Gütesiegel für saubere Arbeit Auch die Reinigung profitiert

Hygiene in Restaurants und Lebensmittelbetrieben: Eine bundesweit einheitliche Kennzeichnung soll für den Gast auf einen Blick ersichtlich machen, ob hinter den Kulissen alles sauber läuft. Eine gute Lösung auch für die zuständigen Gebäudereinigungsunternehmen? Drei Meinungen.

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    Tanja Cujic-Koch, Ge-schäfts- führerin, Mato Cujic Gebäude reinigung (Berlin).
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    Martin Müller, Vorsitzender des Bundes verbands der Lebensmittel kontrolleure Deutschlands (Drolshagen).
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    Christian Wilms, Leiter des Fachbereichs Gebäudereinigung, Dussmann Service (Berlin).

Auch die Reinigung profitiert

Tanja Cujic-Koch, Geschäftsführerin, Mato Cujic Gebäudereinigung (Berlin).

Die Einführung eines bundesweit einheitlichen Systems zur Kennzeichnung der Hygienestandards in Gaststätten und lebensmittel-verarbeitenden Betrieben ist nicht nur aus Sicht von Verbrauchern, sondern auch aus Sicht von Gebäudereinigungsunternehmen zu befürworten. Mit einer verpflichtenden Kennzeichnung steigt die Bedeutung der Reinigung in Restaurants und Lebensmittelbetrieben und damit auch die Bereitschaft und Notwendigkeit, die Reinigung in professionelle Hände zu geben. Von einer positiven Kennzeichnung profitiert dann nicht nur der geprüfte Betrieb, sondern auch das für die Hygiene zuständige Gebäudereinigungsunternehmen, das die positive Kennzeichnung als zusätzliches Qualitätssiegel nutzen kann.

Bei der Einführung eines Systems der Hygienekennzeichnung würde ich ein bundesweit einheitliches Bewertungsschema begrüßen. Mit dem Bewertungsschema sollte eine differenzierte Beurteilung möglich sein. Die aus einer Prüfung resultierenden komplexen Ergebnisse können und sollen trotzdem einfach veranschaulicht werden. Das Smileysystem nach dänischem Vorbild stellt dabei eine gute Möglichkeit dar. Die Hygienekennzeichnung sollte zudem verpflichtend sein. Bei einem freiwilligen System stellt sich bei fehlender Auszeichnung immer die Frage, ob der Betrieb überprüft wurde oder die Hygienezustände mangelhaft sind und deshalb eine Kennzeichnung fehlt. Diesen Spekulationen wäre dann auch das entsprechende Gebäudereinigungsunternehmen unterworfen. Damit das System zur Hygienekennzeichnung funktioniert und eine breite Akzeptanz findet, sind flächendeckende und regelmäßige Kontrollen unabdingbar. Ob das von Seiten der Behörden zu bewerkstelligen ist, bleibt abzuwarten.

Martin Müller, Vorsitzender Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands

Aus der Forderung des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands im Jahr 2005, anlässlich des ersten Fleisch-skandals ein Smileysystem zu installieren, ist eine große politische Forderungsbewegung geworden. Nicht nur, dass die Länder in der Länderarbeitsgruppe Verbraucherschutz eine Smileyarbeitsgruppe ins Leben gerufen haben. Auch im Aigner-Ministerium und im Bundestag wurde und wird angehört und beraten. Verbraucherministerin Aigner will ein Gesetz zur Smileysystemeinführung zusammen mit den Ländern auf den Weg bringen. Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands fordert das Smileysystem nach dänischem Muster. Abgestimmt auf unser deutsches Rechtssystem. Wir brauchen ein bundeseinheitliches Smileymodell für alle Betriebsformen.

Es muss ein System geschaffen werden, das alle Merkmale der Risikobewertung zur Bewertung der Lebensmitteltriebe übernimmt. Nur in Verbindung mit der Risikoeinstufung der Betriebe ergibt sich die Einstufung und Vergabe aus der normalen Regelkontrollfrequenz. Eine Smileykontrolle oder eine Kontrolle auf Zuruf wird dadurch unterbunden. Das System ist verpflichtend für alle Lebensmittelunternehmen. Vier Smileyformen, in Anlehnung an das dänische Modell, sollen zur Anwendung gelangen: 1. keine Beanstandungen, 2. keine nennenswerten Beanstandungen, 3. Mängel (Auflagen, Verwarnungen, Nachkontrollen), 4. behördliche Sanktionen (OWiG, Strafverfahren, Verfügung, Schließung). Nach der Kontrolle werden die Ergebnisse an sichtbarer Stelle angebracht.

Eine Einstellung von Bildern soll unterbleiben. Bilder sollen als Beweismittel und nicht als Ekelhilfe dienen. Verbraucherbeschwerden sollen nur bei berechtigten Anschuldigungen eingestellt werden. Verwaltungsrechtliche Maßnahmen erfahren ein Einstellen im Internet erst nach Abschluss von Verfahren. Nachkontrollen werden, wie auch im bisherigen Verfahren, zeitnah durchgeführt. Dies soll dazu führen, wieder den besten Smiley zurück zu bekommen. So kann sich das Symbol nach jeder Kontrolle ändern - je nach Ergebnis. Die Bewertung ist an das einzelne Betriebsobjekt und den Hauptverantwortlichen vor Ort gebunden. Eine Übertragung auf Nachfolger ist nicht möglich. Die letzten vier Kontrollberichte sind immer im Internet zu finden. Mängel werden durch kurze und präzise Berichte benannt und fixiert. Nur so wird wirklich transparenter Verbraucherschutz gelebt.

Christian Wilms, Leiter des Fachbereichs Gebäudereinigung bei Dussmann Service (Berlin)

Grundsätzlich stehen wir bei Dussmann Service der Einführung einer bundesweit einheitlichen Hygienekennzeichnung positiv gegenüber. Transparenz für den Tischgast ist wichtig und wir unterstützen alle Maßnahmen, die dafür geeignet sind, diese Transparenz und Bewertbarkeit herzustellen. Diese ergänzen dann den berühmten ersten Eindruck, den der Tischgast bei seinem Besuch im Restaurant gewinnt. Dussmann Service selbst unterliegt dem HACCP-Konzept und tut sehr viel dafür, um dieses kompromisslos einzuhalten. Das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Dafür lassen wir uns auch von externer Seite, zum Beispiel von Fresenius, checken. Wir begrüßen es daher, wenn zukünftig auch kleinere Dienstleister und Restaurantbetriebe unter diesem Aspekt geprüft werden können. Wichtig wäre dann allerdings eine flächendeckende und regelmäßige Überprüfung aller Betriebe, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Denn so simpel und attraktiv das Smileysystem als Hygienekennzeichnung auf den ersten Blick scheinen mag: Es wird sich in der praktischen Umsetzung beweisen müssen, was der Tischgast damit gewinnt.

Die Verbraucherminister sollten die Erfahrungen nutzen, die der Berliner Bezirk Pankow mit dem Smileysystem gesammelt hat. Auch ein Erfahrungsaustausch mit der Pflegebranche, wo es den „Pflege-TÜV“ auf der Basis vom Schulnotenprinzip gibt, kann nicht schaden. Vielleicht kommt man nach Betrachtung dieser Erfahrungen zu dem Schluss, dass die konsequentere Anwendung der bestehenen Kontrollmechanismen ausreicht.

Auch Ihre Einschätzung ist gefragt: Was halten Sie von einer bun-desweit einheitlichen Hygienekennzeichnung? Schreiben Sie uns - per EMail an heike.holland@holzmann-medien.de. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!