Parkett schleifen, Steinkristallisation und Grundreinigen von sanitären Anlagen: Auszubildende im 3. Lehrjahr der Gewerblichen Schule Metzingen haben im evangelischen Ferientagheim der Gemeinde an nur einem Tag ein kleines Wunder bewirkt.
Azubis sorgen für Feri e nstimmung
- Das evangelische Ferientagheim kurz EFTi ist eine soziale Einrichtung, in der Kinder und Jugendliche, deren Eltern in den großen Ferien nicht frei haben können, zwei Wochen lang Sommerurlaub machen. Es liegt direkt am Waldrand mit Blick über Metzingen in das Ermstal und auf die Weinberge. Zum Gelände gehören eine riesige Wiese zum Fußballspielen und ein Spielplatz. Bei schlechtem Wetter wird im großen Speisesaal gebastelt und gespielt.
Das Highlight: Stumpfe Juraplatten
Mit Sand und Schmutz, der an den Schuhen und Füßen klebt, malträtieren die Urlauber das Hochkantlamellenparkett. Deshalb hat Frieder Nuber, der ehrenamtliche Verwalter des Ferientagheimes, auch auf den Ratschlag des Parkettlegers gehört und hat das Parkett immer wachsen lassen. „ Die Versiegelung“, so hat der Parkettleger damals gesagt, „wäre zwar stabiler, aber, wenn der Sand an den Kinderfüßen Kratzer und Risse im Siegel hinterlässt, könnte beim Wischen Wasser eindringen und dies würde das Holz faulen lassen.“ Gewischt haben die Kinder und ihre Betreuer selbst oder in der Kirchengemeinde engagierte Mütter. Pfarrer Weißenborn, dem das alte Parkett leidtat, weiß, dass die Lehrer an der Gewerblichen Schule Metzingen für ihre Schüler immer auf der Suche nach spannenden Objekten sind, die sie im Rahmen der Projektkompetenz bearbeiten können. Aleksander Durmishi, technischer Lehrer, und Claudia Liersch, Studienrätin an der Gewerblichen Schule Metzingen, besichtigten das EFTi.
Wichtig war den Betreibern der große Saal mit ca. 120 m² Hochkantlamellenparkett. Es war grau, verkratzt, gefleckt und zeigte an den Rändern Wachsaufbau. Doch die Lehrer plagte ein anderes Problem: 21 Schüler, die in acht Schulstunden alle gleichmäßig beschäftigt werden müssen, dabei einen Lernerfolg haben sollten und ein repräsentatives Ergebnis hinterlassen wollen. Das war in einem einzigen Saal kaum möglich. Aber aufgeben und Pfarrer Weißenborn und Frieder Nuber enttäuschen, das wollten Durmishi und Liersch auf keinen Fall. Deshalb fotografierten und besichtigten sie auch die anderen Räume, die Großküche mit Sicherheitsfliesen, die Personalräume und Büros ebenfalls mit Hochkantlamellenparkett, die Toilettenanlagen mit Feinsteinzeugfliesen aus den 60er Jahren, verkalkte Sanitärkeramik sowie ein reinigungstechnisches Highlight: einen verkratzten, stumpfen Juraplattenboden im Eingangsbereich. Für die Lehrer war klar, sie werden nicht nur das Parkett, sondern auch den Juraboden im Eingang und die Sanitärräume auf Vordermann bringen. Die Küche musste zumindest vorerst außer Acht gelassen werden.
Freiwillige vor auch für die Sanitärreinigung
Claudia Liersch zeigte der Klasse B3GR6 die Bilder und den Plan des Ferientagheimes. Aufgabe der Schüler war es, sich in die Rolle des Chefs einer Gebäudereinigungsfirma zu versetzen, die den Auftrag an einem Arbeitstag erledigen muss. Brainstorming, Ideen sammeln und entwickeln eines Organigramms zur Einteilung der Gruppen und festlegen der „Hierarchien“ für diesen Auftrag, war die erste große Hürde, die die Klasse nehmen musste. Doch die Schüler waren begeistert und sie konnten sich gut vorstellen, den anspruchsvollen „Auftrag“ anzunehmen im 3. Lehrjahr eine Frage der Ehre. Für das Parkett im großen Saal stand eine Gruppe mit neun Schülern bereit. Sie hatte die Aufgabe, sich im Internet und anhand von Prospekten über das Holzprogramm von Kiehl zu informieren und zu überlegen, ob dieses Verfahren geeignet wäre, auf dem Holzboden in der vorgegebenen Zeit ein hochwertiges Ergebnis zu erzielen.
Für jede Toilettenanlage wurde eine Gruppe von drei Schülern eingesetzt. Sie hatten den Auftrag, einen Reinigungsplan für die Grundreinigung der gesamten Anlage mit anschließender Beschichtung der Sanitärkeramik und der Trennwände mit Pramotec GC, einem „easy-to-clean“-Produkt aus dem Hause Pramol, zu erstellen. Selbst für die Sanitärreinigungsteams haben sich die Schüler freiwillig gemeldet. „Das gehört zu unserem Beruf dazu, ist doch klar, dass wir das machen“, war die Begründung von Sandy Haas. Außerdem interessierte die Schüler die Auswirkung des Effekts, der sich nach dem Auftrag einer „easy-to-clean“-Beschichtung ergibt. Die 3. Gruppe beschäftigte sich mit der Grundreinigung und der Kristallisation des Jurabodens im Eingangsbereich. Sie sollten sich über das Kristallisationsverfahren und das Produkt Cristallo (Pramol) informieren und überlegen, ob sie so einen spiegelblanken Juraboden termingerecht fertigstellen können.
Vorarbeiter und Projektdokumentation
Wie im richtigen Leben wird auch beim Schulprojekt ein „Vorarbeiter“ bestimmt, der die Leute in seiner Gruppe koordiniert und als Ansprechpartner für den Lehrer bzw. Chef dient. Als Verantwortungsträger hat er zusätzlich die undankbare Aufgabe, die Fehler der anderen am Schluss auszubessern und nachzuarbeiten. Viele Schüler übernehmen die Verantwortung gerne, weil sie sich über die Wertschätzung freuen, die ihnen als Vorarbeiter entgegengebracht wird. Nicht nur die praktische Arbeit hat der Vorarbeiter mit seinem Team abzustimmen, sondern auch die Erstellung des Projektordners. Jeder Schüler muss für seine Projektkompetenznote im Zeugnis eine Dokumentation abgeben. Für dieses Handout sind Deckblatt, Inhaltsverzeichnis mit Seitenzahlen, Vorstellung des Schülers und seiner Gruppe, Arbeitsauftrag, Organigramm, Material- und Geräteliste, Beschreibungen der verwendeten Reinigungsmittel, Maschinen und Geräte sowie persönliche Schutzausrüstung, Leistungsbeschreibungen, Ermittlung des Zeitbedarfs, Ermittlung des Angebotspreises, Angebotsschreiben, Zeichnung des Grundrisses und eine Reinigungs- und Pflegeanleitung für die weitere Reinigung und Pflege der Flächen zu erstellen. Dazu muss jede Gruppe im Anschluss an das Projekt ihren Mitschülern präsentieren, welche Erfahrungen sie gesammelt hat.
Tiefe Kratzer im Parkett
Nach den theoretischen Vorarbeiten konnten die Schüler ihren Praxistag kaum mehr erwarten. Die beiden Praxislehrer Michael Luz und Aleksander Durmishi, beide Gebäudereinigermeister und staatlich geprüfte Reinigungs- und Hygienetechniker bereiteten am Vortag mit den Schülern die Materialien vor: Sieben Einscheibenmaschinen sollten nach den Plänen parallel schleifen, schrubben, polieren! Wird das Stromnetz diese Belastung packen? Sicherheitshalber ergänzten die Lehrer die Liste der Schüler um Anlaufstrombegrenzer. Eine gute Idee, wie sich herausstellte. „Jetzt geht’s los“, Stefan Renner, Vorarbeiter der Holzgruppe hatte den aufwändigsten Job. Er hatte acht Mitarbeiter zu dirigieren und trug die Verantwortung für das „Herzstück“, das Hochkantlamellenparkett. Souverän teilte er seine Truppe ein, um die Tische und Stühle auf die Terrasse zu räumen und abzudecken, damit sie bei einem an diesem Tag möglichen Regenschauer nicht nass würden. Während sein Team anpackt, probiert Stefan mit Lehrer Luz, ob das Legno-Pad ein spezielles für Holzböden entwickeltes Schleifpad von Kiehl den gewünschten Erfolg bringt. Doch wie vermutet sitzen die Kratzer und Flecken tief.
Ein besseres Ergebnis erzielen die Schüler, indem sie mit einem Schleifgitter vorschleifen. Das übernehmen Norman Ramson, Daniele Karow und Tim Meier. Swetlana Gerich und Natascha Özdil saugen den Staub ab. Doch es staubt zu sehr. „Frau Liersch, ich brauche Atemschutz für die Holzleute“, fordert Stefan. Währenddessen fragt Aaron Schneck, der zusammen mit Max Widmann für die Ränder eingeteilt wurde, die Fachlehrerin, weshalb die Ränder noch schön braun sind und der Rest grau und unansehnlich ist. Aaron wird schnell klar, dass die Ränder, die nicht begangen werden, den Originalzustand zeigen, den sie wieder herstellen wollen.
Lackfarbe im Waschbecken
Nicht nur die Holztruppe „schafft wie die Brunnenputzer“, wie es im Schwäbischen heißt. Als Pfarrer Weißenborn mit einem Korb voll Süßigkeiten kommt, streckt Burak Yasar den Kopf aus den Fenstern. Er kümmert sich zusammen mit Nadir Bulut und Sven Rauhöfft um die Herrentoilettenanlage und reinigt gerade die alten Doppelfenster mit dem lackierten Holzrahmen. „Aufgepasst bei der Kalkulation! Hier sind vier Seiten zu reinigen, die Fenster können mit einem Fensterschlüssel geöffnet werden“, weiß er. Er übernimmt spielend an dem Praxistag die Vorarbeiterfunktion zusätzlich zu seiner Mitarbeiterrolle, weil sein Schulkamerad Yasin Kosun erkrankt ist.
Gleich nebenan regiert Vorarbeiterin Sandy Haas. Sie sorgt in der Damentoilettenanlage mit Patricia Spahn, Bianca Kleiböhmer und Steffen Ziegler für Glanz und Perfektion. „Schauen Sie, Frau Liersch“, beschwert sie sich, „da haben die Kinder Lackfarbe im Waschbecken ausgeleert. Ich habe kein organisches Lösungsmittel zur Lackentfernung dabei!“ Wie soll man denn darauf kommen, dass Lackflecken im Waschbecken sind? Probleme wie im richtigen Leben doch die Schule ist nicht weit weg. Es kann reagiert werden. So lernen die Azubis, in solchen Situationen das nächste Mal bei der Vorbereitung an das Unmögliche zu denken.
Zweiter Schleifgang für den Jurastein
Die Kristallisationsgruppe hat einen schlechten Standort: alle stapfen durch den etwa 20 m² großen Eingangsbereich. „Wenigstens die Holzwürmer sollen über die Terrasse gehen“, fordern Vorarbeiter Johannes Sahic und Michaela Keidler. Ihr dritter Mann, Richard Seeg, ist krank. Die zwei müssen die Arbeit allein bewältigen. Auch sie weichen von ihrem geplanten Arbeitsablauf ab. Nach der Grundreinigung stellten sie Kanten und Kratzer fest und entschlossen sich, trotz der Unterbesetzung zu einem zusätzlichen Schleifgang. Gegen 10 Uhr kommt Pfarrer Weißenborn, diesmal mit Getränken und belegten Brötchen zum 2. Frühstück. „Wer so fest arbeitet, braucht auch etwas in den Magen“, weiß er.
Stefan, der Holzvorarbeiter, betreut seine Truppe umsichtig und souverän. Der Boden liegt nach den diversen Schleifgängen mit Schleifgitter und Legno-Pad blank und staubfrei vor und kann nun mit „Parketta“ (Kiehl) gewachst werden. „Wir müssen Gas geben, dass wir das Einwachsen noch vor der Mittagspause schaffen, während wir essen, kann das Wachs trocknen und wir können danach polieren“, motiviert er die Gruppe. Auch die Sanitärleute sind fertig. Alles blinkt. Sandy ist stolz auf ihre sauberen Waschbecken, die bereit sind für die Beschichtung. Burak kämpft in der Männertoilette mit starken Kalkablagerungen. Metzingen liegt am Fuße der Schwäbischen Alb, bei einer Wasserhärte von rund 21 dH kann sich der Fachmann den Aufbau dieser Ablagerung vorstellen. So wie Burak, Nadir und Sven stellen auch Steffen, Patricia und Sandy fest, dass nach dem Auftragen der „easy-to-clean“-Beschichtung auf den grundgereinigten Sanitärkeramiken das Wasser wunderschön abperlt. Die nach dem Trocknen entstehenden „Wasserflecken“ können locker mit einem feuchten Raumpflegetuch abgewischt werden.
Kristallisation aufwändiger als gedacht
Auch Johannes ist zufrieden. Der Juraboden glänzt. Dennoch war es für Michaela und ihn eine Erfahrung, zu erspüren, wie viel Zeit sie brauchten, um das kleine Stück auf Hochglanz zu bringen. „Am Morgen“, sagen sie, „haben wir gedacht, wir wären zur Frühstückspause auch ohne Richard fertig. Wir haben noch nie selbst eine Kristallisation gemacht und konnten uns den Zeitaufwand nicht vorstellen.“ Doch das Ausfüllen der Bögen für die Kalkulation, das Dokumentieren und Fotografieren der Arbeitsschritte für die Präsentation, die kontrollierenden Lehrer, das Rückversichern, ob die Arbeit so in Ordnung ist, kostet ebenfalls Zeit. Schlussendlich gehören auch das Abrüsten, Aufräumen, Lagerfertigmachen der Maschinen und die Abnahme zur Arbeitszeit dazu. Die Holztruppe, die so zielorientiert gearbeitet hat, ist am Ende des Tages enttäuscht. Das Wachs ist an einigen Stellen noch nicht trocken. Die Pads setzen sich dort beim Polieren zu und es gibt Schmierer. Doch auch für dieses Problem hatte Stefan Renner eine Lösung. Er will zusammen mit Daniele Karow am anderen Tag, während die anderen ihren Projektordner ausarbeiten, erneut ins Ferientagheim und den Boden auf Hochglanz polieren. Seine Gruppe will für den Teamgeist, die Leistung und den Ordner das beste Ergebnis.
Das ist ihnen auch gelungen. Doch nicht, weil die anderen weniger Teamgeist und ein schlechteres Reinigungsergebnis haben da gibt es nur minimale Unterschiede, die die Lehrer suchen müssen. Mit ihrem Vorarbeiter hat das Holzteam auch den Klassenbesten im Rechnen gewählt. Es ist die einzige Gruppe, die auch die Kalkulation absolut fehlerfrei abliefert. „Profis am Werk“, tituliert die örtliche Presse einen Bericht über die Reinigungsarbeiten im Ferientagheim. Eine Win-win-Lösung für die Schule und die Kirchengemeinde fassen die Lehrer Claudia Liersch, Aleksander
Durmishi, Michael Luz und Pfarrer Weißenborn das Projektes zusammen. Und die Schüler? Die sind zu Recht stolz auf ihr Können, ihre guten Projektnoten, auf ihre glänzenden Böden und die strahlenden Sanitärbereiche.
Claudia Liersch | rebecca.eisert@holzmannverlag.de