Die Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk bleibt angespannt, der zunehmende bürokratische Aufwand in den Unternehmen sorgt für Unmut. Das geht aus der Herbst-Konjunkturumfrage 2025 des Bundesinnungsverbands hervor.

Knapp 300 Mitgliedsunternehmen des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) haben sich beteiligt. 23,1 Prozent von ihnen blicken mit positiver Prognose auf das laufende Geschäftsjahr (Frühjahr 2025: 24,3 Prozent). Eine Mehrheit von 52,6 Prozent (Frühjahr 2025: 48,2 Prozent) geht von gleichbleibenden Geschäften aus. 24,3 Prozent der Unternehmen (Frühjahr 2025: 27,5 Prozent) sehen negativ gestimmt aufs Jahr 2025.
Der Blick auf das kommende Jahr fällt noch pessimistischer aus: Während 19,4 Prozent der Unternehmen positiv auf die Geschäfte blicken (Frühjahr 2025: 24,3 Prozent), gehen 41,7 Prozent von gleichbleibenden Geschäften aus (Frühjahr 2025: 48,2 Prozent). 38,9 Prozent erwarten 2026 eine Negativentwicklung (Frühjahr 2025: 27,5 Prozent).
Fokusthema der Herbst-Umfrage war der Bereich Bürokratie. Den Einfluss der Bürokratie auf das unternehmerische Handeln bewerten die Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, mit 8,0 (von 10) Negativpunkten kritisch. So geben fast zwei Drittel der Betriebe (62,4 Prozent) an, für die Bewältigung der Bürokratievorgaben Extra-Personal eingestellt zu haben.
Der Zeitaufwand im Verwaltungsapparat und im kaufmännischen Bereich der Unternehmen wird unterschiedlich eingeschätzt: Rund ein Fünftel der Betriebe (20,9 Prozent) gibt an, dass das Personal 50 Prozent und mehr der Arbeitszeit nur mit Bürokratievorgaben verbringt. 11,9 Prozent sprechen von 40 bis 45 Prozent der Arbeitszeit, 26 Prozent der Unternehmen nennen eine Größenordnung von 30 bis 35 Prozent und 26,7 Prozent der Betriebe geben einen Anteil von 20 bis 25 Prozent an. Der Mittelwert aller Antworten liegt bei rund 32 Prozent.
"Es ist alarmierend, dass sich der Arbeitstag unserer Beschäftigten in den Firmenzentralen zu einem Drittel nur um Bürokratiebewältigung dreht", sagt Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich, und fügt hinzu: "Die Aufgabe der Politik heißt: Dinge vereinfachen, im Zweifel weg mit unnützen Regularien und bitte digital, wann immer das sinnvoll und möglich ist. Wir wollen gestalten statt verwalten." Allerdings ist der Glaube der Betriebe an einen deutlichen Bürokratieabbau durch die Politik mit 3,6 (von 10) Skalenpunkten eher gering ausgeprägt.
In der Sonderumfrage zur Bürokratie haben die Unternehmen skaliert, welche Themen eine besonders große bürokratische Last im Betriebsalltag bedeuten. Zudem hat der Verband mehr als 160 Einzelkommentare ausgewertet. Für den größten Bürokratieaufwand sorgen der Umfrage zufolge die Bereiche Unterweisung/Gefährdungsbeurteilung, elektronische AU-Bescheinigung, Prüfung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bei Nicht-EU-Bürgern, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Datenschutz und wiederkehrende Statistikpflichtangaben gegenüber Landes- und Bundesämtern.
Auffällig ist laut BIV die breite Kritik am Themenbereich Unterweisung/Gefährdungsbeurteilung. Die Unternehmen wehren sich zum einen gegen den steigenden, über die Jahre immer komplexer werdenden Dokumentations- und Bewertungsaufwand. Zum anderen wünschen sie sich mehr Möglichkeiten für den Einsatz von digitalen Medien und E-Learning-Programmen.
Im Rahmen der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat die Digitalisierung nach Meinung der Unternehmen sogar zu Bürokratieaufwuchs geführt. Die aktuelle Vorgehensweise: Bei Krankheit geht der Beschäftigte zum Arzt, der die Krankenkasse informiert. Der Beschäftigte meldet sich weiterhin im Unternehmen krank, die Personalstelle muss jeden Fall digital bei der Krankenkasse abrufen - oft im Rahmen mehrfacher Versuche, weil die Daten noch nicht vorliegen. "Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Das System trägt Unmut, Zeitaufwand und Stress in die Betriebe, sodass sich die Branche absurderweise nach den gelben Papierzetteln zurücksehnt", sagt Thomas Dietrich. /HH