Billig zahlt sich am Ende nicht aus

»Umfragen bestätigen es immer wieder: Die meisten Schüler meiden ihre Schultoiletten und benutzen sie nur, wenn es gar nicht anders geht. Kann man in einem solchen Umfeld leistungsfähig sein?«

Heike Holland | Redakteurin | heike.holland@holzmann-medien.de

Billig zahlt sich am Ende nicht aus

Das Toilettenpapier liegt abgerollt am Boden, die WC-Brille ist kaputt, die Tür beschmiert, der eine Seifenspender ist leer, der andere defekt. Handtücher fehlen. Hier fühlt sich keiner wohl. Umfragen bestätigen es immer wieder: Die meisten Schüler meiden ihre Schultoiletten und benutzen sie nur, wenn es gar nicht anders geht. Kann man in einem solchen Umfeld leistungsfähig sein?

Die Frage nach den Ursachen bleibt spannend. Sehen Schultoiletten oftmals so aus, weil an der Reinigung gespart wird, oder liegt’s an den Schülern, die kein Verständnis für Sauberkeit haben und nicht mehr wissen, wie man mit fremdem Eigentum umgeht? An Aufsichtskräften, die wegsehen? An Schulleitungen, die infolge von Vandalismus Toiletten absperren oder Verbrauchsmaterial streichen? Es geht auch anders. Gerade hat die German Toilet Organization in Berlin die Preisträger des Wettbewerbs „Toiletten machen Schule“ gekürt. 79 Schulen haben sich beteiligt, vier wurden ausgezeichnet - mit Initiativen, die zum Nachmachen einladen. An der Grundschule im saarländischen Wellesweiler haben Schüler, Hausmeister, Schulleitung und Eltern ein Toilettenkomitee gegründet und entwickeln Ideen zur Verbesserung der sanitären Situation. An der Ernst Reuter Schule in Pattensen wurde ein monatlicher Toiletteneuro eingeführt. Von dem Geld wird eine Trainerin bezahlt, die sich mit den Schülern um Sauberkeit und Verschönerung der Sanitärräume bemüht. Ein Keep-the-Toilets-Clean-Team ist an der Quentin Blake Europe School Berlin aktiv. Eltern haben für eine Grundreinigung der Toiletten gesorgt, Schüler übernehmen als Paten für einzelne Räume Verantwortung. An der Berliner Grundschule am Weißen See haben Eltern einen Spendenaufruf gestartet und einen Toilettentag ins Leben gerufen. Eine Klasse vom Dienst überprüft Sanitärräume auf Schäden und fehlende Artikel. Weitere Schulen erhielten Sonderpreise. Wenn Schüler und Eltern sich für mehr Sauberkeit an ihrer Schule engagieren, verdient das Anerkennung - ob im Rahmen dieser oder anderer Aktionen. Die Dinge in die Hand zu nehmen, ist immer besser, als über Missstände nur zu lamentieren. Positiv ist es allemal, wenn das Thema Sanitärhygiene - und dazu gehört auch (richtiges) Händewaschen - bei Schülern stärker ins Bewusstsein rückt. Aber vor allem: Wer sich für eine Sache einsetzt, wird sie nicht so schnell wieder aufs Spiel setzen. Ein schöner Ansatz mit gewiss nachhaltiger Wirkung. Trotzdem bleibt die Frage, ob das alles sein kann. Denn wenn es um die Reinigung von Schultoiletten, -sporthallen und Klassenräumen geht, sind nicht in erster Linie die Schüler in der Pflicht. Auch die Auftrag- und Geldgeber müssen sich auf ihre Verantwortung besinnen. Sauberkeit hat nun mal ihren Preis - und billig zahlt sich am Ende nicht aus.

Heike Holland