser Forderung bestand, habe man sich weiter nicht in der Lage gesehen, ein Angebot abzugeben. Dazu kam es dann erst bei der dritten Zusammenkunft der Tarifparteien am 24. Oktober. Der Vorschlag der Arbeitgeberseite lautete: Ein Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten bei einer Steigerung in der Lohngruppe 1 von 3,7 Prozent zum 1.1.2025 (von 13,50 auf 14 Euro) und zum 1.1.2026 ein weiteres Plus von 2,5 Prozent (von 14 Euro auf 14,35 Euro). In Relation gilt dieses Angebot auch für die höheren Lohngruppen. Nachdem die Gewerkschaft in der dritten Runde ihrerseits nicht auf das Angebot der Arbeitgeberseite einging, wurden die Verhandlungen an diesem Tag wiederum ergebnislos abgebrochen. Eine vierte Runde ist nun für den 14. November in Köln angesetzt. "Wir werden versuchen, an diesem Tag den Deckel drauf zu machen – ob uns das gelingt, wissen wir nicht", gab sich Christian Kloevekorn verhalten optimistisch.

Was die Tarifverhandlungen zusätzlich erschwere, ist die aktuelle Entwicklung in der deutschen Politik. Was Christian Kloevekorn am Tage der Mitgliederversammlung noch als ein nicht zu wünschendes Szenario anführte, trat bereits einen Tag später ein: der Bruch in der Ampel und die damit folgenden, vorgezogenen Neuwahlen. "Damit würde die Diskussion um einen gesetzlichen Mindestlohn von 15 Euro in den beginnenden Wahlkampf hereingetragen. Das wäre nicht gut für uns, weil dann die Politik darüber entscheiden könnte, bevor die Mindestlohnkommission im nächsten Jahr getagt hat", befürchtet Christian Kloevekorn. Was das Ganze nicht einfacher mache: Seit dem 1. November gilt laut Thomas Dietrich ein neuer Mindestlohn in der Arbeitnehmerüberlassung von 14 Euro, zum 1. März 2025 werde dieser dann auf 14,53 Euro steigen. "Wir sind selber überrascht ob dieser Höhe. Das ist nicht gut, aber wir müssen es zur Kenntnis nehmen", stellte der Bundesinnungsmeister dazu fest.

Nach so viel "schwerer Kost" klang die Versammlung am Abend in entspannter Atmosphäre im historischen Schießhaus in Weimar aus. Die nächste BIV-Mitgliederversammlung findet am 27. Juni 2025 auf Einladung der Landesinnung Nordrhein-Westfalen in Köln statt. /GH