Wer einen Teppich oder Teppichboden hat, wird sich allerspätestens dann nach dessen Reinigungsmöglichkeiten fragen, wenn Kaffee-, Tee-, Kaugummi- oder Fruchtsaftflecken unübersehbar geworden sind. Egal, ob im privaten Bereich oder in öffentlichen Gebäuden, in solchen Fällen ist die Hilfe von Spezialisten gefragt. Zwei von ihnen stellt rationell reinigen vor.
Aufgabe mit Tücken
-Teppiche und Teppichböden können auf unterschiedliche Weise gepflegt werden, wobei das effektivste Verfahren die Teppichwäsche ist. Sie zeichnet sich durch eine hohe Tiefenreinigung und sehr gute Schmutzentfernung aus. Die Teppiche werden nämlich nicht nur oberflächlich angefeuchtet, sondern in nassem Zustand gewaschen. Daher ist dieses Verfahren auch nur für abgepasste Teppiche geeignet. Doch auch wenn die Teppichwäsche dem Bodenbelag wieder zu strahlender Schönheit verhilft, so birgt diese Art der Pflege einige Risiken in sich.
Erfahrung ist gefragt
Eine Nasswäsche ist nicht für alle Teppiche geeignet. Da neben Wasser auch eine hohe Mechanik auf den Belag einwirkt, können beispielsweise alte Teppiche bei dieser Behandlung reißen. Erfahrene Fachleute wissen, dass das Waschen von Teppichen aber noch weitere Überraschungen bietet.
Isfahan-Teppiche (Iran) neigen im Rottonbereich häufig zum Ausbluten, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen. Die Farben verlaufen dann und führen zu unumkehrbaren Verfärbungen in den helleren Bereichen. Um vor solchen Überraschungen sicher zu sein, empfiehlt der Experte für Orient- und antike Teppiche die Prüfung der Farbechtheit an einer kleinen Stelle der roten Wolle. Bleibt ein mit Wasser angefeuchtetes Baumwolltuch weiß, kann mit einem leicht alkalischen Waschmittel gearbeitet werden. Verfärbt sich das Tuch hingegen rosa, erfolgt die Wäsche in einem leicht sauren pH-Bereich. Doch ein Wermutstropfen bleibt: Die Farben lassen sich auf diese Weise zwar erhalten, aber der Schmutz im Teppich kann nicht richtig entfernt werden.
Das Waschen von Wollteppichen erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. So bergen beispielsweise Teppiche, die auf einer Kette aus reiner Wolle geknüpft oder gewebt worden sind, ein höheres Risiko in sich als solche, die auf einer Baumwollkette hergestellt wurden. Ketten aus Wolle neigen dazu, sich von den Kanten her einzurollen. Das macht nicht nur die Wäsche schwierig, sondern auch das Trocknen. Schlimmer aber sind die Teppiche, die auf einer verzogenen oder zu stark gespannten Webkette hergestellt wurden. Bei Berührung mit Wasser schrumpfen sie unkontrolliert. Der Teppich ist dann unter Umständen nicht mehr zu retten.
Ähnliche Phänomene des Einrollens sind aber auch bei Seidenteppichen zu beobachten. Reine Seidenteppiche aus Hereke (Türkei) beispielsweise rollen sich aufgrund ihrer sehr dichten Webart von den Kanten wie eine Wurst zusammen. Bei der Wäsche muss man daher entsprechende Vorkehrungen treffen.
Teure Teppiche verlangen besondere Sorgfalt
Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen speziell mit Orientteppichen zählt die Massis GmbH in Hamburg nicht nur Teppichhändler, sondern auch Museen zu ihren Kunden. Bereits bei der Warenannahme erfahren sie, ob sie mit Einschränkungen bei der Wäsche zu rechnen haben. Der Fachmann weiß: „Grundsätzlich müssen alle Teppiche zu Beginn sorgfältig entstaubt werden. Dazu kommen sie bei uns in eine spezielle Entstaubungstrommel. Durch das Rotieren lässt sich ein großer Teil des Großschmutzes entfernen. Bei sehr alten Teppichen aber können wir aufgrund der hohen Mechanik eine Vorentstaubung nicht durchführen. Sie würden an den Kanten oder an dünn gewordenen Stellen einreißen.“ Der Entstaubung schließt sich die Wäsche an. Dazu wird der Teppich von beiden Seiten mit viel Wasser abgespritzt, wobei der tief liegende Schmutz allmählich an die Oberfläche wandert. Danach wird das Wasser abgezogen und das Teppichwaschmittel per Hand oder einem Bürstgerät auf den Teppich aufgetragen.
Die Art des Waschmittels richtet sich dabei nach dem Fasermaterial, dem Färbeverfahren und den eingesetzten Farbstoffen, der Vorbehandlung des Teppichs und anderer typischer Merkmale der entsprechenden Knüpfregion. Aber auch der Verschmutzungsgrad spielt eine Rolle bei der Auswahl.
Nach dem Auftrag der Seife wird mit klarem Wasser gespült und dieses abgequetscht. Je nach Verschmutzungsgrad wird möglicherweise ein zweites Mal gewaschen und erneut zweimal gespült. Danach geht es in die Trockenkammer. Zuvor jedoch wird mittels Vakuumsauger ein großer Teil des Wassers entfernt. Bei einer Umlufttemperatur von 60°C werden die Teppiche auf einen Rahmen gespannt oder hängend getrocknet.
Für manche Teppiche ist der Säuberungsvorgang damit abgeschlossen, für andere hingegen nicht. Vor allem solche aus Wolle müssen nach der Wäsche rückgefettet werden. Da das Waschmittel der Faser das sie geschmeidig machende Wollfett entzieht, schließt sich dem Trocknen der Auftrag eines rückfettenden Mittels an. Dieses sorgt nicht nur für einen weichen Flor, sondern auch für brillante Farben und – einen strahlenden Kunden.
Die Trocknungszeit entfällt
Auf die Pflege einer ganz anderen Teppichart ist der Öko-Cleaner Dietmar Neisius aus Altenholz spezialisiert. Zwar bearbeitet auch er abgepasste Teppiche, aber sein Fachgebiet ist die Pflege von fest verlegten Teppichböden mit umweltgerechten Produkten und Verfahren. Etwa 50.000 m2 gewebte, getuftete oder Nadelvliesbodenbeläge aus synthetischen Fasermaterialien reinigt er schon seit 15 Jahren nach dem Carpet-Cleaner-Verfahren. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem der Schmutz mittels einer Sägemehl-Maismehl-Mischung aus dem Teppichbelag herausgeholt wird.
Zuerst wird der Teppichboden mit einem Schmutz- und Fettlöser eingesprüht. Anschließend wird das staubfreie Mehl, welches zusätzliche Stoffe für eine leichtere Schmutzauslösung enthält, verstreut. Mit einer kontrarotierenden Bürstmaschine wird dann der Boden abgefahren und der Oberflächenschmutz aus den
Objektbelägen herausgelöst. Noch in leicht feuchtem Zustand wird der Teppich abschließend abgesaugt. Dabei werden alle Reststoffe entfernt. Danach ist der Teppichbelag wieder nutzbar. Wartezeiten, wie sie beim klassischen Shampoonieren entstehen, fallen nicht an.
Und darin liegt der einzigartige Nutzen des Verfahrens. „Gerade die gewerblichen Kunden können sich keine langen Ausfallzeiten leisten, wenn es um die Pflege der Teppichböden geht. Ein Freitag als Ausräum- und der Montagmorgen als Einräumtag der Büromöbel stellt einen erheblichen Zeitverlust für jedes Unternehmen dar. Mit dem von uns angewendeten Trockenverfahren gehören Rüst- und Ausfallzeiten der Vergangenheit an. Das Büro ist nach der Reinigung sofort wieder nutzbar. Und das schätzen unsere Kunden in Arztpraxen, Banken, Kliniken, Versicherungen, Hotels oder anderen Gebäuden mit Laufkundschaft“, führt Neisius aus. „Aber auch für Gebäude, in denen Kugelgarnböden ausgelegt sind, können wir den Ohne-Ausfallzeiten-Service anbieten.“
Möglich wird dies durch ein spezielles Verfahren. Der Unternehmer sprüht ein tensidfreies Mittel auf und fährt den Boden dann langsam drehend mit Strukturpads ab. Diese Methode, mit der er jedes Jahr etwa 12.000 m2 reinigt, erfolgt unter geringstem Einsatz von Feuchtigkeit, die gerade bei Kugelgarnteppichen gerne bis in die Tiefe eindringt. Von dort lässt sie sich jedoch nur langsam wieder entfernen, denn diese Bodenbeläge sind stark verdichtet und brauchen daher sehr lange Trockenzeiten.
Der Öko-Cleaner
Ein drittes Standbein in Sachen umwelt- und verbraucherfreundlicher Teppichpflege hat sich der Betrieb mit der Pflege von Naturfaserteppichen geschaffen. Für das Reinigen von Teppichen aus Sisal, Kokos und Papyrus, Wolle oder Seide wurde Neisius vor knapp drei Jahren von der Jeikner Teppichforschung GmbH, Schwerte, auf den fachgerechten Einsatz umweltverträglicher, allergenfreier Hilfsmittel geschult und zertifiziert. Neben vielen anwendungsbezogenen Tricks wie beispielsweise den Löffeltipp erhielt er die Möglichkeit, das Warenzeichen „Der Öko-Cleaner“ zu nutzen. Doch hat sich der zusätzliche Aufwand gelohnt? Die Erfahrungen von Neisius verheißen Gutes: „Ich erhalte gezielte Anfragen von Privat- und Geschäftsleuten nach der umweltfreundlichen Teppichpflege. Allergiker reagieren auf die meisten Mittel, in der Regel aber nicht auf die von mir eingesetzten Produkte. Aber auch Eltern mit Kindern im Krabbelalter sorgen sich um das Wohl der Kleinen. Wenn sie auf dem Teppich spielen, soll der mit unbedenklichen Mitteln gesäubert worden sein.“ Und das kann der Unternehmer garantieren, denn alle Produkte, die er einsetzt, basieren auf Pflanzenextrakten wie Seifenkraut oder dem Rizinus-Wunderbaum. Die Natur zählt für eine Klientel, die für die Teppichpfleger eine wachsende Zielgruppe darstellt.