Mit der Branche gewachsen Aus Tradition innovativ

Gemeinsam mit rationell reinigen feiert ein Nürnberger Dienstleister in diesem Jahr 60-jähriges Bestehen. Das zweifache Jubiläum und viele gemeinsame Aktionen in den vergangenen Jahr zehnten sind willkommener Anlass für einen Rückblick auf die Entwicklung der Branche und die Geschichte eines Traditionsunternehmens.

  • Bild 1 von 2
    © Dorfner
    Krankenhausreinigung seit jeher ein Betätigungsfeld von Dorfner.
  • Bild 2 von 2
    © Dorfner
    Reinigung in der Meistersingerhalle 1964 noch eine Herausforderung.

Aus Tradition innovativ

- 1949 erfasste Deutschland eine heute kaum noch vorstellbare Aufbruchstimmung. In dem Jahr, als die Bundesrepublik gegründet wurde und das Grundgesetz in Kraft trat, setzte auch für die Reinigungsbranche eine Art Gründerzeit ein. Die Vorläuferzeitschrift von rationell reinigen , „Das Gebäudereiniger Handwerk“, wurde ins Leben gerufen und begleitete von Anfang an den Aufstieg der Branche. Als ein Unternehmen der ersten Stunde kann 2009 auch die Dorfner Gruppe auf eine 60-jährige Firmentradition zurückblicken.

Die Ausstattung des Familienunternehmens, das von Hans Dorfner im April 1949 in Nürnberg gegründet wurde, mutet aus heutiger Sicht geradezu rührend behelfsmäßig an. Mit einer Zigarettenschachtel als einziger Firmenkasse konnte sich das Ehepaar Dorfner elektrische Schleifmaschinen damals noch nicht leisten, der Firmengründer musste viele Arbeiten mit Schleifpapier und sogenannten Ziehklingen in mühevoller Handarbeit erledigen.

Trends erkennen und nutzen

Arbeit gab es mehr als genug, denn der Aufbau der im Krieg völlig zerbombten Stadt Nürnberg ging zügig voran und Hans Dorfner bot seinen Kunden verlässliche Qualität. Eine weitere Voraussetzung für den erfolgreichen Aufschwung war das hohe Identifikationspotenzial der Mitarbeiter mit ihrer Firma ein wesentliches Merkmal vieler Familienunternehmen. Etwas von dieser Aufbruchstimmung ist bis heute in der Innovationsfreude von Dorfner erhalten geblieben. Als „Querdenker aus Franken“ bezeichnete rationell reinigen die Dorfner Gruppe vor einigen Jahren. Nach wie vor gilt Dorfner als richtungweisender Innovationsgeber. Das bestätigt auch Gesamtgeschäftsführer Peter Reichel: „Für das Wachstum der Gruppe und die heutige Marktstellung sind unser hohes Innovationspotenzial und die manchmal etwas ungewöhnlichen Wege unseres Hauses verantwortlich. Markttrends frühzeitig zu erkennen und daraus neue Verfahren und Produkte zu entwickeln, zeichnet uns seit jeher aus.“

In den turbulenten 60er Jahren musste sich das Unternehmen wiederholt neuen Herausforderungen stellen. Beispiel: die Unterhaltsreinigung der Meistersingerhalle Nürnberg. Kein Berufskollege traute sich 1964 an dieses Objekt heran, zumal die spätere Nutzung noch nicht feststand. Eine spannende Aufgabe, die dank der Erfahrung in Sachen Planung, Kalkulation und Organisation mit Bravour gemeistert wurde. Gleiches gilt für die neue Dienstleistung „Fassadenreinigung“, die 1966 erstmals an der Kirche St. Leonhard in Nürnberg erfolgte. Das Ergebnis überzeugte auch die Redakteure der Branchenzeitschrift „Das Gebäudereiniger Handwerk“. Sie widmeten der gelungenen Fassadenreinigung daraufhin sogar eine Titelstory.

Im Jahr 1968 wagte Karl Heinz Rohrwild, Schwiegersohn von Hans Dorfner und seit 1963 im Unternehmen, ein Novum in der Branche: Er stellte den ersten Vertriebsmitarbeiter ein, der Kunden die Leistungen des Unternehmens aktiv anbieten sollte. „Für Innungskollegen bundesweit war dieser neue Posten eine amüsante
Neuigkeit“, erinnert sich Reichel. „Bis dato war es üblich, abzuwarten, bis ein Kunde selbst eine Anfrage an die Firma stellte.“

Auf die Jahre 1968 und 1969 fallen zwei weitere wichtige Neuerungen: die Entwicklung des bis heute nahezu unveränderten Firmenschriftzugs mit der Sonne und die Gründung der ersten Niederlassung im oberfränkischen Selb anlässlich der Auftragsvergabe des Kunden Rehau-Plastik. Davon ausgehend entwickelte sich die Porzellanindustrie zu einem großen Kundensegment mit ganz besonderen Anforderungen an die Unterhaltsreinigung. Dorfner musste eine neue Methode entwickeln, um den bei der Produktion angefallenen Porzellanstaub fachgerecht, unter Beachtung der Silikoseverordnung zu entsorgen. Die eigens entwickelten batteriebetriebenen Schrubb- und Scheuerautomaten ermöglichten ein rationelles Arbeiten und lieferten überzeugende Ergebnisse.

Oberfranken erwies sich für der Dienstleister als strategisch bedeutsamer Standort. Hier übernahm Dorfner zwischen 1982 und 1990 insgesamt fünf Betriebe, für die sich kein Nachfolger aus den Gründerfamilien gefunden hatte. Zudem setzte der Gebäudedienstleister sein gesundes, organisches Wachstum durch neue Produkte und Verfahren sowie viele neue kreative Köpfe fort. Die erste Innovation wurde 1970 präsentiert: der neuartige Breitwischmopp mit einer Reichweite von 40 cm. Ein weiterer Meilenstein war das 1989 eingeführte Dorfner-System, wodurch die Rüstzeiten reduziert und die Arbeitsabläufe vereinfacht wurden. Die Weiterentwicklung zum Modulsystem beinhaltete unter anderem die Umstellung bei den Reinigungsmitteln auf Hochkonzentrate, mit denen die Mopps und Wischtücher von da an vorpräpariert wurden.

Aufbruch in neue Märkte

Angestoßen wurde die Innovation durch Helmut Schintag, der als Geschäftsführer Technik dem Betrieb mehr als 40 Jahre angehörte. Er setzte sich damals auch für die Entwicklung eines speziellen Mopps ein. Dieser besaß aufgrund der Mischung aus Viskose und Mikrofaser eine höhere mechanische Wirkung. Das Ergebnis: Mit fast 50 Prozent weniger Mopps bei der Fußbodenreinigung konnte dieselbe Fläche in nur 30 Prozent der Zeit gereinigt werden. Noch mehr Zeitersparnis brachte auch die Achtfach-Falttechnik vorgetränkter Mikrofasertücher. Dorfner war der erste Dienstleister, der diese Tücher großflächig einsetzte. Erneut die Nase vorn hatte das Unternehmen auch mit der jüngsten Innovation im Jahr 2007: Die gemeinsam mit Miele entwickelte Waschmaschine für Mopps und Wischtücher, die nicht nur reinigt, sondern die Mopps auch für den nächsten Einsatz mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln vorpräpariert.

Beflügelt wurde der Aufschwung in den 90er Jahren mit der Aufbruchstimmung durch die deutsche Einheit. Dorfner erschloss sich neue Märkte. Räumlich expandierte das Unternehmen u.a. in die neuen Bundesländer, nach Österreich und Tschechien. Außerdem wagte man sich auch in branchenfremde Bereiche vor: 1994 wurde mit der Gründung von Dorfner Menü der Cateringsektor besetzt, zum Millenniumwechsel folgte die Dorfner Service Management GmbH. Nicht einmal vier Jahre später wurde das Geschäftsfeld um die Doqum GmbH erweitert. Die Firma bietet computergestützte Qualitätssicherung für Gebäudemanagement und Catering an.

Mit der Expansion wird der eingeschlagene Kurs des organischen Wachstums weiterentwickelt, wie Geschäftsführer Peter Reichel ausführt. „Der Markt der Gebäudedienstleister ist momentan durch weitreichende Konzentrationsprozesse gekennzeichnet. Auch wir erweitern unser Portfolio, allerdings nicht um jeden Preis. Die Dienstleistungen müssen zu uns passen und das Unternehmen weiterbringen.“ Wie weit Dorfner sich im Bereich der Gebäudereinigung entwickelt hat, verdeutlicht das anspruchsvolle Segment der Reinraumreinigung: Die Tätigkeit erfordert hohes Know-how und hat mit der herkömmlichen Gebäudereinigung nur noch wenig gemeinsam.

Zwischen Tradition und Innovation

Langfristige Perspektiven spielen in der Geschäftsstrategie von Familienunternehmen eine große Rolle, so auch bei Dorfner. Als neuer Inhaber und Mitglied der zweiten Familiengeneration ist seit 2005 Karlheinz Rohrwild für die Geschicke bei der Dorfner Gruppe mitverantwortlich. „Da mein Vater stets ein vorausschauender und vorausplanender Mensch war, hat er den Generationswechsel in der Geschäftsführung beizeiten eingeleitet“, erklärt Rohrwild. „Die Familientradition der Dorfner Gruppe wird neben unserem Innovationsanspruch somit auch weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensführung sein.“

Klaus Schardt (Kontext) | peter.hartmann@holzmannverlag.de