Reinigung und Desinfektion im Gesundheitsbereich Beschichtungen: Keimreduktion durch Licht

Das Ziel eines Forschungsprojektes war es, die Nachhaltigkeit von Reinigung und Desinfektion im Gesundheitsbereich zu verbessern. Das wfk-Forschungsinstitut für Reinigungstechnologie in Krefeld entwickelte ein Verfahren zur temporären Beschichtung elastischer Bodenbeläge auf der Basis modifizierter, fotokatalytisch aktiver Metalloxide.

Beschichtungen: Keimreduktion durch Licht

- Für Gebäudereinigungsunternehmen stellen Reinigung und Desinfektion im Gesundheitsbereich eine wirtschaftlich attraktive Dienstleistung mit großem Wachstumspotenzial dar. Vor dem Hintergrund nosokomialer Infektionen und der Zunahme von MRSA-Erkrankungen (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) gewinnt die Hygiene in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken sowie in Altenheimen immer stärker an Bedeutung. Allein in Deutschland entstehen jährlich aufgrund mangelnder Hygiene ca. 500.000 bis 800.000 nosokomiale Infektionen, die zu 30.000 bis 70.000 Todesfällen sowie zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von mehr als zwei Milliarden Euro führen.

Um Infektionen zu vermeiden, müssen regelmäßig sachgemäß durchgeführte Reinigungen und Flächendesinfektionen vorgenommen werden. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für die Problematik der Reinigung und Desinfektion von Flächen eine Empfehlung ausgesprochen.

Schnelle Rekontamination

Bei sachgerechter Anwendung bieten zugelassene und durch nationale Institutionen gelistete Desinfektionsmittel und -verfahren zwar ein breites Wirkungsspektrum gegenüber Krankheitserregern, sie liefern jedoch nur unmittelbar nach Abschluss der Desinfektionsmaßnahme eine keimarme Oberfläche. Da die keimabtötenden Wirkstoffe nicht auf den Oberflächen verbleiben, erfolgt sehr schnell eine erneute Kontamination mit Keimen (im Falle von Bodenbelägen z.B. durch Begehung).

Um sowohl die Hygiene von gereinigten als auch von desinfizierten Flächen nachhaltig zu verbessern, wurde daher im Rahmen eines Forschungsprojektes nach Möglichkeiten gesucht, auch zwischen zwei Reinigungs- bzw. Desinfektionsintervallen die Keimzahlen gering zu halten.

Abhilfe durch antimikrobielle Titandioxid-Pigmente

Das Krefelder wfk-Forschungsinstitut für Reinigungstechnologie hat aufgrund dieser Problematik die Einbringung geeigneter antimikrobiell wirksamer Systeme in die Polymerdispersionen zur temporären Pflegebeschichtung elastischer Bodenbeläge wie z.B. PVC, Kautschuk und Linoleum untersucht. Im Rahmen des Projektes werden neuartige, modifizierte Titandioxid-Pigmente mit antimikrobiellen Eigenschaften in handelsübliche Selbstglanzdispersionen eingearbeitet.

Diese werden als Pflegebefilmung auf elastische Bodenbeläge aufgetragen. Durch Anregung mit sichtbarem Licht (z.B. künstliche Beleuchtung oder Tageslicht) wirkt dieses Titandioxid oxidativ, so dass auf dem Bodenbelag befindliche Mikroorganismen reduziert werden können.

Die Einarbeitung der Pigmente in die Selbstglanzdispersion erfolgte unter Zugabe von Netz- und Dispergiermitteln, so dass eine inhomogene Verteilung und Agglomeration der einzelnen Partikel verhindert wurde. Aufgrund der Wahl von geeigneten Titandioxid-Konzentrationen, Additiven und Dispergierzeiten, konnte eine Selbstglanzdispersion entwickelt werden, die vergleichbare Eigenschaften (Farbe, Glanz, Rauigkeit, Oberflächenenergie, Anschmutzverhalten) gegenüber handelsüblichen Pflegebefilmungen auf elastischen Bodenbelägen aufweist.

Bodenbeläge, die mit der entwickelten Pflegebefilmung beschichtet sind, können auch im Fall einer erneuten Kontamination nur durch Bestrahlung mit Licht eine antimikrobielle Wirkung entfalten. Folglich wird eine Keimreduktion und eine daraus resultierende verbesserte Hygiene der Bodenbeläge zwischen zwei Reinigungs- bzw. Desinfektionsintervallen gewährleistet.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der FRT-Geschäftsstelle (info@frt.de).

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